: Antifa. Geschichte und Organisierung. Stuttgart  2018. ISBN 978-3-89657-696-5

: Antifaschistische Aktion. Geschichte einer linksradikalen Bewegung. Münster  2018. ISBN 978-3-89771-259-1

: Antifa heißt Angriff. Militanter Antifaschismus in den 1980er Jahren. Münster  2015. ISBN 978-3-89771-823-4

Rezensiert für den Arbeitskreis Historische Friedens- und Konfliktforschung bei H-Soz-Kult von:
Richard Rohrmoser, Universität Mannheim

Im Dezember 2017 stand Jan „Monchi“ Gorkow, Sänger der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ vor Gericht in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern), weil er dort bei einer Demonstration im Mai 2015 an Gewalttätigkeiten gegen eine Gruppe von Neonazis beteiligt gewesen sein soll. Im Prozess gab ein als Zeuge berufener Polizist zu Protokoll, dass linke Aktivist/innen damals lauthals einen Schlachtruf skandiert hätten. Auf Nachfrage des Richters, wie der Spruch gelautet habe, erklärte der Staatsbedienstete: „Ich kann kein Spanisch: ‚Barista, barista antifascista‘ oder so.“[1] Vor allem in der virtuellen Welt sorgte das Missverständnis des Polizisten – der Slogan lautet eigentlich „Alerta, alerta antifascista“ und geht auf das Engagement italienischer Antifaschist/innen gegen Diktator Benito Mussolini in den 1920er-Jahren zurück – für reichlich Erheiterung: Viele Twitter-Nutzer/innen verbreiteten den Witz und die taz-Redaktion schlug ihren Leser/innen einige weitere Abwandlungen linker Schlachtrufe vor, zum Beispiel „Kein Gott, kein Staat, kein Kaffeeautomat!“, „Ohne Kaffeedampf kein Klassenkampf!“ und „Hoch die internationale (Kaffee-)Spezialität!“[2] Rasch entwickelte sich „Barista, barista antifascista“ zu einem vielzitierten Bonmot in der linksalternativen Szene und es folgten verschiedene ironische T-Shirts mit entsprechenden Emblemen zu diesem Spruch.

Bereits dieses eine Beispiel veranschaulicht, dass die antifaschistischen Linken schon längst ihre vor allem durch Punkrock beeinflusste subkulturelle Nische verlassen haben und mit Stilmitteln der Postmoderne wie beispielsweise Ironie, Intertextualität und Stilpluralismus eine eigenständige Jugend- und Pop-Kultur begründet haben. Signifikante Paradigmenwechsel fanden in den letzten Jahren dabei nicht nur im Bereich der antifaschistischen Codes und Symbole statt, sondern auch etwa in Bezug auf Kleidungsstil, Konzerte und Veranstaltungen: Beispielsweise traten an die Stelle von klassischen Lederjacken immer öfter Windbreaker, und Hip-Hop (insbesondere das Subgenre „Zeckenrap“) hat sich im linksalternativen Spektrum inzwischen ebenso etabliert wie Punkrock. Dies sind jedoch lediglich die augenscheinlichsten Veränderungen der Antifa in der jüngsten Geschichte. Die Historie der Antifaschistischen Aktion reicht bis in das Jahr 1932 zurück, als die KPD angesichts des an Zuspruch gewinnenden Nationalsozialismus zu einer Einheitsfront aus Kommunist/innen, Sozialdemokrat/innen und Gewerkschafter/innen aufrief. In den letzten Jahren sind zahlreiche neue Studien über die Geschichte dieser linksradikalen Bewegung veröffentlicht worden. Diese Publikationen liefern durchaus einige essentielle Impulse zur Untersuchung dieses Forschungsbereiches; in erster Linie veranschaulichen sie jedoch, dass der Komplex „Antifaschistische Aktion“ noch einen großen blinden Fleck in der Geschichtswissenschaft darstellt.

Das Buch Antifa. Geschichte und Organisierung des Autor/innenkollektivs Mirja Keller, Lena Kögler, Moritz Krawinkel und Jan Schlemermeyer ist bislang das lesenswerteste Überblickswerk zum Thema. Trotz der lediglich rund 150 Seiten liefert diese Publikation eine informative Zusammenfassung der verschiedenen Strömungen der antifaschistischen Linken in Deutschland seit den 1920er-Jahren. Der Fokus der Publikation liegt vor allem auf der Nachkriegsgeschichte, jedoch beschreiben die Autor/innen die Genese der Antifaschistischen Aktion in der Weimarer Republik sehr anschaulich und thematisieren dabei die faschismustheoretischen Diskussionen im kommunistischen Milieu, die später zentrale Referenzpunkte für die „inhaltliche Entwicklung der antifaschistischen radikalen Linken in Deutschland sein sollten“ (S. 9). Das anschließende Kapitel „Folgen von Nationalsozialismus und Holocaust“ hat lediglich „symbolischen Charakter“, weil laut den Autor/innen „jeder Versuch einer ausführlichen Beschreibung der Geschichte des Nationalsozialismus und der von Deutschen und ihren HelferInnen begangenen Verbrechen als auch eine tiefergehende Bearbeitung des vielfältigen Widerstands“ in diesem kurzen Band scheitern würden (S. 9).

Ausführlicher behandelt die Publikation dagegen die Entwicklung der antifaschistischen Bewegung nach 1945 und beschreibt etwa die Aktivitäten der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN), des „Kommunistischen Bundes“ (KB) sowie die erste bundesweite Koordination von Antifa-Gruppen zu Beginn der 1980er-Jahre. Gelungen ist dabei insbesondere die konzise Charakterisierung der verschiedenen antifaschistischen Strömungen wie beispielsweise der migrantischen „Antifaşist Gençlik-“[3] und der feministischen „Fantifa-Gruppen“ sowie die Darstellung der erbitterten innerlinken Kontroversen zwischen den „Antideutschen“ und den „Antiimperialisten“ seit Beginn der 1990er-Jahre. Im Gegensatz zur weiteren einschlägigen Literatur über die Antifa untersucht dieser Band ferner deren Sozialstruktur, wobei die Autor/innen zu dem Ergebnis kommen, dass das Gros der Aktivist/innen einem „biodeutschen“ akademischen Elternhaus entstammt, zwischen 16 und 30 Jahre alt sowie männlich ist und sich noch in der Ausbildung beziehungsweise im Studium befindet. Insofern unterscheidet sich die Szene inzwischen deutlich von der Zusammensetzung der historischen Antifaschistischen Aktion, in der vor allem Arbeiter/innen aktiv waren (S. 156). Die Publikation verweist aber explizit darauf, dass es nicht die eine, sondern nur viele Geschichten über die Antifa gibt und dass deren Profil stets auf den „jeweiligen lokalen Gegebenheiten (also der Größe der Stadt, der Stärke der rechten Szene etc.) und den theoretischen wie symbolischen Deutungskämpfen um den Begriff des Antifaschismus“ beruht (S. 156).

Grundsätzlich lässt sich resümieren, dass dieses Buch eine solide und teilweise durchaus kritische Gesamtschau auf die Historie dieser linksradikalen Bewegung liefert. In dem kompakten Band wird jedoch einiges – nolens volens – nur fragmentarisch (zum Beispiel die Geschichte der Antifa in der DDR) oder in symbolischer Form (insbesondere die Geschichte der Antifaschistischen Aktion während des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts) dargestellt. Oftmals wären ferner differenziertere Erläuterungen und Kontextualisierungen bei einigen zumindest diskussionswürdigen Formulierungen begrüßenswert – wenn etwa die Rede ist vom Protest gegen den „US-Imperialismus“ (S. 55), von einer „revisionistisch geprägten“ Geschichtspolitik unter Bundeskanzler Helmut Kohl (S. 62) und von den „Pogromen“[4] nach der deutschen Einheit (S. 148).

Deutlich detaillierter fällt dagegen das Buch Antifaschistische Aktion – Geschichte einer linksradikalen Bewegung von Bernd Langer aus. Jedoch ist diese Lektüre ein anschauliches Beispiel dafür, dass Quantität nicht zwangsläufig auch Qualität bedeutet. Der Erkenntnisertrag dieses über 350 Seiten umfassenden Buches fällt relativ gering aus, weil durch zahlreiche entbehrliche Exkurse und viele deskriptive Abschnitte der analytische Blick auf die Historie und Struktur der Antifa allzu oft auf der Strecke bleibt.

Der erste Teil der Publikation beschreibt zunächst zentrale Ereignisse der deutschen Geschichte von der Weimarer Republik bis zum Ende des Nationalsozialismus (Hitlerputsch, Preußenschlag, Machtergreifung, Reichstagsbrand, Röhm-Putsch, Reichspogromnacht etc.) sowie die daraus resultierenden Folgen für die antifaschistischen Bewegung(en) bis hin zum Widerstand von Georg Elser, den Edelweißpiraten und der Weißen Rose. Mit scholastischem Eifer verfasst der Autor in den Fußnoten ferner zahlreiche Kurzbiographien von einflussreichen historischen Persönlichkeiten dieser Dekaden. Diese Darstellungsweise ist zugleich Stärke und Schwäche des Buches: Die ausführliche Beschreibung der Geschehnisse der 1920er- und 1930er-Jahre veranschaulicht beispielsweise deutlich, dass die Antifa anfangs „keine explizit gegen die Nazis gerichtete Bewegung“ war, sondern dass die Kommunist/innen sowohl die Parteibasis der SPD als auch der NSDAP in ihre Politik gegen den Kapitalismus einbinden wollten (S. 75). Insgesamt entsteht jedoch bereits an dieser Stelle der Eindruck, dass der Band vor allem die deutsche Geschichte des Nationalismus und des Rechtsextremismus in den Fokus rückt. Die Beschreibungen der Antifa als kollektiver Akteur beschränken sich zumeist auf deren unmittelbaren Re-Aktionen auf die Politik des nationalsozialistischen Regimes.

Im zweiten Teil der Publikation setzt sich diese ausgreifende Darstellungsweise fort. Schulbuchartig liefert der Autor einen Überblick über die Geschichte der Bundesrepublik mit Fokus auf den Ereignissen, die eine besonders starke Resonanz im linksradikalen Milieu zur Folge hatten, wie etwa die Gründung der Bundeswehr, das Erstarken der NPD bei etlichen Landtagswahlen Ende der 1960er-Jahre und die rassistischen Ausschreitungen nach der deutschen Einheit. Dabei dokumentiert er auch die daraus resultierenden Aktivitäten der Antifa und schildert beispielsweise den Beginn der überregionalen Vernetzung einzelner Gruppen durch ein vom Kommunistischen Bund (KB) initiiertes Treffen im November 1981 in Hannover (S. 183). Ebenso ist die Wiederverwendung und Neugestaltung des KPD-Symbols der Doppelflagge im Kreis aus dem Jahr 1932, welches bis heute das dominierende Bildzeichen der Antifa ist, auf die Bestrebungen zur bundesweiten Koordination der Bewegung in den 1980er-Jahren zurückzuführen. Schließlich schildert das Buch, wie Antifaschismus zu einem breiten gesellschaftlichen Thema in den 1990er-Jahren avancierte, und endet mit einer Tour d’Horizon durch aktuelle rechtsextremistischen Parteien (Der III. Weg, DIE RECHTE) und Bewegungen (Identitäre, PEGIDA) sowie deren Aktivitäten („Tag der deutschen Zukunft“, Rechtsrock-Konzerte in Themar, Nazi-Dorf in Jamel). Freilich erhalten die Leser/innen dadurch einen Einblick in den Aktionsbereich der Antifaschistischen Aktion, jedoch bleiben viele Fragen vor allem zur Binnen- und Sozialstruktur der Bewegung offen. Sozialwissenschaftliche Erkenntnisse dazu bleiben ebenso unberücksichtigt wie Kritik nicht erfolgt – etwa an der notorischen Bereitschaft zur Militanz oder dem Paradoxon, dass weite Teile der im Selbstverständnis zutiefst antikapitalistischen Antifa inzwischen selbst einzelne durchkommerzialisierte Kleidungsmarken fetischisieren. Neben diesen Defiziten ist die bildlastige und im Grunde sehr ansprechend gestaltete Publikation schlecht lektoriert und enthält etliche unwissenschaftliche respektive falsche Darstellungen. Dies wird bereits zu Beginn des Buches deutlich, wenn es salopp heißt: „Endlich, im November 1918, hatten sie das Pack zum Teufel gejagt, den Kaiser und die übrige Mischpoke“ (S. 17). An späterer Stelle schreibt der Autor, dass der sächsische Ministerpräsident von der Mitte der Gesellschaft „faselte“ (S. 346), und schließlich wird auf den letzten Seiten der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz mit dem marxistischen Philosophen Robert Kurz verwechselt (S. 352). Aus all diesen Gründen empfiehlt sich für einen ersten Überblick über die Thematik „Antifaschistische Aktion“ eher der schmale Band des Autor/innenkollektivs Keller.

Eine weitere Publikation, die sich mit der Geschichte der Antifaschistischen Aktion beschäftigt, ist der Band Antifa heißt Angriff! Militanter Antifaschismus in den 1980er Jahren. Unter dem Pseudonym „Horst Schöppner“ beleuchtet der Autor darin das für die linksradikale Bewegung besonders prägende Jahrzehnt von 1980 bis 1989/90. Der Startpunkt des Betrachtungszeitraums erklärt sich dadurch, dass damals in steigender Tendenz terroristische Aktivitäten aus dem rechtsextremistischen Spektrum zu beobachten waren[5], weshalb die Antifa erstmals bundesweite Koordinierungstreffen veranstaltete. Der Endpunkt der Untersuchung ergibt sich aus der Tatsache, dass infolge der deutschen Wiedervereinigung und des politischen Umbruchs auch für die linksradikale Bewegung eine Neuorientierung erfolgte, nachdem deren Struktur durch staatliche Repressionen substantiell auseinandergefallen war.

Das etwa 250 Seiten umfassende Buch folgt dabei keiner Gliederung nach Kapiteln, sondern strukturiert sich lediglich durch rund 40 Überschriften, wodurch die Leser/innen trotz der chronologischen und systematischen Darstellungsweise des Inhalts doch stellenweise Gefahr laufen, die Orientierung zu verlieren. Neben Archivalien und Grauer Literatur stützt sich der Autor zudem auf Interviews mit sechs ehemaligen Aktivist/innen aus der Szene, die sowohl die interessantesten Erkenntniserträge einbringen als auch die zentralen Kritikpunkte der Studie sind. In der Einleitung des Buches heißt es, dass es Ziel sei, „die Geschichte der Militanten Antifaschisten zu recherchieren und aufzuschreiben, und zwar so vollständig und authentisch wie möglich“ (S. 23). Diese Erwartungen erfüllt die Publikation auf alle Fälle: Akribisch listet der Autor – teilweise stichpunktartig – sämtliche Aktionen und Ereignisse der Antifa in den 1980er-Jahren auf und leistet damit zweifelsfrei eine beachtliche Pionierarbeit. Die wesentlichen Stärken der Publikation sind dabei die durch die Interviews erlangten Impressionen vom „Innenleben“ der linksradikalen Bewegung in dieser Dekade. Eindrücklich beschreibt das Buch die langwierige Arbeit von Antifaschist/innen, wenn diese etwa in regelmäßigen zeitlichen Abständen die Straßen in ihrer Stadt auf der Suche nach rechtsextremistischen Aufklebern und Schmierereien abliefen. Neben deren Entfernung notierten die Aktivist/innen oftmals die Standorte auf Stadtplänen, um dadurch Routen und Indizien für Treffpunkte der Rechtsextremist/innen ermitteln zu können (siehe dazu S. 106f.). Ebenso interessant ist beispielsweise die Schilderung, dass die verschiedenen Antifa-Gruppen schneeballartig aufgebaute Telefonketten für lokale Aktionen anfertigten, um im Ernstfall Antifaschist/innen mobilisieren zu können. Diese Listen wurden laufend erneuert und aufgrund des Sicherheitsrisikos lediglich an ausgewählte Aktivist/innen verteilt, welche die Zettel in brisanten Situationen verbrennen oder verspeisen sollten (siehe dazu S. 71). Bemerkenswert ist ferner die Darlegung der Geschichte der linken Szene-Zeitschrift radikal, die zu Beginn der 1980er-Jahre drastische staatliche Repressionen erfuhr und fortan aus verschiedenen Städten und Ländern illegal erschien (siehe dazu S. 45ff.).

Der Einsatz der Interviews stellt jedoch auch die größte Schwäche der Studie dar. Durch die erschöpfend langen Zitate der Zeitzeugen bekommen die Leser/innen zwar einen authentischen Eindruck von den Aktionen und Strukturen der Antifa, jedoch werden die Statements der ehemaligen Aktivist/innen allzu oft kommentarlos verkettet. Selbst bei Statements wie „denn dieser Staat steht in der ungebrochenen Tradition des 3. Reiches und organisiert selbst über Staatsschutz, Bullen und Militär die Strukturen, die Bewaffnung und Anschläge der Faschisten“ (S. 200) bleibt die Stimme des Autors gänzlich stumm. An anderen Stellen drückt er sich dagegen irreführend und inadäquat aus, wenn es beispielsweise heißt: „Heute kann Dank NSU [sic] jeder sehen, dass sich in der braunen Soße [sic] staatliche Behörden, bezahlte Spitzel, militante Neonazis, Zuhälter und andere Kriminelle problemlos nebeneinander tummeln.“ (S. 244) Wie das zuvor besprochene Buch fällt zudem auch diese Publikation durch ein dürftiges Lektorat auf, da sich überdurchschnittlich viele Grammatik- und Rechtschreibfehler – vor allem in den Transkriptionen der Interviews – finden.

Die Studie resümiert mit dem einleuchtenden Forschungsergebnis, wonach es „der Vorarbeit der Militanten Antifaschisten zu verdanken [sei]“, dass sowohl die Zivilgesellschaft als auch der Staat in den 1990er-Jahren infolge antifaschistischer Impulse resoluter auf rechtsextremistische und rassistische Umtriebe reagierten[6]; denn im Gegensatz dazu „waren in den 1980ern öffentliche Aufmärsche von NS-Vereinigungen wie der HIAG [Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS e.V.] oder Friedhofsbesuche alter Nazis am Volkstrauertag durchaus normal und wurden weder kritisch noch lautstark begleitet“ (S. 243). Durch die darstellerischen Schwächen leidet der Gesamteindruck dieser an und für sich bemerkenswerten Arbeit.

Insofern ist abschließend zu konstatieren, dass eine detailliert-differenzierte Publikation zur Geschichte und Organisation der Antifaschistischen Aktion weiterhin eine Lücke in der Forschungslandschaft darstellt, da die besprochenen Werke ihren Untersuchungsgegenstand nur überblicksartig oder aber nicht konsequent historisieren. Zweifelsfrei lassen die Bücher jedoch erkennen, dass das Thema Antifa ein noch unterbeleuchtetes Desiderat der Zeitgeschichte ist. Besonders attraktiv erscheint vor allem die Aufarbeitung der Historie dieser linksradikalen Bewegung seit dem Mauerfall, da in den Folgejahren viele Ereignisse und Transformationsprozesse – zum Beispiel die deutsche Wiedervereinigung, Migrationsbewegungen, rassistische Gewaltausschreitungen, die Einschränkung des deutschen Asylrechts – mit besonderer Relevanz für die Antifaschistische Aktion stattfanden. Interessant ist außerdem die Frage, inwiefern die bundesweiten Antifa-Gruppen dazu beitrugen, dass Antifaschismus und Antirassismus sich ab den 1990er-Jahren sukzessive zu breiten zivilgesellschaftlichen Themen entwickelten. Trotz etlicher Defizite ist es letztendlich das Verdienst der besprochenen Publikationen, erste Impulse zur Erforschung dieser und vieler weiteren Aspekte gegeben zu haben.

Anmerkungen:
[1] Simon Voigt, Punk-Sänger rechnet nach Prozess ab, in: Nordkurier, 20.12.2017, https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/punk-saenger-rechnet-nach-prozess-ab-2030750712.html (01.08.2019).
[2] Siehe dazu: o.A., Latte Marxiato, in: taz, 20.12.2017, https://taz.de/Missverstandene-Antifa-Schlachtrufe/!5472705/ (01.08.2019).
[3] Siehe dazu ausführlicher: ak wantok (Hrsg.), Antifa Gençlik. Selbstorganisierter migrantischer antifaschistischer Widerstand, Münster 2014.
[4] Ergänzend dazu: In der Publikation Norbert Frei / Franka Maubach / Christina Morina / Maik Tändler, Zur rechten Zeit. Wider die Rückkehr des Nationalismus, Berlin 2019 erklären die Autor/innen plausibel, dass es „weder eine unangemessene Analogie zu den antisemitischen Verbrechen vom November 1938 noch eine ‚Moral-‘ oder gar ‚Auschwitzkeule‘ [sei], die rassistischen Exzesse als Pogrome zu bezeichnen“. Per definitionem steht der Begriff demnach für spontane Gewaltausschreitungen aus der Bevölkerung ohne dezidierten politischen Befehl, wobei bestimmte Bedingungen wie eine geschwächte politische Macht, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Krisen und eine medialen Infrastruktur die Nachricht vom Pogrom befördern. Siehe dazu ebd., S. 172.
[5] Zu nennen ist beispielsweise der Tod von Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân nach einem Brandanschlag der „Deutschen Aktionsgruppen“ auf eine Unterkunft für Geflüchtete am 22. August 1980, der heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Präsenter im kollektiven Gedächtnis der Bundesrepublik geblieben ist dagegen das Oktoberfest-Attentat vom 26. September 1980, bei dem zwölf Personen ermordet und 213 verletzt wurden und das dadurch als schwerster Terrorakt der deutschen Nachkriegsgeschichte gilt. Der Student Gundolf Köhler, dem der Sprengstoffanschlag zur Last gelegt wird, hatte erwiesenermaßen Verbindungen zu rechtsextremistischen Organisationen wie beispielsweise der in Nürnberg ansässigen Wehrsportgruppe Hoffmann. Ein weiterer Anhänger dieser neonazistischen Vereinigung ermordete ferner am 19. Dezember 1980 in Erlangen den Verleger Shlomo Lewin und dessen Freundin Frieda Poeschke.
[6] So rief etwa Bundeskanzler Gerhard Schröder am 4. Oktober 2000 zu einem „Aufstand der Anständigen“ auf, nachdem zwei Tage zuvor ein Brandanschlag auf eine Düsseldorfer Synagoge verübt worden war.

Redaktion
Veröffentlicht am
03.10.2019
Redaktionell betreut durch
Kooperation
Die Rezension ist hervorgegangen aus der Kooperation mit dem Arbeitskreis Historische Friedens- und Konfliktforschung. (Redaktionelle Betreuung: Jan Hansen, Alexander Korb und Christoph Laucht) http://www.akhf.de/
Klassifikation
Region(en)
Weitere Informationen
Sprache Publikation
Sprache Publikation
Sprache Publikation
Sprache Beitrag