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Titel
Das Militärdiplom. Quelle zur römischen Armee und zum Urkundenwesen


Autor(en)
Lambert, Nicole; Scheuerbrandt, Jörg
Reihe
Schriften des Limesmuseums Aalen 55
Erschienen
Stuttgart 2002: Theiss Verlag
Anzahl Seiten
76 S.
Preis
€ 14,90
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Udo Hartmann, Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

Zu den herausragenden Quellen für die römische Bürgerrechtspolitik sowie für Fragen der Verwaltung des Kaiserreiches, der Militärgeschichte, der Prosopographie und der Datierung gehören zweifellos die Militärdiplome. Eine solche Doppelurkunde, die aus zwei versiegelten Bronzetafeln besteht, beinhaltet die durch sieben Zeugen beglaubigte Abschrift einer in Rom ausgestellten und verwahrten Konstitution, mit der der Kaiser einem Soldaten das römische Bürgerrecht oder auch das Recht des conubium verlieh. Die etwa 500 überlieferten Militärdiplome wurden zwischen 52 und 306 n.Chr. für Soldaten der Auxiliareinheiten, der Flotten, der Praetorianergarde und Urbaniciani ausgestellt. Lambert und Scheuerbrandt bieten für diese Quellengattung in ihrem innerhalb der Schriften des Limesmuseums Aalen erschienenen Heft nun eine reich bebilderte, leicht verständlich und anschaulich geschriebene Einführung, die sich an ein breiteres Publikum richtet.

Der erste Abschnitt "Bürgerrecht und Militärdiplom" befasst sich mit der Bürgerrechtspolitik des Römischen Kaiserreiches, mit den Bürgerrechtsverleihungen an die Soldaten und dem Begriff des Militärdiploms. Kurze Exkurse erläutern die Teile der römischen Armee in der hohen Kaiserzeit und die Besonderheiten der Epigraphik. An Hand von Beispielen stellen die Autoren im zweiten Abschnitt dann den formelhaften und stark standardisierten Aufbau der Militärdiplome vor. Für die drei ausgewählten Diplome werden jeweils der lateinische Text mit aufgelösten Abkürzungen, eine deutsche Übersetzung und Abbildungen der Tafeln gegeben. Ausgewählt wurden ein Auxiliardiplom für einen Reiter aus der ala I Hispanorum Auriana in Weißenburg (vom 30.6.107), ein Flottendiplom für einen Soldaten der Ravennatischen Flotte (vom 20.12.202) und ein Praetorianerdiplom für einen Soldaten der cohors I praetoria (vom 7.1.246). Ein Exkurs erklärt die Teile der Kaisertitulatur am Beispiel des Auxiliardiploms. Im dritten Abschnitt werden die einzelnen Momente des Militärdiploms unter Verweis auf die gegebenen Beispiele erläutert: die Datierung, der römische Kalender, die militärischen Einheiten, der Rechtsstatus und Rang der einzelnen Soldaten sowie die vom Kaiser gewährten Privilegien. Die komplizierten Einzelheiten des Verwaltungsvorganges von der Erstellung der Konstitution bis zur Abschrift und Beglaubigung durch die sieben Zeugen schildern die Autoren in leicht fasslicher Form im vierten Abschnitt.

Der fünfte Abschnitt widmet sich schließlich der Militärgeschichte der Provinz Raetia. Die einzelnen Verbände der in der Provinz stationierten und der hier rekrutierten Truppen werden dabei zusammengestellt und die Grundlinien ihrer Geschichte umrissen. Der Abschnitt soll die Bedeutung der Militärdiplome für die provinzialrömische Archäologie Raetiens illustrieren, wurden hier doch die meisten Militärdiplome in einer Provinz des Reiches gefunden. Bedauerlich ist es, dass über den Rechtsstatus der ursprünglich ritterlichen Provinz und den Statuswechsel nach der Stationierung der legio III Italica unter Marc Aurel sowie über die Verwaltungsstrukturen nichts gesagt wird. Die Besonderheiten dieser Provinz hätten durch einen Vergleich mit einer anderen stärker herausgestrichen werden können.

Äußerst nützlich ist die folgende chronologische Liste der publizierten Militärdiplome mit Angabe des Datums, der Einheit, der Provinz und der Publikation (S. 59-66).[1] Das Heft beschließen ein Literaturverzeichnis mit den Editionen der Militärdiplome und den wichtigsten Forschungsarbeiten, aufgeschlüsselt in die einzelnen Kapitel, sowie ein Abkürzungsverzeichnis.

Die Autoren liefern einen fundierten und gut geschriebenen Einblick in die Thematik. Die Darstellung wahrt dabei die Balance zwischen Allgemeinverständlichkeit und wissenschaftlicher Exaktheit. Lateinische Fachtermini werden nicht umgangen, sondern anschaulich erklärt. Zwar verzichten die Autoren auf Fußnoten und Belege, doch bietet das Literaturverzeichnis gute Hinweise zur Forschung. Die Darstellung wird nicht nur durch zahlreiche Abbildungen, Schemata und Karten, sondern auch durch herausgehobene, prägnante Zitate aus antiken Quellen wie der Romrede des Aelius Aristides, Sueton oder Rechtstexten in deutscher Übersetzung (hier mit Stellenangaben) illustriert. Stellennachweise fehlen nur für eine Steuerveranlagung aus Ägypten aus dem Jahr 103 (S. 9) und für die Inschrift des T. Desticius Severus (CIL V 8660 = ILS 1364) (S. 44). Die Bedeutung der Militärdiplome für die Kenntnis des römischen Verwaltungsrechtes und als Quellengattung der provinzialrömischen Archäologie haben die Autoren in ihrer Einführung überzeugend herausgestrichen.

Anmerkung:
[1] Zu ergänzen wäre hier: Wolff, Hartmut: Ein Militärdiplomfragment aus Eining-Unterfeld, Stadt Neustadt, Ldkrs. Kelheim von 157-161 n. Chr., in: Ostbairische Grenzmarken 43 (2001), S. 9-12.

Redaktion
Veröffentlicht am
31.01.2003
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