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Titel
NetzWerke. Die Geschichte der Stadtwerke München


Autor(en)
Bähr, Johannes; Erker, Paul
Erschienen
München 2017: Piper Verlag
Umfang
504 S.
Preis
€ 20,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Gerold Ambrosius, Fachbereich 1, Universität Siegen

Die Stadtwerke München sind einer der größten kommunalen Versorger in Deutschland, der im 19. Jahrhundert mit den Sparten Wasser, Gas, Elektrizität und Bäder entstand, zu denen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch die Fernwärme und die Telekommunikation traten. Ihre Geschichte ist durchaus exemplarisch für die der kommunalen Wirtschaft insgesamt und spiegelt eine wichtige Facette der Entwicklung der öffentlich-föderalen Wirtschaft wider.

Diese Geschichte wird fortlaufend erzählt, das heißt der Text ist chronologisch aufgebaut, wobei die einzelnen Kapitel wiederum nach den Sparten gegliedert sind. Nach den „frühen Versorgungssystemen“ bis ins 19. Jahrhundert im ersten Kapitel geht es im zweiten um die „Kommunalisierung im Übergang zur Moderne“ bis in die 1920er-Jahre. Es folgen ein dritter Abschnitt über die nationalsozialistische Zeit und ein vierter über die „städtische Monopolverwaltung am kommunalpolitischen Zügel: Wiederaufbau und Modernisierung“ nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 1960er-Jahre. Das fünfte Kapitel geht auf die die „städtische Versorgung im Zeichen von Ölkrise, Umweltdebatte und neuer Atomenergie“ in den 1960er- bis 1980er-Jahren ein, das sechste auf den „langen Weg von der städtischen Verwaltungsbehörde zum kommunalen Versorgungsunternehmen“ in den 1980er- und 1990er-Jahren. Das siebte Kapitel beschäftigt sich dann mit den „Herausforderungen und Problemen im Zeichen von Wettbewerb und neuem Regulierungsregime“ der 2000er- und 2010er-Jahre. Die Darstellung schließt mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick ab.

Der Band zeichnet die lange Geschichte eines kommunalen Versorgers nach, der sich – in den Worten der Autoren – von einer „behäbigen kommunalen Monopolbehörde zum erfolgreichen wettbewerbsstarken städtischen Konzern“, von einem „primär technikgetrieben Unternehmen zu einem stark vertriebs- und marketingorientierten“ entwickelte und in dem Zusammenhang vom „technischen Netzmanagement zum umweltpolitischen Ressourcenmanagement“ (S. 400f.). Dies war aber keine durchgängige Erfolgsgeschichte, sondern mit erheblichen Problemen, Krisen und tiefgreifenden Umbrüchen verbunden. So wie fast alle kommunalen Betriebe mussten die Münchener Stadtwerke sowohl einen Versorgungsauftrag im Rahmen der Daseinsvorsorge mit all seinen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Implikationen erfüllen als auch als Unternehmen Wirtschaftlichkeitsstandards gewährleisten, einschließlich der Renditesicherung bzw. Verlustminimierung. Der Grat zwischen Erwerbswirtschaft und Bedarfswirtschaf war schmal und der Weg in eine größere Selbstständigkeit, von der viele sich die bessere Erfüllung der Formal- bzw. Finanzierungsziele erhofften, steinig.

Inhaltlich wird ein guter Überblick über die verschiedenen Aspekte kommunaler Versorgungswirtschaft geboten, je nach Zeitabschnitt werden Schwerpunkte gesetzt, aber in keiner Phase das Große und Ganze aus dem Auge verloren. Es bleibt zwar nicht aus, dass die Darstellung – je mehr sie sich der Gegenwart nähert – „betriebswirtschaftlicher“ wird, das heißt sich zunehmend mit kaufmännischen Sachverhalten im engeren Sinne beschäftigt. Sie läuft dabei aber auch für den unternehmenshistorisch nur bedingt Interessierten kaum Gefahr langweilig zu werden, weil kommunale Versorgungswirtschaft und kommunale Politik immer eng miteinander verklammert waren. Die technische Seite der Wasser-, Gas- oder Elektrizitätsnetze wird denn auch nur so weit wie nötig dargelegt. Methodisch handelt es sich um eine erzählende Darstellung – eben um die ‚Geschichte‘ der Stadtwerke –, die im Übrigen auf einer breiten Quellenbasis basiert. Sprachlich ist der Text ansprechend geschrieben, das heißt gut lesbar und verständlich. Vielleicht hätte man noch etwas stärker das spezifische Münchener bzw. bayerische Umfeld einbeziehen oder vergleichende Hinweise auf die generelle Entwicklung der Kommunalwirtschaft geben können – aber das ist Geschmackssache.

Vielleicht fällt auch die Einschätzung der Entwicklung der jüngsten Vergangenheit etwas zu positiv aus, in der die Münchener Stadtwerke zum Vorreiter einer umweltbewussten, ressourcenschonenden, mit modernen Managementmethoden geführten Unternehmung stilisiert werden. In dieser Hinsicht würden wahrscheinlich nicht wenige kommunale Versorgungsunternehmen ebenfalls Ansprüche anmelden. Dass der Band, der im Auftrag der Münchener Stadtwerke geschrieben worden ist, eine Festschrift mit einseitiger Bewertung darstellt, kann man ihm aber keinesfalls vorwerfen. Es bleibt der Gesamteindruck eines interessanten und flüssig geschriebenen Textes, der auch über den engen Kreis der Unternehmensgeschichte hinaus Leser finden könnte.

Zitation
Gerold Ambrosius: Rezension zu: : NetzWerke. Die Geschichte der Stadtwerke München. München  2017 , in: H-Soz-Kult, 05.04.2018, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-28176>.
Redaktion
Veröffentlicht am
05.04.2018
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