Klassenkörper. Zur Körpergeschichte sozialer Ungleichheit, 1770er bis 1870er Jahre

Zur Körpergeschichte sozialer Ungleichheit, 1770er bis 1870er Jahre

Veranstalter
Laura-Elena Keck (Universität Leipzig), Nina Mackert (FernUniversität Hagen/Universität Leipzig), Lisa Weber (FernUniversität Hagen) (FernUniversität in Hagen, Lehrgebiet für Geschichte der Europäischen Moderne)
Ausrichter
FernUniversität in Hagen, Lehrgebiet für Geschichte der Europäischen Moderne
Veranstaltungsort
Campus Berlin der FernUniversität in Hagen
PLZ
10707
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
25.05.2023 - 26.05.2023
Deadline
31.10.2022
Von
Nina Mackert, Universität Leipzig/FernUniversität Hagen

Die Tagung widmet sich der historischen Herstellung von armen, sozial benachteiligten, verworfenen Körpern und den Verschränkungen von Klasse mit anderen Differenzkategorien, u.a. mit race, gender und dis/ability. Sie konzentriert sich dabei auf einen Zeitraum, in der nicht nur die „soziale Frage“ zu einer zentralen Frage moderner Gesellschaften erklärt wurde, sondern der auch als körpergeschichtliche Sattelzeit gilt: die Zeit zwischen dem späten 18. und späten 19. Jahrhundert.

Zur Körpergeschichte sozialer Ungleichheit, 1770er bis 1870er Jahre

Seit den 1990er Jahren entwickelte sich die Körpergeschichte als fruchtbares Forschungsgebiet, das der Herstellung und Bedeutung von Körpern und körperbezogenen Selbstverhältnissen in den Gesellschaften vor allem des 19. und 20. Jahrhunderts nachgeht. Körper sind in diesem Zusammenhang als historisch variable, von vielfältigen Machtverhältnissen durchdrungene Objekte und Modi des Regierens sichtbar geworden, die sich gerade deshalb auch in besonderem Maße als Linse auf historische Ordnungen eignen.

Gerade in der letzten Dekade standen in körpergeschichtlichen Studien aus dem europäischen und anglo-amerikanischen Raum Geschlecht, race und jüngst auch dis/ability im Vordergrund. Um Klasse dagegen – als Kategorie, die auf soziale Ungleichheit verweist – ging es seltener, jenseits einer kursorischen Nennung in der intersektionalen Trias von race, class, gender. Neben Studien zu Arbeiterkörpern in der Industriegesellschaft gibt es wenige Arbeiten, die sich dezidiert der Körpergeschichte von Armut und Prekariat und mithin auch denjenigen Körpern nähern, die in den produktivistischen Zugriffen des Industriekapitalismus nicht im Vordergrund standen. Dies gilt umso mehr für die Zeit vor dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Während das 19. Jahrhundert als Zeitraum gilt, in dem sich Körper und Körpervorstellungen profund transformierten, haben sich körperhistorische Arbeiten bisher vor allem auf den Zeitraum um die und nach der Wende zum 20. Jahrhundert konzentriert.

Die Tagung hat zum Ziel, dieses doppelte Desiderat zu adressieren. Zum einen widmet sie sich der historischen Herstellung von armen, sozial benachteiligten, verworfenen Körpern. Der Verweis auf die „Klassenkörper“ ist hier mithin nicht in erster Linie im foucaultschen Sinne der Produktion bürgerlicher Körper zu verstehen, sondern als Verweis auf Klasse als Differenzkategorie, mit der sich vielfältige Verhältnisse sozialer Ungleichheit fassen und körperhistorisch untersuchen lassen. Dabei soll es bei allem Fokus auf die Kategorie class immer auch darum gehen, wie sie auf komplexe Weise mit anderen Differenzkategorien, u.a. mit race, gender und dis/ability verschränkt ist. Zum anderen konzentriert sich die Tagung auf einen Zeitraum, in der nicht nur die „soziale Frage“ zu einer zentralen Frage moderner Gesellschaften erklärt wurde, sondern der auch als körpergeschichtliche Sattelzeit gilt. Damit soll sie auch der häufig postulierten, aber seltener quellenorientiert untersuchten These des nachhaltigen Wandels von Körpern und Körpervorstellungen im Übergang zur Moderne nachgehen.

Wir laden Beiträge ein, die mit der Linse auf soziale Ungleichheit den Transformationen von (Vorstellungen von) Körpern zwischen dem späten 18. und späten 19. Jahrhundert nachspüren. Bitte senden Sie Ihren Beitragsvorschlag (nicht mehr als 350 Wörter) und einen kurzen CV an nina.mackert@uni-leipzig.de.

Mittel für Unterkunft und Reisekosten sind vorhanden. Eine Publikation der Tagungsbeiträge in der Reihe “Europa transnational” bei Hagen University Press ist geplant.

Kontakt

Nina Mackert, nina.mackert@uni-leipzig.de