Jahrbuch für Historische Bildungsforschung (JHB), Bd. 29 (2023)

Jahrbuch für Historische Bildungsforschung (JHB), Bd. 29 (2023)

Veranstalter
Jahrbuch für Historische Bildungsforschung
PLZ
10243
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
01.12.2022 -
Deadline
15.01.2023
Von
Eva Schrepf, Öffentlichkeitsarbeit, BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation

Jahrbuch für Historische Bildungsforschung (JHB), Bd. 29 (2023)

Call for Abstracts für den Themenschwerpunkt "Temporalitäten. Zur Geschichte des Verhältnisses von Erziehung, Zeit und Zeiten" und Call for Articles für den allgemeinen Teil im Jahrbuch für Historische Bildungsforschung, Bd. 29 (2023).

Jahrbuch für Historische Bildungsforschung (JHB) 29 (2023)

Call for Abstracts for the thematic focus "Temporalities. On the History of the Relationship between Education, Time and Times" and Call for Articles for the general section of the Jahrbuch für Historische Bildungsforschung(JHB), vol. 29 (2023).

Jahrbuch für Historische Bildungsforschung (JHB), Bd. 29 (2023)

Das Jahrbuch für Historische Bildungsforschung (JHB) umfasst jeweils einen Teil zu einem definierten Thema sowie nicht-thematische Abhandlungen und eine Quelle mit Kommentar/Interpretation. Für den Themenschwerpunkt (A) "Temporalitäten. Zur Geschichte des Verhältnisses von Erziehung, Zeit und Zeiten" wird ein Call for Abstracts durchgeführt, für den nicht-thematischen Teil (B) ein Call for Articles.

Das JHB erscheint künftig zeitgleich als elektronisches Open Access-Format und als Printversion. Die elektronische Fassung ermöglicht die dynamische Einbindung von Medieninhalten (neben Bild- auch Video- und Audioformate). Beiträge, die solche medialen Inhalte präsentieren, sind besonders erwünscht.

A) Themenschwerpunkt: Temporalitäten. Zur Geschichte des Verhältnisses von Erziehung, Zeit und Zeiten

Redaktionelle Leitung des Themenschwerpunktes: Prof. Dr. Andreas Hoffmann-Ocon (Pädagogische Hochschule Zürich), Prof. Dr. Till Kössler (Martin-Luther-Universität Halle), Prof. Dr. Sabine Reh (BBF, Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF & Humboldt-Universität zu Berlin)

Zeit, d.h. die Wahrnehmung von Zeit, der Umgang mit Zeit und Vorstellungen über Zeit und Zeiten prägen die Praxis von Bildung und Erziehung so grundlegend wie sie in deren Reflexion eine wichtige Rolle spielen. Das reicht von der Frage nach der zeitlichen Taktung des Schulunterrichts über diejenige nach günstigen ‚Bildungszeiten‘ und deren Dauer bis hin zu unterschiedlichen Formen einer Erziehung zum Zeitgebrauch. Erziehung und Bildung stehen dabei stets in Wechselwirkung mit anderen gesellschaftlichen Zeitordnungen in Familie, Wirtschaft und Politik und den hier implizierten unterschiedlichen Vorstellungen über ‚Entwicklung‘ und ‚Reifung‘. Pädagogische Programme und Praktiken sind zugleich immer auch als Zeit-Entwürfe zu verstehen, die Zukunft ausgestalten wollen. Als Ausdruck gesellschaftlicher Zeitordnungen geben sie zudem Hinweise auf jeweils typische Zeitvorstellungen, versuchen diese jedoch auch zu reformieren oder radikal umzugestalten.

Das Verhältnis zwischen pädagogischen Ideen und ihrer Praxis auf der einen Seite und Zeit und gesellschaftlichen Zeiten in ihren verschiedenen Facetten auf der anderen Seite unterliegt selbst einem historischen Wandel. Pädagogik und Erziehung sind dabei nicht erst seit der Aufklärung durch vielfältige Vorstellungen und Projekte einer offenen Zukunft und eines neuen Menschen, die es zu formen gilt, sowie einer Bildung von morgen konstitutiv verbunden. Zeit hatte bereits im pädagogischen Denken und in den Bildungsinstitutionen der Frühen Neuzeit sinngebende Bedeutung wie pragmatische Funktionen für Herrschaftsausübung und individuelle Lebenspraxis. Den Aufklärungsdenkern ging es schließlich um eine umfassende Rationalisierung des Zeitgebrauchs, während spätere Reformideen von einer Eigenzeit der Entwicklung und eines Moratoriums für Heranwachsende ausgingen. Reformpädagogische Entwürfe und Visionen im 20. Jahrhundert zielten auf zeitbefreites Lernen sowie Leben und forderten paradoxerweise eine expandierende Zeit in schulischen Verhältnissen. Die teils psychologisch fundierte Chronologisierung individueller Reifung in Entwicklungsphasen wurde in (reform)pädagogischer Deutung häufig als im Spannungsverhältnis mit schulischen Zeitstrukturen stehend betrachtet. Temporalitäten waren damit in verschiedenen Epochen unterschiedlich Gegenstand pädagogischer und bildungspolitischer Debatten, wie etwa auch die über lange Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts ausgefochtenen großen Auseinandersetzungen um die Ganztagsschule, das Konzept des „lebenslangen Lernens“ und eine pädagogische „Entschleunigung“ zeigen. Zugleich erwiesen sich auch jenseits von Schule und Bildungsinstitutionen Ideen einer Rationalisierung des Zeitgebrauchs durch Erziehung als wirkmächtig, etwa in der Industrie aber auch in kolonialen Kontexten und stießen doch immer wieder auf Widerstände und alternative Zeitprojekte einer „freien“ Zeit.

Koexistierende und konkurrierende Zeitordnungen hingen stets auch mit unterschiedlichen kollektiven und individuellen Zukunftsvorstellungen zusammen: Ob in zeitgenössischen Erwartungshorizonten stabile Gemeinschaften oder eine kommende soziale Revolution gesehen wurden, prägte die Wahrnehmung von Zeitregimen. Divergente – lokale, regionale, nationale und globale – Bildungsräume produzierten verschiedene Gegenwarten und Vergangenheiten mit je eigenen Bildungszeiten und Zeiterfahrungen. Beschleunigung und Entschleunigung, Tempogewinne und -verluste sind häufig als Zeit-Argumente in pädagogischen Konzeptionen eingelagert – vor allem dann, wenn es Kämpfe um Zeitbudgets in erzieherischen Verhältnissen gab. Mit der Vorstellung von Zeithorizonten rücken schließlich auch markante Zäsurdaten in den Bereichen von Bildung und Erziehung in den Blick und können in Hinblick auf ihre periodisierende Prägung und Narrativität untersucht werden.

Trotz ihrer grundlegenden Bedeutung ist das Verhältnis zwischen Erziehung und Zeit bislang nur vereinzelt zum Gegenstand bildungshistorischer Forschung gemacht worden. Der geplante Band setzt hier an und möchte aktuelle Studien dazu aus allen Bereichen der historischen Bildungs- und Erziehungsforschung zusammenführen. Er interessiert sich nicht zuletzt für die Herausbildung spezifisch moderner Zeitordnungen und deren Wandel bis in die Gegenwart.

Mögliche Themen sind:
- Geschichte pädagogischer Zeitreflexion und Zeitkritik
- Geschichte pädagogischer Zeitbegriffe (z.B. Entwicklungsphasen, Bildungszeit und Lebenslauf)
- Das Verhältnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – Chronotope und ihre Bedeutung für die Pädagogik
- Zeitentwürfe in Erziehung- und Bildungsutopien
- Zeitkritik und alternative sowie konkurrierende Zeitordnungen in pädagogischen Reformbewegungen
- Zeitreformbewegungen und Erziehung in Politik, Wirtschaft und Kultur
- Zeitordnungen und Zeitpraktiken in pädagogischen Institutionen
- Zeit und Umgang mit Zeit als Gegenstand von Erziehung und Unterricht

Wir bitten um Einsendungen eines ein- bis zweiseitigen Abstracts für den Thementeil des Jahrbuchs bis zum 15.01.2023.

Mail-Adressen der Herausgeberschaft des Themenschwerpunktes:
Prof. Dr. Andreas Hoffmann-Ocon (Pädagogische Hochschule Zürich): a.hoffmann-ocon@phzh.ch
Prof. Dr. Till Kössler (Martin-Luther-Universität Halle) till.koessler@paedagogik.uni-halle.de
Prof. Dr. Sabine Reh (BBF, Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF & Humboldt-Universität zu Berlin): sabine.reh@hu-berlin.de

B) Nicht-thematische Beiträge und Quellen

Für den nicht-thematischen Teil können bis zum 15.01.2023 Beiträge eingereicht werden. Dabei sind alle historischen Themenfelder erwünscht. Beiträge, die die Phase vor dem 18. Jahrhundert betreffen, sind besonders willkommen. Zudem soll möglichst jedes Jahr eine markante Quelle publiziert und in ihrem Kontext interpretiert werden.

Richtlinien zur Manuskriptgestaltung finden sich unter: https://www.dgfe.de/fileadmin/OrdnerRedakteure/Sektionen/Sek01_HBF/Jahrbuch/JHB-Manuskriptregeln_JHB_29.pdf

Senden Sie Ihre Abhandlung bzw. Ihren Quellenvorschlag bis spätestens 15.01.2023 per E-Mail an:

Prof. Dr. Joachim Scholz (Ruhr-Universität-Bochum): joachim.scholz@rub.de.

Jahrbuch für Historische Bildungsforschung (JHB) 29 (2023)

The Jahrbuch für Historische Bildungsforschung (JHB) contains a section on a defined topic as well as non-thematic treatises and a source with comments/interpretations. This is a call for abstracts for the thematic focus (A) "Temporalities. On the History of the Relationship between Education, Time and Times" and a call for articles for the non-thematic part (B).

In future, the JHB will be published simultaneously as an electronic open access format and as a print version. The electronic version allows the dynamic integration of media content (in addition to image, video and audio formats). Contributions presenting such media content are particularly welcome.

A) Thematic focus: Temporalities. On the History of the Relationship between Education, Time and Times.

Editorial board of the thematic focus: Prof. Dr. Andreas Hoffmann-Ocon (Pädagogische Hochschule Zürich), Prof. Dr. Till Kössler (Martin-Luther-Universität Halle), Prof. Dr. Sabine Reh (BBF, Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF & Humboldt-Universität zu Berlin)

Time, i.e. the perception of time, the handling of time and ideas about time and times shape the practice of education as fundamentally as they play an important role in its reflection. This ranges from the question of the temporal timing of school lessons to that of favourable educational times and its duration to various forms of an education in the use of time. In this context, education always interacts with other social orders of time in the family, the economy, and politics, and with the different ideas about development and maturation that are implied here. Educational programs and practices are at the same time always to be understood as time-designs, which want to shape the future. As an expression of social time orders, they also give indications of typical concepts of time, but also attempt to reform or radically reshape them.

The relationship between pedagogical ideas and their practice on the one hand, and time and social times in their various facets on the other hand is itself subject to historical change. In this context, pedagogy and education have not only been constitutively linked since the Enlightenment by diverse ideas and projects of an open future and a new human being to be formed, as well as an education of tomorrow. In pedagogical thinking and in the educational institutions of the early modern period, time already had a meaning and a pragmatic function for the exercise of power and the individual practice of life. The Enlightenment thinkers were ultimately concerned with a comprehensive rationalization of the use of time, while later reform ideas assumed an inherent time of development and a moratorium for adolescents. Reform pedagogical designs and visions in the 20th century aimed at time-free learning as well as living and paradoxically demanded an expanding time in school conditions. The partly psychologically based chronologization of individual maturation in developmental phases was often seen in (reform) pedagogical interpretation as being in tension with school time structures. Temporalities have thus been the subject of varying degrees of pedagogical and educational policy debate in different epochs, as can be seen, for example, in the major debates fought out over long decades of the 20th century about all-day schooling, the concept of lifelong learning, and pedagogical deceleration. At the same time, ideas of rationalizing the use of time through education also proved to be effective beyond schools and educational institutions, for example in industry but also in colonial contexts, and yet they repeatedly encountered resistance and alternative time projects of free time.

Coexisting and competing time orders were always related to different collective and individual visions of the future: Whether contemporary horizons of expectation saw stable communities or a coming social revolution shaped the perception of time regimes. Divergent – local, regional, national, and global – educational spaces produced different presences and pasts, each with its own educational times and experiences of time. Acceleration and deceleration, speed gains and losses are often embedded as time arguments in pedagogical conceptions - especially when there were struggles over time budgets in educational relations. Finally, with the notion of time horizons, salient caesura dates in the fields of education and upbringing also come into view and can be examined in terms of their periodizing character and narrativity.

Despite its fundamental importance, the relationship between education and time has so far only sporadically been made the subject of research in the history of education. The planned volume starts here and aims to bring together current studies on the subject from all areas of historical education and educational research. It is interested not least in the formation of specifically modern orders of time and their change up to the present.

Possible topics are:

- History of pedagogical time reflection and time criticism
- History of pedagogical concepts of time (e.g. developmental phases, educational time and life course)
- The relationship between past, present and future – chronotopes and their significance for pedagogy
- Concepts of time in educational utopias
- Time criticism and alternative as well as competing time orders in pedagogical reform movements
- Time reform movements and education in politics, economy and culture
- Time orders and time practices in pedagogical institutions
- Time and the use of time as an object of education and teaching

We invite submissions of a one to two page abstract for the thematic section of the yearbook by Jan. 15, 2023.

Mail addresses of the editors of the thematic section:

- Prof. Dr. Andreas Hoffmann-Ocon (Pädagogische Hochschule Zürich): a.hoffmann-ocon@phzh.ch
- Prof. Dr. Till Kössler (Martin Luther University Halle) till.koessler@paedagogik.uni-halle.de
- Prof. Dr. Sabine Reh (BBF, Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF & Humboldt-Universität zu Berlin): sabine.reh@hu-berlin.de

B) Non-thematic contributions and sources

Submissions for the non-thematic part can be submitted until 15.01.2023. All historical topics are welcome. Contributions relating to the period before the 18th century are particularly welcome. In addition, a distinctive source should be published every year and interpreted in its context.

Guidelines for manuscript design can be found at: https://www.dgfe.de/fileadmin/OrdnerRedakteure/Sektionen/Sek01_HBF/Jahrbuch/JHB-Manuscriptsubmissionguidelines_JHB_29.pdf

Send your paper or your suggested source before or latest by 15.01.2023 via mail to:
Prof. Dr. Joachim Scholz (Ruhr-Universtät Bochum): joachim.scholz@rub.de.

Kontakt

Prof. Dr. Joachim Scholz, joachim.scholz@rub.de