Zwischenkriegsgeographien, ca. 1919 bis 1938 / Interwar Geographies c.1919–1938

Zwischenkriegsgeographien, ca. 1919 bis 1938 / Interwar Geographies c.1919–1938

Veranstalter
Arbeitskreis Geschichte der Geographie in der Deutschen Geographischen Gesellschaft
Veranstaltungsort
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt 85071
Ort
Eichstätt
Land
Deutschland
Vom - Bis
31.01.2019 - 02.02.2019
Deadline
15.10.2018
Website
Von
Norman Henniges

Das Jahr 1919 markierte ein Schlüsselereignis für die Nachkriegsordnung und für die Geographie. Selten hatte die Geographie eine so hohe Reputation als Ressource in der öffentlichen Wahrnehmung und im politischen Diskurs. Geographen – und nun auch Geographinnen – spielten eine wichtige Rolle als politikberatende ExpertInnen, indem sie die Grenzen neuer Nationalstaaten festlegten, wobei sie auch über das Schicksal von Millionen Menschen mitentschieden. Die darauffolgende Epoche war von einer besonderen Dynamik und Ambivalenz gekennzeichnet, in der eine Vielzahl von neuen Konzepten, Theorien und Innovationen in Methodik und Visualisierung entwickelt und ausprobiert wurden, die sich zeitgleich vor dem Hintergrund extremer Brüche sowie sozialer, politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit und Instabilität vollzogen. Zugleich wuchs die emotionale und politische Radikalisierung geographischer Konzepte, welche Kategorien wie Boden, Ethnizität und Rasse aufwertete.

Ein "radikales Ordnungsdenken" setzte sich durch und eine neue Generation von wissenschaftlichen ExpertInnen und TechnokratInnen glaubte, durch rationale Planung die Herausforderungen einer krisenhaft wahrgenommenen Moderne meistern zu können. Neuere historische Studien zeigen, dass die klassische Dichotomie von "modern" und "anti-modern" zu einfach ist, um die komplexe und ambivalente Beziehung zwischen Technologie, Natur, Politik und Gesellschaft jener Epoche zu beschreiben. Eine Vielfalt von "multiplen Modernen" mit manchmal starken moralischen Ambivalenzen muss hierfür berücksichtigt werden, in der Schlüsselkonzepte wie Objektivität und Rationalität, Volk und Nation, Fortschritt und Entwicklung etc. zu hinterfragen sind.

Wir interessieren uns für Beiträge, die sich mit nationalen oder transnationalen Perspektiven auf AkteurInnen, Dinge, Institutionen, Diskurse, Methoden, Netzwerke und Praktiken in dieser Epoche beschäftigen. Unser Interesse bezieht sich jedoch nicht nur auf die "großen" akademischen VertreterInnen, Theorien und Institutionen. Wir ermutigen explizit dazu einerseits Beiträge einzureichen, welche die soziale, kulturelle und intellektuelle Geschichte nonkonformistischer oder marginalisierter AkteurInnen und Gruppen thematisiert, deren Ideen und Theorien, aber auch utopische Visionen und Fantasien von der akademischen Gemeinschaft aufgrund von Rasse, Geschlecht, Politik, Glauben und Denkstil etc. ausgeschlossen wurden. Anderseits wünschen wir uns Beiträge, welche die Geographie im Schnittfeld von Bildung, Popularisierung und Propaganda im Kontext fragiler Demokratisierung und ihrer Feinde thematisieren.

All diese Prozesse wirken bis heute nach. Aus diesem Grund interessieren wir uns nicht nur für historische Studien, sondern darüber hinaus auch für Beiträge, die sich kritisch mit den Kontinuitäten und Diskontinuitäten des Vermächtnisses dieser Epoche in den heutigen Erinnerungskulturen verschiedener nationaler Geographien befassen.

Wir würden uns sehr über Beiträge und kurze Abstracts (150-250 Wörter) auf Englisch oder Deutsch freuen. Bitte senden Sie die Beiträge bis 15. Oktober 2018 per Mail an Ferenc Gyuris (gyurisf@caesar.elte.hu) und Norman Henniges (norman.henniges@uni-erfurt.de).

The year 1919 marked a key event for the post-war order and for geography. Rarely did geography ever gain such a high reputation as a resource in public awareness or political discourse. Geographers, male and increasingly also female, played an important role as actors by defining new borders of new nation states, while they decided on the fate of millions of people. In the aftermath of this year and the following epoch geography as academic discipline was characterised by an increasing dynamism and ambivalence. A multitude of concepts, theories and innovations in methodology and visual design were developed and tried, against the backdrop of extreme breaks as well as social, political and economic uncertainty and instability. A ‘radical thinking order’ emerged, which forced an increasing emotional and political radicalisation of geographical concepts, upgrading categories such as soil, ethnicity and race.

At the same time a new generation of scientific experts and technocrats emerged who believed that they could master the challenges of a crisis-ridden modern age through rational planning. Recent historical studies show that the classical dichotomy of ‘modern’ and ‘anti-modern’ is too simple to describe the complex and ambivalent relationship between technology, nature, politics and society of that epoch. Moreover, we have to take into account a diversity of ‘multiple modernities’ with sometimes strong moral ambivalences. Consequently we have to question key concepts such as objectivity and rationality, Volk and nation, progress and development etc.

We are interested in papers that take national or transnational perspectives on actors, artefacts, institutions, discourses, methods, networks and practices in this epoch. This refers not only to the ‘great’ academic representatives, theories and institutions. We also explicitly encourage contributions in social, cultural and intellectual history about non-conformist or marginalised actors and groups whose ideas and theories but also utopian visions and fantasies have been excluded by the academic community due to race, gender, politics, belief and way of seeing, for example. On the other hand, we welcome contributions that address geography in the intersection of education, popularisation and propaganda in the context of fragile democratisation and its enemies.

All these processes still have an effect up to the present day. Therefore, we are not only interested in historical studies but also in contributions that critically discuss continuities and discontinuities in the heritage of this epoch in today’s cultures of remembrance and commemoration in various national geographies.

We are looking forward to contributions and short abstracts (150-250 words) in English or German. Please send them by 15 October 2018 to Ferenc Gyuris (gyurisf@caesar.elte.hu) and Norman Henniges (norman.henniges@uni-erfurt.de).

Programm

Kontakt

Dr. Ferenc Gyuris
email: gyurisf@caesar.elte.hu

Dr. Norman Henniges
email: norman.henniges@uni-erfurt.de


Redaktion
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Land Veranstaltung
Sprach(en) der Veranstaltung
Englisch, Deutsch
Sprache der Ankündigung