Aus den Giftschränken des Kommunismus. Methodische Fragen zum Umgang mit den Überwachungsakten in Südost- und Mitteleuropa.

Ort
Berlin
Veranstalter
Institut für deutsche Literatur, Humboldt-Universität zu Berlin; Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Ludwig-Maximilians-Universität München; European Network Remembrance and Solidarity
Datum
28.04.2015 - 30.04.2015
Von
Enikő Dácz, Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e. V., Ludwig-Maximilians-Universität München

Das Institut für deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin, das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München und das European Network Remembrance and Solidarity veranstalteten vom 28. bis 30. April 2015 in Berlin eine interdisziplinäre Konferenz, die sich das Ziel gesetzt hatte, eine kritische Zwischenbilanz zur Erforschung von Überwachungsakten aus ehemaligen kommunistischen Ländern Osteuropas zu ziehen.[1] Neben einem exemplarischen Vergleich der Aufarbeitungsprozesse in Albanien, Deutschland, der Republik Moldau, Rumänien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn wurden unter anderem mithilfe von historischen und literaturwissenschaftlichen Methoden Forschungsfragen zu Minderheiten und Randgruppen diskutiert. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit namhaften Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Literatur sowie einer Autorenlesung mit Susanne Schädlich im Literaturhaus Berlin konnten gesellschaftspolitische und wissenschaftsrelevante Diskurse zusammengeführt werden. In Zusammenarbeit mit der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR wurde fünfzehn Stipendiatinnen und Stipendiaten die Teilnahme an der Konferenz und einem Workshop mit praktischen Übungen an Quellen aus den Archiven des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS) ermöglicht.

Die Tagung wurde in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa in Oldenburg, der Kulturreferentin für Südosteuropa an der Stiftung Donauschwäbisches Zentralmuseum in Ulm, dem Nationalen Rat für das Studium der Archive der Securitate, Rumänien, dem Institut für das Nationale Gedächtnis, Slowakei sowie dem Institut für Geschichte am Geisteswissenschaftlichen Forschungszentrum der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest realisiert und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

Nach den Begrüßungsworten wies MICHAELA NOWOTNICK (Berlin), die die Veranstaltung gemeinsam mit Florian Kührer-Wielach (München) konzipiert und durchgeführt hat, in ihrer thematischen Einführung unter anderem auf die vielfach noch vorherrschende Täter-Opfer-Dichotomie im wissenschaftlichen, vor allem aber im öffentlich-publizistischen Diskurs über Geheimdienstakten hin. Bei der Betrachtung der Unterlagen als historische Quellen sei zu klären, inwiefern diese als gültige Dokumente gewertet werden können, welche biographischen Implikationen sie hätten und welche Interpretationsmöglichkeiten sie bieten. Letztendlich ginge es um die Frage, was Geheimdienstakten überhaupt aussagen können und wo ihre Wirkungskraft ende.

Die ersten drei Panels boten einen Überblick über den aktuellen Stand der Aufarbeitung der geheimdienstlichen Archive in südost- und mitteleuropäischen Ländern. HUBERTUS KNABE (Berlin), Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, ging zunächst auf das Fallbeispiel Deutschland ein, das bei der Sicherung und Aufarbeitung europaweit als Referenzpunkt gilt. Wenngleich die Aufarbeitung der Unterlagen des MfS durchaus immer wieder problematisiert werden sollte, sei sie im Vergleich mit anderen Ländern positiv hervorzuheben. Dieser Umstand wurde von KRISZTIÁN UNGVÁRY (Budapest), der über Ungarn referierte, wo die Aufarbeitung der Vergangenheit bislang noch nicht auf der politischen Tagesordnung stand, bestätigt. Nach einer ohnehin verspäteten gesetzlichen Regelung sei der Aufarbeitungsprozess im Jahr 2010 erneut ins Stocken geraten, auch wenn sich nun gleich fünf neu gegründete historische Institute mit diesem Thema auseinandersetzten. Beide Vortragende stellten fest, dass es für die Aufarbeitung des kommunistischen Erbes kein „von außen“ oktroyiertes Konzept wie im Falle der NS-Diktatur gebe. Die Minderheiten, so wurde für die Aufarbeitungssituation in Ungarn und der DDR konstatiert, hätten bisher nicht im Mittelpunkt des Forschungsinteresses gestanden.

Die Länderberichte über Tschechien, von MARTIN PRAŽÁK (Prag), und die Slowakei, von PETER JAŠEK (Bratislava), fokussierten auf den gesetzlichen Rahmen, der den Zugang zu den Archiven der Geheimdienste regelte, sowie den institutionellen Hintergrund. Pražák problematisierte ein anhängiges Verfahren am Verfassungsgerichtshof, von dessen Ausgang die Zukunft des Aufarbeitungsprozesses in Tschechien abhängt.

In der Slowakei wiederum fehlten Tausende von Akten, die während der Samtenen Revolution zerstört worden seien, so Jašek. Im Unterschied zu anderen Ländern machte das Archiv des Instituts für nationale Erinnerung in Bratislava die Registrationsprotokolle von Inoffiziellen Mitarbeitern zugänglich, sodass es zu öffentlichen Diskussionen kam, die auch rechtliche Konsequenzen zur Folge hatten. Auch sei es in der Slowakei zurzeit noch nicht möglich, über Geheimdienstakten ausschließlich auf wissenschaftlicher Basis zu debattieren. Im Vergleich der Slowakei mit Tschechien wurde deutlich, dass ein früh begonnener Aufarbeitungsprozess keine gelungene Vergangenheitsbewältigung garantieren kann.

Über den Umgang mit den Akten der Securitate im postkommunistischen Rumänien referierte der Präsident des Nationalen Rates für das Studium der Archive der Securitate (CNSAS) DRAGOȘ PETRESCU (Bukarest). Obwohl das deutsche Modell ein wichtiges Vorbild für das im Jahr 1999 verabschiedete Gesetz gewesen sei, wurden in diesem für ehemalige Mitarbeiter des rumänischen Geheimdienstes keine Sanktionen vorgesehen. In seinem Vortrag schilderte er zudem die Geschichte der CNSAS und erörterte das rumänische System der sogenannten „Unbescholtenheits-Zertifikate“, die seine Behörde einzelnen Personen ausstellen kann.

Einen Sonderfall präsentierte EGIN CEKA (Wien), der das vollkommene Scheitern der Aufarbeitung anhand von kommunistischen Geheimdienstakten in Albanien diagnostizierte. Die meisten Akten seien zerstört worden, der im Archiv des Innenministeriums befindliche Restbestand könne zudem durch eine neue Gesetzesinitiative gefährdet werden. Ceka zog die Schlussfolgerung, dass sich in Albanien die Methode der Oral History als eine Möglichkeit anböte, um sich trotz fehlender Archivalien mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Die Reihe der Länderberichte schloss IGOR CAȘU (Chișinău), der methodologischen Fragen im Umgang mit den KGB-Archiven in der Republik Moldau nachging. Er unterstrich den Mangel an Historikern, die sich mit der kommunistischen Vergangenheit auseinandersetzten.

In der von ATTILA PÓK (Budapest) geleiteten Diskussionsrunde, die die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit bilanzierte, forderte Petrescu auf die Konzepte der „kalten“ und der „heißen“ Erinnerung hinweisend, die Erinnerung an den Kommunismus im östlichen Europa nicht als „kalt“ zu betrachten. Ungváry merkte an, dass ein bedeutendes Hindernis die Propagierung von Lügen und Gerüchten über die Akten sei. Er nannte in diesem Zusammenhang die Slowakei und Tschechien als positive Beispiele für einen gelungenen Aufarbeitungsprozess. Zugleich verlangte er, die politischen Führungskader, für die die Geheimdienste gearbeitet hätten, eingehend zu betrachten. Obwohl die Archive der Geheimdienste für eine Historisierung des kommunistischen Erbes zentral seien, sollten sie, so unterstrichen alle Gesprächsteilnehmer, nur komplementär zu anderen Quellen benutzt werden. Die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur hänge zudem eng von der politischen Kultur der jeweiligen Länder ab. Paradoxerweise wirkten sich „verhandelte Revolutionen“ wie diejenige in Ungarn negativ auf den Aufarbeitungsprozess aus, da sie ohne den dafür nötigen Bruch mit den alten Eliten auskamen.

In dem den Überwachungsakten als wissenschaftliche Quellen gewidmeten Panel setzte sich FLORIN ABRAHAM (Bukarest) mit neuen Ansätzen in der Erforschung der Geheimdienstunterlagen auseinander: Alltagsgeschichte im Kommunismus, Analyse sozialer Netzwerke, Geschichte der Peripherien, Gender Studies, religiöses Leben und kulturgeschichtliche Analyse. MATTHIAS BRAUN (Berlin), der seinen Beitrag eher als Anregung denn als Bilanz verstand, ging auf den Quellenwert der Akten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR für die Literaturgeschichtsschreibung ein. Er bewertete das vorhandene Material zum literarischen Leben, zur Literaturvermittlung bzw. -steuerung – wenn kritisch gelesen – als eine wertvolle Quelle zur Zensur, Rolle und Geschichte von Verlagen, zu Vernetzungen sowie Biographien von Autoren. Anschließend analysierte CORNELIU PINTILESCU (Sibiu) von Foucaults Konzept der „governmentality“ ausgehend, die institutionelle Praxis sowie den verschachtelten Diskurs der Securitate. Er zeigte die Konstruktion ideologischer Kategorien in den Unterlagen auf und fragte zugleich nach spezifischen Techniken, Konzepten und Statistiken in der Evaluierung der Informationen.

Im Rahmen der von FLORIAN KÜHRER-WIELACH (München) geleiteten Podiumsdiskussion, die den provokanten Titel „Opfer! Täter! Volksverräter! Die Aufarbeitung geheimdienstlicher Archivbestände in Ostmittel- und Südosteuropa“ trug, debattierten der Autor UWE KOLBE (Hamburg), die Literaturwissenschaftlerin MICHAELA NOWOTNICK (Berlin), die Bürgerrechtlerin und Brandenburger Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur ULRIKE POPPE (Potsdam), der Theologe und Präsident des Instituts für die Erforschung der Verbrechen des Kommunismus RADU PREDA (Bukarest) und der Zeithistoriker KRISZTIÁN UNGVÁRY (Budapest) über den Umgang mit den Akten in der Öffentlichkeit und über Wahrheit oder Unwahrheit der Dokumente. Die Öffnung der Archive wurde als positiver Schritt in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bewertet. Kolbe ging aus einer persönlichen Perspektive auf eine grundlegende Frage der Tagung ein, indem er die Akten, die über ihn angelegt wurden, nicht als Teil seiner Biographie, sondern als Lügen und Zerrbilder bezeichnete. Zum Nachdenken lud auch Predas Feststellung ein, dass es manchmal frustrierend sei, mit den Mitteln des Rechtsstaates gegen das Erbe eines Unrechtsstaats zu kämpfen. Da die rumänische Gesellschaft gegen all das „Gift der Unterlagen“ immun geworden sei, stelle sich die Frage, ob sich das Gift überhaupt als „Medizin“ verwenden ließe. Das nachlassende Interesse der Medien für Geheimdienstakten in Deutschland bewertete Kolbe als ein positives Zeichen der Vergangenheitsbewältigung und mahnte zugleich, dass bislang die jeweiligen kommunistischen Parteien und deren Mitglieder zu wenig betrachtet worden seien.

Mit Transfer- und Verflechtungsprozessen beschäftigte sich das vierte Panel, in dem zunächst GEORG HERBSTRITT (Berlin) auf die wechselvollen Beziehungen zwischen Stasi und Securitate einging. Am Beispiel eines rumänischen Emigranten wies er erneut auf die fließende Grenze zwischen Opfer und Täter hin. Anschließend veranschaulichte WILLIAM TOTOK (Berlin) das ideologisch geprägte Bild der Securitate anhand der Arbeit rumänischer Spione in der BRD. Im folgenden Vortrag ging ÀGNES KISS (Cluj-Napoca) auf die Ausbildung von Zensoren in Rumänien ein und beleuchtete somit ein Segment des staatlichen Repressionsapparats, dessen Quellen komplementär zu den Überwachungsakten gelesen werden können.

Das fünfte Panel legte den Schwerpunkt auf das für die Tagung zentrale Thema der Minderheiten und Randgruppen als Forschungsfeld. LAURA LAZA (Cluj-Napoca) verglich Briefe und deren Übersetzungen aus der Akte des rumäniendeutschen Autors Wolf von Aichelburg. Sie zog hierdurch Schlüsse auf die Art und Weise, wie die Securitate Anklagen konstruiert hatte. ÁGNES TÓTH (Budapest/Pécs) referierte zu überwachten Personen in der multiethnischen südungarischen Gemeinde Vaskút und belegte, dass nicht bloß die Minderheiten, sondern auch die hier angesiedelten Ungarn als „verdächtige“ Gruppen behandelt worden waren. KRISZTINA SLACHTAs (Budapest/Pécs) Vortrag, der auf ungarndeutsche Verwandtenbesuche im Lichte der Akten einging, rundete das Panel ab. In der Diskussion wurde festgestellt, dass Themen wie die Rolle von Übersetzern im Repressionsapparat und auch die mit Verwandtenbesuchen aus westlichen Ländern verbundene Gefahr für die jeweiligen Personen bislang kaum in die Forschung eingegangen seien.

Der Dissident, Politikwissenschaftler und Publizist GABRIEL ANDREESCU (Bukarest) schilderte in seiner Keynote Lecture „The Manipulation of the Political Police Archive – Why and How?“ das Ausmaß der Überwachung von rumänischen Intellektuellen im In- und Ausland in den 1970er- und 1980er-Jahren mit dem Ziel der Zerstörung aller kollektiven Aktivitäten: Er wies darauf hin, dass die Kategorien der Securitate aus bürokratischen Gründen aufgestellt worden seien, wodurch die Einstufung als Mitarbeiter eines Geheimdienstes immer kritisch zu überprüfen sei. Nach der Auflistung der institutionellen Schwachstellen hinsichtlich der Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Rumänien veranschaulichte Andreescu anhand von Fallbeispielen, wie die Akten im öffentlichen Diskurs für individuelle und politische Zwecke missbraucht worden waren.

Thematisch anschließend widmete sich ein Panel biographischen Zugriffen auf Geheimdienstakten: CORINA PETRESCU (Oxford, MS) las Eginald Schlattners Akte als „hostile biography“. In der sprachlichen Analyse zeigte sie auf, wie stark Dokumente konstruiert waren. STEFANO BOTTONI (Budapest) stellte am Beispiel des siebenbürgisch-ungarischen Politikers Imre Mikó Mechanismen des kommunistischen Systems dar. STEFAN SIENERTH (München) analysierte eine Akte des siebenbürgisch-sächsischen Literaten Erwin Neustädter und differenzierte die darin enthaltenen Textsorten nach ihrer Form und ihren Inhalten.

Der zweite Konferenztag klang mit einer Autorenlesung im Literaturhaus Berlin aus, wo Susanne Schädlich aus ihrem Roman „Herr Hübner und die sibirische Nachtigall“ (2014) las. Die Stasi-Akten rückten diesmal als literarische Quellen in den Vordergrund, Literatur zeigte sich als Medium der Vergangenheitsbewältigung.

Im Rahmen eines von Michaela Nowotnick geleiteten Werkstattgesprächs, das den dritten Konferenztag eröffnete, diskutierten rumäniendeutsche Forscher verschiedener Generationen (HANNELORE BAIER, Sibiu, GERHARDT CSEJKA, Berlin, THOMAS ŞINDILARIU, Braşov, JOACHIM WITTSTOCK, Sibiu) über den praktischen Umgang mit Überwachungsakten. Auch am Beispiel der rumäniendeutschen „Mikrogesellschaft“ wurde die Unzuverlässigkeit der Akten hinsichtlich des Faktischen festgestellt: Die Akten der Securitate, die mit der Absicht angelegt wurden, Schuld zu generieren, würden den Menschen im Hinblick auf eine bestimmte Rolle abbilden. Die Quellen dokumentierten vor allem den Anspruch auf einen totalen Überblick, ihnen sei jedoch nur dann zu glauben, wenn man danach frage, was die Securitate bezweckt habe.

Das letzte Konferenzpanel beschäftigte sich mit Randgruppen, die im Rahmen der Forschung zu Überwachungsakten bislang wenig beachtet wurden. BARBARA WALLBRAUN (Leipzig) schilderte Strategien der Zersetzung im lesbischen Milieu. Über Jugendliche im Visier der Securitate sprach ANDRA DRĂGHICIU (Budapest). Beide Referentinnen veranschaulichten anhand von Beispielen die Willkür der Beobachtungen und die Lücken im totalen Überwachungsapparat. Die Notwendigkeit neuer Akzente im Umgang mit Archiven von Geheimdiensten und die Verwendung alternativer Quellen wurden hierbei deutlich unterstrichen.

In der Zusammenfassung der Tagungsergebnisse betonte Florian Kührer-Wielach, dass die bewusste Konzeption eines thematisch disparaten Programms durch die lebhaften Diskussionen während der Tagung als gelungener Ansatz bewertet werden kann. Als neue Forschungsrichtungen, die sich herauskristallisiert hätten, nannte er historisch-vergleichende, -diachrone und sprachwissenschaftliche Analysen sowie die Erforschung unterschiedlicher Minderheitengruppen im kommunistischen System. Ebenso sei es von Interesse, die Quellencorpora der Überwachungsakten nicht nur als Geschichte von Repression und Zersetzung zu lesen, sondern auch für neue Themenfelder wie beispielsweise Alltags- und Konfessionsgeschichte zu öffnen.

Konferenzübersicht:

Eröffnung, Grußworte
Roland Berbig (Berlin) / Konrad Gündisch (München) / Matthias Weber (Oldenburg) / Björn Deicke (Berlin)

Einführung:
Michaela Nowotnick (Berlin)

Aufarbeitung im Vergleich. Länderberichte I

Hubertus Knabe (Berlin), Deutschland

Krisztián Ungváry (Budapest), Ungarn

Martin Pražák (Prag), Tschechien

Peter Jašek (Bratislava), Slowakei

Aufarbeitung im Vergleich. Länderberichte II
Moderation: Attila Pók (Budapest)

Dragoş Petrescu (Bukarest), Rumänien

Egin Ceka (Wien), Albanien

Igor Caşu (Chișinău), Republik Moldau

Zusammenfassende Diskussion

Die Überwachungsakte als wissenschaftliche Quelle
Moderation: Burkhard Olschowsky (Oldenburg)

Florin Abraham (Bukarest), Archives of Secret Communist Police: Sources of Alternative History?

Matthias Braun (Berlin), Vom Quellenwert der Stasi-Akten für die Literaturgeschichtsschreibung

Corneliu Pintilescu (Sibiu), „Matryoshka Dolls“: Dealing with the Institutional Practices and Encapsulated Discourses of the Securitate

Podiumsdiskussion: Opfer! Täter! Volksverräter! Die Aufarbeitung geheimdienstlicher Archivbestände in Ostmittel- und Südosteuropa
Moderation: Florian Kührer-Wielach (München)

Uwe Kolbe (Hamburg) / Michaela Nowotnick (Berlin) / Ulrike Poppe (Potsdam) / Radu Preda (Bukarest) / Krisztián Ungváry (Budapest)

Transfer- und Verflechtungsprozesse
Moderation: Gerald Volkmer (Oldenburg)

Georg Herbstritt (Berlin), Von Verbündeten zu Gegnern? Die Beziehungen zwischen Stasi und Securitate 1950–1989

Ágnes Kiss (Cluj-Napoca), Ausbildung von Zensoren und Qualitätssicherung

William Totok (Berlin), Geschichtspolitische Beeinflussung des Auslands durch die Securitate (1956–1989)

Minderheiten und Randgruppen als Forschungsfeld I
Moderation: Konrad Gündisch (München)

Ágnes Tóth (Budapest / Pécs), Gesichtspunkte der Überwachung und überwachte Personen in einer Gemeinde mit mehreren Nationalitäten (Vaskút 1950–1957)

Laura Laza (Cluj-Napoca), Der unerforschte Nachlass Wolf von Aichelburgs aus dem CNSAS-Archiv

Krisztina Slachta (Budapest / Pécs), Banalität der Bürokratie (?) – Die Beobachtung ungarndeutscher Verwandtenbesucher

Keynote Lecture
Moderation: Enikő Dácz (München)

Gabriel Andreescu (Bukarest), The Manipulation of the Political Police Archive – Why and How?

Biographische Zugriffe
Moderation: Valentina Glajar (Austin)

Corina Petrescu (Oxford, MS), Securitate-Unterlagen als Geschichte(n)

Stefano Bottoni (Budapest), Mikó Imre im Licht der Akten

Stefan Sienerth (Pfaffenhofen/Ilm), Zuverlässige literaturhistorische Informationsquelle oder bloßes Lügengespinst? Zur Authentizität der Securitate-Akten über rumäniendeutsche Schriftsteller

Lesung im Literaturhaus Berlin
Susanne Schädlich: „Herr Hübner und die sibirische Nachtigall“

Werkstattgespräch: „Der praktische Umgang mit Überwachungsakten am Beispiel der rumäniendeutschen Aufarbeitung“
Moderation: Michaela Nowotnick (Berlin)

Thomas Şindilariu (Braşov) / Hannelore Baier (Sibiu) / Joachim Wittstock (Sibiu) / Gerhardt Csejka (Berlin)

Minderheiten und Randgruppen als Forschungsfeld II
Moderation: Helmuth Frauendorfer (Berlin)

Barbara Wallbraun (Leipzig), Lesben im Visier der Staatssicherheit

Andra Drăghiciu (Budapest), Jugendliche im Visier der Securitate

Tomáš Vilímek (Prag), Keine Überraschung zulassen! Einige Bemerkungen zu der staatssicherheitlichen Absicherung der Volkswahlen in der Tschechoslowakei in den 1970er- und 1980er-Jahren

Abschlussdiskussion und Zusammenfassung:
Florian Kührer-Wielach (München)

Nachwuchsveranstaltung
auf dem Gelände der früheren Stasi-Zentrale in der Normannenstraße
Archivführung: Axel Janowitz (Berlin)

Anmerkung:
[1] Weitere Informationen sind auf dem Konferenzblog <http://www.giftschrank.net> (12.6.2015) zu finden.

Zitation
Tagungsbericht: Aus den Giftschränken des Kommunismus. Methodische Fragen zum Umgang mit den Überwachungsakten in Südost- und Mitteleuropa., 28.04.2015 – 30.04.2015 Berlin, in: H-Soz-Kult, 23.06.2015, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6037>.