Geschichte intersektional. Relevanz. Potenziale. Grenzen

Ort
Freiburg im Breisgau
Veranstalter
Anne-Laure Briatte, Freiburg Institute for Advanced Studies / Faculté d’études germaniques, Universität Sorbonne; Isabelle Deflers, Freiburg Institute for Advanced Studies / Historisches Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; Miriam Bräuer / Christa Klein / Marie Muschalek, Historisches Seminar / Zentrum für Anthropologie und Gender Studies, Universität Freiburg; Mirjam Höfner, Historisches Institut, Universität der Bundeswehr München; Nina Reusch, Friedrich Meinecke-Institut für Geschichtswissenschaft, Freie Universität Berlin
Datum
10.07.2019 - 12.07.2019
Von
Miriam Bräuer / Marie Muschalek, Historisches Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Das interdisziplinäre Forschungskonzept der Intersektionalität zielt auf die Analyse verschiedener gesellschaftlicher Ungleichheiten (wie race, class, gender, dis/ability, body, Religion, Nationalität, Herkunft, Raum u.v.m.) in ihrer Verschränktheit. Der Ansatz wird in den Sozialwissenschaften und den Cultural Studies seit den frühen 1990er-Jahren intensiv diskutiert. Wie ISABELLE DEFLERS (Freiburg) in ihrer Eröffnungsrede hingegen unterstrich, wird das Konzept in der „zumeist etwas ‚langsameren‘“ (Stieglitz) Geschichtswissenschaft erst seit etwa zehn Jahren zögerlich rezipiert. Daher, so Deflers, wolle die Tagung Relevanz, Potenziale und Grenzen intersektionaler Forschungsperspektiven insbesondere für die Geschichtsschreibung anhand aktueller historisch-empirischer Forschungsprojekte zum Thema machen.

Anne-Laure Briatte und Marie Muschalek stellten ihre aktuellen Publikationen[1] vor und diskutierten diese im Spiegel des Intersektionalitätsansatzes.

Der Abendvortrag der Soziologin AZADEH KIAN (Paris) stand unter der Leitfrage, was heute unter Intersektionalität verstanden wird und ob sie derzeit zu einer neuen universellen (westlichen) Theorie zur Analyse von Vergangenheit und Gegenwart werde. Kian betonte, aufbauend auf der Entstehungsgeschichte der Intersektionalität, dass diese nie ausschließlich akademische Theorie, sondern stets auch kritische und durchaus politische Praxis für soziale Gerechtigkeit gewesen sei. Als Expertin außerhalb der Geschichtswissenschaft gab sie einen Überblick über verschiedene intersektionale Ansätze und fragte nach ihrer Anwendbarkeit auf die historische Forschung. Hierbei unterstrich sie das Problem, dass es oftmals keine oder wenige Quellen marginalisierter oder unterdrückter Gruppen gebe – wobei zumindest für die Zeitgeschichte die Oral History Abhilfe verschaffen könne. Die anschließende Diskussion zeigte, dass der Ansatz der Intersektionalität ForscherInnen dazu bringt bzw. sogar dazu zwingt, eigene Privilegien innerhalb ihrer spezifischen Disziplinen und Forschungsfelder zu reflektieren.

Die Literaturwissenschaftlerin MARIE-PIERRE HARDER (Paris) leitete das erste thematische Panel Feminisms intersectionally revisited ein. Anhand des 1986 von afro-deutschen Feministinnen herausgegebenen Sammelbands Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte untersuchte sie die Perspektiven, mit denen diese Frauengruppe Wege für eine intersektionale Geschichte und Geschichtsschreibung Deutschlands und Europas bahnte. Harder hob die historische und kritische Relevanz dieser Analysen hervor wie auch deren systematische Ausblendung im Kontext der „deutschen (Sch)Einheit“ (May Ayim) und den damit verbundenen rassistischen Ausschreitungen. Sie gab Einblick in die Forschung und Lyrik afro-deutscher Feministinnen zur Geschichte schwarzer Menschen in Deutschland sowie zur deutschen Kolonialgeschichte, die die Verschränkungen von Rassismus, Sexismus und Antisemitismus im deutschen und europäischen Kontext offenlegten. Die Weißheit der deutschen und europäischen Geschichtsschreibung sei damit hinterfragt worden, was Harder zum Anlass nahm, auf die aktuelle Debatte um die Depolitisierung der zum „buzzword“ (Davis) gewordenen Intersektionalität durch ihre Vereinnahmung im (meist weißen) akademischen und institutionell verankerten Kontext hinzuweisen[2].

VERA KALLENBERG (Santa Cruz, USA) fokussierte Intersektionalität als Forschungsheuristik und Erkenntnisinteresse am Beispiel Gerda Lerners (1920-2013) – einer der maßgeblichen Pionierinnen der historischen Frauenforschung in den USA – auf zweifacher Ebene: Zum einen machte Kallenberg Intersektionalität als Verfeinerung der neuen historischen Biografieforschung fruchtbar. So erklärte Lerner ihr Engagement als linke Aktivistin, feministische Schriftstellerin, amerikanische Geschichtsprofessorin und Anwältin der Frauengeschichte mit ihren Erfahrungen als Jüdin, Geflüchtete, ungelernte Arbeiterin, verfolgte Kommunistin und ältere Frau. Zum anderen lotete Kallenberg das Werk Lerners selbst auf intersektionale Thematisierungen aus und zeichnete ihr Bewusstsein für race, class und gender in ihren Arbeiten der 1940er- bis 1960er-Jahre sowie in ihrer Anthologie Black Women in White America (1972) nach. Lerners Werk – so die zentrale These Kallenbergs – könne daher als „intersektional avant la lettre“ bewertet werden.

LARA TRACK (Heidelberg) ergründete das Verhältnis zwischen schwarzer Bürgerrechtsbewegung und der Friedensbewegung in den USA der 1960er-Jahre am Beispiel des 1961 gegründeten Frauen-Friedensnetzwerks Women Strike for Peace (WSP). Demnach diskutierten die mehrheitlich weißen, der Mittel- und Oberschicht angehörigen WSP-Mitglieder, wie sich die Friedensorganisation bezüglich afroamerikanischer Bürgerrechte und der Inklusion schwarzer Aktivistinnen in das Netzwerk positionieren solle. Auf intersektionaler Ebene ging Track der Frage nach, inwiefern die Verflechtung der Differenzkategorien race und class sowie das jeweilige Verständnis von gender diese Debatten und die Zusammenarbeit zwischen weißen und schwarzen Aktivistinnen beeinflusste. Tracks Kernthese lautete, dass sich weiße WSP-Aktivistinnen zwar teilweise um die Integration schwarzer Frauen in ihren Protest bemühten, ihnen dabei jedoch ihr eigener Fokus auf class im Weg stand, während WSP umgekehrt für schwarze Frauen der Mittel- und Oberschicht wenig attraktiv war, da sie race-spezifische Anliegen hier nicht ausreichend priorisiert sahen.

Das Panel wurde durch einen Vortrag der Medienhistorikerinnen JOSETTE BRUN (Ville de Québec) und ADÈLE CLAPPERTON-RICHARD (Montréal) abgerundet, die Intersektionalität im Hinblick auf Inklusions- und Exklusionsmechanismen in Mediendarstellungen reflektierten. Ausgehend von intersektional angelegten feministischen und kulturhistorischen Medienstudien stelle sich die Frage, inwiefern „Weißsein“ – als eine Form der „Rassifizierung, die Privilegien gewährt“ (Pierre 2016) – zu medialer Ausgrenzung und „Othering“ nicht-weißer Frauen in den Medien führe. Dabei stützten sich Brun und Clapperton-Richard auf eine Fallstudie, die sich aus ihrer aktuellen Forschung über die kanadische Fernsehsendung Femme d’aujourd’hui (Radio-Kanada, 1965-1982 täglich ausgestrahlt) ergab. Dieses für Frauen im Kontext der feministischen Bewegung der 1960/70er-Jahre gedachte Format griff in einigen wenigen Sendungen auch die Lebensrealität marginalisierter Frauen in Québec auf (z. B. Arbeiterinnen, indigene, rassifizierte oder immigrierte Frauen) und bediente sich hierbei intersektional verschränkter Dispositive und Diskurse. Während geschlechts- und klassenspezifische Diskriminierung weißer Frauen systematisch benannt werde, blende die Sendung race-spezifische Benachteiligungen (z. B. die Auswirkungen kolonialistischer Politik auf die Situation indigener Frauen) aus und trage zum „Othering“ nicht-weißer Frauen bei. An diesem Beispiel verdeutlichten die Referentinnen, wie Intersektionalität mit dekolonialen Ansätzen verknüpft und unter kritischen und kulturellen feministischen Perspektiven auf die Mediengeschichte angewandt werden kann.

Auch eine intersektionale Perspektive auf Religion fehlte nicht: NILS KÜHNE (Kiel) thematisierte die Integration von Zivildienstleistenden in diakonische Pflege- und Betreuungseinrichtungen in den 1960er-Jahren. Er untersuchte den institutionellen Aufnahmeprozess für die Kriegsdienstverweigerer und konstatierte, dass die diakonischen Einrichtungen Bewerber nicht anhand einzelner Merkmale bevorzugten oder ausschlossen, sondern aufgrund einer Merkmalskonstellation entlang der intersektional verflochtenen Kategorien Geschlecht, Konfession und „Arbeit“. Aus dieser Erkenntnis leitete Kühne die These ab, dass die Integration von Zivildienstleistenden seitens der diakonischen Institutionen keine Öffnung für Neues war, sondern ein Versuch, einrichtungsinterne Traditionen und besonders ihr konfessionelles Profil zu bewahren.

Im thesenreichen und kontrovers diskutierten Abendvortrag von GABRIELE LINGELBACH (Kiel) ging es um intersektionale Herausforderungen an die Geschichtswissenschaft und vice versa. Innovative Perspektive trifft auf traditionelles Fach – so die Ausgangsthese der Referentin, die es sich zum Ziel machte, ihr Publikum für die daraus resultierenden Schwierigkeiten und Möglichkeiten zu sensibilisieren. Als intersektionale Herausforderung an die Geschichtswissenschaft nannte sie einerseits die Gefahr, den Intersektionalitätsansatz von seinem Bewegungshintergrund zu isolieren, während sich andererseits die geschichtswissenschaftliche Fachkultur gegen eine normative Aufladung und erst recht gegen eine Instrumentalisierung durch gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen bzw. Aktivismus sträube. Als dezidiert geschichtswissenschaftliche Herausforderung an die (interdisziplinär geprägte) Intersektionalität benannte sie die noch ausstehende Historisierung des Intersektionalitätsansatzes und dessen empirische Unterfütterung, die auch das Potenzial eröffne, ihn weiterzuentwickeln und seine heuristische Operationalisierbarkeit zu überprüfen. So könnten mit dem Intersektionalitätskonzept sowohl Diskriminierungsformen wie auch Privilegierungen und deren Zusammenwirken untersucht werden. Insbesondere ginge es darum, die historischen Tiefendimensionen auszuloten und in einem ergebnisoffenen Prozess Ungleichheiten in ihren Verschränkungen als historisch und kontextuell spezifisch sowie in ihrer prozessualen Dynamik herauszuarbeiten. Zuletzt warf Lingelbach die Frage auf, inwiefern eine Institutionalisierung des Intersektionalitätsansatzes für seine Konsolidierung möglich/notwendig/sinnvoll sei.

Das Panel GewaltKörperPolitik eröffnete ANNE-LAURE BRIATTE (Freiburg / Paris) mit einem Beitrag zur intersektionalen Diskriminierung in der Bewertung von sexualisierter Gewalt am Ende des Zweiten Weltkriegs und im besetzten Deutschland. Sie stützte sich auf sogenannte Kriegsberichte, die von Priestern der Erzdiözese Freiburg zwischen Mai 1945 und Ende 1947 verfasst wurden und die von zahlreichen Vergewaltigungen deutscher Frauen in den letzten Kriegsmonaten sowie unter der alliierten militärischen, hier meist französischen Besatzung erzählen. Briatte untersuchte, wie der katholische Klerus über die Vergewaltigungen berichtete und stellte fest, dass das Zusammenspiel der differenzgenerierenden Kategorien Geschlecht, race (nationale und ggf. ethnische Zugehörigkeit), Religion, geografische Herkunft (Stadt vs. Land) und sozialer Status zu sich potenzierenden Diskriminierungen führte. Demnach unterschieden die Priester in ihren Berichten zwischen „wirklicher“ und „nicht wirklicher“ Vergewaltigung und erkannten den Opferstatus der betroffenen Frauen jeweils an oder ab. Methodisch zog Briatte das Modell der Mehrebenenanalyse der Soziologinnen Degele/Winker heran[3], um Relevanz, pragmatische Brauchbarkeit und Grenzen des Intersektionalitätskonzepts in Bezug auf ihren konkreten historischen Forschungsgegenstand auszuloten.

CHRISTA KLEIN (Freiburg) fragte nach intersektionalen Perspektiven auf Bio-Politik in den 1970er/80er-Jahren. Bio-Politik ist ein von Foucault geprägter Begriff, der für die Steuerung der Größe und Zusammensetzung einer Bevölkerung und die Regulierung der Geburten-, Migrations- und Sterblichkeitsrate steht. Mit dem Fokus auf die Wechselwirkungen zwischen Akademie und sozialen Bewegungen – und hier insbesondere die Frauenbewegungen in Europa und den USA – stellte sie heraus, wie Bevölkerungspolitik in den 1970er/80er-Jahren zunehmend aus intersektionaler Perspektive kritisiert wurde. Teile der zweiten Frauenbewegung nahmen die Zusammenhänge zwischen pro- und antinatalistischen Politiken bereits Ende der 1970er-Jahre in den Blick: So demonstrierten Frauen mit dem slogan „abortion on demand – no forced sterilization“ gegen biopolitische Maßnahmen, die weißen bürgerlichen Frauen die Abtreibung verwehrten, proletarische (und) women of color hingegen zur Sterilisation drängten oder zwangen. Gleichzeitig begannen kritische Wissenschaftlerinnen an der Schnittstelle von Bewegung und Akademie mit der Aufarbeitung eugenischer Geburtenpolitiken in ihrer Verschränkung sexistischer, klassistischer, rassistischer und ableistischer Maßnahmen. Klein zeigte, dass Intersektionalität bereits vor der akademischen Begriffsprägung als solidarische Praxis und kritische Analyseperspektive auf Bio-Politik verbreitet war.

BJÖRN KLEIN (Basel) und FELIX KRÄMER (Erfurt) stellten in einem Doppelvortrag ihren Ansatz der Transsektionalität vor, den sie als Erweiterung von Intersektionalität erarbeitet haben. Anhand von zwei Beispielen aus den Vereinigten Staaten – den Körperpraktiken des New Yorker Politikers Murray Hall (1841-1901), dessen Körper nach seinem Tod als weiblich definiert wurde, und der aktuellen Diskussion um hegemonial-männliche Gewalt, die in der Ernennung Brett Kavanaughs zum Richter am Supreme Court im Oktober 2018 kulminierte – lieferten die Referenten einen theoretisch-methodischen Vorschlag, um Machtgeschichten vor dem Hintergrund des material turn abzubilden. Mit ihrem Konzept der Transsektionalität betonten sie vor allem die Prozesshaftigkeit und Fluidität von Machtverhältnissen.

In der letzten Keynote führte LALE YILDIRIM (Berlin) aus, warum auch bzw. insbesondere die Didaktik der Geschichte intersektionale Perspektiven braucht. Die Referentin erläuterte zunächst die Bedeutung und Aufgabe der Geschichtsdidaktik: Sie befasse sich mit dem Umgang mit Geschichte, Geschichtsbewusstsein sowie historischem Denken und Lernen in der Gesellschaft. Daran anknüpfend warf Yildirim die Frage auf, wer in dieser Gesellschaft eigentlich Geschichte(n) (z)erzählen und wer schweigen darf/muss. Vor dem Hintergrund einer imaginierten Normgesellschaft käme es zu einer Defizitbetrachtung von anderen bzw. weiteren Geschichten. Bereits hier werde deutlich, dass es sich beim historischen Denken nicht allein um einen kognitiven, sondern auch um einen emotionalen Vorgang handele, der die Berücksichtigung intersektionaler Einflussfaktoren erfordere. Am Beispiel von Migration, das sie mit einer plastischen Fallstudie untermauerte, zeigte Yildirim, dass Diversitätskategorien, Machtebenen und strukturelle Einflüsse einbezogen werden müssten, um theoretische Voraussetzungen historischen Denkens in pluralistischen Gesellschaften zu formulieren und zu erweitern.

Der Abschlusskommentar von MONIKA MOMMERTZ (Basel) sowie die Abschlussdiskussion verdeutlichten, dass es kein einheitliches Konzept von Intersektionalität gibt, es aber fruchtbar ist, den Ansatz zur Diskussion zu stellen. Mommertz begrüßte, dass Intersektionalität als Konzept von allen Vortragenden (abgewandelt) angewandt und/oder kritisch hinterfragt wurde. Obwohl es nicht aus der Wissenschaft stamme, sei es an AutorInnen gebunden, die wiederum institutionell eingebunden sind. Es sei klar geworden, wie wichtig deren (Selbst-)Reflexion und eine gewisse Ergebnisoffenheit in der historischen Forschung seien. Am Ende stand die Einsicht, dass Intersektionalität sehr wohl Potenzial für die historische Forschung birgt, wenngleich ihr unter anderem methodische Grenzen gesetzt sind. Die Diskussion zeigte wiederum, dass die Deutungshoheit über das Konzept, seine wissenschaftliche Umsetzung sowie die mit ihm verbundenen Ziele weiterhin strittig sind. Mehrmals wurde der aktivistische Hintergrund der Intersektionalität betont, dessen man sich – auch oder gerade bei einer akademischen Aneignung – bewusst sein solle. Uneinig blieben die TeilnehmerInnen darüber, wie, wenn denn gewollt, eine Etablierung des Analysekonzepts in der universitären Geschichtswissenschaft aussehen könnte. Auch die Frage, ob eine solche Institutionalisierung mit allzu vielen Verlusten – d. h. der „Weißwaschung“ und Gentrifizierung und somit der Entpolitisierung des Begriffs – verbunden sei, wurde kontrovers diskutiert.

Zusammenfassend zeigte die Tagung, wie vielseitig empirisch fundierte Studien intersektional vorgehen und welche Potenziale das Intersektionalitätsparadigma für die historische Forschung bereithält. Abgerundet wurde sie durch das Vernetzungstreffen des Arbeitskreises Historische Frauen- und Geschlechterforschung (AKHFG e. V.)-Süd, bei dem neue Mitglieder begrüßt werden konnten.

Konferenzübersicht:

Isabelle Deflers (Freiburg): Eröffnung

Abendvortrag

Azadeh Kian (Paris): Intersectionnalité : une nouvelle ‘universalité’ occidentale?

Panel I: Feminisms intersectionally revisited

Marie-Pierre Harder (Paris): Quand “annoncer la couleur” (Farbe bekennen) annonçait l’intersectionnalité? (D)énoncer l’entrelacement de la race, du genre et de la classe pour revoir l’histoire

Vera Kallenberg (Santa Cruz, USA): “Doing Intersectionality avant la lettre”: Gerda Lerner (1920-2013) und die Entstehung der Women’s History in den USA

Lara Track (Heidelberg): “This tidy little bombshell.” Race, Class und die US-amerikanische Frauenfriedensbewegung

Adèle Clapperton-Richard (Montréal) / Josette Brun (Ville de Québec): Intersectionnalité et histoire des médias au Québec : une étude de cas pour penser l’inclusion et l’exclusion

Panel II: Religion intersektional

Nils Kühne (Kiel): „Es ist schwierig Ersatzdienstpflichtige auszuwählen.” Die Integration von Zivildienstleistenden in konfessionelle Pflege- und Betreuungseinrichtungen in den 1960er-Jahren

Abendvortrag

Gabriele Lingelbach (Kiel): Intersektionale Herausforderungen an die Geschichtswissenschaft (und vice versa)

Panel III: GewaltKörperPolitik

Anne-Laure Briatte (Freiburg/Paris): Il y a victime et victime. Quand le clergé catholique rend compte des violences sexuelles subies par les Allemandes à la fin de la Seconde Guerre mondiale

Christa Klein (Freiburg): “Abortion on Demand – No Forced Sterilization". Intersektionale Perspektiven auf Bio-Politik in den 1970er-Jahren

Felix Krämer (Erfurt) / Björn Klein (Basel): Von Murray Hall zu Brett Kavanaugh. Intersektionale Verletzungen und transsektionale Perspektiven auf Körpermaterialität im Politischen

Abschlussvortrag, -kommentar und -diskussion

Paul Kennouche: Präsentation von Procope structurant (wissenschaftliches Förderprogramm der französischen Botschaft in Deutschland)

Lale Yildirim (Berlin): Intersektionale Perspektiven der Didaktik der Geschichte

Monika Mommertz (Basel): Abschlusskommentar

Abschlussdiskussion

Anmerkungen:
[1] Anne-Laure Briatte: L’Europe, une chance pour les femmes? Le genre de la construction européenne (Éditions de la Sorbonne 2019; mit Éliane Gubin und Françoise Thébaud); Marie Muschalek: Violence as Usual. Policing and the Colonial State in German Southwest Africa (Cornell University Press 2019).
[2] Vgl. hierzu Sirma Bilge (2015): Le blanchiment de l’intersectionnalité, in: Recherches féministes, Bd. 28, Nr. 2, S. 9–32, https://doi.org/10.7202/1034173ar (18.11.2019).
[3] Nina Degele/Gabriele Winker (2007): Intersektionalität als Mehrebenenanalyse, https://www.soziologie.uni-freiburg.de/personen/degele/dokumente-publikationen/intersektionalitaet-mehrebenen.pdf/view (18.11.2019).

Zitation
Tagungsbericht: Geschichte intersektional. Relevanz. Potenziale. Grenzen, 10.07.2019 – 12.07.2019 Freiburg im Breisgau, in: H-Soz-Kult, 05.12.2019, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8543>.