Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 69 (2021), 4

Titel der Ausgabe 
Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 69 (2021), 4

Erschienen
München 2021: Oldenbourg Verlag
Erscheint 
vierteljährlich
Preis
Jahresabo: 59,80 €; Stud.abo: 34,80 €; Mitgl.abo. hist. u pol. Fachverbände: 49,80 €, Online-Zugang: 49,- €; Print+Online-Abo 72,- €

 

Kontakt

Institution
Institut für Zeitgeschichte München-Berlin
Abteilung
Redaktion Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte
Land
Deutschland
PLZ
80636
Ort
München
Straße
Leonrodstraße 46 B
Von
Florian Hoppe, Geisteswissenschaften, De Gruyter Oldenbourg

Das neue Heft der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte ist erschienen, wir wünschen anregende Lektüre!

Inhaltsverzeichnis

Aufsätze

Morten Reitmayer
Populismus als Untersuchungsfeld der Zeitgeschichte. Ein kritischer Forschungsbericht
Der Aufsatz diskutiert verschiedene Definitionen des Populismus aus der neuesten internationalen politik- und sozialwissenschaftlichen Forschungsliteratur. Er argumentiert gegen eine unreflektierte Übernahme der politikwissenschaftlichen Definitionen des Populismus, besonders da gegenwärtig konkurrierende Definitionen des Begriffs existieren: Einerseits gibt es eine einflussreiche Strömung, die den Populismus als eine schwache, „dünne“ Ideologie ansieht. Andererseits wird Populismus als eine Strategie zu Machtgewinn und Massenmobilisierung verstanden. Zudem gibt es kaum empirisch bestätigtes Wissen über eine der zentralen Annahmen fast aller Populismusdefinitionen: er sei im Kern ein Anti-Elitismus. Schließlich formuliert der Aufsatz Forschungsfelder und Leitfragen für zeitgeschichtliche Populismusforschung, die auf diesen und anderen konzeptionellen Problemen basieren.

Morten Reitmayer
Populism as a Field of Study of Contemporary History. A Critical Research Report
The article discusses various definitions of populism from recent international political science and social science literature. It argues for caution in the unquestioning adoption of political science definitions of populism, especially since there are currently conflicting definitions of the term: On the one hand, there is an influential current that sees populism as a weak, “thin” ideology. On the other hand, populism is understood as a strategy for gaining power and mobilising the masses. In addition, there is hardly any empirically confirmed knowledge about one of the central assumptions of almost all populism definitions, namely that it is anti-elitism at its core. Finally, the article formulates fields and guiding questions for contemporary historical research on populism based on these and other conceptual problems.

Sascha Steger
Kurt Daluege, die Stennes-Revolten 1930/31 und der Aufstieg der SS
In den Jahren 1930 und 1931 erschütterten zwei Revolten des SA-Führers Walter Stennes die im Dauerwahlkampf stehende NS-Bewegung. Die schnelle Niederschlagung beider Parteikrisen reklamierte die ostdeutsche Schutzstaffel unter Kurt Daluege für sich und verbreitete die Erzählung, Hitler habe die aufstrebende SS mit dem Leitspruch „Meine Ehre heißt Treue“ ausgezeichnet, um ihr für den aufopferungsvollen Einsatz gegen die Rebellen zu danken. Sascha Steger stellt dieses bis heute wirkmächtige Narrativ auf den Prüfstand, analysiert den tatsächlichen Verlauf der Stennes-Revolten und kommt zu dem Ergebnis, dass die SS unter Daluege zwar treu zum „Führer“ stand, aber keine entscheidende Rolle bei der Beendigung der Auseinandersetzung spielte.

Sascha Steger
Kurt Daluege, the Stennes Revolts 1930/31 and the Rise of the SS
In 1930 and 1931, two revolts by SA Leader Walter Stennes shook the Nazi Movement as it was in permanent campaign mode. The East German SS under Kurt Daluege claimed the quick suppression of both party crises for itself and disseminated the tale, that Hitler had awarded the rising SS with the motto “Meine Ehre heißt Treue” (My Honour is Called Loyalty) in order to thank it for its sacrificial deployment against the rebels. Sascha Steger puts this narrative, which is efficacious to date, to the test, analyses the actual course of the Stennes revolts and comes to the conclusion that, while the SS under Daluege was loyal to the Führer, it played no decisive role in ending the confrontation.

Tanja Penter/Dmytro Tytarenko
Der Holodomor, die NS-Propaganda in der Ukraine und ihr schwieriges Erbe
Tanja Penter und Dmytro Tytarenko beleuchten einen bislang kaum beachteten Aspekt deutsch-ukrainischer Verflechtungsgeschichte im Zusammenhang mit der großen Hungersnot der Jahre 1932/33. Sie untersuchen, wie die Hungerkatastrophe in der Ukraine, über die man unter Stalin nicht öffentlich sprechen durfte, in der deutschen Besatzungspresse zwischen 1941 und 1944 erstmals öffentlich thematisiert und propagandistisch instrumentalisiert wurde. Ausgehend von einer Analyse der Pressepublikationen fragen sie unter anderem danach, welches Bild der Hungersnot die Besatzer vermittelten und ob das Erbe dieser propagandistischen Instrumentalisierung des Verbrechens Spuren in der ukrainischen Erinnerungskultur hinterlassen hat.

Tanja Penter/Dmytro Tytarenko
The Holodomor, Nazi Propaganda in Ukraine and its Difficult Legacy
Tanja Penter and Dmytro Tytarenko illuminate a hitherto neglected aspect in the history of German-Ukrainian relations connected to the Great Famine of 1932/33. They investigate how the hunger catastrophe in Ukraine was covered by the press issued under German occupation between 1941 and 1944, when the topic, which one could not speak about in public under Stalin, was first discussed publicly and instrumentalised for propaganda. Starting from an analysis of the press publications they inter alia ask what image the occupiers transmitted about the famine and whether the legacy of this propagandistic instrumentalisation of the crime has left any traces in Ukrainian commemorative culture.

Diskussion

Diskussion: Geschlecht und Demokratie. Deutungskämpfe um die Ordnung der Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland
Deutungskämpfe um die Ordnung der Geschlechter prägten die Geschichte der bundesrepublikanischen Demokratie. Vorstellungen von einer je nach Standpunkt natürlichen oder gerechten Geschlechterordnung gingen in das Grundgesetz ein, sie formten die politische Praxis demokratischer Institutionen und sie strukturierten alltägliche Aneignungen demokratischer Prinzipien. Gleichzeitig waren diese Vorstellungen von Beginn an umstritten. Die Autorinnen und Autoren untersuchen aus sechs verschiedenen Perspektiven, wie die Produktion von Geschlecht als sozialer Kategorie mit der Hervorbringung und Praxis von Demokratie in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik verschränkt war. Mit Blick auf Geschlechterordnungen treten die inneren Widersprüche des westdeutschen Demokratieprojekts klar hervor.

Discussion: Gender and Democracy. Interpretative Struggles about the Social Order in the Federal Republic of Germany
The history of democracy of the Federal Republic of Germany has been characterized by bitter confrontations over gender orders. Notions of a natural or just gender order not only entered the West German constitution, but they also shaped the political functioning of democratic institutions and fashioned the way democratic principles were adopted and internalized on a day-to-day basis. From the start, these concepts were heavily contested. By introducing six different research perspectives the authors explore how the production of gender as a social category and the establishment and practice of democracy were inextricably intertwined during the first decades of the Federal Republic. Focusing on contested gender orders allows a better understanding of the inner contradictions and tensions of the West German democratic project.

VfZ-Online

Neu: Innovatives Video-Format, Aufzeichnung des „Podiums Zeitgeschichte“ 2021 und ergän¬zende Materialien zu Philipp Gahns Dokumentation in der Juli-Ausgabe

Rezensionen online
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Autorinnen und Autoren
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Jahresinhaltsverzeichnis 2021

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