HeimatPraktiken. Aneignungsformen und alltägliche Konstruktionen von Heimat in historischer Perspektive

HeimatPraktiken. Aneignungsformen und alltägliche Konstruktionen von Heimat in historischer Perspektive

Veranstalter
Eine Kooperation des DFG-Projektes „Polyphonie der Heimat“ am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der TU Dresden, des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde und dem Arbeitsbereich Zeitgeschichte, Abteilung Geschichtswissenschaft, Universität Bielefeld.
Veranstaltungsort
TU Dresden
Gefördert durch
DFG
PLZ
01069
Ort
Dresden
Land
Deutschland
Vom - Bis
19.05.2022 - 20.05.2022
Deadline
31.10.2021
Von
Dr. Johannes Schütz, Institut für Geschichte, TU Dresden

Der Workshop greift die Debatte um Heimat auf und wendet sich der praxeologischen Dimension aus historischer Perspektive. Wir möchten alle auf diesem Feld Arbeitenden gerne einladen, Beitragsvorschläge einzusenden.

HeimatPraktiken. Aneignungsformen und alltägliche Konstruktionen von Heimat in historischer Perspektive

Eine Kooperation von Johannes Schütz, DFG-Projekt „Polyphonie der Heimat“ am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der TU Dresden, Antje Reppe und Henrik Schwanitz, Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Dresden und Anna Strommenger, Arbeitsbereich Zeitgeschichte, Abteilung Geschichtswissenschaft, Universität Bielefeld.

Die Auseinandersetzung mit Heimat hat gegenwärtig nicht allein Konjunktur, sie ist mittlerweile fast zu einer Art Dauerbrenner avanciert. Dies betrifft tagesaktuelle Debatten ebenso wie die Auseinandersetzung in zahlreichen kultur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Die geschichtswissenschaftliche Perspektive hat sich dabei vorwiegend auf die Begriffs- und Ideengeschichte sowie die institutionalisierte Heimatbewegung gerichtet. Anders als in soziologischen und kulturanthropologischen Forschungsarbeiten wurde dabei der praxeologischen Dimension von Heimat und deren Wechselwirkungen mit den gesellschaftlich jeweils wirkmächtigen Heimatvorstellungen weit weniger Beachtung zuteil. Angesichts dieses Befunds rückt der Workshop Heimat-Praktiken in den Fokus und nähert sich deren Analyse aus zweifacher Richtung: Zum einen werden die theoretischen Implikationen, methodischen Herausforderungen und interdisziplinären Möglichkeiten einer praxeologischen Erforschung von Heimat problematisiert. Zum anderen werden Untersuchungen zu empirischen Fallbeispielen herangezogen und zur Diskussion gestellt, wobei der zeitliche Schwerpunkt auf dem 19. und 20. Jahrhundert liegt. Ein solches Vorgehen verspricht Klärung darüber, welche historischen Phänomene sich unter dem Begriff „Heimat-Praktiken“ subsumieren lassen.

In dem geplanten Workshop werden Praktiken im Fokus stehen, mit denen historische Akteur:innen „ihre“ Heimat aneigneten und herstellten. Dabei ist davon auszugehen, dass diese Praktiken in einem wechselseitigen Bezug zu den ideellen Heimatvorstellungen stehen. In welcher Form sich aber Vorstellungen und Praktiken beeinflussten, wird Gegenstand der Diskussionen sein. Weiterhin wird in Auseinandersetzung mit dem bereits etablierten Konzept der Beheimatung über einen dezidiert praxistheoretischen Zugang nach Aneignungsformen und alltäglichen Routinen gefragt, die Heimat als Ort herstellten und emotional besetzten: Welche Heimat-Praktiken prägten den Alltag von Menschen in verschiedenen politischen Systemen? Wie beeinflussten unterschiedliche gesellschaftliche, politische oder kulturelle Konstellationen diese Heimat-Praktiken? Lassen sich durch diachrone und synchrone Vergleiche Kontinuitäten und Brüche aufzeigen? Was bedeutete beispielsweise die Einrichtung eines Heimatmuseums im Kaiserreich, in der Weimarer Republik oder in den beiden deutschen Nachkriegsgesellschaften? In die Analyse von Heimat-Praktiken sollen sowohl alltägliche Routinen als auch reflexive Praktiken zur Herstellung von Heimat – seien es das Filme Machen oder Heimatbücher Schreiben – einbezogen werden, um den Begriff nicht zu stark einzugrenzen und der Polyvalenz von Heimatvorstellungen zu entsprechen. Auf diese Weise kann das Potenzial der Analyse von Heimat-Praktiken für die weitere ideengeschichtliche Erforschung von Heimat diskutiert und zugleich um internationale Vergleiche erweitert werden.

Zudem wirft ein solches Vorgehen die Frage nach den theoretischen und methodischen Herausforderungen einer geschichtswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Heimat-Praktiken auf. Was ist überhaupt unter dem Begriff zu verstehen? Wie trennscharf ist er, insbesondere jenseits der institutionalisierten Heimatbewegung? Wie lassen sich Heimat-Praktiken erforschen? Lassen sich begriffliche Unterscheidungen zwischen Beheimatungsprozessen und Heimat-Praktiken machen? Welche Quellen können für eine praxeologische Untersuchung von Heimatkonstruktionen herangezogen werden? Welche theoretischen Zugänge eignen sich für historische Analysen und inwiefern lassen sich interdisziplinäre Perspektiven eröffnen? Ausgehend von diesen Fragen sollen im Workshop Forschungsvorhaben besprochen und Nachwuchswissenschaftler:innen ins Gespräch gebracht werden. Impulse für die Diskussion werden durch keynote lectures von ausgewählten Expert:innen auf diesem Gebiet gegeben. Alle historisch und kulturwissenschaftlich arbeitenden Disziplinen sind dazu eingeladen, sich über den Call for Papers mit Ihren Projekten für die Teilnahme zu bewerben.

Zusendungen von Vortragsvorschlägen (max. 500 Wörter) und einer kurzen Biografie (max. 200 Wörter) bitte bis zum 31.10.2021 an: Johannes.Schuetz1@tu-dresden.de

HeimatPractices. Forms of appropriation and everyday constructions of Heimat (Homeland) in historical perspective

A collaborative workshop organized by Johannes Schütz (DFG-Projekt „Polyphonie der Heimat“, located at the Chair of Modern History, Technical University Dresden), Antje Reppe und Henrik Schwanitz (Institute of Saxon History and Cultural Anthropology, Dresden) and Anna Strommenger (Field of Contemporary History, History Department, Bielefeld University).
The discussion of “Heimat” is not only of high interest in the present but has almost become a permanent topic during the last decades. This applies to current political debates as well as to the discussion in numerous disciplines of cultural studies and the humanities. So far, historiographical research has mainly focused on the history of concepts and ideas as well as on the institutionalized “Heimat Movement”. In contrast to sociological and cultural anthropological research, far less attention has been paid to the praxeological dimension of “Heimat” and its interactions with the socially influential notions of “Heimat”. Building upon these findings, the workshop will focus on “Heimat-Practices” and approach their analysis from two perspectives: On the one hand, the theoretical implications, methodological challenges, and interdisciplinary possibilities of a praxeological study of “Heimat” will be discussed. On the other hand, empirical case studies are drawn upon and put up for discussion, with a temporal focus on the 19th and 20th centuries. Such an approach promises to clarify which historical phenomena can be subsumed under the term “Heimat-Practices”.
The planned workshop will focus on practices with which historical actors appropriated and produced "their" “Heimat”. It can be assumed that these practices have a reciprocal relationship to different notions of “Heimat”. But the question in which way ideas and practices influenced each other precisely will be the subject of discussion. Furthermore, in an examination of the already established analytical concept of “Beheimatung”, a decidedly practice-theoretical approach will be used to inquire into forms of appropriation and everyday routines that produced and emotionally occupied “Heimat” as a place or space: What “Heimat-Practices” shaped the everyday lives of people in different political systems? How did different social, political, or cultural constellations influence these “Heimat-Practices”? Can diachronic and synchronic comparisons reveal continuities and ruptures? For example, what did the establishment of a Heimat museum mean in Wilhelmine or Weimar Germany, and in which way did this change in the two post-war German societies? In the analysis of “Heimat-Practices” both everyday routines and reflexive practices for the production of “Heimat” – be it making films or writing Heimat books – are to be included. This approach prevents narrowing down the concept and promises to correspond to the polyvalence of notions of “Heimat”. Hence, in the first place, the potential of the analysis of “Heimat-Practices” for further research on “Heimat” in the history of ideas can be discussed. Secondly, this discussion can be extended to international comparisons at the same time.
Moreover, such an approach raises the question of the theoretical and methodological challenges of a historiographical examination of “Heimat-Practices”. What does the term refer to? How distinct is it, especially beyond the institutionalized “Heimat Movement”? How can “Heimat-Practices” be researched? Which sources can be used for a praxeological investigation of “Heimat constructions”? Which theoretical approaches are suitable for historical analyses and to what extent can interdisciplinary perspectives be opened up? These (and further) questions built the central backdrop against which young scholars will discuss their current research projects on “Heimat” as well as overarching theoretical and methodological questions in the workshop. Keynote lectures by selected experts in this field will further stimulate the discussion. All disciplines working in the fields of history and cultural studies are invited to apply with their projects.
Please send proposals for a contribution (max. 500 words) and a short biography (max. 200 words) until October 31st, 2021, to Johannes.Schuetz1@tu-dresden.de. Presentations can be given either in German or in English.

Kontakt

E-Mail: johannes.schuetz1@tu-dresden.de

Redaktion
Veröffentlicht am
07.09.2021
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