Feuerbach 2.0? Das griechische Strafrecht von 1834

Feuerbach 2.0? Das griechische Strafrecht von 1834

Veranstalter
Prof. Dr. Martin Löhnig (Regensburg) Prof. Dr. Konstantina Papathanasiou, LL.M. (Vaduz) (Universität Regensburg)
Ausrichter
Universität Regensburg
Veranstaltungsort
Universität Regensburg und ZOOM
PLZ
93053
Ort
Regensburg
Land
Deutschland
Vom - Bis
09.12.2021 - 10.12.2021
Von
Martin Löhnig, Fakultät für Rechtswissenschaften, Universität Regensburg

Am 25. März 2021 hat Griechenland sein großes Jubiläum gefeiert: 200 Jahre Unabhängigkeit und staatliche Souveränität. Dies nehmen wir zum Anlass, um eine Tagung zu organisieren, deren Gegenstand die strafrechtlichen Gesetze sind, die von dem bayerischen Juristen Georg Ludwig von Maurer verfasst wurden und 1834 im neu gegründeten Griechenland in Kraft traten.

Feuerbach 2.0? Das griechische Strafrecht von 1834

Georg Ludwig von Maurer war in seiner Eigenschaft als Mitglied der Regentschaft des bayerischen Prinzen Otto, der im Alter von 17 Jahren griechischer König geworden war, der erste Gesetzgeber des Königsreiches Griechenland. Grundlage seines griechischen Strafgesetzes war insbesondere das Feuerbach‘sche bayerische Strafgesetzbuch von1813. Auf dem Schreibtisch stehen hatte Maurer dieses bayerische Gesetzbuch allerdings in einer mehrfach novellierten Fassung, die der Kritik, die alsbald an Feuerbachs Werk laut geworden waren, zum Teil Rechnung getragen hatte. Gleichzeitig berücksichtigte Maurer auch die bayerischen Entwürfe für ein völlig neues bayerisches Strafgesetzbuch aus den Jahren 1822, 1827 und 1831 und kannte auch die französischen Strafgesetzbücher aus den Jahren 1810 und 1832 gut. Während Feuerbachs StGB auch ein Prozessrecht enthielt, hatte Maurer eine eigenständige Strafprozessordnung für das Königreich Griechenland vorgesehen. Umgekehrt gliederte er das Polizeistrafrecht als Dritten Teil dem Strafgesetzbuch an, während in Bayern ein das Polizeistrafrecht ein eigenständiges Gesetz bildete. Eine deutsche Übersetzung der griechischen Gesetze hat Maurer selbst 1835 publiziert (Maurer, Das griechische Volk in öffentlicher, kirchlicher und privatrechtlicher Beziehung. Vor und nach dem Freiheitskampfe bis zum 31. Juli 1834, Dritter Band. Anhang, Heidelberg 1835, abrufbar bei google books).

Das Bayerische Strafgesetzbuch von 1813 ist der erste Versuch, die Vorstellungen der philosophisch gebildeten Strafrechtswissenschaftler jener Zeit von einem rationalen und liberalen Strafrecht in eine umfassende Kodifikation zu überführen. Es markiert den Beginn der modernen deutschen und europäischen Strafgesetzgebung, so wie sein Verfasser, der Wirkliche Staatsrat Paul Johann Anselm von Feuerbach (1775-1833), in Deutschland als Begründer der liberalen, rechtsstaatlichen Strafrechtswissenschaft gilt. Das Gesetzbuch war gilt bis heute als Prüfstein für die Liberalität, Modernität und Rationalität von Strafrechtskodifikationen. Zu nennen sind die Unterscheidung zwischen Allgemeinem und Besonderem Teil des Strafrechts, die systematische Geschlossenheit des Allgemeinen Teils, die Durchführung des Grundsatzes „nulla poena sine lege“ und die Umsetzung des Bestimmtheitsgebots im Besonderen Teil. Das Strafrecht Griechenlands erscheint vor diesem Hintergrund gleichsam als die Version 2.0 des Feurbach’schen Werkes. Dies lässt eine eingehende Befassung mit dem Straf- und Strafprozessrecht des Königreichs Griechenland, wo Maurers Werk übrigens bis 1951 gegolten hat, sehr lohnenswert erschienen.

Programm

Panel 1: Grundlagen (09.12.2021 – 15.00 Uhr)

Marcus Schladebach
Georg Ludwig von Maurer und die griechische
Staatsgründung

Martin Löhnig
Was stand auf Maurers Schreibtisch?
Zur Entwicklung (nicht nur) des bayerischen
Strafrechts im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts

Konstantina Papathanasiou
Das griechische Strafrecht von 1834
Die "vollständigste und mildeste unter allen
vorhandenen Strafgesetzgebungen"?

Panel 2: Inhaltliche Fragen (10.12.2021 – 09.00 Uhr)

Georgios Tzagkournis
Der Einfluss der Lehre Feuerbachs auf die
griechische Beteiligungsdogmatik

Michael Tsapogas
Die Blasphemie vom Bayerischen zum
Griechischen Strafgesetzbuch

Ioannis Morozinis
Die Feuerbachsche Untreueregelung des
ersten griechischen Strafgesetzes und das
überlieferte Missverständnis um die
Novelle von 1911

Nikolaos Pavlakos
Der Vermögensbezug des Betrugstatbestands
im griechischen Strafgesetz von 1834

Panel 3: Aus bayerischem Recht wird
griechisches Recht (10.12.2021 – 14.00 Uhr)

Philippos Kotsalis / Anna Sakellaraki
Die soziale Legitimation des griechischen
Strafgesetzbuchs von 1834

Wassiliki Neumann-Roustopanis
Die Gerichts- und Notariatsordnung
von 1834

Ioannis Giannidis
Strukturen der Rezeption am Beispiel des
Einflusses der deutschen Strafrechtswissenschaft
auf das Griechische Strafrecht

Kontakt

rechtskultur@ur.de

Redaktion
Veröffentlicht am
11.10.2021
Beiträger