Niedergang oder Konsolidierung? Handlungsperspektiven dienstbarer Adliger im 18. Jahrhundert

Niedergang oder Konsolidierung? Handlungsperspektiven dienstbarer Adliger im 18. Jahrhundert

Veranstalter
Historische Kommission für Sachsen-Anhalt
Veranstaltungsort
Franckesche Stiftungen zu Halle
Ort
Halle an der Saale
Land
Deutschland
Vom - Bis
22.02.2018 - 23.02.2018
Deadline
30.06.2017
Von
Historische Kommission für Sachsen-Anhalt

Call for Papers

Im Namen der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt und unter der Leitung von Dr. Andreas Erb (Dessau), organisiert von Paul Beckus (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Thomas Grunewald (Franckesche Stiftungen zu Halle), Michael Rocher (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg).

Die Erforschung des Adels im Mitteldeutschen Raum hat durch die Arbeit der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt in den letzten Jahren wichtige neue Impulse gewonnen. Im Mittelpunkt standen dabei die kleinen Reichsfürsten und Reichsgrafen Mitteldeutschlands. Für die nicht mit Sitz und Stimme im Reichstag ausgestatteten adligen Personengruppen fehlt es jedoch bisher an übergreifenden Untersuchungen, sowohl was deren Handlungsoptionen als auch ihre Tätigkeitsfelder und Netzwerke anbetrifft. Gerade der dienstbare Adel vom Umbruch des 17. Jahrhunderts bis zum Ende des Alten Reiches ist in der Geschichtsforschung nach wie vor ein recht unbeschriebenes Blatt.

Für den geplanten Workshop wollen wir unter diesem Begriff Nobilitierte, landsässige Ritter und Freiherren, Reichsritter und Reichsfreiherren sowie landsässige Grafen und die durch kaiserliche Erhöhungen entstandene Gruppe der (Titular-)Reichsgrafen fassen. Es handelt sich hier um eine durchaus heterogene Gruppe die allerdings mit Blick auf ihre Ressourcen und ihre Handlungsoptionen große Schnittmengen aufwies. Die begrenzten eigenen Mittel und Möglichkeiten zu einer standesgemäßen Lebensführung ließen den überwiegenden Teil dieser Gruppe in den Dienst großer Territorialherren treten.

Ausgehend von den historischen Territorien auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt soll diese Gruppe von Adligen in den Blick genommen werden. Der Untersuchungsraum wird dabei als relativ offen verstanden, um den tatsächlichen engen Vernetzungen und Austauschbeziehungen zwischen den verschiedenen Adligen in den aneinandergrenzenden Territorien Brandenburg-Preußens (Kurmark, Herzogtum Magdeburg, Fürstentum Halberstadt) und Kursachsens sowie den durch die ernestinischen Herzogtümer geprägten thüringischen Gebieten und den anhaltinischen Fürstentümern im Untersuchungsgebiet Rechnung zu tragen.
Das Interesse des Workshops richtet auf den Zeitraum von ca. 1700 bis 1806 und beleuchtet gewissermaßen die Vorgeschichte des Elitenwandels im 19. Jahrhundert. Das letzte Jahrhundert des Alten Reiches erscheint deshalb als zeitliche Orientierung geeignet, da sich in dieser Phase verschiedene gesellschaftliche und politische Wandlungsprozesse vollzogen, die zu grundlegenden Änderungen der Rahmenbedingungen für den dienstbaren Adel führten (Ausdifferenzierung der Ständegesellschaft, Bildungsexpansion, intensivierte Territorialisierung, Zunahme der Nobilitierungen und Standeserhöhungen, etc.).

Im Workshop soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern es territoriale Besonderheiten im Untersuchungsraum gab, die bestimmte Handlungsmöglichkeiten opportun erscheinen ließen. In diesem Zusammenhang fragen wir nach den generationenübergreifenden Tätigkeitsfeldern und Strategien der dienstbaren Adelsfamilien.
Dabei wird unter anderem der Frage nachzugehen sein, ob bestimmte Territorien engere Verbindungen eingingen und inwiefern dies auf überterritoriale Netzwerke von Familienverbänden zurückzuführen ist?
Wie sah es mit dem Zugriff auf althergebrachte Versorgungsstrukturen (wie z.B. Domkapiteln und Ritterorden) und die Güterverteilung aus?

Zudem soll nach Strategien auf dem Feld des Bildungs- und Wissenserwerbs sowie deren Nutzen für den späteren Dienst gefragt werden: Prädestinierten bestimmte Ausbildungsstätten für den Dienst in bestimmten Territorien oder spezifische Betätigungsfelder?

Der Workshop wird unter der Leitung von Dr. Andreas Erb (Dessau) in den Franckeschen Stiftungen zu Halle stattfinden. Reise- und Übernachtungskosten werden übernommen. Die Organisatoren freuen sich über Interesse an diesem Forschungsfeld und erbitten Vortragsvorschläge zu den genannten Thematiken (ca. 400 Wörter mit Angaben zur Person und laufenden Projekten) bis zum 30. Juni 2017 an die:

Historische Kommission für Sachsen-Anhalt
- Arbeitsstelle -
c/o Franckesche Stiftungen zu Halle
Franckeplatz 1 / Haus 37
06110 Halle / Saale
Tel.: (0345) 21 27 427
Mail: kontakt@hiko-sachsen-anhalt.de

Programm

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