I. Schulze Schneider: La leyenda negra de España

Cover
Titel
La leyenda negra de España. Propaganda en la Guerra de Flandes (1566­-1584)


Autor(en)
Schulze Schneider, Ingrid
Reihe
Colección: Imagen, comunicación y poder
Erschienen
Anzahl Seiten
200 S.
Preis
€ 18,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Britta Tewordt, a.r.t.e.s. Forschungsschule, Universität zu Köln

Der Achtzigjährige Krieg (1568-1648) war nicht nur ein Konflikt zwischen dem spanischen König und seinen niederländischen Untertanen, eine Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten, sondern auch ein Medienkrieg, der nachhaltige Wirkung besaß. Diesem widmet sich Ingrid Schulze Schneider, Professorin für Kommunikationsgeschichte an der Universidad Complutense in Madrid, in ihrer Publikation „La leyenda negra de España. Propaganda en la guerra de Flandes (1566-1584)“, in der sie die niederländische Propaganda-Politik gegen Spanien und den spanischen Herrscher Philipp II. sowie die damit verbundene so genannte „Leyenda negra“ (Schwarze Legende) untersucht. Dieser von Julián Juderías zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingeführte Begriff beschreibt die durch die Propagandamedien des 16. Jahrhunderts verbreiteten und jahrhundertelang tradierten Vorurteile und Klischees über Spanien und gab den Ausschlag für zahlreiche Studien und Diskussionen.[1] Wie die Autorin in ihrem Beitrag ausführt, wussten die Niederländer während des Achtzigjährigen Krieges die Massenmedien eindrucksvoll zu nutzen, um politische Propaganda zu betreiben und damit nachhaltig und erfolgreich ein negatives Spanienbild zu konstruieren und im kollektiven Gedächtnis zu verankern: „La hispanofobia de los rebeldes holandeses fue adoptada durante siglos sin crítica por la mayoría de los historiadores de la guerra de Flandes.“ (S. 80)

Ingrid Schulze Schneiders Analyse der niederländischen Propaganda konzentriert sich auf die Zeit zwischen 1565 und 1584, das heißt, auf die Anfänge des spanisch-niederländischen Konfliktes bis zum Jahr der Ermordung Wilhelm von Oraniens, dessen intensive Propagandatätigkeit im Dienste des niederländischen Freiheitskampfes eine besondere Relevanz für die Konstituierung der öffentlichen Meinung in Europa besaß.

Das Buch besitzt eine klare, übersichtliche Struktur, die neben der Einführung und der Schlussbetrachtung zwei Großkapitel umfasst, deren Unterpunkte zumeist prägnant und kurz erläutert werden.

Nach einer Einleitung mit einigen Erläuterungen zur Methodik und Struktur der Studie folgt das Kapitel „La rebelión en los Países Bajos“, das den historischen Kontext erörtert, aus dem heraus die antispanische Propaganda in den Niederlanden entsteht. Die Autorin benennt hier die Faktoren, die zum Ausbruch des Aufstandes beigetragen haben und stützt sich dabei unter anderem, wie sie eingangs erklärt, auf die schon bekannten Untersuchungen von Geoffrey Parker, Manuel Fernández Àlvarez, J. H. Elliott, H. Romberg sowie Johannes Arndt. Das Kapitel befasst sich im Besonderen mit dem Status der Niederländischen Provinzen unter den verschiedenen spanischen Herrschern und Statthaltern, mit dem Konfessionsproblem und dem Bildersturm sowie mit der Herrschaft des Herzogs von Alba. Dieser wurde auf Geheiß Philipps II. in die Niederlande gesandt, um den Aufstand zu zerschlagen und nimmt in der antispanischen Propaganda eine prominente Rolle ein. Darauf folgen eine Schilderung der Eskalation des Konfliktes sowie der kriegerischen und propagandistischen Auseinandersetzungen der Antagonisten und deren ausländische Kommentierung und Intervention. Die historische Kontextualisierung endet schließlich mit einem Porträt Wilhelm von Oraniens und einer Darstellung seiner politischen Ambitionen und Ideen.

Eine ausführliche Untersuchung der niederländischen Propagandaproduktion konstituiert das zweite und zentrale Kapitel der Publikation. Nach einigen einleitenden Bemerkungen zum Ursprung und zur historischen Entwicklung der „Schwarzen Legende“, die, wie die Autorin referiert, nicht ausschließlich als eine Konsequenz einer niederländischen, sondern einer europäischen Propagandapolitik betrachtet werden muss, fokussiert sich die Analyse schließlich auf die Propagandamedien, deren Urheber und Distributionswege. Um ihre Ziele zu erreichen, nutzten die niederländischen Propagandisten des 16. Jahrhunderts Methoden wie beispielsweise die Verspottung des Gegners, die Glorifikation der eigenen Anhänger, die Konstruktion von Stereotypen, die Desinformation und die vereinfachende Schwarz-Weiß-Darstellung komplexer Probleme (S. 84). Eine Definition dieser durch die niederländische Propagandapolitik verfolgten Ziele findet sich bei Judith Pollmann: „Die Niederländer haben sich mehr als jedes andere Volk bemüht, die Schwarze Legende zu verbreiten. Für sie bedeutete sie nicht nur die Rechtfertigung ihres Widerstandes gegenüber den Habsburgern. Sie benötigten die Schwarze Legende auch als Integrationsmittel für die sehr junge und fragile nationale Einheit.“[2]

Neben den Mitteln der Agitation werden die von der spanischen Regierung getroffenen zensorischen Maßnahmen sowie die Bedeutung Kölns als Exil niederländischer Flüchtlinge und Produktionsstätte antispanischer Propaganda erörtert. Danach rücken die Propagandisten und die von ihnen genutzten Medien ins Zentrum der Studie. Ingrid Schulze Schneider betrachtet zunächst die von ihr titulierte politisch-religiöse Propaganda, zu der sie die Pamphlete Wilhelm von Oraniens und seiner Anhänger sowie die anonym veröffentlichten Flugblätter zählt. Einen weiteren Untersuchungsgegenstand bilden die so genannten „Hojas Históricas“ (Geschichtsblätter), die eine weniger aggressive, aber nachhaltige Propagandawirkung besaßen. Diese beispielsweise von Joris Hoefnagel und Franz Hogenberg produzierten Blätter wurden vielfach in den verschiedensten Medien wie Büchern, Pamphleten und Flugblättern publiziert.

Am Ende ihres Buches bietet die Autorin einen lohnenswerten Ausblick auf die spanische Gegenpropaganda, deren Analyse weitgehend ein Desiderat darstellt, dessen sie sich jedoch in einer zukünftigen Studie annehmen möchte.

Ingrid Schulze Schneider vermittelt einen gelungenen Einblick in die Geschichte der niederländischen antispanischen Propaganda des 16. Jahrhunderts, indem sie die internationale Forschungsliteratur strukturiert und prägnant zusammenfasst, wodurch sich ihre Publikation insbesondere als Einführung in die Thematik der „Leyenda negra“ eignet. Wünschenswert wäre allerdings eine Problematisierung und kritische Betrachtung des Konzepts der „Schwarzen Legende“ gewesen, dessen mediale Instrumentalisierung im 20. Jahrhundert sicherlich eine weitere lohnenswerte Studie darstellte.

Interessant sind vor allem der Teil der Untersuchung, der sich mit der Propagierung antispanischer Ideen durch Wilhelm von Oranien beschäftigt, sowie jener zu den Geschichtsblättern und ihrer Produzenten, da diese dazu einladen, sich näher mit den dort beschriebenen Personen und ihren Werken zu befassen.
Die zahlreichen im Beitrag verwendeten Abbildungen haben leider zumeist lediglich einen illustrativen Charakter und nur wenige finden nähere Betrachtung. So wäre es möglicherweise ergiebiger gewesen – insbesondere was das Unterkapitel zu den anonymen Propagandablättern betrifft – die Untersuchung auf eine begrenztere Zahl von Bildbeispielen zu konzentrieren, um diese ausführlicher analysieren zu können.

Insgesamt handelt es sich jedoch bei Ingrid Schulze Schneiders „La leyenda negra de España“ um eine sehr gut strukturierte Abhandlung, die anschlussfähig ist und der weitere Beiträge zur Entstehung, Verbreitung und Konzeption der „Schwarzen Legende“ folgen sollten. Vor allem da scheinbar das von der Autorin behandelte Thema noch immer ungebrochene Aktualität besitzt, was jüngst die Berichterstattung zum WM-Endspiel der Niederländer gegen die Spanier zeigte. Dieses war für einige niederländische Zeitungen ein Anlass, die im Achtzigjährigen Krieg entstandene Propaganda gegen Spanien auf satirische Weise erneut zu aktivieren.

Anmerkungen:
[1] Julián Juderías, La leyenda negra y la verdad histórica. Contribución al estudio del concepto de España en Europa, de las causas de este concepto y de la tolerancia religiosa y politica en los paises civilizados, Madrid 1914. Auf das Konzept der „Schwarzen Legende“ beziehen sich unter anderem die viel rezipierten Untersuchungen von Charles Gibson (Hrsg.), The Black Legend. Anti-Spanish Attitudes in the Old World and the New, New York 1971; William S. Maltby, The black Legend in England, Durham 1971 sowie K.W. Swart, The Black Legend during the Eighty Years War, in: J.S. Bramley / E.H. Kossmann (Hrsg.), Britain and the Netherlands. Papers delivered to the fifth Anglo-Dutch historical conference, Some political mythologies, Den Haag 1975, S. 36-57.
[2] Judith Pollmann, Eine natürliche Feindschaft. Ursprung und Funktion der Schwarzen Legende über Spanien in den Niederlanden 1560-1581, in: Franz Bosbach (Hrsg.), Feindbilder. Die Darstellung des Gegners in der politischen Publizistik des Mittelalters und der Neuzeit. Bayreuther Historische Kolloquien 6, Köln 1992, S. 73-93, hier S. 92.

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Veröffentlicht am
10.11.2010
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