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Titel
J. F. Böhmer: Regesta Imperii IV.: Lothar III. und ältere Staufer. 4. Abteilung: Papstregesten 1124–1198, Teil 4: 1181–1198, Lieferung 3: 1185–1187: Urban III. und Gregor VIII..


Autor(en)
Schmidt, Ulrich
Erschienen
Köln 2012: Böhlau Verlag
Anzahl Seiten
XVI, 976 S.
Preis
€ 150,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Jochen Johrendt, Historisches Seminar, Bergische Universität Wuppertal

Die Papstregesten fahren die reiche Ernte jahrelanger Arbeit ein. Sowohl in der Abteilung III, sächsisches Haus, sind 2006 und 2011 zwei mächtige Bände erschienen[1], als auch in der Abteilung IV, Lothar III. und die jüngeren Staufer, 2003 und 2006 jeweils ein Band zu Lucius III., wodurch dieser Pontifikat vollständig aufgearbeitet ist.[2] Nun liegt mit dem hier anzuzeigenden Band die Erschließung der beiden Nachfolgepontifikate vor, Urbans III. und Gregors VIII. Beide Päpste haben als Inhaber der Kathedra Petri die Stadt Rom nie betreten. Der am 25. November 1186 in Verona erhobene Urban III. verließ Verona zwar im September 1187, starb jedoch am 20. Oktober 1187 in Ferrara (Nr. 1296). Der bereits am Tag darauf, am 21. Oktober 1187, in Ferrara erhobene Gregor VIII. (Nr. 1297) machte sich zwar Mitte November von dort nach Rom auf, verstarb jedoch bereits am 17. Dezember 1187 in Pisa (Nr. 1545). Beide Pontifikate umfassen damit nur etwas mehr als ein Jahr. Wohl auch deswegen haben sie noch mehr als Lucius III., der hauptsächlich mit den weiteren „Aufräumarbeiten“ aus dem Alexandrinischen Schisma beschäftigt war und der immer im Schatten Alexanders III. stand, ein geringes Forschungsinteresse gefunden. Eingerahmt von den herausragenden Gestalten Alexanders III. und Innozenz’ III. war es für sie schwierig, in einem so kurzen Pontifikat ein eigenständiges oder gar herausragendes Profil zu entwickeln. Die Regesten legen nun die Grundlage für eine eingehende und angemessene wissenschaftliche Beschäftigung mit den Pontifikaten Urbans III. und Gregors VIII. Sie ermöglichen es auf dem dort gebotenen Material aufbauend, beide Pontifikate eigenständig und aus sich heraus zu interpretieren. Die einzelnen Regesten sind nach den gewohnten Prinzipien aufgebaut. Nach der Datierung folgt eine kurze Zusammenfassung des Inhaltes, an die sich in einer separaten Zeile das Incipit anschließt sowie ebenfalls in einer separaten Zeile die Datierung. Das Incipit wurde schon bei den Regesten zu Lucius III. in der Regel auf fünf Worte ausgedehnt. Handelt es sich bei dem regestierten Stück um ein feierliches Privileg, so erscheinen vor der Wiedergabe der Datierung die Unterschriften der Kardinäle, in drei Kolonnen satztechnisch als Kardinalbischöfe, -presbyter und -diakone deutlich hervorgehoben. Daran schließen sich die Angaben zu Überlieferung, Druck und Regestierung an. In diesem Block wurde auf Literaturhinweise verzichtet; sie finden sich allein im abschließenden, meist knappen Kommentar zum Regest.

Dass die nun vorgelegten Regesten einen enormen Fortschritt bieten, stellt bereits deren bloße Zahl deutlich vor Augen. Für die Pontifikate Urbans III. und Gregors VIII. verzeichnete Jaffé-Löwenfeld lediglich 620 Nummern, der Regesta-Imperii-Band weist hingegen 1.545 Nummern aus und damit deutlich mehr als doppelt so viel. 21 Prozent dieser 1.545 Regesten beruhen auf Originalen, 29 Prozent sind Deperdita, 3 Prozent waren durch kanonistische Überlieferung zu erfassen, der Rest (42 Prozent) ist aus kopialer Überlieferung oder aus Inserten der Historiografie erarbeitet. Was die Aktivität der Kanzlei anbelangt, so ist zu vermerken, dass unter Urban III. durchschnittlich 1,86 Stücke pro Tag ausgestellt wurden, unter Gregor VIII. hingegen 3,18 (S. VIII).

Der Band bietet zu einem beträchtlichen Teil Stücke, durch die Umfang, regionale Streuung sowie Intensität der Delegationsgerichtsbarkeit genauer fassbar werden. Denn ein erheblicher Teil der Regesten bezieht sich auf Streitfälle, zu deren Untersuchung Urban III. und Gregor VIII. delegierte Richter einsetzten. Doch neben derartigen flächigen Phänomenen kann man den Regesten auch immer wieder interessante Einzelheiten entnehmen, wie etwa den Befehl Urbans III. an Erzbischof Bernhard von Narbonne, Schulden in Höhe von 2.000 Solidi zu begleichen, die sein Vorgänger Pontius während des Dritten Laterankonzils (1179) gemacht hatte (Nr. 1288).

Die Regesten werden durch ein Initienverzeichnis (S. 762–768), eine tabellarische Zusammenstellung der Kardinalsunterschriften (S. 769–781), Konkordanzen zu den Pontificienbänden sowie zu Jaffé-Löwenfeld (S. 783–794), ein Verzeichnis der nicht eindeutig einem Papst zuzuordnenden Regesten (S. 795–800) sowie ein Register der Orts- und Personennamen (S. 891–976) erschlossen. Darüber hinaus bietet der Band etliche „Ergänzungen, Berichtigungen und Nachträge zu den Regesten Lucius’ III.“ (S. 801–821), so dass man ihn auch für den Pontifikat Lucius’ III. wird heranziehen müssen.

Anmerkungen:
[1] Karl A. Frech, J. F. Böhmer: Regesta Imperii III. Salisches Haus 1024–1125. 5. Abt.: Papstregesten 1024–1058. 1. Lfg.: 1024–1046, Köln 2006; ders.: J. F. Böhmer: Regesta Imperii III. Salisches Haus 1024–1125. 5. Abt.: Papstregesten 1024–1058. 2. Lfg: 1046–1058, Köln 2011. Vgl. dazu Martina Giese: Rezension zu: Frech, Karl A.: Böhmer, Johann Friedrich, Regesta Imperii Bd. III, 5: Papstregesten 1024–1058. 1. Lieferung 1024–1046. Köln 2006, in: H-Soz-u-Kult, 22.11.2006, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2006-4-143> (18.07.2012) und Jochen Johrendt: Rezension zu: Frech, Karl A.: J. F. Böhmer: Regesta Imperii III. Salisches Haus 1024–1125. 5. Abt.: Papstregesten 1024–1058. 2. Lieferung: 1046–1058. Köln 2011, in: H-Soz-u-Kult, 16.05.2012, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2012-2-114> (18.07.2012).
[2] Katrin Baaken / Ulrich Schmidt, J. F. Böhmer: Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125–1197. 4. Abt.: Papstregesten –1198, Teil 4, Lfg. 1: 1181–1184, Köln 2003; dies.: J. F. Böhmer: Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125–1197. 4. Abt.: Papstregesten 1124–1198, Teil 4, Lfg. 2: 1184–1185, Köln 2006. Vgl. dazu Claudia Zey: Rezension zu: Katrin, Baaken; Schmidt, Ulrich (Hrsg.): J. F. Böhmer, Regesta Imperii IV: Lothar III. und ältere Staufer, 4. Abteilung: Papstregesten 1124–1198, Teil 4: 1181–1198. Lieferung 1: 1181–1184. Köln 2003, in: H-Soz-u-Kult, 16.10.2003, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2003-4-032> (18.07.2012) und dies.: Rezension zu: Katrin, Baaken; Schmidt, Ulrich: J. F. Böhmer Regesta Imperii IV.: Lothar III. und ältere Staufer. 4. Abteilung: Papstregesten 1124–1198, Teil 4: 1181–1198. , Lieferung 2: 1184–1185. Köln 2006, in: H-Soz-u-Kult, 28.02.2007, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2007-1-139> (18.07.2012).

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Veröffentlicht am
25.07.2012
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