H. Büschel: Kult um deutsche Monarchen

Cover
Titel
Untertanenliebe. Der Kult um deutsche Monarchen 1770-1830


Autor(en)
Büschel, Hubertus
Reihe
Veröff. d. Max-Planck-Instituts für Geschichte 220
Erschienen
Göttingen 2006: Vandenhoeck & Ruprecht
Anzahl Seiten
488 S.
Preis
€ 69,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Monika Wienfort, Institut für Geschichte, Technische Universität Berlin

Ob man den „Kult um die deutschen Monarchen“, den Hubertus Büschel für eine verkürzte Sattelzeit (1770-1830) untersuchen will, als „Untertanenliebe“ angemessen beschreibt, ist eine schwierige Frage. So sehr es richtig ist, dass Emotionen im Leben von Menschen eine unverzichtbare Rolle spielen, so schwierig wird es, diese Gefühle als Historiker auch nur quellenmäßig zu erfassen, von der methodisch kontrollierten Analyse zu schweigen. Gefühl als Gegenstand der Geschichtswissenschaft ähnelt darin der Erinnerung, die in den letzten Jahren häufig zum Thema theoretischer Reflexion geworden ist. Der Begriff der Liebe im Titel des Buches suggeriert zumindest, dass ein Anspruch besteht, sich authentischen Gefühlen zu nähern. Aber weder Untertanen noch Staatsbürger gestatten dem Beobachter unmittelbaren Einblick in ihr Innenleben, und daran ändert auch die Hinzuziehung von Tagebüchern oder die intensive Beschäftigung mit der Creme de la Creme der Kulturtheoretiker nur wenig.

Sehr viel überzeugender gestaltete sich der Versuch, zeremonielle Veränderungen im „Monarchenkult“ der Jahrzehnte um 1800 aufzuspüren. Am Beispiel Preußens, Bayerns, Sachsen-Weimar-Eisenachs und Sachsen-Coburg-Gothas untersucht Hubertus Büschel, ob und in welcher Weise sich die vielfältigen Zeremonien anlässlich von Thronwechseln, Huldigungen, Trauerritualen und Regierungsjubiläen verändert haben. Sein Fazit, eigentlich könne man von Wandel nicht sprechen, und die frühneuzeitlichen Gepflogenheiten setzten sich bis 1830 bruchlos fort, soll die These widerlegen, gerade in der Sattelzeit hätten die deutschen Fürsten ihr Zeremonialwesen verstärkt an bürgerliche und partizipatorische Vorstellungen angepasst, um ihre Legitimationsbasis zu verbreitern und der aufgeklärten literarisch-politischen Monarchie- und Adelskritik nicht unnötig neue Argumente zu liefern. Die Analyse der Zeremonialakten ergibt tatsächlich, dass sich die deutschen Hofbeamten wenig für eine „moderne“ Legitimation ihres Herrschers zu interessieren schienen. Ungerührt ordneten sie „business as usual“ an oder verboten den Untertanen in absolutistischer Manier sogar, den Herrscher mit Ehrenpforten, Illuminationen, Jungfrauenumzügen oder musikalischen Darbietungen zu feiern. Von zeitgemäßer Öffentlichkeitsarbeit konnte also weder in Preußen noch in Sachsen-Weimar-Eisenach die Rede sein. Dass sich die Planung des Zeremoniells um 1800 wenig an aktuellen Public Relations-Prinzipien orientierte, überrascht nicht. Eine eindeutige und plausible Interpretation dieses Befundes ist aber schwierig. Interessierten sich die Hofbeamten nicht für die Rezeption des monarchischen Zeremoniells, hielten sie die Frage für unwichtig und überflüssig, oder gingen sie davon aus, dass sich z.B. die Huldigungen als „traditionell“ gleichsam von selber rechtfertigten? Oder gehörten solche Reflexionen schlicht nicht in die Zeremonialakten?

Nach 1800 lehnten einige deutsche Fürsten wie Friedrich Wilhelm III. von Preußen oder Großherzog Carl August von Weimar ihnen zugedachte Feierlichkeiten offenbar grundsätzlich ab. Über das Regierungsjubiläum Carl Augusts kam es zwischen der Beamtenschaft und den Bürgern der Residenzstadt zu einer längeren Kontroverse. Die Beamten forderten unter Berufung auf den Willen des Souveräns den vollständigen Verzicht auf eine Feier, die Bürgerschaft liebäugelte vor allem mit einer Illumination, also einer festlichen Beleuchtung der gesamten Stadt. Die Beamten boten als Kompromiss Girlandenschmuck für die Stadtkirche, Blumenteppiche mit den Initialen des Fürsten, Dichterehrungen und Fackelumzüge an. Schließlich fügte sich die Einwohnerschaft. Illuminationen wurden nicht ins Programm aufgenommen, aber auch nicht ausdrücklich verboten. Leider bleibt offen, warum ausgerechnet die Festbeleuchtung dem Großherzog so wenig zusagte. Galt die Illumination in diesem Zusammenhang als besonders repräsentativ und provozierte die Bescheidenheit und Sparsamkeit des Fürsten? Und wünschte die Bürgerschaft die Illumination, weil sie daran mehr Vergnügen fand als an einem Blumenteppich vor dem Stadtschloss?

Auch wenn der „Kult um den Monarchen“ zwischen 1770 und 1830 im Wesentlichen gleich blieb: Die Funktion der Feste ging in keinem Fall in der Intention der planenden Hofbeamten oder der feiernden Städter auf. Unter diesen Umständen könnte der abschließende Befund, die deutsche Bevölkerung habe weder den monarchischen Prunk generell abgelehnt, noch in voller Begeisterung zugestimmt, sogar noch in der Gegenwart gelten.