Adelslandschaft Mitteldeutschland. Die Rolle des landsässigen Adels in der mitteldeutschen Geschichte (15.-18. Jh.)

Ort
Drübeck (Harz)
Veranstalter
Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt; Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
Datum
07.03.2012 - 09.03.2012
Von
Vicky Rothe, Universität Leipzig; Christian Ranacher, Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., Dresden

Das „in Grenzen unbegrenzte“ Erkenntnisinteresse der Landesgeschichte hat sich in jüngster Zeit mehrfach der florierenden Adelsforschung zugewandt. Eine Tagung im Kloster Drübeck richtete nun den Fokus auf Mitteldeutschland. Die interdisziplinäre Fachtagung, zu deren ca. 120 Teilnehmern auch zahlreiche Vertreter mitteldeutscher Adelsfamilien gehörten, fragte nach der Rolle des landsässigen Adels und setzte damit einen Kontrapunkt zur vorherrschenden Orientierung der Forschung auf Fürstendynastien und höfische Zentren.

Als Kooperationsprojekt des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt und des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. besaß die Veranstaltung auch eine kulturpolitische Agenda. Sie wollte eine breite Öffentlichkeit für die Bedeutung der zahlreichen Adelsarchive sensibilisieren, die seit der Bodenreform in der ehemaligen DDR in staatlichen Archiven aufbewahrt werden. Die Rückgabe der Bestände an die Alteigentümer wirft offene Fragen hinsichtlich künftiger Forschungsmöglichkeiten auf, weshalb die Archive für einvernehmliche Lösungen wie etwa Depositalverträge werben. Entsprechend beschäftigte sich die Tagung in den ersten beiden Themensektionen „Adel und Herrschaft“ sowie „Adel und Region“ mit aktuellen Forschungsansätzen, in der dritten Sektion „Quellen zum Adel“ hingegen mit den Aufgaben und Perspektiven, die die Adelsarchive und verwandte Bestände für die Forschung bereithalten.

WERNER PARAVICINI (Kiel) eröffnete die Tagung mit einem Abendvortrag zu Herkunftslegenden des europäischen Adels im späten Mittelalter. In weitgespannter Perspektive ging der Referent dem merkwürdigen Phänomen nach, dass sich seit dem 14. Jahrhundert europäische Fürsten- und Adelsfamilien auf eine Abstammung von den römischen Geschlechtern Colonna und Orsini beriefen. Diese konstruierten Herkunftslegenden, die von den römischen Familien keineswegs bestritten wurden, verdeutlichen das Prestige Roms als mythischem Ursprung der europäischen Adelskultur. Durch die genealogischen Konstruktionen vermochten die Prätendenten ihre eigene Abstammung zu überhöhen und konkrete Geltungsgewinne in Form von Anerkennung, Erbansprüchen und Privilegien zu erlangen. Fürsten und Niederadel erscheinen so als Teil europäischer Adelsnetzwerke. Sie bewegten sich keineswegs nur in einem regionalen Rahmen, den Paravicini zugleich am Beispiel der Häuser Henneberg und Stolberg elegant wiederzufinden verstand.

Am zweiten Veranstaltungstag führte ENNO BÜNZ (Leipzig) mit einer Bestandsaufnahme zur Adelsforschung in Mitteldeutschland in das engere Tagungsthema ein. Vor dem Hintergrund aktueller Forschungskonjunkturen wies er für Mitteldeutschland umfangreichen Nachholbedarf aus. Themen wie der Güterbesitz des landsässigen Adels, sein militärisches und kirchliches Engagement, zum Beispiel in der Durchsetzung der Reformation, die Bedeutung des adligen Unternehmertums, die Beziehung zwischen Adel und Stadt oder adliges Selbstverständnis und Lebensformen seien offenkundige Desiderata. Methodisch konstatierte er für die neuere Forschung eine Tendenz zum regionalen und thematischen Zugriff. „Die“ Adelsgeschichte einer Landschaft oder gar einer Familie wolle kaum jemand mehr schreiben. Deutlich sei aber auch, dass bei der Bearbeitung der mitteldeutschen Bundesländer Ungleichgewichte bestünden. Bünz unterstrich die jüngsten Leistungen landesgeschichtlicher Forschung in Sachsen, die sich auf eine breite institutionelle Basis stützen könne, und erhoffte sich von der Tagung Impulse für weiterführende Arbeiten in Sachsen-Anhalt und Thüringen.

MARTINA SCHATTKOWSKY (Dresden) ging anschließend auf Herrschaftspraxis und Herrschaftsverwirklichung des landsässigen Adels ein. Im Zentrum ihres Vortrages standen die ambivalenten Facetten konkreter Herrschaftspraxis. Dabei plädierte sie für ein kritisches Nachdenken über den Begriff der Grundherrschaft. Anhand zweier sächsischer Beispiele aus dem 16. und frühen 17. Jahrhundert konnte sie darlegen, wie sich trotz gleicher Herrschaftsgrundlage (Typus der „mitteldeutschen Grundherrschaft“ nach Friedrich Lütge) die Herrschaftspraxis zwischen väterlicher Fürsorge und obrigkeitlicher Willkür bewegte. Solche Befunde dürften aber nicht dazu führen, ohne eine Klassifikation von Herrschaftstypen zu arbeiten, sondern sollten Anlass für Fragen sein, inwieweit unterschiedliche Herrschaftsstile eine ergänzende Prägewirkung entfalten konnten. Dies sei nur über die Verbindung zur Mikroebene möglich, auf der auch die Bauern als selbstbewusste Akteure beim Aushandeln von Herrschaft in den Blick der Forschung rückten. Die Analyse von Herrschaftsstilen müsse das soziale und mentale Klima sowie die Erwartungen einbeziehen, die an die Herrschaft herangetragen wurden. Einkommensquellen außerhalb des Agrarbereiches (zum Beispiel die Kreditwirtschaft), aber auch Bildung, Ehrgefühl, Streitkultur und Hofdienste benannte Schattkowsky als Faktoren, die adlige Herrschaftsstile beeinflussten.

UWE SCHIRMER (Jena) befasste sich am Beispiel Thüringens mit den adligen Funktionseliten im wettinischen Territorialstaat des 15. Jahrhunderts. Für das personelle Umfeld von Landgraf Friedrich dem Friedfertigen (1406/07-1440) zeigte er auf, wie nach einem Herrscherwechsel (Tod des Vaters Balthasar) adlige Eliten am Hof ausgetauscht wurden. Meißnische und osterländische Geschlechter traten nun deutlich hinter den thüringischen Vasallenverbänden zurück. Mögliche Erklärungsmomente seien in der Eheverbindung des Landgrafen mit Anna von Schwarzburg-Blankenburg zu sehen. Überdies verstärkten Friedrichs finanzielle Abhängigkeit und die enge Vernetzung innerhalb des thüringischen Adels die Dynamik seines politischen Aufstiegs bei Hofe.

Der wenig beachteten Haltung des landsässigen Adels zur Säkularisierung der Klöster in Mitteldeutschland widmete sich MONIKA LÜCKE (Halle). Durch die Klosteraufhebungen sei nicht nur die Fürstenherrschaft gestärkt, sondern auch der Niederadel herausgefordert worden. Lücke untersuchte drei Felder adliger Einflussnahme. Erstens wurden Adlige als Administratoren eingesetzt, um Klosterbesitz zu verwalten, bis dieser in ein landesherrliches Amt umgewandelt werden konnte (Beispiel Reinhardsbrunn). Zweitens seien eigene Versorgungsansprüche und das Prinzip des Stiftungswesens durch die Säkularisationen bedroht worden, sodass adliger Protest bei der Umwandlung von Klostergut in Kammergut keine Seltenheit war (Beispiel Saalfeld). Schließlich sei drittens auf adlige Versuche hinzuweisen, Klosterbesitz selbst an sich zu ziehen (Beispiel Großfurra).

JOACHIM SCHNEIDER (Mainz) nahm zu Beginn der zweiten Sektion unter der Überschrift „Adelslandschaft Mitteldeutschland – Adelslandschaften in Mitteldeutschland?“ kritisch auf das Tagungsthema Bezug. Dazu skizzierte er die Entwicklung des Landschaftsbegriff von der Kulturraumforschung des frühen 20. Jahrhunderts bis zum „spatial turn“ der Gegenwart. Landschaft könne in dreifacher Weise verwendet werden: als rein intuitiver Zuordnungsbegriff, als Begriff für eine regionale Identitätsbildung in unterschiedlichen Epochen und schließlich als Synonym für sich verdichtende Kommunikationsräume. Anhand von Personallisten der Wettiner (Aufgebotslisten, Enqueten) zeigte Schneider, dass im 15. Jahrhundert noch von einer sehr kleinräumigen adligen Lebenswirklichkeit auszugehen sei. Bestrebungen der Landesherren führten um 1485 zu einer Vereinheitlichung der Kommunikation über größere Räume. So sei ein „wettinisch dominierter mitteldeutscher Kommunikationsraum“ entstanden, den man als mitteldeutsche Adelslandschaft interpretieren könne. Schneider stellte der weiteren Forschung die Aufgabe, andere konstitutive Faktoren für die Herausbildung von Adelslandschaft(en) in der Frühen Neuzeit zu untersuchen und verwies etwa auf die erhöhte Mobilität des Adels seit Ende des 16. Jahrhunderts. Schneiders Vortrag regte eine breite Debatte über das Tagungsthema an. Dabei wurden in Anschluss an Friedrich Lütge alternative Konstruktionen von Adelslandschaften ins Gespräch gebracht, z.B. über den einheitlichen Rechts- und Wirtschaftsraum Mitteldeutschland (Sachsenrecht, mitteldeutsche Grundherrschaft). Die Valenz des Klammerbegriffs Mitteldeutschland wurde darüber hinaus gerade für die Räume jenseits des wettinischen Hegemonialbereichs in Anspruch genommen.

EVA LABOUVIE (Magdeburg) untersuchte am Beispiel der Fürsten von Anhalt die Bedeutungsebenen von Geburt und Patenschaft. Das Geburts- und Tauffest diente der Bestätigung sozialer Ordnung, war Mittel der Inszenierung von Herrschaft und blieb zugleich familiäres Ereignis. Neben der Vernetzung mit den eigenen Verwandten, die sich in Geburtsbesuchen, Hilfeangeboten und Glückwünschen ausdrückte, konnte sich das Herrscherhaus durch die Feier der Geburt gegenüber den eigenen Untertanen repräsentieren. Vom 17. zum 18. Jahrhundert konstatierte Labouvie einen signifikanten Rückgang der Geburtenzahlen. Die Veränderung im regenerativen Verhalten sei von einer neuen Wahrnehmung begleitet worden, die Kinder nicht mehr nur als Garanten für den Erhalt des Hauses, sondern als „persönliches Elterngeschenk“ verstehen konnte. Ähnliche Befunde seien für die Patenschaft feststellbar. Den zahlreichen Paten früherer Zeiten, die symbolisch in das erweiterte Verwandtschaftsnetz der Familie aufgenommen wurden, standen im 18. Jahrhundert wenige Gevattern aus dem engsten Familienkreis gegenüber.

Einen Überblick über die herrschaftlichen Güter im Hochstift Merseburg gab MARKUS COTTIN (Merseburg). Seine Beobachtungen setzten mit dem Aufstieg der Familie Pflug im 14. Jahrhundert ein, die das fragile Machtgefüge zwischen Hochstift, Wettinern und dem Stiftsadel empfindlich störte. In Reaktion darauf suchte insbesondere Bischof Thilo von Trotha die Machtposition des Stiftsadels einzuschränken. Durch den Auskauf adliger Höfe und die Vergabe von Lehen ohne obere Gerichtsbarkeit schwächte er dessen Zugriff auf die Untertanen und – damit einhergehend – auf die Steuereinnahmen. Cottin richtete den Blick aber auch auf die langfristige Entwicklung des adligen Güterbesitzes von den Sedelhöfen des Spätmittelalters bis zu den Rittergütern der Frühen Neuzeit. Güterstruktur und Familienverbände seien lange Zeit stabil geblieben. Erst im 18. Jahrhundert hätten neu nobilitierte und zugewanderte Geschlechter die Positionen ausgestorbener Familien übernommen.

An den Prozessen des Wolf Ludwig von Schlegel, die von 1737 bis 1780 Gerichte und eine zunehmend irritierte Öffentlichkeit im ganzen Reich beschäftigten, demonstrierte ANDREAS ERB (Dessau), wie es einem landsässigen Adligen noch im 18. Jahrhundert gelingen konnte, sich durch Anrufung des Reichskammergerichts der landesherrlichen Justiz zu entziehen. Wegen einer gemeinen Bluttat angeklagt, vermochte Schlegel den Konflikt auf der Reichsebene geschickt umzudeuten. Es gelang ihm, den unterschwelligen Dissens zwischen Adel und erstarkender Landesherrschaft für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Dieser hatte in Anhalt durch den systematischen Auskauf von adligen Gütern eine besondere Schärfe erreicht. Das Verfahren gegen seine Person interpretierte Schlegel als Angriff auf den Adelsstand, sein „Raubrittertum“ als Wiederherstellung eigener und ständischer Ehre. Dabei betonte Erb, dass individueller und kollektiver Ehrbegriff keineswegs identisch sein mussten.

ALEXANDER JENDORFF (Gießen) versuchte am Beispiel der Familie von Wintzingerode das Spannungsfeld zwischen der Herrschaftsausübung des protestantischen Adels auf dem Eichsfeld und der in Mainz ansässigen kurfürstlichen Regierung darzustellen. Dabei vertrat er die These, dass das Bestreben nach Erhaltung adliger Gestaltungsräume keinesfalls die Dimension einer Fundamentalopposition gegenüber dem Landesherrn angenommen habe, wie sie noch die Forschung des 19. Jahrhunderts mit Blick auf die konfessionellen Gräben selbstverständlich annahm. Vielmehr sei von einer Gleichzeitigkeit von Distinktion und Integration beider Parteien auszugehen. Die doppelte Identität als evangelischer Adliger und katholischer Vasall sei typisch für das Eichsfeld gewesen.

Am Abend des zweiten Veranstaltungstages stellte CHRISTOPH VOLKMAR (Wernigerode) den neu erarbeiteten Kurzführer zu den Adelsarchiven im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt vor. Er soll den Benutzern einen schnellen Überblick über 289 Bestände mit einem Gesamtumfang von mehr als drei Regalkilometern ermöglichen. Bei der Bearbeitung wurde den Entstehungszusammenhängen der einzelnen Archive besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Neben den üblichen Angaben zu Orts-, Guts- und Familiengeschichte, Besitzumfang und wichtigen Überlieferungsgruppen wurde ein Verweissystem entwickelt, das Querbeziehungen zu anderen Beständen aufzeigen soll. Volkmar betonte die überregionale Bedeutung der Überlieferung in Sachsen-Anhalt und skizzierte die Entwicklung ihrer facharchivarischen Betreuung. Für die Forschung seien die Adelsarchive als Korrektiv zur oft bis in die Literatur hinein dominanten Perspektive der Landesherrschaft von Bedeutung. Auch jenseits der Adelsgeschichte hielten sie einzigartige Quellen zur Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der vormodernen ländlichen Gesellschaft bereit.

Den dritten Tag begann DIRK SCHLEINERT (Magdeburg) mit einem Überblick über Quellen zum mitteldeutschen Adel jenseits der Adelsarchive. In den landesherrlichen Archiven verfolgte Schleinert die Rolle des Adels als Behördenmitglied (aktive Rolle) und als „Objekt“ behördlichen Handelns (passive Rolle). Gerade die Grundlagenforschung über den adligen Besitz könne hier auf eine breite Quellenbasis zurückgreifen. Am Beispiel der Überlieferung des Erzstifts/Herzogtums Magdeburg wurden einschlägige Archivaliengruppen wie Lehnakten, Landbücher, Vasallentabellen, Landtags- und Ausschussakten vorgestellt.

TOBIAS SCHENK (Wien) berichtete über das von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen geförderte Erschließungsprojekt zu den Akten des Reichshofrats im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien (www.reichshofratsakten.de). Die bisher kaum genutzten Quellen erlauben eine Neubewertung des kaiserlichen Lehnswesens und der politischen Kultur im Alten Reich. Schon jetzt seien zwei generalisierbare Aussagen über den Bestand zu treffen: Er ergänze als komplementäre Überlieferung zu den Reichskammergerichtsakten das Bild des komplexen Kommunikationsgeflechts im Reich und belege die Kontakte des landsässigen (mitteldeutschen) Adels zum Kaiser und zur europäischen Großmacht Habsburg. Die informellen Handlungsspielräume, die sich daraus ergeben konnten, veranschaulichte Schenk am Beispiel der Geschlechter Schulenburg, Alvensleben und Krosigk, die in ihrem Widerstand gegen die Allodifikation der Lehen durch den preußischen König Rückendeckung in Wien suchten.

Abschließend referierte JÖRG BRÜCKNER (Wernigerode) über die Grafen zu Stolberg und ihre Archive. Die besondere Stellung der Harzgrafen, die in einer „Brückenlandschaft“ jenseits der großen politischen Gravitationszentren weitreichende Entfaltungsmöglichkeiten fanden, schlage sich in einer ungewöhnlich dichten Überlieferung nieder, die selbst die Fernbesitzungen in Hessen und in Burgund einschloss. Die Archive der Linien Stolberg-Wernigerode, Stolberg-Stolberg und Stolberg-Roßla kämen in Umfang und Bedeutung „kleinen Staatsarchiven“ gleich. Als einzigartige Erinnerungsspeicher für die Geschichte des mitteldeutschen Raumes seien sie von den Grafen bzw. Fürsten schon im 19. Jahrhundert für die wissenschaftliche Forschung geöffnet worden.

An den letzten Vortrag schloss sich eine Führung durch den Standort des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt in der Orangerie Wernigerode an, an dem eine der umfangreichsten Überlieferungen von Adelsarchiven in Deutschland betreut wird.

Mit Mitteldeutschland nahm die Tagung einen historischen Raum in den Blick, für den trotz fruchtbarer Ansätze in den letzten Jahren noch immer ein erheblicher Forschungsrückstand zu konstatieren ist, da Adelsforschung lange Zeit als politisch inopportun galt. Sie ermöglichte einen tieferen Einblick in die Archivüberlieferung (besonders von Sachsen-Anhalt), arbeitete das enge Beziehungsgeflecht des mitteldeutschen Adels heraus und präsentierte das breite Spektrum moderner Adelsforschung. Neben der Bedeutung einer überregional und vergleichend ausgerichteten Perspektive wurde auf das Potenzial und den Erkenntniswert verwiesen, den die einzelnen Adelsarchive bergen. Auf die Publikation der Ergebnisse in einem Sammelband, der in den „Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde“ und in den „Quellen zur Geschichte Sachsen-Anhalts“ erscheinen soll, darf man gespannt sein.

Konferenzübersicht:

Grußworte

Ulf Gundlach, Staatsekretär im Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt

Enno Bünz, Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.

Ulrike Höroldt, Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt

Georg Graf von Zech-Burkersroda, Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz

Christoph Carstens, Evangelisches Zentrum Kloster Drübeck

öffentlicher Abendvortrag

Werner Paravicini (Kiel): Colonna und Orsini. Römische Ursprungslegenden im europäischen Adel am Ende des Mittelalters

Sektion 1: Adel und Herrschaft

Enno Bünz (Leipzig): Adelslandschaft Mitteldeutschland – Tendenzen und Perspektiven der Forschung

Martina Schattkowsky (Dresden): Herrschaftspraxis und Herrschaftsverwirklichung des landsässigen Adels

Uwe Schirmer (Jena): Adlige Funktionseliten im wettinischen Territorialstaat des 15. Jahrhunderts

Monika Lücke (Halle): Der landsässige Adel im Prozess der Säkularisierung der Klöster in Mitteldeutschland

Sektion 2: Adel und Region

Joachim Schneider (Mainz): Adelslandschaft Mitteldeutschland – Adelslandschaften in Mitteldeutschland?

Eva Labouvie (Magdeburg): Nachkommenschaft und Patenschaften im dynastischen Kontext am Beispiel des anhaltinischen Adels

Markus Cottin (Merseburg): Herrschaftliche Güter im Hochstift Merseburg – ein Überblick

Andreas Erb (Dessau): Der letzte Raubritter? Die Fehden und Prozesse des anhaltischen Adligen Wolf Ludwig von Schlegel

Alexander Jendorff (Gießen): Adeliges Selbstverständnis, herrschaftliche Teilnahme und protestantische Konfession im katholischen Territorium: Die Familie von Wintzingerode, der landsässige Adel und die kurfürstliche Regierung auf dem Eichsfeld

Christoph Volkmar (Wernigerode): Der Kurzführer zu den Adelsarchiven im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt

Sektion 3: Quellen zum Adel

Dirk Schleinert (Magdeburg): Überlieferung zum mitteldeutschen Adel jenseits der Adelsarchive

Tobias Schenk (Wien): Preußischer Adel vor dem Kaiser. Die Akten des Reichshofrats im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien

Jörg Brückner (Wernigerode): Die Stolberger und ihre Archive

Irene Roch-Lemmer (Halle), Typologie und Funktion adliger Gutshäuser (entfallen, erscheint im Tagungsband)

Zitation
Tagungsbericht: Adelslandschaft Mitteldeutschland. Die Rolle des landsässigen Adels in der mitteldeutschen Geschichte (15.-18. Jh.), 07.03.2012 – 09.03.2012 Drübeck (Harz), in: H-Soz-Kult, 17.05.2012, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-4232>.