Geschlecht und Wissen(schaft) in Ostmitteleuropa

Ort
Marburg
Veranstaltungsort
Herder-Institut
Veranstalter
Leibniz Graduate School for Cultures of Knowledge in Central EuropeanTransnational Contexts am Herder-Institut; in Kooperation mit der Professur „Europäische Zeitgeschichte seit 1945“ der Universität Siegen Organisation: Prof. Dr. Claudia Kraft; Prof. Dr. Peter Haslinger; Ina Alber, M.A.; Stanislava Kolková, M.A.; Kinga Kuligowska, M.A.
Datum
12.12.2013 - 13.12.2013
Bewerbungsschluss
17.06.2013
Von
Ina Alber

Geschlechtergeschichte ebenso wie Wissens- und Wissenschaftsgeschichte gehören in den letzten Jahren zum etablierten Repertoire des breiten Feldes historischer und kulturwissenschaftlicher Forschung. Dabei bleiben jedoch vorwiegend nationale Perspektiven und die Fokussierung auf Geschlecht ODER Wissen(schaft) vorherrschend. Die Jahrestagung der Leibniz Graduate School for Cultures of Knowledge in Central European Transnational Contexts lädt dazu ein, die unterschiedlichen Aspekte von Wissen, Wissenschaft und Geschlecht unter historischer, wissenssoziologischer und gendertheoretischer Perspektive zu diskutieren und dabei die Regionen des östlichen Europas in die aktuellen Forschungsdiskussionen miteinzubeziehen.

Dabei geht es besonders um die Analyse der prozesshaften Herstellung der Kategorien Wissen und Geschlecht, der knowledge production und des doing gender, sowie um ihre gegenseitigen Verknüpfungen. Die Geschlechterkategorie muss stets im Spannungsverhältnis von Macht und Wissen und vice versa die Wissenskategorie im Spannungsverhältnis von Macht und Geschlecht gedacht werden, um nicht nur die „Frauenfrage“ in die Wissen(schaft)sgeschichte einzubringen, sondern die komplexen Interdependenzen der Kategorien Wissen, Geschlecht und Macht zu analysieren und Wissenschaft ebenso wie Zweigeschlechtlichkeit kritisch zu denken. Der Institution Wissenschaft kommt dabei eine besondere Rolle zu, da die Wissensproduktion über Geschlecht sich im historischen Wandel je unterschiedlich in ihr manifestiert. Es wird deutlich, dass sich dabei verschiedene ExpertInnen- und Wissenskulturen, travelling concepts – wandernde Konzepte der Geschlechterkonstruktion sowie Wege und Methoden des Wissenstransfers in Ostmitteleuropa rekonstruieren lassen. Die Jahrestagung soll ein Forum bieten, um diese Interdependenzen des Schaffens von Wissen und Geschlecht in historischer Perspektive zu untersuchen und anhand unterschiedlicher empirischer, methodischer und theoretischer Beiträge zu diskutieren. Der Schwerpunkt liegt auf der Zeit zwischen dem 18. Jahrhundert bis heute, Beiträge aus anderen Epochen sind aber ebenfalls willkommen. Der räumliche Fokus liegt auf Ostmitteleuropa, vergleichende Perspektiven aus anderen geographisch-politischen Zusammenhängen sind sehr erwünscht.

Als Keynote-Speaker eingeladen sind:
Prof. Dr. Theresa Wobbe (Universität Potsdam)
Prof. Dr. Bożena Chołuj (Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder)

Für die weiteren thematischen Sektionen sind Interessierte aufgefordert, Vorschläge für einen ca. 20-minütigen Vortrag einzureichen.

Mögliche thematische Fragestellungen lauten:

> Geschlechtsspezifische Wissenskulturen und Wissensproduktion
- Welche Konsequenzen hat die geschlechtliche Codierung von Räumen und Praktiken für die Wissensproduktion
- Welche Arten von Wissen (Professionswissen, Medizinwissen, Alltagwissen) sind in welchen Epochen auf welche Weise geschlechterkodiert?
- Welche Rolle spielen die Kategorien Geschlecht und Emotion bei der Wissensproduktion?
- Über welche Medien/ Wege wurde Wissen über Geschlecht in spezifischen historischen Kontexten produziert?

> Wissenschaftliche Werdegänge und Geschlecht
- Wie änderten sich die Zugangsberechtigungen zu Universitäten und anderen Stätten der Wissensproduktion?
- Welche genderspezifischen Unterschiede zeigen sich zwischen natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen?
- Welche Rolle spielt die Kategorie Geschlecht beim Wissenstransfer innerhalb von ExpertInnenkulturen?
- Welche Bedeutung spielt geschlechtsspezifische Migration beim Transfer von Wissen und Konzepten?

> Intersektionalität der Kategorien Geschlecht, Ethnizität, Klasse, Religion und die Wissensordnungen Ostmitteleuropas
- Wie lassen sich politische Bewegungen (Emanzipationsbewegung, Nationalitätsbewegungen) in Ostmitteleuropa unter gender- und wissensspezifischer Perspektive analysieren?
- Welche Verknüpfungen ergeben sich zwischen den Kategorien Geschlecht, Wissen und Nation in Ostmitteleuropa?
- Welche Rolle spielen Religion und Konfession dabei?
- Wie wandelt sich die politische und arbeitsmarktrelevante Stellung von Frauen und Männern in verschiedenen Epochen und welche Auswirkungen hatten dabei die unterschiedlichen Wissensbestände über Geschlecht?

Beiträge können auf Deutsch oder Englisch eingereicht werden, die Tagung soll zweisprachig sein; es findet keine Simultanübersetzung statt. Die Organisierenden gehen davon aus, dass die Vorträge in der jeweils anderen Sprache verfolgt werden können. Für die Vortragenden werden Reise- und Unterkunftskosten übernommen.

Bitte senden Sie Ihr Abstract (von maximal 4.000 Zeichen) sowie einen kurzen Lebenslauf mit Angaben zu ihren aktuellen Forschungsschwerpunkten und aktuellen Publikationen bis zum 17.6.13 an Ina Alber (ina.alber@herder-institut.de). Im Falle einer Annahme werden die Abstracts an die Teilnehmenden aushändigt. Eine Rückmeldung erfolgt bis zum 31.8.13.

Für weitere Rückfragen steht Ihnen die Geschäftsführerin der Leibniz Graduate School, Ina Alber, gerne zur Verfügung.

Kontakt

Ina Alber

Herder-Institut, Gisonenweg 5-7, 35037 Marburg

ina.alber@herder-institut.de

Zitation
Geschlecht und Wissen(schaft) in Ostmitteleuropa, 12.12.2013 – 13.12.2013 Marburg, in: H-Soz-Kult, 09.05.2013, <www.hsozkult.de/event/id/termine-21854>.
Redaktion
Veröffentlicht am
09.05.2013
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