Gedenkstätten an NS-Verbrechen in Polen und Deutschland. Von Mahnstätten über zeithistorische Museen zu Tourismusorten

Gedenkstätten an NS-Verbrechen in Polen und Deutschland. Von Mahnstätten über zeithistorische Museen zu Tourismusorten

Veranstalter
Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften; Bundeszentrale für politische Bildung; Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten / Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
Veranstaltungsort
Oranienburg und Berlin
Ort
Oranienburg / Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
11.06.2015 - 13.06.2015
Von
Katarzyna Woniak

2015 jähren sich zum 70. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Befreiung Europas vom Nationalsozialismus. Unter grundsätzlich unterschiedlichen Ausgangsbedingungen entstanden in Polen und den beiden Nachfolgestaaten des nationalsozialistischen Deutschlands Erinnerungsorte, Gedenkstätten, Museen und Denkmäler der Erinnerung an die deutschen Verbrechen, deren Entwicklung zudem durch den Kontext des Kalten Krieges geprägt wurde. Der Systemwechsel im Osten Deutschlands und Mitteleuropas führte zu einer Dislozierung der Erinnerungspolitik, die nicht nur die von den Umbrüchen betroffenen Staaten berührt.

Nach dem Umbruch 1989/1990 kam es zu einer gesellschaftlich-politischen Neubestimmung der Rolle der NS-Gedenkstätten in der vereinigten BRD und Polen, die durch weitere Problemlagen, wie dem zunehmenden Abstand zu den historischen Ereignissen, dem Sterben der Zeitzeugen oder generationellen Wechseln beeinflusst wurde und wird.

Die Tagung nimmt den 70. Jahrestag des Ende des Krieges zum Anlass, um Zwischenbilanz über die Erinnerung an die NS-Verbrechen in den beiden Ländern zu ziehen, aber auch kritisch über den Funktions- und Bedeutungswandel der Gedenkstätten zu diskutieren, um schließlich über die Zukunft der Orte des institutionalisierten Gedächtnisses in beiden Ländern nachzudenken. Polnische und deutsche KZ-Gedenkstätten eignen sich dabei in besonderer Weise aus vielen unterschiedlichen Gründen für einen Vergleich.

Programm

11. Juni 2015 Donnerstag: Gedenkstätte Sachsenhausen (Straße der Nationen 22; 16515 Oranienburg)

15:30-17:00 Führung durch die Gedenkstätte Sachsenhausen
18:00-19:00 Eröffnungsvortrag

Adam Krzemiński (Warszawa)
Gedenkstätten an NS-Verbrechen in Deutschland und Polen und ihr Einfluss auf die Erinnerungskultur beider Länder

anschließend Empfang

12. Juni 2015 Freitag: Collegium Hungaricum (Dorotheenstraße 12; 10117 Berlin)

09:00-09:30 Begrüßung
Robert Traba (Zentrum für Historische Forschung Berlin PAN)
Günter Morsch (Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten)

09:30-11:30 Panel 1
Authentischer Ort - von der Überformung zum Denkmal zur Rekonstruktion?
Kommentar & Moderation: Harald Schmid (Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten)

Jacek Młynarczyk (Uniwersytet im. Mikołaja Kopernika w Toruniu): Gedenkstätten als Basis der Erinnerung an die NS-Verbrechen und ihre Rolle in Polen und in Deutschland

Gabi Dolff-Bonekämper (Technische Universität Berlin): Der Wandel der Gedenkstätten aus der Sicht der Denkmalpflege

Habbo Knoch (Universität Köln): Das Geschehene sichtbar machen. Historische Orte der NS-Verbrechen im digitalen Zeitalter

11:30-13:00 Mittagspause

13:00-14:30 Panel 2
Aufgaben von Gedenkstätten: Von Orten des Gedenkens und der Trauer über zeithistorische Museen, zu Orten des Massentourismus?
Kommentar & Moderation: Insa Eschebach (Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück)

Barbara Distel (München): Gedenkstätten als Orte zivilgesellschaftlicher Praxis

Tomasz Kranz (Państwowe Muzeum na Majdanku): Gesellschaftliche Funktionen und Bedeutungen musealer Gedenkstätten in situ

Jörg Skribeleit (Gedenkstätte Flossenbürg): Flossenbürg: Von der Überformung und Verdrängung zur modernen Gedenkstätte

14:30-15:00 Pause

15:00-17:30 Panel 3
Politische Instrumentalisierung, Gegenwartsaffirmation, Theologisierung und offener Lernort
Kommentar & Moderation: Detlef Garbe (Gedenkstätte Neuengamme)

Zofia Wóycicka (House of European History Brussels): Ehemalige Konzentrationslager als Bühne für die Ereignisse des Kalten Krieges

Andrew Beattie (University of New South Wales Kensington): Gedenkstätten als Katalysatoren geschichtspolitischer Konflikte. Umstrittene Erinnerung und Konkurrenz der Opfer

Ljiljana Radonić (Justus-Liebig-Universität Gießen): Postsozialistische Gedenkmuseen und die neue historische Sinngebung in Europa

19:00 – Filmabend
„Vom Wunder des Überlebens", Dokumentarfilm D/PL 2015 von Marek Pawłowski
Anschließend Diskussion mit der Produzentin Małgorzata Walczak; Moderation Enrico Heitzer (Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen)

13. Juni 2015 Samstag: Collegium Hungaricum

09:00-10:30 Panel 4
Vermittlung und Pädagogik: Von der Betroffenheit zur Aufklärung, zur Menschenrechtspädagogik?
Kommentar & Moderation: Thomas Lutz (Topographie des Terrors)

Violetta Rezler-Wasielewska (Centralne Muzeum Jeńców Wojennych w Łambinowicach-Opolu): Gedenkstätten als außerschulische Lernorte

Hans-Christian Jasch (Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz): Erfahrungen der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz bei der Herstellung von Gegenwartsbezügen durch die Thematisierung von Menschenrechtsfragen

Michał Niezabitowski (Muzeum Historyczne Miasta Krakowa): Die Dauerausstellung „Krakau. Besatzung 1939-1945“ in der Emaillenfabrik. Der Mythos des Wawel-Drachen im zeitgenössischen Narrativ im Museum

10:30-11:00 Pause

11:00-12:30 Panel 5
Zeitzeugen und Generationswechsel
Kommentar & Moderation: Katarzyna Woniak (Zentrum für Historische Forschung Berlin PAN)

Piotr Filipkowski (Instytut Filozofii i Socjologii PAN): Post-Erinnerungsorte? Lagermuseen nach dem Tod von Zeitzeugen. Eine soziologische Perspektive

Gabriele Hammermann (KZ-Gedenkstätte Dachau): Gedenkstätte als Nachbar? Lokale und regionale Auseinandersetzungen mit den ehemaligen KZ

Kamila Dąbrowska (Muzeum Historii Żydów Polskich): Nostalgie und Rückkehr zu einer nicht existenten Vergangenheit. Der Marsch der Lebenden im Kontext jüdischer Polenreisen

12:30-13:30 Abschlusspodium
Gedenkstätten vor neuen Herausforderungen

Moderation: Bernd Faulenbach (Ruhr-Universität Bochum)

Teilnehmer:
Robert Traba (Zentrum für Historische Forschung Berlin PAN)
Günter Morsch (Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten)
Heidemarie Uhl (Österreichische Akademie der Wissenschaften)

Die Konferenz wird aus Mitteln der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und der Bundeszentrale für Politische Bildung finanziert

Im Rahmen der Konferenz werden Gemälde der Malerin Agnieszka Wróbel zum Vernichtungslager Treblinka ausgestellt

Die Konferenz wird simultan übersetzt (deutsch-polnisch)

Kontakt:
Dr. Katarzyna Woniak: katarzyna.woniak@cbh.pan.pl; tel: 030-48628545
Dr. Enrico Heitzer: heitzer@gedenkstaette-sachsenhausen.de; tel: 03301-810916

Kontakt

Dr. Katarzyna Woniak

Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften
Majakowskiring 47; 13156 Berlin
030-48628540
+49-3048628556
katarzyna.woniak@cbh.pan.pl

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