Gebrauchtwaren und Second Hand-Markt in der Antike

Gebrauchtwaren und Second Hand-Markt in der Antike

Veranstalter
Patrick Reinard / Christoph Schäfer
Veranstaltungsort
Universität Trier, Raum B16
Ort
Trier
Land
Deutschland
Vom - Bis
06.09.2016 - 07.09.2016
Von
Patrick Reinard

In der Erforschung der antiken Wirtschaft hat die Beschäftigung mit der Qualität von verhandelten Waren bisher keine große Bedeutung. Lediglich der Handel mit Luxusgütern wurde vereinzelt untersucht. Schlechte, billige oder minderwertige Waren haben das Interesse der Forschung nicht geweckt. In Spezialstudien zu einzelnen Wirtschafts- und Produktionszweigen fehlt ebenfalls eine Problematisierung verschiedener Gütestufen. Neben den unterschiedlichen Qualitätsstufen wurde auch die Nutzungsdauer und damit einhergehend die Ausbesserung, Reparatur und Umfunktionierung von Waren und Gütern nicht erforscht. Lediglich die kultisch-religiöse sowie die politische Umfunktionierung, etwa im Bereich der damnatio memoriae, wurde in der Forschung behandelt, allerdings blieben dabei ökonomische Inhalte unberücksichtigt. In der archäologischen Forschung wurde die Wiederverwendung von Spolien unterschiedlicher Art sehr häufig beobachtet, aber bisher kaum unter ökonomischen Gesichtspunkten analysiert. Dabei war gerade das wirtschaftliche Interesse an Wiederverwendung, Ausbesserung und Recycling in der antiken Welt weitverbreitet, was nicht zuletzt daran lag, dass ein Großteil der Bevölkerung in prekären Lebensverhältnissen bzw. in Armut lebte.
Die Tagung möchte die Themenfelder „Gebrauchtwaren“ bzw. „Wiederverwendung“ in unterschiedlichen Produktions- und Wirtschaftsbereichen in den Blick nehmen, den materiellen Befund mit den schriftlichen Quellen kontrastieren und unter gemeinsamen Fragenstellungen analysieren: Wie können Gebrauchtwaren identifiziert werden? In welchen Produktionsbereichen gab es einen Handel mit Gebrauchtwaren? Wo fand Wiederverwendung statt? Was war die ökonomische Motivation? Welche Berufszweige partizipierten an diesem Handel? Woher bezogen die Händler ihre „Altwaren“? Gab es einen dauerhaften überregionalen Gebrauchtwaren-Markt oder herrschte eine regionale Distribution vor? Welchen Einfluss hatten Qualität und Alter von Waren auf die Preisbildung? Welche Rolle spielt der bloße Materialwert von Gegenständen, die in ihrer ursprünglichen Funktion nicht mehr verwendbar waren? Inwieweit ist die Umfunktionierung von irreparablen Gebrauchsgegenständen Teil eines ökonomischen Autarkiebestrebens?

Programm

Dienstag, 6. September

14.00 Uhr Begrüßung und Einleitung
Christoph Schäfer / Patrick Reinard

Sektion 1: Ökonomische Bedeutung von Gebrauchtwaren in Griechenland
Chair: Patrick Reinard (Trier)

14.30-15.00 Uhr
Sven Günther (Changchun)
Wiederverwendung – ein ökonomisches Konzept bei Xenophon?

15.00-15.30 Uhr
Dorothea Rohde (Bielefeld)
Öffentliche Versteigerungen konfiszierter Güter im Athen des 5./4. Jh. v. Chr.

15.30-16.00 Uhr
Moritz Hinsch (Berlin)
Der gebrauchte Mensch. Erwerb, Verwendung und Veräußerung von Sklaven im klassischen Griechenland

Kaffeepause

16.15-16.45 Uhr
Christian Rollinger (Trier)
Zur Wiederverwendung erbeuteter Kriegsschiffe im klassischen und hellenistischen Griechenland

16.45-17.15 Uhr
Monika Frass (Salzburg)
Gebrauchte Kleidung. Leihen – Borgen – Schenken

Kaffeepause

Abendvortrag:
18.00 Uhr
Helmuth Schneider (Kassel)
Die Erforschung der antiken Wirtschaft. Eine Wissenschaftsgeschichte vom Hume bis Finley

Gemeinsames Abendessen

Mittwoch, 7. September

Sektion 2: Wiederverwendete Güter in der materiellen Alltagskultur
Chair: Andrea Binsfeld (Luxemburg)

8.30-9.00 Uhr
Lucretiu Birliba / Iulia Dumitrache (Iaşi)
“Nothings is lost, everything is transformed”. A few remarks on the re-use of Roman pottery from ancient Dobrudja (Romania)

9.00-9.30 Uhr
David Weidgenannt (Frankfurt a.M.)
Only in It for the Money? Zur Wiederverwendung von Statuen(-basen) im kaiserzeitlichen Griechenland

Kaffeepause

9.45-10.15 Uhr
Laura Willer (Heidelberg)
Eine Tempelbibliothek, Mumien und anderer Altpapyrus

10.15-10.45 Uhr
Philipp Sesterhenn (Trier)
Wiederverwendung von Marmor im römischen Ägypten

Kaffeepause

Sektion 3: Gebrauchtwaren – Ökonomische und rechtliche Kontexte in der Kaiserzeit
Chair: Sven Günther (Changchum)

11.00-11.15 Uhr
Christoph Schäfer (Trier)
Gebrauchte Schiffe – Potenzial oder Risikofaktor?

11.15-11.45
Patrick Reinard (Trier)
Altkleider und andere Gebrauchtwaren im griechisch-römischen Ägypten: Beobachtungen zu Warenqualität und Preisbildung

Mittagspause

13.15-13.45 Uhr
Kai Ruffing (Kassel)
Berufsbezeichnungen und der Handel mit gebrauchten Waren

13.45-14.15 Uhr
Dennis Mario Beck (Berlin)
Distribution, Einsatz und Wiederverwendung des marmor numidicum anhand ausgewählter Beispiele vom 2. Jh. v. Chr. bis in die römische Kaiserzeit

14.15 Uhr Abschlussdiskussion

Kontakt

Patrick Reinard
reinard@uni-trier.de

Christoph Schäfer
christoph.schaefer@uni-trier.de

https://www.uni-trier.de/index.php?id=5108#c5319