23. Internationales Bremer Symposium zum Film: Grenzüberschreitendes Kino / Cinema Crossing Borders

Ort
Bremen
Veranstaltungsort
Kommunalkino City46
Veranstalter
Filmwissenschaft Universität Bremen, Geschichte Lateinamerikas, Universität Bremen & City46
Datum
01.10.2017
Bewerbungsschluss
01.10.2017
Von
Prof. Dr. Delia González de Reufels

Call for Papers: Grenzüberschreitendes Kino / Cinema Crossing Borders

Das Kino erzählt seit seiner Erfindung von den Praktiken der Grenze: von den Erfahrungen des Überschreitens nationaler Grenzen, von der Abschaffung von Grenzanlagen oder von der Neuerrichtung von Grenzzäunen. Filme reisen aber auch selbst um die Welt – früher auf klassischen Handelswegen zu Kinos und Filmfestivals – heute als digitale Information durch den globalen Datenverkehr. Die Erzählungen des Kinos, wie auch die Reisen der Filme selbst, stellen nationale Grenzen als Produkte einer politischen, sozialen und ästhetischen Praxis aus, die sich kulturell wandeln. Im Anschluss an zeitgenössische Studien zum Migrationskino, zum Kino im Exil und in der Diaspora, sowie im Kontext der interdisziplinären Border Studies lädt das Symposium internationale Fachleute ein, über die Praktiken der Grenze und ein grenzüberschreitendes Kino nachzudenken.
Grenzüberschreitendes Kino wird mit bestimmten Figuren verbunden: mit Vagabunden, Migranten, Handelsreisenden, Touristen oder Terroristen – aber auch mit weit weniger spezifischen Erscheinungen – wie Fremden oder Außerirdischen. Grenzüberschreitendes Kino ist nur scheinbar festgelegt auf klassische Genres – wie etwa Roadmovie, Western, Kriegsfilm, Science-Fiction oder auf zeitgenössische Ausprägungen wie postkoloniales und transnationales Kino oder ein Kino der doppelten Kulturen. Als ein genuines Bild der Bewegung durchzieht das grenzüberschreitende Kino vielmehr die unterschiedlichsten Formen – wie Hollywoodfilm, Dokumentarfilm, Autorenfilm, Essayfilm, Animationsfilm etc. Von seinen Anfängen bis in die Gegenwart scheint gerade das Kino ein prädestiniertes Medium zu sein, Grenzüberschreitungen zu inszenieren, zu reflektieren, aber auch in actu zu dokumentieren und auf diese oder andere Weise sich an Grenzpraktiken zu beteiligen, sie mit zu gestalten oder neu auszuhandeln.
Das Kino ist bereits sehr früh Teil einer globalen Ökonomie, sowie auch verbunden mit Kolonialismus und einer Aneignung der Welt durch Bilder, audiovisuelle Dokumente und Inszenierungen. Filme sind selbst spezifische Produkte im globalen Warenverkehr, die aber – und das ist das Besondere – ihr Überschreiten von Grenzen selbst sichtbar, hörbar, erzählbar und damit auch verhandelbar machen. Internationale Koproduktionen, Festivals und Distribu-tionswege zeugen davon. Aber auch Theorie- und Geschichts-Diskurse prägen und reflektieren die Überwindung nationalstaatlicher Grenzen als Gegenstand des filmischen Schaffens, sowie dessen Kontext in einer sich globalisierenden Welt. Hierzu zählen beispielsweise die historischen Überlegungen zu einer kinematografischen Universalsprache, Konzepte zur mehrsprachigen Filmproduktion, aber auch die Exilforschung. In zeitgenössischer Perspektive sind es insbesondere die Diskurse des Migrationskinos sowie des Kinos der Diaspora, die diese Entwicklungen explizit zum Thema machen.
Erwünscht sind Beiträge zu den folgenden Themen:
- Migrationskino
- Kino im Exil und in der Diaspora
- Transnationales Kino
- Koloniales und postkoloniales Kino
- Genre und Grenzen
- Schwellen und Zonen der Desorientierung aufgrund fehlender Grenzen
- Europa in der Krise
- Grenzregion USA / Mexiko
- Vergleichende Ansätze zur Darstellung von Grenzen im Film
- Mehrsprachigkeit im Film / Internationale Distribution
- Grenzen und kulturelle Identität
- Grenzen und Neue Medien Formate: Virtual Reality / Netzprojekte
Das 23. Internationale Bremer Symposium zum Film versteht sich als Forum, das die unterschiedlichen theoretischen und methodologischen Ansätze zum grenzüberschreitenden Kino in seiner Vielfältigkeit zusammenbringt. Ziel ist es, die Diskussion darüber zu vertiefen, wie grenzüberschreitendes Kino unsere Vorstellungen von Grenzen formiert und informiert, aber auch kritische wie affirmative audio-visuelle Diskurse der Grenze ausbildet. Das Symposium lädt zum interdisziplinären Austausch ein und möchte zudem die Vielfalt von Erzählungen, Darstellungen und Inszenierungen zeitgenössischer und historischer Grenzen als Ergebnis einer sich wandelnden Praxis auch auf der Leinwand des Kinos sichtbar und hörbar machen. Die Konferenz setzt sich aus Vorträgen, Diskussionen, Filmvorführungen und Gesprächen zusammen und wird vom 25. – 29. April 2018 im Kommunalkino Bremen / CITY 46 stattfinden. Es werden Abstracts erbeten, die sich auf ein Thema des skizzierten Spektrums beziehen und ein Interesse an interdisziplinärem bzw. filmtheoretischem Austausch erkennen lassen. Wenn Sie am 23. Internationalen Bremer Symposium zum Film teilnehmen möchten, dann senden Sie uns bitte bis zum 01.10.2017 ein Abstract (2000 Zeichen) und eine Kurzbiografie in deutscher oder englischer Sprache zu. Im Rahmen der begrenzten Mittel kann ein Reisekostenzuschuss gewährt werden.

Kontakt

Dr. Rasmus Greiner
rgreiner@uni-bremen.de

Zitation
23. Internationales Bremer Symposium zum Film: Grenzüberschreitendes Kino / Cinema Crossing Borders, 01.10.2017 Bremen, in: H-Soz-Kult, 08.09.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-34961>.
Redaktion
Veröffentlicht am
08.09.2017
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