Zwischen Gedächtnis, Geschichte und Identitätskonstruktion: Was ist ein Erinnerungsort und wie entsteht er?

Ort
Bochum
Datum
13.12.2012 - 14.12.2012
Veranstalter
Stefan Berger, Institut für soziale Bewegungen, Bochum; Ruhr Museum, Essen
Von
Joana Seiffert, Institut für soziale Bewegungen, Ruhr-Universität Bochum

Kollektive Gedächtnisse sind oftmals historisch unterfüttert und dienen der Konstruktion von räumlichen wie nicht-räumlichen Identitäten. Auf der Tagung wurden unterschiedliche theoretische Konzepte von kollektivem Gedächtnis und kollektiver Identität vorgestellt und ihre Bezüge zu Geschichte und Raum ausgelotet. Die Veranstaltung richtete sich an die Multiplikatoren von Geschichtskultur im Ruhrgebiet, die durch die Impulse der Tagung zu einer Auseinandersetzung mit diesen Theorien und ihren Applikationen auf räumliche Identitätskonstruktionen angeregt werden sollten.

LUTZ NIETHAMMER (Jena) eröffnete die Tagung mit einer Kritik am Begriff der kollektiven Identität. Einerseits stelle dieser angesichts seiner Unschärfe und vermeintlich inhaltlichen „Leere“ ein „Plastikwort“ dar. Andererseits seien die Gefahren, die vom Identitätsbegriff ausgingen, nicht zu unterschätzen, da dieser im Wesentlichen über Exklusion definiert und entsprechend normativ aufgeladen werde. Was bedeutet dies für die Konstruktion eines gemeinsamen, historisch begründeten Selbstverständnisses der Region Ruhrgebiet? Verglichen mit dem Begriff Identität zeichne sich, so Niethammer, Noras Konzept der lieux de mémoire durch größere Offenheit aus. Für die Historisierung des Ruhrgebiets könne es nutzbar gemacht werden, sofern es die Dimension Zeit nicht ausklammere, historische Wandlungsprozesse miteinbeziehe und folglich verschiedenartige Identifikationsangebote ermögliche.

MARCEL SIEPMANN und ANNE KROH (beide Essen) sind mit Blick auf das für 2014 in Brüssel geplante „Haus der europäischen Geschichte“ der Frage nachgegangen, inwiefern mit diesem Museumsprojekt ein gemeinsamer europäischer Erinnerungsort generiert werden kann. Um ein europäisches Wir-Gefühl zu erzeugen, hieß es in Anlehnung an Claus Leggewies Studie „Der Kampf um die europäische Erinnerung“, sei es unerlässlich eine breite, transnationale Öffentlichkeit in die Konzeption miteinzubeziehen. Anstelle eines vordefinierten, normativen Geschichtsbildes müsse ein gemeinsamer Dialog über disparate Erinnerungen treten, welcher unterschiedlichen Wahrnehmungen zu ihrem Recht verhelfe. Die derzeitige Planung des Museums, so die Kritik der Referenten, lasse jedoch diese unbedingt notwendige Öffentlichkeit vermissen und zudem Einseitigkeiten in der historischen Aufarbeitung des europäischen Integrationsprozesses erkennen.

In der zweiten Sektion haben CHRIS LORENZ (Amsterdam) und KLAUS GROßE KRACHT (Münster) das Verhältnis von Geschichte und Gedächtnis sowie die damit verbundenen Zeitkonzepte aus einer geschichtstheoretischen Perspektive betrachtet.

1874 war in der chinesischen Provinz Xinjiang ein Feuer auf einem Kohlenfeld ausgebrochen, welches man erst 130 Jahre später hatte löschen können. Dauer und Ausmaß dieses Feuers stellten das gängige Verständnis von einem Brand grundsätzlich in Frage. Lorenz hat hierin eine Analogie zum Problem der „heißen Geschichte“ erkannt; einer Vergangenheit, die sich nicht von selbst abzukühlen vermag, deren politisch-soziale oder juristische Explosivität weiter anhält, und somit über das vertraute Konzept von Geschichte hinausreicht. Seit den 1980er Jahren befänden sich große Teile der Vergangenheit in einem permanent „heißen“ Zustand, was auf ein verändertes, nicht-lineares bzw. räumliches Zeitverständnis zurückzuführen sei. Dies stelle ein konstitutives Moment von Geschichtswissenschaft in Frage, welche ihrem Anspruch nach Vergangenheit aus einer „kühlen“ Distanz betrachte. Die strikte Dichotomie zwischen „kalter“ Geschichte und „heißer“ Erinnerung sei auf die Dauer nicht mehr aufrecht zu erhalten. Versuche, die Vergangenheit zurück an ihren „kalten“ Ort zu drängen, glichen folglich den lange Zeit vergeblichen Mühen der Feuerwehrmänner von Xinjiang. „Der ärgste Feind des Historikers ist der Zeitzeuge.“ Mit diesen provokativen Worten leitete Große Kracht seinen Vortrag über das Spannungsverhältnis zwischen Geschichte und Gedächtnis ein, wobei er sich klar gegen eine Hierarchisierung beider Sphären positionierte. So könnten beide Seiten potenziell von der korrektiven Kraft der anderen profitieren. Gleichsam wurde die Frage nach den dominanten Zeitkonzepten in der Geschichtswissenschaft einerseits und dem kollektiven Gedächtnis andererseits aufgeworfen. Während erstere von einem kontinuierlichen Chronotopos geprägt sei und Ereignisse in ein Vorher und Nachher einordne, könnten sich im Gedächtnis historische Ereignisse wechselseitig überlagern. Hierin liege wiederum ein wesentliches Merkmal von Erinnerungsorten, welche Inhalte des kollektiven Gedächtnisses nicht nur greifbar und lokalisierbar machten, sondern an denen sich zudem eine Vielzahl bedeutungsvoller Zeiträume verdichteten und vergleichzeitigten. Damit seien Erinnerungsorte als Heterochronien bzw. Heterotopien im Foucaultschen Sinne zu begreifen.

JÜRGEN STRAUB (Bochum) und KORNELIA SIEBECK (Berlin) stellten die 1987 von Karl Markus Michel unter dem Titel „Die Magie des Ortes“ veröffentlichte Kritik am Gedenkstättentrend und Musealisierungsboom zur Debatte. Michel hatte der Gesellschaft seinerzeit „Topolatrie“ bescheinigt, einen „Götzendienst“ am Ort, der durch den Wunsch nach authentischen Gedächtnisorten gespeist werde. Die Konstruktion von Gedächtnisorten habe jedoch den Charakter einer Gegenaufklärung angenommen, indem diesen Orten eine vorformulierte Sinnhaftigkeit eingeschrieben und auf diese Weise zur Produktion erstarrter, hegemonialer Identitäten beigetragen wurde. Um demgegenüber einen lebendigen Gedächtnisort entstehen zu lassen, so das Plädoyer der Referenten, müssen die vielfältigen Deutungsebenen eines Erinnerungsortes transparent gemacht, radikal offene Aushandlungsprozesse ermöglicht und die Konzeption von „Möglichkeitsräumen“ realisiert werden.

ELKE STEIN-HÖLKESKAMP und JOACHIM HÖLKESKAMP (beide Köln) haben einen Einblick in ihr Buchprojekt „Die Griechische Welt. Erinnerungsorte der Antike“ gegeben. Eine Herausforderung hat angesichts der räumlichen und strukturellen Heterogenität der griechischen Welt in der Zusammenstellung weitgehend unstrittiger gemeinsamer Erinnerungsorte bestanden. Vor diesem Hintergrund haben die Herausgeber den Fokus auf Erinnerungsträger gelegt, die in der Geschichte wiederholt rezipiert und im Zeitverlauf in immer wieder neue, vielfach widersprüchliche Deutungszusammenhänge gestellt worden sind. Anhand diverser Beispiele haben die Referenten die Rezeptionspotenziale antiker Erinnerungsorte in sich verändernden politischen und kulturellen Zusammenhängen herausgearbeitet und deren Überzeitlichkeit verdeutlicht.

In der vierten Tagungssektion haben KORNELIA KOŃCZAL (Berlin), BRUNO DE WEVER (Gent) und BENOÎT MAJERUS (Brüssel) den Einfluss von Noras lieux de mémoire aus einer international vergleichenden Perspektive beleuchtet. Kończal hat die Anwendung des Konzepts in der geschichtswissenschaftlichen Forschung Deutschlands und Frankreichs miteinander verglichen. Viel stärker als in Frankreich werde in der „Kulturnation Deutschland“ bei der Diskussion um nationale Erinnerungsorte der Fokus auf kulturbezogene Kategorien gelegt. Darüber hinaus habe „Les lieux de mémoire“ in Deutschland die nationale Identität in Frage gestellt, indem es auf eine geteilte Erinnerung und entsprechend ambivalent besetzte Erinnerungsorte aufmerksam gemacht habe. In einer „Korrektur“ entsprechender Erinnerungsorte Deutschlands erkannte Kończal eine besondere Chance für die Geschichtswissenschaft. Ferner plädierte sie dafür, Noras Konzept nicht als Monument, sondern als Experiment zu begreifen. De Wever hat Erinnerungs-Projekte aus den Niederlanden und Belgien unter der Fragestellung verglichen, inwieweit sich die historischen und kulturellen Gemeinsamkeiten der Länder in ihren jeweiligen Erinnerungs-Projekten wiederfinden lassen. Gegenstand seiner Untersuchung waren das Werk „Realms of Memory: The Netherlands“ sowie das belgische Projekt „A pathway of memory“. Hierbei konnte er feststellen, dass in beiden nationalen Narrativen oftmals dieselben Erfahrungen und Erinnerungsorte von Bedeutung sind und beide Erzählrahmen sich in einem internationalen Kontext verorten. Der Aspekt der Sprache spiele in diesem Zusammenhang die bedeutendste Rolle als Kontaktzone zwischen den Ländern. Im Sinne einer umfassenden Rezeptionsgeschichte hat Majerus verschiedene nationale und regionale Projekte zu Erinnerungsorten vergleichend betrachtet. Sein Vortrag stand dabei unter der Fragestellung, ob und inwieweit Noras Konzept selbst zu einem Erinnerungsort der europäischen Historiografie geworden sei. Eine große Chance erkannte er in der methodologischen Offenheit des Konzepts. Der Begriff Erinnerungsort sei folglich in vielen regionalen, nationalen aber auch transnationalen Kontexten anwendbar, obgleich der transnationale Paradigmenwechsel einen noch längst nicht abgeschlossenen Prozess darstelle. Darüber hinaus stellte Majerus zur Diskussion, weshalb Nora in Osteuropa bislang keinen bzw. kaum Widerhall gefunden hat.

„Erinnerungsorte sind die Kathedralen des 21. Jahrhunderts.“ Diese Hochkonjunktur der Erinnerung deutete JAY WINTER (Yale) als ein Familienphänomen: eine Suche nach einer generationenverbindenden Familiengeschichte, die anhand materieller Erinnerungsorte anfassbar bzw. begehbar werde. Im Zentrum des Interesses stünden Erzählungen von Krieg und gemeinsam erduldetem Leid als Momente, in denen Familiengeschichte und Weltgeschichte untrennbar miteinander verflochten würden. Die öffentliche Wahrnehmung von Krieg habe sich im Zuge des Erinnerungsbooms grundlegend verändert, wobei der Blick auf die Opfer der Gewalt die traditionellen Heldenerzählungen abgelöst und Erinnerung mit einem moralischen Impetus versehen habe. Die Erinnerung an Weltkrieg, Holocaust und Gewalt markiere wiederum die elementare Triebkraft für die Erklärung universaler Menschenrechte – ein nach Winter performativer und hochgradig symbolträchtiger Akt des Gedenkens, auf dessen Fundament die moderne europäische Gemeinschaft erbaut sei. Heutzutage, da sich diese Erinnerungen aus dem Bereich des kommunikativen in den Bereich des kulturellen Gedächtnisses verlagern, müsse das kulturelle Gedächtnis geformt, performativ gemacht und seine pazifierende Kraft genutzt werden.

MILOŜ ŘEZNÍK (Chemnitz) und ROBERT TRABA (Berlin) setzten sich zu Beginn des zweiten Konferenztages mit Anwendungsmöglichkeiten des Konzepts der Erinnerungsorte in regionaler Perspektive auseinander. Um regionsspezifische Identitätsangebote und eine gemeinsame Erinnerung zu schaffen, müsse, so Řezník, die Region, ihre historische Gewordenheit und ihre Entwicklungslogik „lesbar“ gemacht werden. Kenntnis und Vertrautheit seien grundlegende Voraussetzung für Akzeptanz und Identifikation. Obgleich Identitätsarbeit nicht in einem herrschaftsfreien Raum und gänzlich ohne normative Ansprüche geschehen könne, warnte Řezník davor, eine konkrete regionale Identität zu propagieren. Vielmehr müsse es darum gehen, die verschiedenen Identitätspotenziale einer Region herauszuarbeiten und vielstimmige Identitätsangebote zu schaffen, durch welche ihre Sinnhaftigkeit transparent gemacht sowie die Bedürfnisse der dort ansässigen Personen bedient werden. Traba hat in seinem Vortrag darauf verwiesen, dass regionale Geschichte zumeist vor dem Hintergrund einer nationalen Meistererzählung geschrieben werde, wohingegen die eigentümlichen historischen Entwicklungen einer Region häufig aus dem Blick gerieten. Entsprechend müsse Regionalgeschichte aus dem nationalen Kontext befreit und der regionale Charakter in einem alternativen Narrativ freigelegt werden. Hierbei ging es Traba vorrangig darum aufzuzeigen, auf welche Weise Regionen als ein zusammengehöriges Ganzes definiert und angeeignet werden, bzw. welche Akteure sie mit welchen Deutungen besetzt haben.

Erinnerung wird stark von ihren jeweiligen räumlichen wie zeitlichen Bezugspunkten bestimmt. TILMANN ROBBE (Basel), RAINER HUDEMANN (Saarbrücken/Paris) und WERNER TELESKO (Wien) haben vor diesem Hintergrund verschiedene analytische Zugriffe auf Erinnerung und Identitätskonstruktionen vorgestellt. Robbe diskutierte Noras Konzept anhand verschiedener Raumkonzeptionen. Mittels eines geometrischen Ansatzes stellte er die Begriffe „Ort“ und „Raum“ in ein Verhältnis zueinander: Ein Ort markiert in geometrischen Kategorien einen einzelnen Punkt. Erst drei oder mehr Punkte spannen eine Ebene bzw. einen Raum auf. Dies bedeute, dass ein Erinnerungsort, verstanden als ein einzelner Punkt, nur wenig Sinn ergebe. Demgegenüber sei gerade die Bündelung verschiedener Fixpunkte der Erinnerung zu einem Erinnerungsraum das, was einen Erinnerungsort gemäß Noras Definition ausmache. Raum verstanden als ein topografischer Gegenstand biete darüber hinaus lohnenswerte analytische Zugriffe auf Gedächtnis und Erinnerung; etwa indem das Spannungsverhältnis zwischen einem Erinnerungsraum und der Gruppe, die diesen vermeintlich repräsentiert, in den Blick genommen werde. An diese Überlegungen knüpfte Hudemann mit seinem Vortrag zu Erinnerung in Konfliktregionen am Beispiel der Saar-Lor-Lux-Region an. In einem ersten Schritt arbeitete er das Spezifische dieses Grenzortes als Erinnerungsort im Vergleich zum Ruhrgebiet heraus, um in einem zweiten Schritt die dortigen Konfliktlinien und gegenseitigen Verflechtungen der Erinnerung zu reflektierten. In den Kategorien von Aleida Assmann, die Erinnerungsorte als Generationenorte, Gedenkorte oder traumatische Orte definiert, könnten transnationale Verflechtungen fassbar gemacht werden. Am Beispiel der wiederholten Neudeutung und Umgestaltung einer Kriegerstatue in Metz zeichnete Hudemann die politischen und kulturellen Transformationsprozesse in der Grenzregion und die damit verbundenen Konstruktionen von Erinnerung eindrücklich nach. Erinnerungsorte in Grenzräumen würden demnach die Spannbreite und das Potenzial ihrer Instrumentalisierung besonders deutlich machen, sodass sie als Untersuchungsgegenstand vielversprechende Zugänge böten, den Prozessen kollektiven Erinnerns auf die Spur zu kommen. Telesko zeichnete die Entwicklungen und Brüche der historischen Erinnerungstraditionen in ehemals zum habsburgischen Reich gehörigen Regionen nach und konstatierte dort gegenwärtig eine gewisse nostalgische Sehnsucht. Anhand von insgesamt drei Fallbeispielen – einer Bürgerinitiative für die Wiedererrichtung eines Maria-Theresia-Denkmals in Bratislava, der Burg Theben an der slowakisch-ungarischen Grenze sowie der Schlacht von Mohács – machte Telesko die Bandbreite unterschiedlicher Medialisierungen von Erinnerungsorten deutlich.

Den Abschluss bildete ein Abendvortrag von JAN und ALEIDA ASSMANN (beide Konstanz) mit einem kulturwissenschaftlichen Zugriff auf das Tagungsthema. Die Referenten definierten Erinnerungsorte als Orte, an denen sich das Heilige vergegenwärtigt. Diese könnten von monumentaler, materieller Natur sein oder aber symbolischen, performativen Charakter tragen. Text und Ritus interpretierte Jan Assmann als einen auf Dauerhaftigkeit der Erinnerung ausgerichteten Gegenmoment zum monumentalen Gedächtniserbe, eine „Überwindung des Steinernen“. Um religiöse Texte zu beglaubigen, so Aleida Assmann, seien jedoch konkrete, materielle Orte der Erinnerung unerlässlich. Der Besuch und die Begehung „heiliger“ Orte bilden demnach elementare Modi der Erinnerung. Erinnerung sei darüber hinaus etwas höchst Unzuverlässiges, da sie unwillkürlich verloren gehen oder intentional verdrängt werden könne. Die Umwidmung von Erinnerungsorten stelle eine besonders wirksame Form des Vergessens dar. In diesem Zusammenhang führten die Referenten den Begriff „Orte des Vergessens“ ein. Gleichsam könnten historische Stätten, deren Bedeutung über die Zeit in Vergessenheit geraten ist, eine Re-Memorisierung erfahren. Insgesamt wurde deutlich, dass Erinnerung, Erinnerungsformen und Erinnerungsorte einem permanenten Wandel unterliegen und Erinnerung weniger auf die Vergangenheit ausgerichtet, als vielmehr in die Zukunft hinein offen ist.

Die Tagung bildete den Auftakt einer sich über drei Jahre erstreckenden, intensiven Auseinandersetzung mit Erinnerungsorten im Ruhrgebiet seitens des Ruhr Museums auf Zeche Zollverein in Kooperation mit dem Bochumer Haus der Geschichte des Ruhrgebiets. Für 2013 ist ein Kongress geplant, auf welchem verschiedene Erinnerungsorte des Ruhrgebiets vorgestellt und Fragen nach den Möglichkeiten, diese zu beschreiben, nachgegangen werden sollen. 2014 werden die Bürgerinnen und Bürger des Ruhrgebiets mit diesen regionalen Erinnerungsorten konfrontiert, um in einem interaktiven Prozess die Auseinandersetzung mit identitären Angeboten in kritischer Absicht zu befördern.

Konferenzübersicht

Grußworte
Stefan Berger, Direktor, Institut für soziale Bewegungen
Dieter Nellen, Referatsleiter für Kultur und Sport, Regionalverband Ruhr
Theo Grütter, Direktor, Ruhr Museum

Sektion 1

Lutz Niethammer (Jena): Regionale Identität – ein Plastikwort?
Marcel Siepmann (Essen) und Anne Kroh (Essen): Das Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel – ein europäischer Erinnerungsort?
Moderation: Ulrich Borsdorf (Essen)

Sektion 2

Chris Lorenz (Amsterdam): Erinnerung, Geschichte und Identität aus dem Blickwinkel der Geschichtstheorie
Klaus Große Kracht (Münster): Zwischen Geschichte und Gedächtnis: Zur Heterochronie von Erinnerungsorten
Moderation: Lucian Hölscher (Bochum)

Sektion 3

Jürgen Straub (Bochum) und Cornelia Siebeck (Berlin): Topolatrie revisited: Gedächtnisorte als soziopolitische Praxis. Kulturpsychologische Annotationen zur narrativen Deutungsmacht im öffentlichen Raum
Elke Stein-Hölkeskamp und Karl-Joachim Hölkeskamp (Köln): Erinnerungsorte (in) der Vormoderne
Moderation: Theo Grütter (Essen)

Sektion 4

Kornelia Kończal (Berlin): Erinnerungsorte: Deutschland und Frankreich im Vergleich
Bruno De Wever (Gent): Lieux de mémoire in the Netherlands and Belgium
Benoît Majerus (Brüssel): Comparative Perspectives on national „lieux de mémoire“-projects
Moderation: Jörn Rüsen (Essen)

Public Lecture
Jay Winter (Yale): The Performativity of Memory and its Regional Application

Sektion 5

Miloš Řezník (Chemnitz): Theoretische Perspektiven auf die Anwendung des Konzepts der „Erinnerungsorte“ im regionalen Kontext
Robert Traba (Berlin): Deutsch-polnische Erinnerungsorte als regionale Erinnerungsorte
Moderation: Dieter Nellen (Essen)

Sektion 6

Tilmann Robbe (Basel): Erinnerungsorte und unterschiedliche Raumkonzeptionen
Rainer Hudemann (Saarbrücken/Paris): Orte grenzüberschreitender Erinnerung in Konfliktregionen: Das Beispiel Saar-Lor-Lux
Werner Telesko (Wien): Regionale Erinnerungsorte im Habsburgerreich: Region, Nation, Imperium und die Erinnerung
Moderation: Stefan Berger (Bochum)

Public Lecture
Aleida Assmann und Jan Assmann (Konstanz): Erinnerungsorte aus kulturwissenschaftlicher Sicht

Zitation
Tagungsbericht: Zwischen Gedächtnis, Geschichte und Identitätskonstruktion: Was ist ein Erinnerungsort und wie entsteht er?, 13.12.2012 – 14.12.2012 Bochum, in: H-Soz-Kult, 28.03.2013, <http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-4716>.
Redaktion
Veröffentlicht am
28.03.2013
Klassifikation
Weitere Informationen
Land (Veranstaltung)
Sprache (Veranstaltung)