Die Französische Revolution - Themenportal von historicum.net

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Titel
Französische Revolution - historicum.net.


Rezensiert für H-Soz-Kult von
Susanne Lachenicht

Unter www.revolution.historicum.net findet sich ein Fachportal zur Französischen Revolution, eins von mittlerweile 13 Angeboten, über die die Verantwortlichen von www.historicum.net nicht nur Wissenschaftlern und Studenten, sondern auch Lehrern, Schülern und interessierten Laien bekannte (Bombenkrieg 1939-1945) und weniger bekannte (Schwabenkrieg 1499) nationale und internationale (Risorgimento) Bereiche der Geschichtswissenschaft nahe bringen wollen.
Das Portal zur Französischen Revolution bietet über digitalisierte Text- und Bildquellen, kommentierte Links zu Museen und Forschungseinrichtungen, Bibliographien, Biographien einzelner Akteure, Opfer und Zeitzeugen der Französischen Revolution nicht nur, wie die Verantwortlichen ankündigen, "einen ersten Zugang zum Thema", sondern eröffnet dem Adressatenkreis umfangreiches Material und über eine gezielte "Verlinkung" den Weg zu anderen Institutionen und Websites zur Französischen Revolution. Das Angebot wird laufend aktualisiert bzw. weiter ausgebaut.
Die Rubrik Bibliographie beinhaltet eine Auswahlbibliographie, die u.a. deutsch-, französisch- und englischsprachige Nachschlagewerke und Bibliographien, ältere Literatur, zeitgenössische Reiseberichte, Publikationen zu Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur des Zeitalters der Französischen Revolution, Forschungsüberblicke und Titel zur Rezeption der Revolution nennt. Die Auswahlbiographie macht vor allem den Zugriff auf wichtige Titel zur Französischen Revolution für mit der Revolution noch nicht vertraute Wissenschaftler, Studenten und Lehrer bzw. Schüler möglich, vor allem wenn sich letztere Gruppen über das von Schulbüchern reproduzierte Wissen zur Französischen Revolution hinaus informieren wollen.
Für Spezialisten von großem Interesse ist die detaillierte Bibliographie, die Bibliographie Bicentenaire, die momentan 1.650 zwischen 1987 und 2002 erschienene französische, deutsche, englische und italienische Titel zur Französischen Revolution, ihrer Vorgeschichte, ihren Auswirkungen und ihrer Rezeption bietet und die alle über die Universitätsbibliothek Mainz per Orts- oder Fernleihe (Signaturen sind genannt) erhältlich sind. Zusammengestellt hat diese Bibliographie Rolf Reichardt, Leiter des Sammelschwerpunktes Frankreichforschung der Universitätsbibliothek Mainz und Honorarprofessor für Neuere Geschichte an der Universität Gießen, der sicherlich nicht nur der beste Kenner der deutschen, französischen und angelsächsischen Revolutionsforschung ist, sondern seit Jahrzehnten der deutschen Revolutionsforschung neue Impulse gibt und sie im Verein mit einer kleinen "Schar" von Kollegen wie Hans-Jürgen Lüsebrink u.a. international so gut es geht wettbewerbsfähig hält.
Die Rubrik E-Texte bzw. E-Texte im Netz enthält zur Zeit 12 zum Teil in einschlägigen Zeitschriften bzw. Online-Zeitschriften zwischen 1990 und 2002 publizierte Artikel sowie einige noch nicht anderweitig publizierte Vorträge, die den Zugriff auf einige neuere, zum Teil noch nicht veröffentlichte Arbeiten zur Französischen Revolution aus Deutschland, Frankreich und dem angelsächsischen Raum ermöglichen.
Die Rubrik "Biographien" bietet bislang zu 40 der wichtigsten freiwilligen und unfreiwilligen Protagonisten der Revolution Kurzbiographien, die mit Literatur und digitalisierten Quellentexten die Biographien nicht nur für Wissenschaftler, Studenten, Lehrer, Schüler und interessierte Laien zu einem willkommenen Nachschlagewerk machen, sondern auch die gezielte Vorbereitung von Referaten zu einzelnen Protagonisten der Revolution ermöglichen. Ein Problem stellt allerdings die Tatsache dar, daß etliche der E-Texte noch nicht wirklich verfügbar sind. Dies ist allerdings nicht den Betreuern des Portals anzulasten, sondern in den meisten Fällen der Bibliothèque nationale de France, die anscheinend mit der Digitalisierung wichtiger Quellen zur Revolution noch nicht so weit ist, wie sie sein sollte.
Die Zeitleiste ist konsequent mit der Galerie bzw. den Biographien verlinkt und beginnt - sinnvollerweise - eben nicht erst mit dem Jahr 1789, sondern bereits mit der Vorgeschichte der Revolution. Von Relevanz ist sie insbesondere für Wissenschaftler, Studenten, Lehrer und Schüler, die sich einen schnellen Überblick über die Chronologie der Ereignisse verschaffen bzw. sich von hier aus spezifischen Aspekten der Revolution zuwenden wollen. Die Zeitleiste eignet sich für einen Einstieg ins Thema Französische Revolution sicherlich am besten.
Für all diejenigen, die sich im Rahmen von Seminar-, Diplom-, Magister- oder Doktorarbeiten in das Thema Französische Revolution intensiver einarbeiten wollen, bietet - neben der Bibliographie - die Rubrik Quellen mit den angebotenen digitalisierten Texten von 1790-1804 eine Recherchemöglichkeit. Quellen im Netz ist eine Linksammlung (diese Linksammlung ist auch über die letzte Rubrik "Links" zu erreichen), die sicher in der nächsten Zeit ebenso wie E-Texte, Biographien und Galerie erweitert werden wird, aber schon jetzt eine brauchbare Linksammlung zu den für das Thema wichtigsten Archiven und Bibliotheken, zu Bild- und Kartenmaterial, Museen, Quellen, Zeitschriften und Institutionen darstellt. Für den Schulunterricht, teilweise auch die Vorbereitung von Pro- und Hauptseminaren (bzw. Referate) interessant sind hier das Tonmaterial, sowie die Rubriken Museen und Kulturgeschichte. Letztere bietet Links zu umfangreichem Bildmaterial zur Französischen Revolution bzw. einen Zugang zu Alltags- und Volkskultur.
Impressum und Ansprechpartner sind leicht zu finden. Da das Angebot kontinuierlich erweitert werden soll, laden die Gestalter darüber hinaus in den einzelnen Rubriken zu Anregungen und Hinweisen ein.
Die Benutzerführung ist selbst für ungeübte Nutzer übersichtlich, Suchhilfen und Suchfunktionen unterstützen die gezielte und schnelle Suche nach Begriffen, Personen, Titeln, Bild- und Textquellen innerhalb des Portals.

www.revolution.historicum.net bzw. www.historicum.net sind nicht nur viele "Besucher" zu wünschen, sondern auch eine rege Akzeptanz des offerierten "diskursiven Modells". Was sie bietet, ist außergewöhnlich: jede Menge Websites, die - je nach Rubrik - für einen breiten Adressatenkreis - Wissenschaftler, Studenten, Lehrer, Schüler und interessierte Laien - nicht nur brauchbar sind, sondern Lust auf die Französische Revolution machen, und ihrem seit dem Boom, den der Bicentenaire 1989 vorübergehend ausgelöst hatte, sicherlich drohenden "Verstauben" im Bücherregal entgegenstehen könnten. www.revolution.historicum.net spiegelt nicht nur den Forschungsstand der deutschen, sondern auch der französischen und angelsächsischen Revolutionsforschung in weiten Bereichen wider, was insbesondere durch den Schwerpunkt im Bereich Kulturgeschichte, d.h. im Verständnis der Revolution als "Kulturrevolution", deutlich wird.
Der weitere, kontinuierliche Ausbau des Gesamtangebots und der einzelnen Portale macht vielleicht das möglich, was die deutsche historische Forschung - vor allem jenseits des in deutschen Massenmedien geradezu überrepräsentierten 20. Jahrhunderts - so häufig vermisst: den Zugriff auf (und vielleicht auch den öffentlichen Diskurs über) Themen aus dem Bereich Geschichts- (und Kunst-)wissenschaften für alle an Geschichte und Geschichtswissenschaften Interessierten jenseits des fachinternen Diskurses, als Angebot von Spezialisten der jeweiligen Fachgebiete. Gerade über eine gelungene Mischung aus Chronologien, Bibliographie, E-Texten, Ton- und Bildmaterial sowie der Linksammlung im jeweiligen Fachbereich bzw. im Länderportal ist (und wird) ein Zugang zu wichtigen Themen der deutschen, europäischen und außereuropäischen Geschichte möglich und macht diese auch für Laien attraktiv.

Zitation
Susanne Lachenicht: Rezension zu: Französische Revolution - historicum.net. , in: H-Soz-Kult, 14.08.2004, <www.hsozkult.de/webreview/id/rezwww-53>.
Redaktion
Veröffentlicht am
14.08.2004
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