„Wer kann den Judentempel brauchen?“ Synagogen in Mitteleuropa nach 1945

Ort
St. Pölten / Wien
Veranstaltungsort
Campus WU, 1020 Wien; Eröffnung: Ehemalige Synagoge St. Pölten
Veranstalter
Institut für jüdische Geschichte Österreichs in Kooperation mit der Wirtschaftsuniversität Wien und den Wiener Vorlesungen
Datum
07.07.2015 - 10.07.2015
Von
Sabine Hödl

70 Jahre nach Kriegsende thematisiert die Tagung unterschiedliche Aspekte der Geschichte und Gegenwart von Synagogen in Mitteleuropa, die im Nationalsozialismus beschädigt und ihrer Gemeinden beraubt wurden, deren Gebäude die Zeit jedoch überstanden haben.
Die Frage nach der Nutzung leerstehender Synagogenbauten ist nach wie vor aktuell; sie stellt sich im Verhältnis zu jüdischer Geschichte und jüdischem Kulturerbe, zu den jeweiligen nationalen Erinnerungsdiskursen und nicht zuletzt im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Überlegungen.
Der Umgang mit den verbliebenen „Leerstellen“ im Kontext der Gedenkkultur vor Ort wird an verschiedenen Beispielen erörtert, sei es das Entdecken des „jüdischen Erbes“ in ehemaligen Landgemeinden, die Rückgabe, Renovierung oder der Neubau einer Synagoge, oder aber die virtuelle Rekonstruktion, um Teile der (Stadt-)Geschichte zurück ins Bewusstsein zu holen.

Programm

Dienstag, 7. Juli 2015
19.00, Ehemalige Synagoge St. Pölten
Eröffnung
Begrüßung und Einführung
Konzert
Irene Schreier Scott (Klavier), Enkelin des Architekten der Synagoge Theodor Schreier (1873 Wien–1943 Theresienstadt) mit Tochter Monica Scott (Violoncello) unter Mitwirkung ihrer elfjährigen Enkelin Magali Pelletey (Violine; alle Berkeley, USA)

Mittwoch, 8. Juli 2015
WU Campus, Wien

9.30-10.00
Martha Keil (Injoest), Johannes Koll (WU)
Begrüßung

10.00-10.45
Hermann Simon (Berlin)
Von der Synagoge Oranienburger Straße zum Centrum Judaicum

10.45-11.30
Jim Tobias (Nürnberg)
„Mindestens eine Synagoge befand sich in allen Lagern“. Jüdische Gotteshäuser in DP-Camps

Pause

12.00-12.45
Alexandra Klei (Berlin)
Aspekte jüdischen Bauens in der Nachkriegszeit: die Synagogen des Hermann Zwi Guttmann (1917 –1977)

Mittagspause

14.30-15.30
Katrin Keßler, Ulrich Knufinke (Braunschweig)
Auf der Suche nach Synagogen in Deutschland – zur bauhistorischen Dokumentation jüdischer Bauwerke

15.30-16.15
Rebekka Denz (Braunschweig)
„Die ‚Judenschul‘ im Dorf”. Vom Umgang mit ehemaligen Synagogen im ländlichen Raum am Beispiel Unterfranken

Pause

16.45-17.30
Johannes Reiss (Eisenstadt)
Die Synagogen des Burgenlandes nach 1945

Donnerstag, 9. Juli 2015
WU Campus, Wien

9.30-10.15
Philipp Mettauer (St. Pölten)
Strafsache Novemberpogrom: der Fall St. Pölten 1946 – 1952

10.15-11.15
Christoph Lind (St. Pölten), Robert Streibel (Wien)
„Wer kann den Judentempel brauchen?“ Die ehemaligen Synagogen von St. Pölten und Krems zwischen Abriss und Renovierung.

Pause

11.45-12.30
Dieter Hecht (Wien)
Untere Viaduktgasse 13. Die Synagoge im Hof

12.30-13.30
Bob Martens, Herbert Peter (Wien)
Wer kann die virtuelle Rekonstruktion des Judentempels brauchen? Über den Nutzen der 3D-Computermodellierung

Mittagspause

15.30 Exkursion
Synagogen in Wien – zwei Fallbeispiele: Seitenstettengasse und Kaschlgasse
Martha Keil (St. Pölten), Felicitas Heimann-Jelinek (Wien)
Teilnahme nur für Tagungsteilnehmer/innen, Anmeldung beim Empfangstisch!

Freitag, 10. Juli 2015
WU Campus, Wien

9.30-10.15
Tim Corbett (Lancaster/Wien)
Der Vernichtung gedenken. Politik und Erinnerung im Fall der Zeremonienhalle am Wiener Zentralfriedhof 1945-1967

10.15-11.00
Gerald Lamprecht (Graz)
Erinnerungszeichen – Synagoge – Gedenkzentrum? Überlegungen zur 2000 errichteten Grazer Synagoge

Pause

11.30-12.15
Benjamin Grilj (St. Pölten)
„Cinemagoge“. Umgang mit dem jüdischen Erbe von Czernowitz

12.15-13.00
Jaroslav Klenovsky (Brünn)
Die Schicksale von Synagogen in den tschechischen Ländern von 1938 bis zur Gegenwart

Mittagspause

15.00-15.45
Katharina Friedla (Jerusalem)
„Wir haben genug Synagogen, es fehlen nur die Juden…“ – Die Synagogen in Breslau und Krakau: zwischen Erinnerung und Identitätssuche

15.45-16.30
Jana Fuchs (Jena)
„Das ist das Ende des jüdischen Warschau...“ – Positionen zu Warschauer Synagogen nach dem Holocaust

16.30
Schlussbemerkung
Martha Keil

Kontakt

Dr. Sabine Hödl
Institut für jüdische Geschichte Österreichs
Dr. Karl Renner-Promenade 22
3100 St. Pölten
office@injoest.ac.at

Zitation
„Wer kann den Judentempel brauchen?“ Synagogen in Mitteleuropa nach 1945, 07.07.2015 – 10.07.2015 St. Pölten / Wien, in: H-Soz-Kult, 15.05.2015, <www.hsozkult.de/event/id/termine-27938>.