OSTEUROPA 55 (2005), 2

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OSTEUROPA 55 (2005), 2
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Erschienen
Erscheint 
monatlich
Anzahl Seiten
160 Seiten
Preis
9,50 Euro

 

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Institution
Osteuropa
Land
Deutschland
c/o
Redaktion „Osteuropa“ Dr. Manfred Sapper, Dr. Volker Weichsel, Dr. Andrea Huterer, Olga Radetzkaja, Margrit Breuer Schaperstraße 30 10719 Berlin Tel. 030/30 10 45 - 81 / 82 Fax 030/21 47 84 14 E-mail: osteuropa@dgo-online.org
Von
Gebert, Dr. Agathe

Osteuropa 2/2005 ist erschienen.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Heinz Theisen: Ein dritter Weg für Europa. Die kulturelle Erweiterung der EU, S. 3

Eckart D. Stratenschulte: Ukraine: „Und jetzt: action!“ Die Aktionspläne der Europäischen Nachbarschaftspolitik, S. 15

Anneli Ute Gabanyi: Die Perspektive einer Perspektive. Moldova und die Neue Nachbarschaftspolitik der EU, S. 24

Sebastian Gerhardt: Die Welt hinter Warschau. Die polnische Außenpolitik gegenüber den Auslandspolen, S. 40

Hagen Ettner: Föderalismus: To be or not not be? Das Gebiet Sverdlovsk im Föderationsgefüge Rußlands, S. 58

Jörg Rathmann: Krieg und Frieden. Lev Tolstojs Landgut als Motor von Regionalentwicklung, S. 75

Anna Schor-Tschudnowskaja: Der Fremde. Zum Erbe eines sowjetischen Deutungsmusters, S. 87

Wolfgang Eismann: Keine Brücke über die Drina Vom Streit über einen jugoslawischen Schriftsteller, S. 96

Barbara Oertel: Staatssicherheit, wohin man blickt. Anna Politkovskaja über Putins Rußland, S. 111

Frank Golczewski: Ziemlich weit weg und doch am Anfang. Zum Stand der Aufarbeitung der Vertreibung, S. 116

Abstracts

Heinz Theisen

Ein dritter Weg für Europa
Die kulturelle Erweiterung der Europäischen Union

Mit der geplanten Erweiterung in den orthodoxen und den islamischen Raum wird aus der bis dahin westlich geprägten Europäischen Union eine multikulturelle Union. Durch eine kulturelle Überdehnung könnte es zu dem Verlust eines für die Handlungsfähigkeit der Union notwendigen Wir-Gefühls kommen. Andererseits sollte aber auch die „soft power“ der Anziehungskraft der Union für die Stabilisierung Ost- und Südosteuropas genutzt werden. Dieses Dilemma kann nicht im Entweder-Oder einer vollständigen Mitgliedschaft, sondern nur durch Abstufungen zwischen einer Integrations-, Assoziations- und einer Kooperationszone aufgehoben werden. Die kulturellen Zugehörigkeiten sollten bei der Zuordnung eine wesentlich bedeutendere Rolle erhalten. Im interkulturellen Lehren und Lernen müßte an Differenzierungen und Übergängen gearbeitet werden.

Eckart D. Stratenschulte

Ukraine: „Und jetzt: action!“
Die Aktionspläne der Europäischen Nachbarschaftspolitik

Die Europäische Kommission und der Rat der EU bemühen sich, durch die Europäische Nachbarschaftspolitik den Ländern in Osteuropa, im Kaukasus und im südlichen Mittelmeer eine enge Vernetzung mit der EU unterhalb der Ebene der Mitgliedschaft anzubieten. Kernstück der Nachbarschaftspolitik sollen die Aktionspläne sein, welche die EU-Kommission jetzt für die Ukraine und Moldova vorgelegt hat. Allerdings erfüllen die Aktionspläne die Vorgaben nicht, klare inhaltliche und zeitliche Prioritäten zu setzen und konditioniert zu sein. Es handelt sich vielmehr um relativ umfangreiche Aufgabenlisten für die Partnerstaaten, ohne Gegenleistungen der EU oder klare Schrittfolgen zu beinhalten. Die Aktionspläne drohen die in sie gesetzten Erwartungen nicht zu erfüllen.

Anneli Ute Gabanyi

Die Perspektive einer Perspektive
Moldova und die Neue Nachbarschaftspolitik der EU

Wenn Rumänien wie geplant im Jahr 2007 der Europäischen Union beitreten wird, bekommt die Union einen „neuen Nachbarn“: die Republik Moldova. Alle Analysen der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Situation in diesem „Armenhaus Europas“ fallen düster aus: Der Sezessionskonflikt mit der Provinz Transnistrien ist zwar eingefroren, aber ungelöst, die Staatlichkeit der Republik ist instabil, die nationale Identität umstritten. Demokratie und Rechtsstaat sind erst in Ansätzen vorhanden, die wirtschaftliche Abhängigkeit ist hoch und die soziale Situation erschreckend. Bietet die Nachbarschaftspolitik der EU Ansätze zur Lösung all dieser Probleme?

Sebastian Gerhardt

Die Welt hinter Warschau
Polen und die Auslandspolen in Litauen, Belarus und der Ukraine

Schwerpunkt der polnischen Politik gegenüber der Polonia und den Auslandspolen ist die Unterstützung der Auslandspolen in Litauen, Belarus und der Ukraine. Trotz finanzieller Restriktionen wuchs das Budget der staatlich bezuschußten Auslandspolen-Organisationen seit 1989. Entscheidender Akteur in diesem Politikfeld ist nicht das Außenministerium, sondern sind der Senat und von ihm abhängige Institutionen. Diese Nebenaußenpolitik geriet wiederholt unter Druck, hält aber bis heute an.

Hagen Ettner

Föderalismus – To be or not to be?
Das Gebiet Sverdlovsk in Rußlands Föderationsgefüge

Nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion wurde Rußland föderalisiert und Macht vom Zentrum „nach unten“ verteilt. Diese Entwicklung revidierte Putin nach seinem Amtsantritt und nach der Tragödie in Beslan. Wie ein Föderationssubjekt seine Machtsphäre in den 1990er Jahren erweiterte und wie Putin Machtressourcen wieder zentralisiert, zeigt die Fallstudie über das Gebiet Sverdlovsk auf exemplarische Weise. Der Föderalismus in Rußland ist auf dem Weg zu einem Scheinföderalismus.

Jörg Rathmann

Krieg und Frieden
Lev Tolstojs Landgut als Motor von Regionalentwicklung

Im Gebiet Tula entwickelt sich auf Initiative des Staatlichen Museums und Landguts von Lev Tolstoj „Jasnaja Poljana“ eine umfassende regionale Kooperation, die für Rußland in dieser Form einzigartig ist. Nach einem jahrzehntelangen Konflikt zwischen dem Museum und einem benachbarten Chemiekombinat haben das Landgut und das Werk im Jahr 2004 im „Abkommen von Jasnaja Poljana“ vereinbart, gemeinsam einen Plan zur nachhaltigen Regionalentwicklung auszuarbeiten. Die Kooperation könnte ermöglichen, das Chemiekombinat zu modernisieren, die touristische Attraktivität der Region zu steigern und mehr kleines und mittleres Gewerbe anzusiedeln.

Anna Schor-Tschudnowskaja

Der Fremde
Zum Erbe eines sowjetischen Deutungsmusters

Die kollektive Ideologie der Sowjetunion hinterließ eine begriffliche Trennung in „eigen“ und „fremd“, die mit der politischen Kultur einer Demokratie unvereinbar ist. Dieses Deutungsmuster ist moralisch stark aufgeladen und offen dafür, die gewaltsame Beseitigung von Abweichungen zu legitimieren. Der Ausschluß des „Fremden“ wurde in der sowjetischen Ideologie als Form der demokratischen Selbstverwaltung dargestellt. Dieses Deutungsmuster ist eines der Hindernisse für die Entwicklung der Demokratie in Rußland.

Wolfgang Eismann

Keine Brücke über die Drina
Vom Streit über einen jugoslawischen Schriftsteller

Im Gefolge des Zerfalls des multinationalen Jugoslawiens ist auch der nationale Streit um den einzigen jugoslawischen Literaturnobelpreisträger, Ivo Andrić, wieder entflammt. Zahlreiche kroatische Literaturwissenschaftler sehen in ihm einen Kroaten, den die unionistische Idee und persönlicher Ehrgeiz auf serbische Abwege brachten. Serbische Andrić-Forscher sind darauf bedacht, das reine serbische Erbe des Schriftstellers zu bewahren. Von bosnisch-moslemischer Seite wird ihm hingegen eine Satanisierung der bosnisch-moslemischen Geschichte vorgeworfen. In Vergessenheit gerät bei diesem Streit, daß Andrić sich der nationalen Vereinnahmung entzieht, daß das wichtigste Motiv und die wichtigste Idee seines literarischen Schaffens das der Brücke ist, der Brücke über die Drina, der Brücke vom Nationalen zum Universalen.

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