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Titel
Iberia Pontificia. Vol. IV: Provincia Compostellana. Dioeceses Abulensis, Salmanticensis, Cauriensis, Civitatensis, Placentina


Autor(en)
Engel, Frank; Martín, José Luis Martín
Erschienen
Göttingen 2016: Vandenhoeck & Ruprecht
Umfang
198 S.
Preis
€ 70,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Jochen Johrendt, Bergische Universität Wuppertal

Ein Wesen von Großunternehmen ist es, Generationen von Forschern zu überdauern. So auch das Göttinger Papsturkundenwerk, das Paul Fridolin Kehr (1860–1944), gleichsam der Großmeister der Regestenschusterei, 1896 ins Leben rief, vor über 120 Jahren. Ein anderer Wesenszug ist ohne Frage, dass Generationen von Forschern auf der Grundlage der konkreten Ergebnisse dieser Großunternehmen arbeiten werden. Das gilt auch für den hier anzuzeigenden Band, der nur vier Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes der Iberia Pontificia nun bereits der vierte Band für diese Region ist.[1] Die Produktivität des Unternehmens, das sich zunächst auf das Reich und Unteritalien konzentriert hatte und nun aus dieser Perspektive vorrangig die entfernteren Regionen bearbeitet, ist enorm.

Der Band zur südlichen Kirchenprovinz Compostela mit den fünf in der Reconquista wiederbegründeten Bistümern Ávila, Salamaca, Coria, Ciudad Rodrigo und Plasencia bietet 211 Nummern, die Handlungen und Schreiben von Päpsten, Kardinälen sowie delegierten Richtern erfassen, sowie 43 Nummern, die Briefe und Handlungen dokumentieren, mit deren Hilfe Personen an die Päpste, deren Legaten oder delegierte Richter herantraten. Zwei Karten im Anhang (S. 178f.) orientieren den Leser über die genaue Lage dieser Region auf der iberischen Halbinsel sowie der konkreten Empfänger.

Auch dieser Band folgt dem üblichen Muster: Den einzelnen Regesten für die jeweiligen Empfängern ist die grundlegende Literatur vorangestellt, gefolgt von einer kurzen Darstellung zur Geschichte der Institution, einer knappen Skizze zum (ehemaligen) Archiv der Institution, seiner Bibliothek, sofern vorhanden, und den konkreten Überlieferungsträgern, auf denen die einzelnen Regesten fußen. Auch die konkreten Regesten folgen dem üblichen Muster der Pontificienbände, wobei es ein Zeichen der Durchdringungstiefe ist, dass nun etliche Nummern als Deperditum und mögliche Fälschung ausgezeichnet sind (wie zum Beispiel Ib. Pont. IV S. 8 Nr. *†?1). Unter Kehr wären etliche dieser Regesten wohl noch dem mit rotem Stift auf dem Entwurf vermerkten Urteil „weg“ verfallen gewesen. Dass diese Regesten nun erhalten geblieben sind, ermöglicht den Nutzern, sich auch anhand der Pontificienbände mit den Vorstellungen vom Papsttum bei den Empfängern auseinandersetzen zu können. Umso wichtiger ist die chronologische Einordnung der Fälschungen, die man idealiter dem Regest ohne den Verweis auf andere Regesten oder Literatur entnehmen können sollte. Hier hätte sich der Rezensent bisweilen etwas mehr gewünscht.

Das gebotene Material lässt sich wie folgt beschreiben: 52 der Regesten fußen auf einer Papsturkunde, die noch im Original überliefert ist. Das entspricht in etwa auch dem Befund für die exemte Diözese Burgos, bei der 47 der dort gebotenen 218 Regesten auf Originale zurückgehen. Über jeden Zweifel erhabene Stücke sind – in Form eines Deperditums – erst seit Urban II. fassbar (1098). In textlicher Gestalt sind Urkunden innerhalb des anzuzeigenden Bandes dann erst ab Paschalis II. überliefert (3. November 1114), durch ein Schreiben Paschalis' II. an den Erzbischof Bernardo von Toledo, in dem er diesem sein Legatenamt entzog. In der chronologischen Verteilung fällt vor allem auf, dass der Band lediglich sieben Nummern zu Innozenz II. bietet, der bekanntlich den in Rom unumstritten waltenden Anaklet II. vor allem durch seine Unterstützung im orbis überwand. Diese breite Obödienz Innozenz’ II. war neben dem wichtigen Netzwerk dieses Papstes, unter anderem getragen von Bernhard von Clairvaux und Norbert von Xanten, eine Folge der Bemühungen dieses Papstes um eine intensive Kommunikation mit den Kirchen in den unterschiedlichsten Regionen der christianitas. Die relativ geringe Zahl an Kontakten Innozenz’ II. mit den im Band Iberia Pontificia IV enthaltenen Institutionen und Personen deckt sich in etwa mit dem Befund für die bisher erschienen Bänden der Iberia Pontificia und wirft vor allem im Vergleich zu anderen Regionen Europas ein interessantes Licht auf die iberische Halbinsel im Innozenzianischen Schisma.

Doch nicht nur chronologisch, auch geographisch verteilt sich das Material – erwartungsgemäß – unterschiedlich. Den geringsten Umfang nehmen dabei die Regesten für Plasencia ein, wobei von den insgesamt elf Regesten auch noch neun Nebenregesten sind. Anders sieht es mit dem bereits auf dem dritten Konzil von Toledo (589) belegten Bistum Coria aus, dessen erstes Regest zum Jahr 872 zwar ein Deperditum in Form einer Fälschung auf Johannes VIII. ist. Doch im Anschluss finden sich hier noch 20 sowie für die Kathedrale zwei weitere Regesten.

Reichhaltiger ist das Material hingegen für die beiden Bistümer Ávila und Salamanca. Für Ávila bietet der Band 127 Nummern, wobei die erste textlich fassbare Urkunde eine Legatenurkunde des zum Erzbischof erhobenen und nicht zuletzt durch reiche Zahlungen an Rom mit diesem in bester Beziehung stehenden Diego Gélmirez aus dem Jahr 1124 ist. Für das Bistum Salamanca liegen 120 Regesten vor.

Den Band beschließt ein Abkürzungsverzeichnis, in dem sich lediglich die Abbreviatur der Italia Pontificia sonderbar ausnimmt, gefolgt vom Literaturverzeichnis (S. 183–198). Es ist hoch erfreulich, wie rasch die Veröffentlichung der Pontificienbände im Rahmen der Iberia voranschreitet. Es ist zu hoffen, dass diese rasche Produktion mit Hilfe der Göttinger Akademie der Wissenschaften sowie des spanischen Wissenschaftsministeriums beibehalten werden kann, ohne dass die Qualität der Bände leidet.

Anmerkung:
[1] Band 1: Daniel Berger, Iberia Pontificia I. Dioeceses exemptae: Dioecesis Burgensis, Göttingen 2012.; Band 2: Santiago Domínguez Sánchez / Daniel Berger, Iberia Pontificia II. Dioeceses exemptae: Dioecesis Legionensis, Göttingen 2013; Band 3: Daniel Berger, Iberia Pontificia III. Provincia Toletana: Diocesis Palentina, Göttingen 2015. Einen Überblick über die Publikationen im Rahmen des Göttinger Papsturkundenwerkes bieten die Internetseiten dieses Forschungsprojektes auf den Seiten der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen: https://adw-goe.de/forschung/forschungsprojekte-akademienprogramm/papsturkunden-des-fruehen-und-hohen-mittelalters/pius-stiftung-fuer-papsturkundenforschung/veroeffentlichungen (20.04.2017). Zu den Bänden 2 und 3 siehe die Rezensionen von Jochen Johrendt in: sehepunkte 14 (2014), Nr. 9, 15.09.2014, http://www.sehepunkte.de/2014/09/24745.html (20.04.2017), und Matthias Martin Tischler in: H-Soz-Kult, 01.03.2017, http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-25669 (20.04.2017).

Zitation
Jochen Johrendt: Rezension zu: Engel, Frank; Martín, José Luis Martín: Iberia Pontificia. Vol. IV: Provincia Compostellana. Dioeceses Abulensis, Salmanticensis, Cauriensis, Civitatensis, Placentina. Göttingen 2016 , in: H-Soz-Kult, 03.05.2017, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-25740>.
Redaktion
Veröffentlicht am
03.05.2017
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