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Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands 55 (2011)

Titel der Ausgabe 
Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands 55 (2011)
Weiterer Titel 

Herausgeber
Im Auftrag des Historischen Vereins für Ermland e.V. hrsg. von Hans-Jürgen Bömelburg und Hans-Jürgen Karp
Erschienen
Münster 2011: Aschendorff Verlag
Erscheint 
jährlich
Anzahl Seiten
IV, 164 S.
Preis
€ 16,80

 

Kontakt

Institution
Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands (ZGAE). Beiträge zur Kirchen- und Kulturgeschichte des Preussenlandes
Land
Deutschland
c/o
Redaktion: Johannes Götz, Cunostr. 58a, 14193 Berlin Vertrieb: Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG Soester Str. 13, 48155 Münster, E-Mail: <buchverlag@aschendorff.de>
Von
Im Auftrag des Historischen Vereins für Ermland e.V. hrsg. von Hans-Jürgen Bömelburg und Hans-Jürgen Karp

Kürzlich ist die Band 55 (2011) der Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands erschienen.

AUFSÄTZE

Hans-Jürgen Karp, ,Religion’ in der Geschichtswissenschaft. Anmerkungen zum Desiderat einer Religionsgeschichte des Preußenlandes

Der Beitrag skizziert die neuere Theoriediskussion zur Religionsgeschichte als einer eigenständigen, von Theologie und Kirche unabhängigen Disziplin und stellt die Frage zur Diskussion, was sie zum Verständnis der Rolle der Religion in der Region des multinationalen und multikonfessionellen Preußenlands beitragen kann. Wünschenswert wäre eine die konfessionellen und nationalen Grenzen überwindende Gesamtbilanz der bisherigen Forschung. Konkrete Forschungsziele und Forschungsprojekte müssten in interdisziplinärer und internationaler Kooperation entwickelt und organisiert werden. Zu fragen ist, welche personellen und institutionellen Voraussetzungen für eine offene, multilaterale Religionsgeschichte der Region bestehen. Zu diskutieren bleibt, ob und in welcher Weise die im Beitrag vorgestellten Publikationen und geplanten Forschungsvorhaben zur Religionsgeschichte, insbesondere die auf Ostmitteleuropa bezogenen Projekte, als Anregungen und Modelle regionalgeschichtlicher Religionsforschung für Alt-Preußen bzw. Ost- und Westpreußen dienen können.

Rainer Bendel, Religionsgeschichte und Kirchengeschichte im Dialog. Ein Plädoyer

Eine von Theologie und Kirche unabhängige Religionsforschung ist eine herausfordernde Anfrage an die Kirchengeschichtsschreibung. Geschichte, die den Menschen nicht primär im Rahmen der Institution betrachtet und ihn nicht primär zur Loyalität verpflichtet, wird bereit sein, traditionelle Vorstellungen des Verhältnisses von Kirche und Gesellschaft in Frage zu stellen und sich den Vorgängen an der Basis und im Alltag der Menschen zuwenden. Ein wichtiger Zugang zu den sich daraus ergebenden vielfältigen Aspekten könnte die Untersuchung der Geschichte der Seelsorge sein, insofern Seelsorge im Sinn des Zweiten Vatikanischen Konzils in enger Verknüpfung mit dem Selbstverständnis der Kirche gesehen wird. Seelsorge ist als Selbstvollzug der Kirche, als Wirken der Kirche nach außen, die Realisierung des möglichen Miteinanders von Kirche und Gesellschaft. In der Wahl der Frageperspektiven und der Methoden plädiert der Verfasser für eine Kooperation von Profan- und Kirchengeschichte.

Henning P. Jürgens, Die Beteiligung der beiden Preußen an den nachinterimistischen Streitigkeiten

m Mittelpunkt des Beitrags stehen die Ausbreitungs-, Transfer- und Aneignungsprozesse lutherischen Gedankenguts in den beiden Preußen. Beide Territorien hatten aktiven Anteil an der theologischen Entwicklung im Bereich der Wittenberger Reformation. Der Osiandrische Streit im Herzogtum Preußen war dogmengeschichtlich von großer Bedeutung und übte zugleich erheblichen Einfluss auf den Verlauf der reformatorischen Entwicklung in Preußen und den Nachbargebieten aus. Der Streit um die Danziger Notula erscheint als eine lokale Streitfrage, steht aber in einem größeren Kontext von theologischen Auseinandersetzungen, denn er wurde durch die Publikation von Streitschriften weithin wahrgenommen und entwickelte so auch eine überregionale Ausstrahlung. Die Kontroversen fanden in einem Diskussionszusammenhang statt, der weite Räume überspannte und sich des Hochdeutschen und des Lateinischen als Sprachen bediente. Die Kontroversen wurden in der älteren Literatur häufig als ärgerliche und schädliche Unruhen dargestellt. Sie sollten jedoch in ihrem sachlichen Gehalt, in ihrer Bedeutung für die Zeitgenossen sowie für den Prozess der Konfessionsbildung und die Identitätsbildung des Protestantismus ernst genommen werden. In ihnen nahm die Theologie der evangelischen Kirchen Gestalt an, und es wurden theologische und praktische Klärungen erreicht, die zum Teil dauerhafte Gültigkeit erlangten.

Sławomir Kościelak, Das Ermland in Danzig. Verbindungen der katholischen Kirche in Danzig mit den kirchlichen Strukturen des Ermlands

Über eine reale Unterstützung für die katholische Minderheit in der Stadt an der Moldau von Seiten der ermländischen Bischöfe kann man erst seit den Zeiten des Stanislaus Hosius sprechen (Einführung der Jesuiten, Hilfe für die Orden der Brigitten und Dominikaner). Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts waren viele ermländische Domherren wiederholt zugleich Danziger Pfarrer und Offiziale, was zweifellos das Ansehen der lokalen Danziger Kirche stärkte und in konkreten Fällen helfen konnte, Krisensituationen zu lösen. Außergewöhnlich viele Mitglieder beider Konvente des Brigittenklosters stammten nach 1600 aus dem Ermland; sie bildeten eine bedeutende, geradezu führende Elite in diesem Kloster. Ermländer waren auch in anderen Ordenshäusern in Danzig und in den Danziger Vorstädten vertreten und spielten (wie bei den Jesuiten) eine führende Rolle in der katholischen Diaspora der Stadt. In Danzig siedelten sich auch katholische Zuwanderer aus dem Ermland an. Deren genaue Zahl im 16.-18. Jahrhundert kann vorläufig nur schwer eingeschätzt werden, aber zweifelsohne trugen sie zur Zunahme der katholischen Bevölkerung in Danzig insbesondere im 18. Jahrhundert bei.

Elżbieta Paprocka, Die katholischen Einwohner Elbings im 17. und 18. Jahrhundert. Ausgewählte Probleme der konfessionellen Koexistenz

Trotz der ausbleibenden öffentlichen Tumulte unter Katholiken und Lutheranern kann die konfessionelle Lage Elbings im 17. – 18. Jahrhundert wohl kaum als stabil bezeichnet werden. Die Konflikte zeigten sich vor allem in der alltäglichen Koexistenz unterschiedlicher konfessioneller Milieus. Die Dominanz des Katholizismus in der polnischen Adelsrepublik bewegte die katholischen Pfarrer Elbings dazu, auch in ihrer Stadt eine Verbesserung der Lage der Gläubigen anzustreben. Dieses Ansinnen führte jedoch abgesehen von der Festlegung einer Katholikenquote in öffentlichen Pflegeheimen nicht zu größeren Erfolgen. Besonders angespannte Beziehungen zwischen dem Stadtrat und der St. Nikolai-Kirche herrschten zur Amtszeit von Pfarrer Johann Nepomucen Melchior (1739-1757).

Samuel Feinauer, Mehr als zwei Lesarten? Der Jesuitenorden in den Historiographien zum „Thorner Blutgericht“ von 1724

Der Autor untersucht zunächst, welchen Widerhall die Thorner Ereignisse in der zeitgenössischen Publizistik und Presse Europas gefunden haben und skizziert die beiden traditionellen Interpretationen der Vorfälle aus konfessioneller bzw. nationaler Perspektive. Er postuliert, dass es der Anspruch der modernen Geschichtsforschung sein muss, zu einer nüchterneren Analyse des Konflikts zu finden, als es den Zeitgenossen und den Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts möglich war. Ein Beitrag dazu kann die Überwindung nationaler Perspektiven im europäischen Horizont sein. Auch wenn nach wie vor Kirchengeschichte „von innen“, von der Institution selbst betrieben wird, dürfte die Multiperspektivität, mit der religiöse Themen in der modernen Geschichtswissenschaft analysiert werden, zu einer stetig zunehmenden Vorurteilslosigkeit führen.

ARTICLES

Hans-Jürgen Karp, ,Religion’ in the Historical Sciences. Remarks on the Need for a History of Religion in the Prussian Lands

This article outlines recent theoretical discussions on the nature of religious history as an independent discipline, distinct from theology and the Church, and poses the question of what these discussions contribute towards a greater understanding of the role of religion in the multi-national and multi-confessional Prussian lands. What is called for is a consolidated and balanced overview which breaks through the confessional and national boundaries of previous research. Interdisciplinary and international cooperation is required in order to develop and coordinate concrete research aims and research projects. The question of which personnel and institutional requirements are available needs to be answered and it must also be determined what is still required in order to conduct an open and multilateral analysis of religious history in the region. Furthermore, it remains to be discussed if and in which ways the publications and planned research projects presented in this article, in particular those looking at Central Eastern Europe, can serve as encouragement and as a model for further regional-historical research into religion in the Duchy of Prussia and in Royal Prussia respectively in East and West Prussia.

Rainer Bendel, Religious History and Church History in Dialogue. An Appeal

An approach to research into religion which is independent of theology and the Church poses a significant challenge to established methods of writing Church history. A history which does not view people primarily through the framework of institutions, and which does not elevate confessional loyalty above all else, questions traditional interpretations of the relationships between Church and society, and turns its attention towards occurrences at the grass-roots of people’s daily reality. An approach that investigates the history of pastoral care could usefully present varied and rich elements in that pastoral care, as understood in the Second Vatican Council, is seen to be closely related to the Church’s self-conceptualisation. Pastoral care is portrayed as the self-realization of the Church, as its outward appearance and as the realization of a possible togetherness between Church and society. In the selection of his questions and methodology, the author calls for a closer cooperation between secular and Church history.

Henning P. Jürgens, The Participation of the Two Prussias in the Post-Interim Struggles

The central focus of this article is upon the processes by which Lutheran ideas were disseminated, transferred and appropriated in ,the two Prussias’. Both territories played an active role in the theological developments surrounding the Wittenberg Reformation. The Ossandrian Controversy in the Duchy of Prussia was of great significance in terms of the history of dogma, and was also to have a substantial impact upon the course of the reformation in Prussia and the neighbouring areas. The conflict surrounding the Gdańsk Notula may initially appear to be merely a local controversy, but it is firmly located within the wider context of theological struggles as, through the publication and distribution of polemic pamphlets, it became well-known further afield, thereby developing a trans-regional significance. The controversies took place and were discussed throughout a wide geographical region, in which High German and Latin were the common languages of discussion. The conflicts were often described in older literature on the subject as irritating and destructive disturbances. However, they should be taken seriously in terms of their factual content, and in terms of their importance both for contemporaries, and for the broader processes of confessionalization and Protestant identity-formation. It was through them that the theology of the Protestant Churches took its shape, and the theological and practical clarifications which were arrived at often held a lasting validity.

Sławomir Kościelak, Warmia in Gdańsk.Connections between the Catholic Church in Gdańsk and the Ecclesiastical Structures of Warmia

It is really only from the time of Stanislaus Hosius that one can begin to speak of substantial levels of assistance from the Bishops of Warmia for the Catholic minority in the city on the Motława (the introduction of the Jesuit Order, support for the Bridgettine and Dominican Orders). From the middle of the seventeenth-century, Warmian canons were repeatedly appointed as both priests and Church officials in Gdańsk, a pattern which undoubtedly bolstered the image of the local church, and which was also instrumental, in several concrete cases, in the resolution of crisis situations. An extraordinarily high number of members of both Brigittine convents came from Warmia after 1600, and they constituted an important if not dominant elite in these establishments. Warmians were also represented in other monastic orders in Gdańsk and the surrounding towns and – for example among the Jesuits – played a leading role in the Catholic diaspora in the city. Furthermore, numerous Catholic immigrants from Warmia also settled in Gdańsk. It is very difficult to establish their exact number in the 16th – 18th centuries, but they undoubtedly made a major contribution to the growth of Gdańsk’s Catholic population in the 18th century.

Elżbieta Paprocka, The Catholics of Elbląg in the 17th and 18th Centuries. Selected Problems of Confessional Co-existence

Despite the absence of open confrontations between Catholics and Lutherans, the confessional situation in 17th - 18th century Elbląg can hardly be described as stable. Conflicts were evident above all in the everyday co-existence of differing confessional milieus. The dominance of Catholicism in the Polish Noble Republic also inspired the Catholic clergy of Elbląg to seek an improvement in the condition of the faithful in their city. Apart from the establishment of a Catholic quota in public almshouses however, their attempts to do so did not meet with much success. Relations between the town council and the St Nikolai Church were particularly strained during the incumbency of Fr. Jan Nepomucen Melchior (1739-1757).

Samuel Feinauer, More than Two Interpretations? The Jesuit Order in the Historiography of the Toruń uproar of 1724

The author begins by exploring the reverberations of the events in Toruń in the contemporary journalism and media of Europe and outlines the two traditional confessional and national interpretations of the incidents. He argues that modern history should present a more sober and balanced analysis of the conflict than was possible for contemporaries and authors in the nineteenth and twentieth centuries, for example by examining national perspectives against the backdrop of a wider European landscape. Even though Church history continues to be conducted ,from within’, from the institutions themselves, the increasing multiplicity of perspectives through which religious themes are analysed in the modern historical sciences should contribute towards a continually growing impartiality.

Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS

Editorial

Aufsätze

Hans-Jürgen Karp, ,Religion’ in der Geschichtswissenschaft. Anmerkungen zum Desiderat einer Religionsgeschichte des Preußenlandes (S. 3-17)

Rainer Bendel, Religionsgeschichte und Kirchengeschichte im Dialog. Ein Plädoyer (S. 18-29)

Henning P. Jürgens, Die Beteiligung der beiden Preußen an den nachinterimistischen Streitigkeiten (S. 30-63)

Sławomir Kościelak, Das Ermland in Danzig. Verbindungen der katholischen Kirche in Danzig mit den kirchlichen Strukturen des Ermlands (S. 64-80)

Elżbieta Paprocka, Die katholischen Einwohner Elbings im 17. und 18. Jahrhundert. Ausgewählte Probleme der konfessionellen Koexistenz (S. 81-109)

Samuel Feinauer, Mehr als zwei Lesarten? Der Jesuitenorden in den Historiographien zum „Thorner Blutgericht“ von 1724 (S. 110-122)

Rezensionsartikel

Arno Mentzel-Reuters, Apotheosestrategien des Deutschen Ordens? Zwei neue Monographien über Heinrich von Hesler (S. 123-134)

Buchbesprechungen

Święty Brunon. Patron lokalny czy symbol jedności Europy i powszechności Kościoła. (Norbert Kersken) (S. 135-137)

Cordelia Heß, Heilige machen im spätmittelalterlichen Ostseeraum. Die Kanonisationsprozesse von Birgitta von Schweden, Nikolaus von Linköping und Dorothea von Montau. (Stefan Kwiatkowski) (S. 138-144)

Paweł Jeziorski, Margines społeczny w dużych miastach Prus i Inflant w późnym średniowieczu i wczesnych czasach nowożytnych. (Radosław Biskup) (S. 144-147)

Corpus epistularum Ioannis Dantisci. Part. 4. Inventory of Ioannes Dantiscus' correspondence. Vol. 1. Inventory of Ioannes Dantiscus' German-language correspondence, a. 1500 - 1548. Part. 5. Respublica litteraria in action. Vol. 1. Letters - speaches - poems - inscriptions. Part. 2. Amicorum sermones mutui. Vol. 1. Ioannes Dantiscus’ correspondence with Sigmund von Herberstein. (Hans-Jürgen Bömelburg) (S. 147-149)

Jacek Wijaczka, Procesy o czary w Prusach Książęcych (Brandenburskich) w XVI-XVIII wieku (Karen Lambrecht) (S. 150-152)

Wojciech Zawadzki, Duchowieństwo katolickie oficjalatu pomezańskiego w latach 1525-1821. Bd. 1. Studium prozopograficzne Bd. 2. Słownik. (Remigius Stachowiak) (S. 153-154)

Warmia w dobie „potopu” szwedzkiego 1654-1660. Protokoły posiedzeń kapituły warmińskiej, korespondencja i akta. (Hans-Jürgen Bömelburg) (S. 154-156)

Ustawa krajowa biskupa Adama Stanisława Grabowskiego z 4 lipca 1766 roku. (Martina Thomsen) (S. 156-157)

Das Heiratsregister des katholischen Kirchspiels St. Johannes Baptist zu Gillau (Landkreis Allenstein) von 1898-1945. (Carsten Fecker) (S. 157-158)

Robert Traba, Ostpreußen - die Konstruktion einer deutschen Provinz. Eine Studie zur regionalen und nationalen Identität 1914 – 1933. (Christian Pletzing) (S. 158-161)

Paulus Herrmann, Relacja o czasach polskich i rosyjskich w Elblągu od stycznia 1945 do maja 1946 roku/ Bericht über die Polen- und Russenzeit in Elbing von Januar 1945 bis Mai 1946. (Robert Sonnack) (S. 161-163)

Illustrierte Geschichte der Flucht und Vertreibung. Mittel- und Osteuropa 1939 bis 1959. (Markus Krzoska) (S. 163)

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Veröffentlicht am
29.04.2012
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