A. Hofeneder (Hg.): Die Religion der Kelten I

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Titel
Die Religion der Kelten in den antiken literarischen Zeugnissen. Sammlung, Übersetzung und Kommentierung, Bd. 1: Von den Anfängen bis Caesar


Autor(en)
Hofeneder, Andreas
Umfang
349 S.
Preis
€ 67,00
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Holger Müller, Seminar für Alte Geschichte, Universität Mannheim

Es kann kaum ein Zweifel bestehen, dass das Interesse an den Kelten ungebrochen ist. Die Regale der Buchhandlungen sind gefüllt mit Literatur, die von sich behauptet, verschiedene Aspekte der keltischen Kultur zu behandeln. Dieses große, länderübergreifende Interesse an der Geschichte und Kultur des mysteriösen Volkes ist sicher vor allem auf sein weites Verbreitungsgebiet zurückzuführen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der keltischen Religion, wobei hier insbesondere populärwissenschaftliche Werke ins Auge fallen. Es ist daher erfreulich, eine Arbeit in den Händen zu halten, welches das Thema der keltischen Religion von einem rein wissenschaftlichen Ansatz her betrachtet. Der Wiener Althistoriker Andreas Hofeneder legt mit seiner 2002 erschienenen und für die Veröffentlichung im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften überarbeiteten Dissertation ein solches Werk vor. Hierbei handelt es sich um den ersten Band einer kommentierten Quellensammlung, die für sich selbst den Anspruch erhebt, die Quellen zur Religion der Kelten "Von den Anfängen bis Caesar" zu enthalten (S. 10); im Ganzen sind drei Bände geplant (S. 10).

Schon der Blick ins Inhaltsverzeichnis (S. 5ff.) offenbart die Fülle der erfassten Quellen. Hofeneder wählt die einzig sinnvolle Einteilung, indem er eine Ordnung nach Autoren vornimmt, die im Großen und Ganzen chronologisch aneinandergereiht werden. Die grundsätzliche Vorlage für Hofeneders Arbeit liefern die Fontes Historiae Religionis Celticae des Altphilologen Johannes Zwicker, der in den Jahren 1934 bis 1936 eine ähnliche Sammlung herausbrachte. Hofeneder wählt aber - als Althistoriker nur zu verständlich - einen anderen zeitlichen Rahmen: er beschränkt sich auf antike literarische Zeugnisse.[1] Diese sinnvolle Begrenzung ermöglicht ihm eine wesentlich ausführlichere und damit besser im Gesamtzusammenhang stehende Zitierung der Quellen.

In der Einleitung versucht Hofeneder, sein Vorgehen und die Probleme, die mit diesem Forschungsthema verbunden sind, anschaulich darzustellen. Obwohl man ihm in weiten Teilen zustimmen muss und seine Vorgehensweise gut begründet ist, verwundert seine harsche Kritik am immerhin 70 Jahre alten Werk Zwickers. Neben dieser kritischen Auseinandersetzung mit seiner Vorlage beschreibt dieser Teil der Arbeit auch Hofeneders Vorgehensweise bei der Nummerierung der Zitate und gibt eine Erläuterung zu seinen Kommentaren. Der Leser wird dabei explizit auf die Bedeutung der jeweiligen Literaturgattung hingewiesen, der das Zitat entstammt. Allerdings ist unerklärlich, warum als Beispiel hierfür eine Cicerostelle herangeführt wird, da dieser erst im geplanten zweiten Band aufgenommen werden soll (S. 10f.). Ebenso hätte sich ein Beispiel aus den im vorliegenden Werk aufgenommenen Autoren finden lassen.[2]

Schon mit seinem ersten Autor setzt sich Hofeneder allerdings bewusst möglicher Kritik aus, indem er fünf Textstellen aus Avienus' Ora maritima heranführt. Nicht nur, dass die genaue Datierung der Quellen des Avienus in der Forschung umstritten ist, auch scheint Avienus als Autor des 4. Jahrhunderts n.Chr. in diesem ersten Band fehl am Platz, in dem die Quellen bis auf Caesar vorgestellt werden. In knappen, aber ausreichenden Worten skizziert Hofeneder zu Beginn dieses Abschnitts die Forschungsproblematik (S. 16f.), ohne sich explizit einer Meinung anzuschließen. Allein die Tatsache, dass er diesen Autor an den Anfang seines Werkes setzt, lässt den Schluss zu, Hofeneder tendiere zu der Forschungsrichtung, die eine alte Vorlage für den Bericht des Avienus konstatiert. Auch scheint von ihm die Meinung vertreten zu werden, der Text des Avienus übermittelt die ursprünglichen Informationen wahrheitsgetreu. Anderenfalls hätten diese zweifelsohne wichtigen Textstellen in den dritten Band gehört. Die Notwendigkeit der Aufnahme einer Herodotstelle muss angezweifelt werden, da diese sich mit den Bräuchen eines Volkes beschäftigt, welches in der Forschung nicht zu den Kelten gezählt wird. Hofeneder ist sich dieser Tatsache bewusst (S. 26), liefert aber keine Begründung für die Anführung dieser Stelle. Zwar ist auch in der Sammlung von Zwicker diese Passage aufgeführt, dies kann aber nicht als Argument gelten. Mit Asklepiades als drittem Autor nähert sich Hofeneder der keltischen Religion an, auch wenn der hier beschriebene Mythos, wie richtig betont wird, wohl eher ein den Kelten zugesprochener griechischer Mythos war (S. 29f.).

In der Folge führt Hofeneder Zitate von insgesamt 23 Autoren an, wobei selbstverständlich Poseidonios und Caesar den breitesten Raum einnehmen. Seine Vorgehensweise bei den einzelnen Autoren ist durchaus unterschiedlich: bei einigen bietet er zusätzliche Informationen in Form einer kurzen Einleitung, die den einzelnen Zitaten vorangestellt ist, bei anderen werden nur die Textstellen aufführt. Beachtenswert sind Hofeneders Kommentare, die von fundierter Kenntnis des jeweiligen Forschungsstandes zeugen. Um die Kürze zu gewährleisten, die bei der großen Anzahl kommentierter Stellen von Nöten ist, wurden viele Informationen in die Fußnoten verbannt, was deren Verhältnis zum Text stark beeinflusst. Die Auswahl der Texte ist zumeist gut begründet, allerdings gibt es neben den oben bereits genannten Stellen weitere, die sich nicht auf die keltische Religion beziehen. Da Hofeneder dies in seinen Kommentaren stets erwähnt (S. 44, 48 u.ö.), stellt sich die Frage nach dem Grund der Aufnahme. Ein Streben nach Vollständigkeit könnte eine Ursache hierfür sein, eine weitere, dass dem Leser selbst die Möglichkeit gegeben werden soll einzuschätzen, ob die Quellenstelle für die keltische Religion von Relevanz ist oder nicht. Die häufige Bezugnahme auf das Werk Zwickers ruft allerdings ungerechtfertigte Zweifel an der Bedeutung und Eigenständigkeit von Hofeneders Sammlung hervor.

Von besonderer Bedeutung ist der Anhang des Buches. Neben einem für die Benutzung des Werkes unabdingbaren Abkürzungsverzeichnis, einem Stellenindex, einem Namens- und Sachregister und einer Konkordanz zu Zwicker ist die Bibliografie beachtenswert. Nicht nur allein der Umfang (immerhin 86 Seiten) sondern auch die Verweise auf Rezensionen zu den einzelnen Werken ermöglichen ein effektives Weiterarbeiten am Thema. Der Umfang ist allerdings dadurch begründet, dass dieser Band auch die Literatur der folgenden Bände enthält (S. 240). Man kann nur hoffen, dass Hofeneder in den folgenden Bänden nicht nur Neuerscheinungen und Übersehenes aufnimmt, wie er andeutet (S. 240), sondern auch eine komplette Literaturliste, da ansonsten diese Bände einzeln betrachtet an wissenschaftlichem Wert verlieren würden.

Insgesamt liefert Andreas Hofeneder eine Quellensammlung, die aufgrund ihrer exzellenten Kommentare, ihres klar strukturierten Aufbaus und der Nähe zur aktuellen Forschung ihresgleichen sucht. Mit großer Vorfreude darf man auf die folgenden Bände gespannt sein.

Anmerkungen:
[1] Zwicker, Johannes, Fontes Historiae Religionis Celticae, Bonn 1934-1936. Zwicker bearbeitet in seiner Sammlung auch die keltischen Heiligenviten, so dass er Quellen bis ins 15. Jahrhundert aufgenommen hat.
[2] Auch Stellen aus Caesars De bello Gallico können nur korrekt interpretiert werden, wenn man sich der Intention dieses Werkes als Bericht an den Senat bewusst ist.

Zitation
Holger Müller: Rezension zu: Hofeneder, Andreas: Die Religion der Kelten in den antiken literarischen Zeugnissen. Sammlung, Übersetzung und Kommentierung, Bd. 1: Von den Anfängen bis Caesar. Wien 2005 , in: H-Soz-Kult, 27.02.2006, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-7244>.
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Veröffentlicht am
27.02.2006
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