Filmblatt 26 (2021), 75

Titel der Ausgabe 
Filmblatt 26 (2021), 75
Zeitschriftentitel 
Weiterer Titel 
Musik im NS-Kino / Kino unter deutscher Besatzung im 2. Weltkrieg / Jüdisches Filmschaffen im Weimarer Kino / 30 Jahre Cinegraph Babelsberg e.V.

Erschienen
Erscheint 
dreimal jährlich
Preis
€ 10,00

 

Kontakt

Institution
CineGraph Babelsberg e.V.
Land
Deutschland
Ort
Berlin
c/o
CineGraph Babelsberg e.V., c/o Postfach 12 09 20, D-10599 Berlin
Von
Braun, Brigitte

Als in halb Europa das von Norbert Schultze komponierte Lied Lili Marleen gesummt wurde, war der jüdische Komponist Hans Landsberger bereits tot, gestorben im Januar 1941 im Lager in Gurs, am Fuße der Pyrenäen. Landsbergers größter musikalischer Erfolg lag da bereits 20 Jahre zurück, die bejubelte Begleitmusik zum Stummfilm-Klassiker Der Golem, wie er in die Welt kam (1920). Erst kürzlich konnte der Stummfilmmusiker und -komponist Richard Siedhoff die lange verschollene Golem-Partitur anhand eines wiedergefundenen Klavierauszugs rekonstruieren und schildert im vorliegenden Filmblatt diesen Arbeitsprozess, während Barbara Elkeles ihre Forschungsergebnisse zur Biografie Landsbergers vorstellt. Philipp Stiasny weist zudem in seinem Review- Essay zu jüdischen Themen im Weimarer Kino entlang jüngerer Buch- und DVD- Veröffentlichungen auf später entstandene Begleitmusiken zu Der Golem hin.

Auch in anderen Texten dieser Filmblatt-Ausgabe wird es um Musik gehen, vor allem um Musik im Film der NS-Zeit: Gerrit Bogdahn und Janina Müller erläutern wie Norbert Schultze und der Regisseur Hans Bertram mit Symphonie eines Lebens (1943) eine filmische Symphonie zu erschaffen versuchten, in der „fremde“ und „deutsche“ Klänge im Widerstreit liegen, zwischen Experiment und Eklektizismus. Emily Dreyfus legt dar, wie sich der Star-Dirigent Wilhelm Furtwängler einem propagandistischen Filmprojekt verweigerte und von Philharmoniker (1944) deswegen neben der klassischen Musik von Bruckner, Liszt und Beethoven nur noch eine seichte Liebesgeschichte übrigblieb. Stefanie Mathilde Frank und Janina Müller wiederum schildern, wie die Musik und Biografie des romantischen Komponisten Hector Berlioz zugleich von den Nationalsozialisten vereinnahmt wurde, der von einer Ufa-Tochterfirma im besetzten Frankreich hergestellte Film La Symphonie fantastique (1942) aber den- noch französischen Patriotismus feiern konnte.

Ergänzt wird der Schwerpunkt zur Musik durch zwei Beiträge zum Kino unter deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg: Günter Agde untersucht die Kampagne zur Anwerbung von Arbeitsfreiwilligen in der besetzten Ukraine, Dirk Alt stellt eine Datenbank zu Kinoprogrammen im besetzten Belgien vor.

Und natürlich darf im 30. Jubiläumsjahr auch die Vereinsgeschichte von CineGraph Babelsberg nicht unberücksichtigt bleiben. Gründungsmitglied Günter Agde erinnert sich an den Freund und Szenenbildner Alfred Hirschmeier, in dessen Büro auf dem Studiogelände in Babelsberg der Verein 1991 gegründet wurde. Anett Werner-Burgmann lässt uns anhand der Entwürfe zum nicht realisierten DEFA-Film „Simplicius Simplicissimus“ in die fantastischen Bildwelten von Hirschmeier eintauchen: Lassen Sie den Film einfach vor Ihrem inneren Auge entstehen!

Anregende Lektüre wünscht die Redaktion im April 2021!

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Editorial [1]
30 Jahre CineGraph Babelsberg e.V.

Günter Agde: Erinnerung an den Filmarchitekten Alfred Hirschmeier: Gastgeber und Mitbegründer von CineGraph Babelsberg [3]

Anett Werner-Burgmann: Ungedrehte Bildwelten. Alfred Hirschmeiers Entwürfe und Collagen zum nicht vollendeten Filmprojekt „Simplicius Simplicissimus“ [7]

Kino und Musik im Nationalsozialismus

Emily Dreyfus: „Dienst an der ernsten und großen Musik“? Philharmoniker (1944) als verzwicktes Zeitdokument der NS-Kulturpolitik [17]

Gerrit Bogdahn, Janina Müller: Zwischen Experiment und Eklektizismus. Norbert Schultzes Musik zu Symphonie eines Lebens (1943) [29]

Stefanie Mathilde Frank, Janina Müller: „Nationale Fanfare erster Klasse“. Hector Berlioz’ Leben im „deutschen“ Film La Symphonie fantastique (1942) [43]

Günter Agde: Die Bildsprache der Besatzer. Die Kampagne zur Anwerbung von Arbeitsfreiwilligen in der Ukraine 1942–1943 [55]

Dirk Alt: Tempête rouge, Levenssymphonie, L’Enfer de la forêt vierge. Kino im besetzten Belgien (1940–1944), eine Online-Datenbank [69]

Jüdisches Filmschaffen im Weimarer Kino

Richard Siedhoff: Ein sinfonisches Gedicht. Konstruktion und Rekonstruktion der Originalmusik zu Der Golem, wie er in die Welt kam (1920) von Hans Landsberger [73]

Barbara Elkeles: Auf den Spuren eines Vergessenen. Der Filmkomponist Hans Landsberger (1890–1941) – Leben in Deutschland und im Exil [83]

Philipp Stiasny: Review. Lehmige Retter, bekehrte Feinde und schwefelige Teufelsfarben. Jüdische Themen im Kino der Weimarer Republik (Teil 1) [95]

Filmeditionen

Der Prozess (BRD 1984, R: Eberhard Fechner). 2 DVDs. Fridolfing: absolut MEDIEN 2020 (Chris Wahl) [108]

Konrad Wolf. Alle Spielfilme 1955–1980. 14 DVDs. Berlin: DEFA-Stiftung/ ICESTORM Entertainment GmbH 2018 (Michael Wedel) [110]

Buchrezensionen

Rolf Aurich, Torsten Musial (Hg.): Eberhard Fechner. Chronist des Alltäglichen. München: edition text + kritik 2019 / Jan-Pieter Barbian, Werner Ružicka (Hg.): Eberhard Fechner. Ein deutscher Erzähler. Essen: Klartext-Verlag 2018 (Brad Prager) [114]

Larson Powell: The Films of Konrad Wolf. Archive of the Revolution. Rochester: Camden House 2020 (Ofer Ashkenazi) [117]

Armin Loacker: Unerwünschtes Kino. Deutschsprachige Emigrantenfilme 1934–1937. Wien: Verlag Filmarchiv Austria 2019 (Anjeana K. Hans) [120]

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Ausgabe [124]

Impressum [126]

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