Filmblatt 28 (2023), 82/83

Titel der Ausgabe 
Filmblatt 28 (2023), 82/83
Zeitschriftentitel 
Weiterer Titel 
Westdeutsche Frauenfilmbewegung / 1970er / Frauen und Filmarbeit / Alternative Filmdistribution

Erschienen
Anzahl Seiten
158 S.
Preis
€ 16,00

 

Kontakt

Institution
CineGraph Babelsberg e.V.
Land
Deutschland
Ort
Berlin
c/o
CineGraph Babelsberg e.V., c/o Postfach 12 09 20, D-10599 Berlin
Von
Brigitte Braun

Editorial
„Alles verändert sich, wenn du es veränderst. Doch du kannst nicht gewinnen, solange du allein bist“, singt Rio Reiser mit seiner Band Ton Steine Scherben. Dazu gehen vier Frauen eine Berliner Einkaufsstraße entlang, untergehakt, in verheißungsvoller Stimmung. Sie haben gerade gemeinsam etwas verändert, haben als Supermarkt-Kassiererinnen gegen die Ausbeutung durch ihren Chef aufbegehrt und sind in den solidarischen Arbeitskampf getreten. Es sind die letzten Einstellungen des semi-dokumentarischen Spielfilms Für Frauen – 1.Kapitel (1971) von Cristina Perincioli, einem von mehr als 50 Filmen, die im November 1973 im Rahmen des Ersten Internationalen Frauenfilm-Seminars im Berliner Kino Arsenal gezeigt wurden.

Solidarität und gemeinsam an Veränderungen zu arbeiten, war ein wesentliches Anliegen dieser, für die westdeutsche Frauenfilmbewegung bedeutenden Veranstaltung. Exakt 50 Jahre sind seitdem vergangen. Für das Filmblatt ist das ein Anlass zurückzuschauen: Fiona Berg und Maja Roth geben einen Überblick, ergänzt um eine kommentierte Filmografie. Fiona Berg beleuchtet zudem einige strukturelle Veränderungen und Neugründungen in der alternativen Filmdistribution und der Verbandsarbeit der 1970er Jahre.

Hinter der Kamera stand bei Für Frauen – 1.Kapitel die damalige Studentin an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) Gisela Tuchtenhagen. Ihrem Schaffen widmen sich drei weitere Texte: In Sing Iris – Sing. Frauen Lernen Männerberufe (1978), den Sophie Hartleib in ihrem Aufsatz untersucht, wird das Scheitern eines Modellprojekts gezeigt, mit dem arbeitsuchende Frauen in „Männerberufe“ integriert werden sollten. Maja Roth wiederum nimmt Gisela Tuchtenhagens Kameraarbeit in Ekmek Parasi (1994) von Serap Berrakkarasu zum Anlass, um über die filmische Repräsentation von (weiblicher) Handarbeit nachzudenken. Frederik Lang stellt in seinem Text Gisela Tuchtenhagens Rückkehr an die dffb als Dozentin eines Dokumentarfilmseminars vor, in dem drei kollektive Arbeiten entstehen; zusammengefasst unter dem Titel Küche, Theater, Krankenhaus (1979).

Die Filmemacherin Lilly Grote war eine der Seminarteilnehmerinnen, deren
vielgestaltiges Hochschulwerk zwischen Politik und Experiment Frederik Lang in einem weiteren Beitrag fokussiert. Den Schlusspunkt liefert Tilman Schumacher mit einem Aufsatz über Grotes Spielfilm Daily Chicken (1997), den er zwischen Heimat- und Horrorfilm ansiedelt.

Wir wünschen eine anregende Lektüre!
Die Redaktion im Herbst 2023

Inhaltsverzeichnis

1 Editorial

3 Fiona Berg, Maja Roth: Das Erste Internationale Frauenfilm-Seminar 1973. Vorarbeiten, Filme, Folgen

25 Fiona Berg: Die Filme des Ersten Internationalen Frauenfilm-Seminars 1973

39 Fiona Berg: Coop, CHAOS, Cinema. Die Anfänge feministischer Verleih- und Kino-Initiativen in der Bundesrepublik

49 Sophie Hartleib: Zwischen Werkbank und Wohnzimmer. Sing Iris – Sing. Frauen Lernen Männerberufe (1978)

57 Frederik Lang: Küche, Theater, Krankenhaus (1979). Das Dokumentarfilmseminar von Gisela Tuchtenhagen an der dffb

73 Maja Roth: Von der Hand in den Mund. Ekmek Parasi (1994) von Serap
Berrakkarasu und Gisela Tuchtenhagen

89 Frederik Lang: Experimentell, spielerisch – und doch politisch. Lilly Grote an der dffb, 1977–1983

109 Tilman Schumacher: Die Weiten des Moores, Grillhähnchen und die
Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Lilly Grotes Daily Chicken (1997)

127 Stephan Ahrens: Demonstranten fallen nicht mehr auf. DEFA-Filme aus Italien

Rezensionen
138 Yvonne Zimmermann (Hg.): Asta Nielsen, the Film Star System and the Introduction of the Long Feature Film. Sonderheft von Early Popular Visual Culture, Mai-August 2021 (Michael Wedel)

140 Michael Cowan: Film Societies in Germany and Austria 1910–1933. Tracing the Social Life of Cinema 1910–1933. Amsterdam: Amsterdam University Press 2023 (Martin Loiperdinger)

143 Laura A. Frahm: Design in Motion. Film Experiments at the Bauhaus. Cambridge, MA: MIT Press 2022 (Jan-Christopher Horak)

145 Naomi DeCelles: Recollecting Lotte Eisner. Cinema, Exile, and the Archive. Oakland: University of California Press 2022 (Philipp Stiasny)

147 Simon Bacon (Hg.): Nosferatu in the 21st Century. A Critical Study. Liverpool: Liverpool University Press 2022 (Michael Wedel)

149 Christine Leteux: Continental Films. French Cinema under German Control. Madison, WI: University of Wisconsin Press 2022 (Roel Vande Winkel)

150 Fabian Zimmer: Hydroelektrische Projektionen. Eine Emotionsgeschichte der Wasserkraft im Industriefilm. Göttingen: Wallstein Verlag 2022 (Kay Hoffmann)

152 Klaus Christian Vögl: Kinoboom – Kinosterben – Kinorenaissance. Kino in Österreich von 1945 bis in die Gegenwart. Wien, Köln: Böhlau Verlag 2023 / Florian Pauer, Thomas Jelinek: Die Wiener Kinos. Dokumentation 1896–2022. Bd. 1: Kinos der Bezirke I–III. Wien: Filmarchiv Austria 2022 / Florian Pauer, Thomas Jelinek: Die Wiener Kinos. Dokumentation 1896–2022. Bd. 2: Kinos der Bezirke IV–IX. Wien: Filmarchiv Austria 2022 (Philipp Stiasny)

156 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Ausgabe
158 Impressum

Weitere Hefte ⇓