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Archiv fuer die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 17 (2003)

Titel der Ausgabe 
Archiv fuer die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit 17 (2003)
Weiterer Titel 

Herausgeber
Redaktion: Wolfgang Braunschädel, Johannes Materna
Erschienen
Fernwald 2003: Germinal Verlag
Erscheint 
Anzahl Seiten
849 S.
Preis
22 €

 

Kontakt

Institution
Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit (AGWA)
Land
Deutschland
c/o
Redaktion: Wolfgang Braunschädel Johannes Materna Germinal Verlag Siemensstraße 16 35463 Fernwald (Annerod)
Von
Braunschädel, Wolfgang

Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit (AGWA), Heft 17, 2003

Zu diesem Heft

Der Bürgerschreck ist des Bürgers liebstes Kind; seiner bedarf er, um zu sich selbst zu kommen und als guten Grund dafür, jene ökonomische und ideologische Ordnung aufrecht erhalten und je nach Umständen stabilisieren zu können, in der er seinen fetischistischen Regeln gemäß schalten und walten kann. Den Bürgerschreck gibt es in vielerlei Gestalt: in der des amüsanten und amüsierenden Narren, in der des verlorenen Sohnes - zu den Errungenschaften neuester Zeiten zählt zudem die verlorene Tochter -, der nach den einen oder anderen Eskapaden in die heimatlichen Gefilde zurückkehrt und dort wieder jene teilnahmsvolle Aufnahme findet, derer er sich zukünftig immer wieder aufs neue als würdig erweisen muß, aber auch in der Gestalt desjenigen, der alle Brücken hinter sich abgebrochen hat und infolgedessen zu liquidieren ist, sei es physisch, sei es, indem die Erinnerung an ihn zum Tabu wird - Aufgaben, die je nachdem von den Organen des staatlichen Gewaltmonopols oder den im Dienste des Staates engagierten Ideologen erledigt werden. Wenn Volker Ullrich in seiner Biographie des linksradikalen Aktivisten Karl Plättner, der in den frühen zwanziger Jahren im Kontext der damaligen sozialrevolutionären Auseinandersetzungen an führender Stelle an Enteignungsaktionen beteiligt war, dessen Schrift "Der organisierte rote Schrecken!" aus dem Jahre 1921 als "eins der leidenschaftlichsten, rasendsten Revolutionsmanifeste des 20. Jahrhunderts" bezeichnet, dann darf man daraus zum einen schließen, daß der Autor dieses Manifestes, der seinen Worten Taten vorausgehen und folgen ließ, nicht zu jenen wieder aufgenommenen verlorenen Söhnen zählt und muß sich zum anderen darüber wundern, daß dieses Manifest so gut wie niemandem, nicht einmal den professionellen Historikern oder sonstigen Ideologen des Systems bekannt ist. Dem abzuhelfen dient der von Peter Kuckuk mit einem den historischen und inhaltlichen Kontext erläuternden Vorwort versehene Nachdruck dieser damit aus den Grüften der Archive entlassenen Schrift, die einen Eindruck von den aufs äußerste radikalisierten Auseinandersetzungen in einer Zeit vermittelt, in der Kommunismus nicht nur ein Gespenst, sondern auch ein Kampfruf war.

In eben diese Zeiten führt auch der Text von Ernst Schneider über die "Wilhelmshavener Revolte" vom Januar 1919, an der er an führender Stelle beteiligt war. Schneider, in jungen Jahren Sozialdemokrat, hatte sich bereits vor den revolutionären Auseinandersetzungen der Nachkriegsjahre radikalisiert und war Zeit seines Lebens in linksradikalen Organisationen aktiv. Seinen hier erstmals in deutscher Übersetzung vorliegenden und von Joachim Tautz eingeleiteten Bericht über die Wilhelmshavener Ereignisse veröffentlichte er unter dem Pseudonym "Icarus" im Jahre 1943 in England, wo er seitdem mehrfach nachgedruckt worden ist, während er in der hiesigen Geschichtsschreibung allenfalls am Rande wahrgenommen wurde. Schneiders auf eigenem Erleben basierender Bericht verweist einmal mehr darauf, daß die sozialrevolutionären Ereignisse der Jahre nach 1918 von einer geschichtsphilosophisch determinierten Politik- und Geschichtswissenschaft zwar längst als eher dysfunktional auf dem mittlerweile auch in diesen Kreisen favorisierten deutschen "Weg in den Westen" beschrieben worden sind, daß aber gleichwohl eine an das Selbstverständnis der sich revolutionär definierenden Subjekte dieser Ereignisse anknüpfende sozialhistorische Forschung trotz einiger entsprechender Ansätze vor allem in den siebziger Jahren überfällig bleibt, auch wenn angesichts der akademischen Konjunkturen davon ausgegangen werden muß, daß dieses Thema in absehbarer Zeit wohl eher tabuisiert sein wird.

Zumindest in den größeren Kontext dieser Ereignisse gehört auch der Beitrag von Hartmut Rübner über die "Revolutionäre Gewerkschaftsopposition" in der Seeschiffahrt in der Zeit der Weltwährungskrise. Im Kontext der kommunistischen Gewerkschaftsarbeit in der Schiffahrt hatte sich bis in die Endphase der Weimarer Republik eine starke syndikalistische Strömung halten können, die sich nicht nur in der alltäglichen Organisationsarbeit, sondern auch in den Streiks der frühen dreißiger Jahren bemerkbar machte. Das von Rübner zusätzlich edierte Protokollbuch der Bordzelle des Dampfers BOCKENHEIM, das im wesentlichen einen Streik an der Jahreswende 1931/32 dokumentiert, vermittelt in diesem Zusammenhang einen authentischen Einblick in die Praxis einer kommunistischen Zelle auf einem Handelsschiff.

Neben dem eigentlichen Proletariat, das dem Marxschen Programm zufolge der Philosophie zur Verwirklichung helfen sollte, sind in den Arbeiterbewegungen auch zu Intelligenzlern mutierte Philosophen aktiv gewesen, die laut dem von Kautsky, Lenin und anderen Adepten bürgerlicher Aufklärungsphantasien verballhornten Programm dem Proletariat intellektuell auf die Sprünge helfen sollten. Gegenüber diesem Programm hat es seit jeher ein nicht unberechtigtes Mißtrauen gegeben, das insbesondere Michael Bakunin wortgewaltig vorzutragen wußte. Hierzulande völlig unbekannt sind sowohl der polnisch-russische Theoretiker Jan Waclaw Machajski, der im Anschluß an eine mehr als zehnjährige Verbannung nach Sibirien in den Jahren 1904/05 in Zürich unter dem Titel "Umstvennyi rabochii" ("Der geistige Arbeiter") ein dreiteiliges Werk veröffentlichte, in dem er sich äußerst kritisch mit der Rolle von Intellektuellen in der Arbeiterbewegung beschäftigte, als auch Max Nomad (Pseudonym von Max Nacht), der sich in der Tradition von Machajski ebenfalls immer wieder mit den vorgeblich arbeiterbewegten Aktivitäten von Intellektuellen auseinandersetzte. In Nomads Sicht, so kann man dem Beitrag von Giovanni Borgognone entnehmen, stellte sich spätestens angesichts des Übergangs des tradierten Privatkapitalismus in einen Staatskapitalismus, den Nomad in unterschiedlichen Formen sowohl in der Sowjetunion als auch im italienischen Faschismus und deutschen Nationalsozialismus, aber auch im us-amerikanischen New Deal sich verwirklichen sah, heraus, daß in diesem Kontext die Intelligenz, auch die sich revolutionär inszenierende Intelligenz der Arbeiterbewegung, zu einer neuen herrschenden Schicht mutiert; nicht die Emanzipation der eigentlichen Arbeiterklasse, sondern die Übernahme der entscheidenden Herrschaftspositionen in einer sich wandelnden kapitalistischen Gesellschaft war somit seit jeher das eigentliche Ziel des unter wechselnden ideologischen Vorzeichen sich drapierenden Engagements der bürgerlichen Intelligenzler und Intellektuellen.

Das sah Paul Mattick, der nicht dem Bürgertum entstammte und zu jenen autodidaktisch gebildeten Linksradikalen zählte, deren eigenständige Rolle in den diversen sozialrevolutionären Bewegungen insbesondere in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts in der historischen Forschung bisher überhaupt noch nicht thematisiert worden ist und der zudem der kautskyanisch-leninistischen Tradition einer Apologetisierung der vorgeblich aufklärerischen Funktion der Intellektuellen im Kontext der Arbeiterbewegung sicherlich äußerst kritisch gegenüberstand, durchaus differenzierter. In einer Debatte mit Max Nomad, die an dessen Essay über "Kapitalismus ohne Kapitalisten" anschloß und in Matticks Zeitschrift "International Council Correspondence" geführt wurde, hielt er im Gegensatz zu Nomad an der Vorstellung fest, daß die in Räten sich selbst organisierenden Arbeiter in der Lage sein würden, die Intellektuellen, soweit diese die von Nomad thematisierten Ambitionen auf Installierung ihrer selbst als neue herrschende Schicht umzusetzen gedenken sollten, in Schacht zu halten und ihnen ihren Fähigkeiten entsprechende Funktionen in einer neuen Gesellschaft zuzuweisen.

Über die Differenzen zwischen dem eher auf individuelle Zuständigkeiten setzenden Kapitalismus angelsächsischer, insbesondere us-amerikanischer Prägung und dem diesbezüglich an Traditionen des Zunftwesens anknüpfenden, eher korporatistisch-staatlichen organisierten Kapitalismus europäischer, insbesondere deutscher Prägung und den damit einhergehenden Unterschieden zwischen der amerikanischen, wenig zentral organisierten, nichtsdestotrotz unter gegebenen Umständen aber schlagkräftigen Arbeiterbewegung und der in ihren abgehobensten Vorstellungen noch staatsfixierten Arbeiterbewegung deutscher Provenienz ist viel phantasiert und viel geschrieben worden. Auf dem Hintergrund solcherlei nicht nur mentaler Unterschiede, die auch mit den Unterschieden zwischen einem auf Gemeinden und kleinere Gemeinschaften orientierten Protestantismus calvinistischer Prägung und dem staatsorientierten Protestantismus preußisch-lutheranischer Provenienz, der seine weltliche Erfüllung in Gestalt der deutschen Sozialdemokratie gefunden hat, zu tun haben mögen, hat sich in den Vereinigten Staaten im Laufe des 19. Jahrhunderts auch eine Tradition des individualistischen Anarchismus herauskristallisiert, die sich unabhängig von dem eher subkulturellen Individualanarchismus in der Nachfolge von Max Stirner und - zumindest in früheren Zeiten - Friedrich Nietzsche entwickelt hat. Noch die heutigen anarchokapitalistischen "Libertarians" mit ihrem mittlerweile verstorbenen Cheftheoretiker Murray Rothbard, die auch hierzulande ihre Anhängerschaft gefunden haben, stehen in dieser Tradition eines spezifisch us-amerikanischen Individualanarchismus, mit dessen Herkunft und Begründungszusammenhängen sich Antonio Donno in seinem Beitrag beschäftigt. Es handelt sich dabei um eine Variante von libertärem Anarchismus, die sich explizit in den Traditionen des klassischen Liberalismus verortet und in ihrer grundsätzlichen Ablehnung staatlicher Interventionen gleich welcher Art durchaus auch hier und da Annäherungen an konservative Positionen zeigt, während sie sich ebenso grundsätzlich von der paradoxen Staatsfixierung des traditionellen Sozialismus und Kommunismus unterscheidet, die den jeweils konkreten Staat ablehnen, um an seiner Stelle einen neuen, d.h. einen mit neuem Personal besetzten zu installieren.

Diese zutiefst im klassischen Liberalismus verwurzelten individualistischen Traditionen haben ein politisches und kulturelles Klima geschaffen, in dem mancherlei Radikalismen und Radikale gedeihen konnten, die andernorts, dort, wo auch Radikalismus noch sich seriös zu inszenieren wußte und weiß, möglicherweise auf Unbehagen und leicht pikierte Abwehr gestoßen wären. Giuliana Iurlano stellt in ihrem Beitrag über Theodore Schroeder einen originellen Radikalindividualisten vor, der sich Zeit seines Lebens gegen die politisch oder sozial begründete Unterdrückung jedweder individuellen Rechte und als Mitbegründer der 1911 ins Leben gerufenen "Free Speech League" für die in der us-amerikanischen Verfassung verankerte absolute "freedom of speech" einsetzte und infolgedessen mit den puritanischen Exzessen einer bigotten, auf materiellen Erfolg und entsprechende ideologische Begründungen orientierten Gesellschaft im besten Sinne auf Kriegsfuß stand.

Zu den Besonderheiten der us-amerikanischen Arbeiterbewegung gehören zweifellos auch die analog zur ethnisch differenzierten Einwanderungsgeschichte sich in vielen Arbeiterorganisationen widerspiegelnden ethnischen Spaltungen, die wiederum ihren Ausdruck in entsprechenden Netzwerken fanden und auch heute noch finden. In seinem Beitrag über die beiden jüdischen anarchistischen Siedlungsgemeinschaften Stelton und Sunrise stellt Francis Shor zwei Beispiele gegenkultureller Gemeinschaftsprojekte vor, die, da deren Protagonist(inn)en ihre politische und soziale Prägung noch vielfach in ihren durchweg osteuropäischen Ursprungsgesellschaften erfahren hatten, insofern auch Ausdruck einer noch nicht voll in die neue Gesellschaft integrierten oder gar assimilierten Immigrationsbewegung waren; ihr schließliches Scheitern kann von daher auch als Zeichen einer gelingenden Integration in die Gesellschaft gelesen werden, was wiederum dem politischen und sozialen Engagement derjenigen, die an ihren politischen und sozialen Zielen festhielten, neue Wege weisen konnte.

Nestor Machno gehört zu jenen Figuren des Anarchismus, deren reale historische Existenz in der Erinnerung vielfach hinter den tradierten Mythen verschwindet. Ettore Cinnella rekonstruiert in seinem Beitrag Leben und Wirken Machnos und insbesondere die Geschichte der machnovšcina, Machnos ukrainischer Bauernbewegung, in den Jahren von 1917 bis 1921, wobei er auch auf Texte und Dokumente zurückgreifen konnte, die erst in den neunziger Jahren nach der Öffnung entsprechender Archive zugänglich geworden sind. Dabei kristallisiert sich das Bild eines sozialrevolutionären Rebellen heraus, der mit seiner Bewegung in wechselnden Bündnissen in die Kämpfe um eine soziale und politische Befreiung und die damit verbundenen Bürgerkriegswirren involviert war. Sein Bündnis mit den Bolschewiki wurde ihm von diesen nicht gedankt; nach ihrem Sieg im Bürgerkrieg zerschlugen sie die Bauernbewegung und forderten von der Regierung Rumäniens, wohin Machno im August 1921 geflüchtet war, die allerdings verweigerte Auslieferung des "notorischen Banditen Machno".

Victor Serge, in seinen als Sohn russischer Emigranten in Belgien und Frankreich verlebten Jugendjahren Anarchist, war 1919 nach Rußland zurückgekehrt und hatte sich dort den Bolschewiki angeschlossen. Ende der zwanziger Jahre zählte er zur trotzkistischen Opposition; nach seiner Verhaftung wurde er Mitte der dreißiger Jahre nach erheblichen Protesten insbesondere in Frankreich aus der Deportation entlassen. Es waren nicht zuletzt seine eigenen bitteren Erfahrungen mit dem bolschewistischen Herrschaftssystem, die ihn, wie Philippe Bourrinet in seinem Beitrag nachzeichnet, zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Charakter dieses Systems veranlaßten. Serge gehörte zu jenen, die schon früh der These Trotzkis, die Sowjetunion sei ein degenerierter Arbeiterstaat, widersprachen; bereits 1933 bezeichnete er die Sowjetunion als einen "totalitären Staat" und in den nach seiner Befreiung veröffentlichten Analysen lieferte er zahlreiche konkrete Anhaltspunkte für eine grundlegende Kritik des sowjetischen Systems, ohne daß sich diese kritischen Annotationen jedoch zu einer theoretisch fundierten Gesamteinschätzung verdichteten.

Boris Souvarine ist hierzulande allenfalls durch seine in den siebziger Jahren übersetzte umfangreiche Stalin-Biographie bekannt geworden; wenig jedoch ist bekannt über sein probolschewistisches Engagement, über seine frühe Kritik am sich herauskristallisierenden stalinistischen System und insbesondere über seine publizistischen und praktischen Aktivitäten in den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren, jener Phase seines Lebens also, die Charles Jacquier in seinem Beitrag über Souvarine vorstellt. Dabei geht er insbesondere auf jene im Anschluß an seinen Beitrag abgedruckten Artikel ein, die Boris Souvarine von Frühjahr bis Herbst 1933 in der Zeitung "Le Travailleur" veröffentlichte und in denen er sich auf dem Hintergrund des Versagens sowohl der Sozialdemokraten als auch der Kommunisten mit der Etablierung des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland auseinandersetzte.

In ihrem Beitrag über Alexandra, Maria und Nadja Ramm rekonstruiert Birgit Schmidt, so weit dies die zugänglichen Quellen zulassen, Leben und Aktivitäten dieser drei Schwestern, von denen heute nur noch Alexandra Ramm als Frau und langjährige Mitarbeiterin Franz Pfemferts und Maria Ramm als Frau des Schriftstellers und Kunstkritikers Carl Einstein zumindest in interessierten Kreisen bekannt sind, während Nadja Ramm, die unter ihrem neuen Namen Strasser nicht nur Beiträge in Zeitschriften, sondern auch Bücher veröffentlichte, heute vergessen ist. Alle drei waren über Jahre und Jahrzehnte hinweg, nicht zuletzt als Übersetzerinnen, in Berlin tätig, ehe zwei - Alexandra und Nadja - emigrieren mußten; nach der Befreiung vom Nationalsozialismus trafen sie sich unter völlig gewandelten Umständen in Berlin wieder.

Im Zentrum der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus steht aus gutem Grund das deutsche Projekt Auschwitz. Weniger thematisiert wird die Tatsache, daß die Nationalsozialisten unmittelbar nach der Machtübernahme mit der Errichtung von Konzentrationslagern begannen, in denen zu dieser Zeit noch vorwiegend politische Gegner, zunehmend aber auch, z.B. im Rahmen der "Aktion Arbeitsscheu Reich", sogenannte "Asoziale" und schließlich, insbesondere im Kontext der Pogrome vom Herbst 1938, auch Juden gefangengehalten wurden. Rüdiger Reinecke gibt in seinem Beitrag einen Überblick über diese Entwicklung, wobei er insbesondere zeitgenössische Literatur über nationalsozialistische Konzentrationslager berücksichtigt, die in einem Anhang in einer Bibliographie zusammenfassend aufgelistet wird.

Über die Transformationen des scheinbar revolutionären Aufbruchs von 1968 ist viel geschrieben und gerätselt worden, wobei zu den rätselhafteren Spekulationen sicherlich jene gehören, die angesichts der einen oder anderen gelungenen Karriere über einen nachhaltigen Erfolg des damaligen Aufbruchs spekulieren. Jenseits solcherlei Erfolgsgeschichten hat sich im Anschluß an die Ernüchterung über die seinerzeit zusammenphantasierten revolutionären Potentiale des Proletariats seit den siebziger Jahren ein vielfältiges Spektrum von teils ernst zu nehmenden, teils aber auch obskuren Teilbewegungen herauskristallisiert, mit deren Inhalten und Auswirkungen sich Jacques Wajnsztejn in seinem Beitrag auseinandersetzt. Einmal abgesehen davon, daß Protagonist(inn)en solcher Teilbewegungen durch mancherlei theoretische und praktische Eskapaden auf sich aufmerksam zu machen wissen, gegen die sich mit Genuß polemisieren läßt, verweist Wajnsztejn darauf, daß diese Teilbewegungen auch Ausdruck sich wandelnder sozialer Herrschaftsstrukturen sind, denen man mit einem Rekurs auf neue Subjektivitäten und einer Apologie besonderer Lebensweisen glaubt begegnen zu können.

In der gegenwärtigen Euphorie über ein neues vereinigtes Europa wird vielfach vergessen, daß vor nicht allzu langer Zeit in einigen südeuropäischen Staaten - Spanien, Portugal, Griechenland - noch Regime an der Macht waren, die man seinerzeit gemeinhin als faschistisch bezeichnete. Eleftherios Carayannis erinnert in seinem Beitrag an die griechische Militärdiktatur der späten sechziger und frühen siebziger Jahre, wobei er den von Studenten ausgehenden Aufstand gegen diese Diktatur vom November 1973 in den Kontext damaliger, auf rätekommunistische und operaistische Theorien und Traditionen rekurrierende Debatten stellt.

Ein Zufallsfund - eine alte Zigarettenschachtel mit einer Abbildung der drei Pfeile der "Eisernen Front" und einem darin enthaltenen Sammelbild der Serie "Vorkämpfer des Sozialismus", das Michael Bakunin zeigt - veranlaßt Egon Günther zu einer kurzen Reise in jene Vergangenheit, in der Carlo Mierendorff, ein dem rechten Spektrum der Partei zuzuordnender Sozialdemokrat, zusammen mit dem russischen Emigranten Sergej Tschachotin unter dem Motto "Freiheitspfeile vs. Hakenkreuz" einen tatsächlich eher symbolischen und - trotz aller nationalistischen Anbiederungen - wenig erfolgreichen Abwehrkampf gegen die Nationalsozialisten führte.

Moderne Medien, insbesondere die visuellen Medien wie Film und Fernsehen, lassen sich durchaus als Geschichtsvernichtungsmaschinen beschreiben. Wenn geschichtliche Ereignisse in solchen Medien auf- und insbesondere zubereitet werden, ist - jenseits aller bewußten Fälschungsabsichten - immer Vorsicht geboten; das gilt auch, wenn das Bayerische Fernsehen die bayerischen revolutionären Ereignisse der Jahre 1918/19 zeitgemäß medial aufbereitet. Günther Gerstenberg verweist in seiner detaillierten Analyse der zweiteiligen Fernsehsendung auf zahlreiche falsche oder ungenaue Angaben und Zuschreibungen, so daß am Ende nicht nur trotz aller vorgeblich objektiven Darstellung ein politisch genehmes Bild der Ereignisse konstruiert wird, sondern insbesondere der Zuschauer so dirigiert wird, daß er, wenn er nicht gerade Spezialkenntnisse vorweisen kann, sich außerstande sieht, die historischen Zusammenhänge jenseits der medialen Vorgaben im Blick zu behalten.

Der letzte Beitrag eines anonymen Schreibers - Die Frau als Anarchistin - will nicht mehr dokumentieren als eine Bewußtseinslage, die nicht nur seinerzeit für den materiell und ideologisch saturierten Bürger - gleich ob Groß- oder Kleinbürger - in einer schwerindustriell geprägten Kleinstadt typisch war, sondern unter zeitgemäß veränderten Beigaben auch heute noch aktuell ist.

Hinzuweisen bleibt zum guten Schluß darauf, daß Dieter Host in bewährter und souveräner Manier immer dann in den Fertigungsprozeß des ARCHIVs einzugreifen wußte, wenn die Redakteure trotz aller Anstrengungen wieder einmal an den Klippen des für sie schon längst nicht mehr durchschaubaren computertechnologischen Fortschritts zu scheitern drohten. Gänzlich der Melancholie verfallen, hätten sie es liebend gerne mit Kinky Friedman gehalten, der keinen Computer anrührt, weil er "wie der Unabomber überzeugt (ist), dass er einem mit jeder Berührung ein Stück Seele raubt und die Möglichkeit steigert, dass man in Paris, Texas, Mr. Kinkys Kosmetikstudio eröffnet".

Inhaltsverzeichnis

Inhalt:

Zu diesem Heft 13

Peter Kuckuk
Vorwort zu Karl Plättners Broschüre "Der organisierte rote Schrecken!" 19

Karl Plättner
Der organisierte rote Schrecken! Kommunistische Parade-Armeen oder organisierter Bandenkampf im Bürgerkrieg 29

Joachim Tautz
Vorwort zu Ernst Schneiders Broschüre "Die Wilhelmshavener Revolte" 71

Ernst Schneider (Icarus)
Die Wilhelmshavener Revolte. Ein Kapitel aus der revolutionären Bewegung in der deutschen Marine 1918/19 75

Hartmut Rübner
Interklub, Bordzelle, revolutionärer Seeleutestreik: Die "Revolutionäre Gewerkschaftsopposition" in der Seeschiffahrt während der Weltwirtschaftskrise 101

Hartmut Rübner
Das Bordzellenbuch des Dampfers BOCKENHEIM 131

Giovanni Borgognone
Max Nomad zwischen Anarchismus und Elitentheorie 151
Max Nomad Kapitalismus ohne Kapitalisten 171

Paul Mattick
Diktatur der Intellektuellen? (Kritische Anmerkungen zu den Überlegungen von Max Nomad) 181

Max Nomad
Die Herren von Morgen 203

Paul Mattick
Max Nomads "Die Herren von Morgen" 225

Antonio Donno
Anarchismus und amerikanische politische Tradition in den Vereinigten Staaten des neunzehnten Jahrhunderts 249

Giuliana Iurlano
Theodore Schroeder und der Free Speech Fight im progressistischen Amerika 263

Francis Shor
Jüdischer Anarchismus und jüdische Siedlungsgemeinschaften in den Vereinigten Staaten: Von Stelton nach Sunrise 301

Ettore Cinnella
Machno in der ukrainischen Revolution von 1917 bis 1921 311

Philippe Bourrinet
Victor Serge: Totalitarismus und Staatskapitalismus. Sozialistische Dekonstruktion und kollektivistischer Humanismus 357

Charles Jacquier
"Finstere Tage": Boris Souvarine und die Machtübernahme Hitlers 371

Boris Souvarine
"Schreckliche Lektion": Artikel aus "Le Travailleur" 389

Birgit Schmidt
Die Schwestern Ramm. Zum Briefwechsel zwischen Nadja Strasser und Rudolf Rocker 407

Rüdiger Reinecke
Zeitgenössische Literatur über nationalsozialistische Konzentrationslager 1933 bis 1939. Ein Forschungsbericht 421

Jacques Wajnsztejn
Teilbewegungen und ihre Folgen 461

Eleftherios Carayannis
Studenten gegen Diktatoren. Autonomie und Widerstand in Griechenland 1972/73 513

Egon Günther
Der beredte Fund. Eine Anekdote 527

Günther Gerstenberg
Bewegung, eingefroren. Die bayerische Revolution im Fernsehen 543

Die Frau als Anarchistin 565

Rezensionen und Hinweise 571

Peter Wende (Hrsg.), Große Revolutionen der Geschichte. Von der Früh- zeit bis zur Gegenwart, München: Verlag C.H. Beck, 2000, 391 S. (Harald Wolf) 571
Malcolm Lambert, Häresie im Mittelalter. Von den Katharern bis zu den Hussiten, Darmstadt: Primus Verlag, 2001, 533 S.
Malcolm Lambert, Geschichte der Katharer. Aufstieg und Fall der großen Ketzerbewegung, Darmstadt: Primus Verlag, 2001, 408 S. (Anton Panner) 572
Sabine Rahmsdorf, Stadt und Architektur in der literarischen Utopie der frühen Neuzeit, Heidelberg: Universitätsverlag C. Winter, 1999, 345 S. (Walter Fähnders) 574
Wolfram Fischer, Expansion, Integration, Globalisierung. Studien zur Geschichte der Weltwirtschaft, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1998, 286 S. (Hartmut Rübner) 576
Stefan Berger/Angel Smith (ed.), Nationalism, Labour and Ethnicity 1870-1939, Manchester/New York: Manchester University Press, 1999, 292 S. (Hartmut Rübner) 578
Uwe Puschner, Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich. Sprache - Rasse - Religion, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2001, 464 S. (Anton Panner) 581
Claudia-Regine Nerius, Johannes Lehmann-Hohenberg (1851-1925). Eine Studie zur völkischen Rechts- und Justizkritik im Deutschen Kaiser- reich, Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag, 2000, 278 S. (Albrecht Götz von Olenhusen/Jens David Runge) 584
Ernst Fuhrmann, Hieroglyphen und Prohibition. Vom ganz normalen Menschen. Herausgegeben und kommentiert von Rembert Baumann, Berlin: BasisDruck Verlag, 2002, 182 S. (Albrecht Götz von Olenhusen) 586
Reiner Stamm, Der Folkwang-Verlag - Auf dem Weg zu einem imaginären Museum, Frankfurt am Main: Buchhändler-Vereinigung GmbH, 1999, 229 S. (Albrecht Götz von Olenhusen) 588
Thomas Mergel, Parlamentarische Kultur in der Weimarer Republik. Politische Kommunikation, symbolische Politik und Öffentlichkeit im Reichstag, Düsseldorf: Droste Verlag, 2002, 530 S. (Ulrich Eumann) 591
Peter Giersich/Bernd Kramer, Max Hoelz. Man nannte ihn: Brandstifter und Revolutionär, Robin Hood, Che Guevara, einen Anarchisten, den Roten General. Sein Leben und sein Kampf, Berlin: Karin Kramer Verlag, 2000, 174 Text- und 24 Bildseiten
Volker Ullrich, Der ruhelose Rebell. Karl Plättner 1893-1945. Eine Biographie, München: Verlag C.H. Beck, 2000, 272 S., 18 Abb.
Knut Bergbauer, Karl Plättner. Anmerkungen zur Biographie eines politischen Partisanen, in: Andreas G. Graf (Hg.), Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin: Lukas Verlag, 2001, S. 266-280 (Peter Kuckuk) 592
Ernst von Waldenfels, Der Spion, der aus Deutschland kam. Das geheime Leben des Seemanns Richard Krebs, Berlin: Aufbau Verlag, 2002, 382 S.
Lars Borgersrud, Die Wollweber-Organisation und Norwegen, Berlin: Karl Dietz Verlag, 2001, 312 S. (Hartmut Rübner) 599
Karl Korsch, Briefe 1908 - 1939 (Gesamtausgabe Band 8). Herausgegeben von Michael Buckmiller, Michel Prat und Meike G. Werner, Amster- dam/Hannover: Stichting beheer IISG/Offizin Verlag, 2001, 825 S.
Karl Korsch, Briefe 1940 - 1958 (Gesamtausgabe Band 9). Herausgegeben von Michael Buckmiller und Michel Prat, Amsterdam/Hannover: Stichting beheer IISG/Offizin Verlag, 2001, 914 S. (Wolfgang Braunschädel) 600
Der Thälmann-Skandal. Geheime Korrespondenzen mit Stalin. Herausgegeben von Hermann Weber und Bernhard H. Bayerlein (Archive des Kommunismus - Pfade des XX. Jahrhunderts, Band 2), Berlin: Aufbau-Verlag, 2003, 368 S. (Ulrich Eumann) 603
Ulla Plener, Theodor Leipart. Persönlichkeit, Handlungsmotive, Wirken, Bilanz - Ein Lebensbild mit Dokumenten (1867-1947). Halbband 1: Biographie, Halbband 2: Dokumente, Berlin: Trafo Verlag, 2000/2001, 389 S. + 537 S. (Reiner Tosstorff) 605
Michael Kubina, Von Utopie, Widerstand und Kaltem Krieg. Das unzeitgemäße Leben des Berliner Rätekommunisten Alfred Weiland (1906-1978), Münster/Hamburg/Berlin/London: LIT Verlag, 2001, 552 S. (Wolf Raul) 607
Michel Dreyfus u. a. (eds.), Le Siècle des communismes, Paris: Les Éditions de l'Atelier, 2000, 542 S. (Reiner Tosstorff) 610
Paul Lafargue, Essays zur Geschichte, Kultur und Politik. Herausgegeben von Fritz Keller, Berlin: Karl Dietz Verlag, 2002, 392 S. (Stefanie Holuba) 612
Jan Waclav Makhaiski, Le socialisme des intellectuels. Textes choisis, traduits et présentés par Alexandre Skirda, Paris: Les Éditions de Paris, 2001, 332 S. (Charles Jacquier) 614
Karl Kautsky/Leo Trotzki/John Dewey, Politik und Moral. Die Zweck-Mittel-Debatte in der neueren Philosophie und Politik. Mit einer Einlei- tung und einer Bibliographie herausgegeben von Ulrich Kohlmann, Lüneburg: zu Klampen Verlag, 2001, 176 S. (Fritz Keller) 614
Willy Buschak, Edo Fimmen. Der schöne Traum von Europa und die Globalisierung, Essen: Klartext Verlag, 2002, 333 S.
Dieter Nelles, Widerstand und internationale Solidarität. Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) im Widerstand gegen den National-sozialismus, Essen: Klartext-Verlag, 2001, 457 S. (Horst Lauscher) 615
Zeev Sternhell/Mario Sznajder/Maria Asheri, Die Entstehung der faschistischen Ideologie. Von Sorel zu Mussolini, Hamburg: Hamburger Edition, 1999, 410 S.
Zeev Sternhell, Faschistische Ideologie. Eine Einführung. Mit einem Vorwort von Anton Landgraf, Berlin: Verbrecher Verlag, 2002, 127 S. (Wolfgang Braunschädel) 619
Richard Faber, Abendland. Ein politischer Kampfbegriff, Berlin/Wien: Philo Verlagsgesellschaft, 2002, 205 S.
Richard Faber, Das ewige Rom oder: die Stadt und der Erdkreis. Zur Archäologie "abendländischer" Globalisierung, Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann, 2000, 86 S.
Richard Faber, Lateinischer Faschismus. Über Carl Schmitt den Römer und Katholiken, Berlin/Wien: Philo Verlagsgesellschaft, 2001, 115 S.
Dagmar Pöpping, Abendland. Christliche Akademiker und die Utopie der Antimoderne 1900-1945, Berlin: Metropol Verlag, 2002, 310 S. (Wolfgang Braunschädel) 622
Jürgen Simon, Kriminalbiologie und Zwangssterilisation. Eugenischer Rassismus 1920 - 1945, Münster/New York/München/Berlin: Waxmann Verlag, 2001, 356 S. (Sven Steinacker) 626
Michael Wildt, Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes, Hamburg: Hamburger Edition, 2002, 964 S. (Wolfgang Braunschädel) 628
Isabel Heinemann, "Rasse, Siedlung, deutsches Blut". Das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und die rassenpolitische Neuordnung Europas, Göttingen: Wallstein Verlag, 2003, 697 S. (Wolfgang Braunschädel) 631
Holger Berschel, Bürokratie und Terror. Das Judenreferat der Gestapo Düsseldorf 1935-1945, Essen: Klartext Verlag, 2001, 478 S. (Hartmut Rübner) 633
Ulrich Herbert, Geschichte der Ausländerpolitik. Saisonarbeiter, Zwangs- arbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, München: Verlag C.H. Beck, 2001, 442 S. (Marlies Mrotzek) 635
Mark Spoerer, Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz, Stuttgart/München: Deutsche Verlagsanstalt, 2001, 332 S.
Zwangsarbeit in Deutschland 1939-1945. Archiv- und Sammlungsgut, Topographie und Erschließungsstrategien. Hrsg. v. Wilfried Reining- haus und Norbert Reimann, Bielefeld: Verlag für Regional- geschichte, 2001, 288 S.
Jan Erik Schulte, Zwangsarbeit und Vernichtung. Das Wirtschaftsimperium der SS. Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933-1945, Paderborn/München/Wien/Zürich: Ferdinand Schöningh Verlag, 2001, 550 S.
Marlies Mrotzek, Das KZ-Außenlager der Gelsenberg Benzin AG, Fern- wald: Germinal Verlag, 2002, 174 S.
Roland Schlenker, "Ihre Arbeitskraft ist auf das schärfste anzuspannen." Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterlager in Gelsenkirchen 1940 - 1945, Essen: Klartext Verlag, 2003, 144 S.
Valentina Maria Stefanski, Zwangsarbeit in Leverkusen. Polnische Jugend- liche im I. G. Farbenwerk, Osnabrück: fibre Verlag, 2000, 585 S.
Christa Tholander, Fremdarbeiter 1939 bis 1945. Ausländische Arbeits- kräfte in der Zeppelin-Stadt Friedrichshafen, Essen: Klartext Verlag, 2001, 559 S. (Ralf Cassebaum/Liselotte Wendler) 638
Gabriele Hammermann, Zwangsarbeit für den "Verbündeten". Die Arbeits- und Lebensbedingungen der italienischen Militärinternierten in Deutschland 1943 - 1945, Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 2002, 719 S. (Dieter Host) 645
Klaus Hesse/Philipp Springer, Vor aller Augen. Fotodokumente des nationalsozialistischen Terrors in der Provinz. Für die Stiftung Topo- grafie des Terrors, Berlin, herausgegeben von Reinhard Rürup, Essen: Klartext Verlag, 2002, 216 S. (Marlies Mrotzek) 646
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Julia Kristeva, Das weibliche Genie I. Hannah Arendt, Berlin/Wien: Philo Verlagsgesellschaft, 2001, 388 S.
Ralf Kulla, Revolutionärer Geist und republikanische Freiheit. Über die verdrängte Nähe von Hannah Arendt zu Rosa Luxemburg, Hannover: Offizin Verlag, 1999, 125 S. (Karl Klöckner) 688
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Mirjana Stancic, Manès Sperber. Leben und Werk, Frankfurt am Main/Basel: Stroemfeld, 2003, 687 S. (Karl Klöckner) 692
Jean Améry, Werke. Band 2: Jenseits von Schuld und Sühne/Unmeisterliche Wanderjahre/Örtlichkeiten. Herausgegeben von Irene Heidelber- ger-Leonard, Stuttgart: Klett-Cotta Verlag, 2002, 860 S. (Ralf Piorr) 694
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Alexander Kluge, Verdeckte Ermittlung. Ein Gespräch mit Christian Schulte und Rainer Stollmann, Berlin: Merve Verlag, 2001, 139 S.
Christian Schulte/Winfried Siebers (Hg.), Kluges Fernsehen. Alexander Kluges Kulturmagazine, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, 266 S. (Roger Behrens) 697
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Manuel Castells, Das Informationszeitalter. Teil 1: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft, Opladen: Leske + Budrich, 2001, 600 S.; Teil 2: Die Macht der Identität, Opladen: Leske + Budrich, 2002, 442 S.; Teil 3: Jahrtausendwende, Opladen: Leske + Budrich, 2003, 500 S. (Harald Wolf) 706
Christoph Spehr, Die Aliens sind unter uns! Herrschaft und Befreiung im demokratischen Zeitalter, München: Goldmann Verlag, 1999, 320 S.
Christoph Spehr, Gleicher als andere. Eine Grundlegung der Freien Kooperation, Berlin: Karl Dietz Verlag, 2003, 309 S. (Andrea Gabler) 708
Meinhard Creydt, Theorie gesellschaftlicher Müdigkeit. Gestaltungspessimismus und Utopismus im gesellschaftstheoretischen Denken, Frankfurt am Main: Campus Verlag, 2000, 423 S. (Dietmar Richter) 711
Umberto Boccioni, Futuristische Malerei und Plastik (Bildnerischer Dynamismus). Herausgegeben von Astrit Schmidt-Burkhardt, Dresden: Philo Fine Arts, Verlag der Kunst, 2002, 478 S. (Walter Fähnders) 713
Felix Philipp Ingold, Der große Bruch. Rußland im Epochenjahr 1913. Kultur, Gesellschaft, Politik, München: Verlag C.H. Beck, 2000, 645 S. (Walter Fähnders) 715
Hanno Möbius, Montage und Collage. Literatur, bildende Künste, Film, Fotografie, Musik, Theater bis 1933, München: Wilhelm Fink Ver- lag, 2000, 498 S. (Walter Fähnders) 717
Hanno Ehrlicher, Die Kunst der Zerstörung. Gewaltphantasien und Manifestationspraktiken europäischer Avantgarden, Berlin: Akademie Verlag, 2001, 541 S. (Walter Fähnders) 719
Gerhard R. Kaiser/Erika Tunner (Hrsg.), Paris? Paris! Bilder der französischen Metropole in der nicht-fiktionalen deutschsprachigen Prosa zwischen Hermann Bahr und Joseph Roth, Heidelberg: C. Winter Universitätsverlag, 2002, 487 S.
Heinrich Mann, Briefwechsel mit Félix Bertaux 1922-1948. Mit einer Einleitung von Pierre Bertaux. Bearbeitet von Wolfgang Klein (Ge- sammelte Werke in Einzelbänden, hg. von Peter Paul Schneider), Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 2002, 799 S. (Hendrik Weber) 722
Hans Jürgen Degen, Anarchismus in Deutschland 1945-1960. Die Föderation Freiheitlicher Sozialisten, Ulm: Verlag Klemm & Oelschläger, 2002, 439 S. (Wolf Raul) 725
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Michael Werz, Grenzen der Säkularisierung. Zur Entstehung der Ideologiekritik, Frankfurt/Main und Basel: Stroemfeld Verlag, 2000, 217 S.
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Frank Böckelmann, Die Emanzipation ins Leere. Beiträge zur Gesinnungsgeschichte 1960-2000, Berlin/Wien: Philo Verlagsgesellschaft, 2000, 346 S. (Karl Klöckner) 728
Werner Enke, Es wird böse enden, München: Verlag Antje Kunstmann, 2003, 287 S. (Karl Klöckner) 735
Stefan Mächler, Der Fall Wilkomirski. Über die Wahrheit einer Biographie, Zürich: Pendo Verlag, 2000, 366 S.
Daniel Ganzfried, ...alias Wilkomirski. Die Holocaust-Travestie. Enthüllung und Dokumentation eines literarischen Skandals, Berlin: Jüdische Verlagsanstalt Berlin, 2002, 270 S. (Karl Klöckner) 737
Hans G Helms, Musik zwischen Geschäft und Unwahrheit (Musik-Konzepte 111), München: Edition Text + Kritik, 2001, 150 S. (Albrecht Götz von Olenhusen) 738
Jon Savage, England's Dreaming. Anarchie, Sex Pistols, Punk Rock, Berlin: Edition Tiamat, 2001, 543 S. (Hartmut Rübner) 740
Hinweise 741 - 849

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Redaktion
Veröffentlicht am
09.02.2004
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