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Geschichte im Westen 29 (2014)

Titel der Ausgabe 
Geschichte im Westen 29 (2014)
Weiterer Titel 
Geschlecht und Region

Herausgeber
Herausgegeben im Auftrag des Brauweiler Kreises für Landes- und Zeitgeschichte e.V. von Sabine Mecking in Verbindung mit Alfons Kenkmann, Georg Mölich, Christoph Nonn, Barbara Stambolis und Bernd Walter
Erschienen
Essen 2014: Klartext Verlag
Erscheint 
einmal jährlich
ISBN
978-3-8375-1351-6
Anzahl Seiten
232 S.
Preis
22

 

Kontakt

Institution
Geschichte im Westen – Zeitschrift für Landes- und Zeitgeschichte
Land
Deutschland
c/o
Kontaktadresse der Redaktion: Prof. Dr. Sabine Mecking, Philipps-Universität Marburg, FB Geschichte und Kulturwissenschaften, Wilhelm-Röpke-Str. 6 C, 35032 Marburg
Von
Mecking, Sabine

Geschichte im Westen 29 (2014) – Geschlecht und Religion

Editorial

Mit den beiden Schlagworten „Geschlecht“ und „Region“ widmet sich der thematische Schwerpunkt des Hefts einem Wechselspiel von (Identitäts-)Konstrukten. Längst ist aus der Forschung bekannt, wie stark sich die Sozialisation auf die Geschlechteridentität und Geschlechterzugehörigkeit auswirken kann. Aus diesem Grund wird im wissenschaftlichen Sprachgebrauch auch zwischen dem biologischen und sozialen Geschlecht, zwischen sex und gender, differenziert. Aus der Gender-Perspektive sind Geschlechterrollen durch gesellschaftliche Zuschreibungen bestimmt; sie werden durch soziale Interaktionen erlernt und damit konstruiert. Zur ihrer Erforschung sind demnach Rahmenbedingungen und Entwicklungen zu fokussieren, die Geschlechterrollen und das Geschlechterverhältnis prägen, verfestigen oder auch erodieren. Es sind geschlechtsspezifische Orientierungs- und Ordnungsstrukturen des Alltags sowie die damit verbundenen Hierarchisierungen offenzulegen.

Im Verhältnis zur Analysekategorie Geschlecht soll auch der Raum als historischer Wirkungsfaktor berücksichtigt werden. Es ist zu fragen, was „männlich“ oder „weiblich“ zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Räumen heißt und wie diese Zuschreibungen zueinander stehen. In den Mittelpunkt rücken sowohl geografische als auch soziale Räume. Dabei ist nicht nur von Interesse, wie Männer und Frauen sich Räume aneignen und in diesen wirken, vielmehr müssen alle Vergesellschaftungsprozesse grundsätzlich „neu“ betrachtet werden. So verändert sich der Blick auf das Leben, die Arbeitswelt, das Freizeitverhalten etc. Neben der Beschreibung sozioökonomischer Verhältnisse ist insbesondere das geschlechtsspezifische Verhalten zu deuten. Dies betrifft sowohl das Handeln, die Haltung und Selbstverortung des Einzelnen als auch allgemein die Austausch- und Deutungsprozesse, über die sich Gesellschaften konstituieren. Eine solche Untersuchungsperspektive unterstreicht die Relevanz des „subjektiven Faktors“, es geht um die gesellschaftliche und räumlich bedingte Konstruktion von Wirklichkeit. Eine entsprechende Forschungsperspektive bezieht somit die geschlechtsspezifische Sozialisation und Regionalität von Menschen, ihre subjektiven Verortungen in Geschlechterrollen und Räumen ein. Sie markiert eine geschlechtsspezifische Regionalkultur, die es zu untersuchen gilt.

Die in diesem Heft versammelten Studien wollen einen Beitrag zum Verständnis dieser perspektivischen bzw. konstruierten Wirklichkeit leisten. Die Spielräume der Handelnden bei der Gestaltung der Verhältnisse – aus geschlechtsspezifischer und räumlicher Perspektive – werden anhand verschiedener Fallbeispiele herausgearbeitet. Zunächst begibt sich Julia Paulus auf eine regionalgeschichtliche Spurensuche und führt mit ihren konzeptionellen Überlegungen zum Verhältnis der Orientierungskategorien Geschlecht und Region in verschiedene Themen- bzw. Arbeitsfelder ein. Anschließend folgen Fallstudien aus dem Rheinland und Westfalen bzw. Nordrhein-Westfalen. Zumeist lässt bereits ein flüchtiger Blick auf die Akten und Unterlagen in den Archiven erkennen, dass sich genderspezifische Fragestellungen sperrig zum überlieferten Material und dessen Verschlagwortung stellen. Vor welchen Herausforderungen die Geschlechterforschung quellenbedingt steht, aber auch welche Chancen mit ihr verbunden sind, veranschaulicht Erika Münster-Schröer anhand von statistischen Überlieferungen und Feldpostbriefen.

Nils Löffelbein analysiert die „Fürsorge“ für Kriegsinvaliden im Ersten Weltkrieg und zeigt, wie stark die Manifestierung einer dichotomischen Geschlechterordnung staats- und herrschaftsstabilisierend wirkte. In die „Welt“ junger Männer führen dann Martin Dröge und Jürgen Reulecke am Beispiel der Selbstzeugnisse eines Werksstudenten im Ruhrbergbau in den 1920er Jahren bzw. des bündischen „Hortenrings“ in den 1950er und 1960er Jahren ein. Anschließend lenkt Barbara Stambolis den Blick auf Frauen der Kriegskindergeneration des Zweiten Weltkriegs und auf deren Bildungs- und Lebenswege in der frühen Bundesrepublik. Uta C. Schmidt legt für den Arbeitskreis Wissenschaftlerinnen und die ministerielle Netzwerkförderung dar, wie im Bildungs- und Wissenschaftsbereich die Themen Frauenforschung und -förderung nach und nach verschiedene „Räume“ erreichten. Wie hartnäckig sich dabei traditionelle geschlechtsspezifische Orientierungs- und Ordnungsmuster trotz veränderter gesellschaftlicher und rechtlicher Rahmenbedingungen erweisen können, belegt nicht zuletzt auch die Untersuchung von Ute Pascher-Kirsch zur Frauenerwerbstätigkeit im Ruhrgebiet.

Inhaltsverzeichnis

SCHWERPUNKTTHEMA: GESCHLECHT UND REGION

Sabine Mecking
Editorial (S. 7–8)

Julia Paulus
Konzeptionelle Überlegungen zum Verhältnis von Geschlecht und Region (S. 9–21)

Erika Münster-Schröer
Geschlechtergeschichte, die Quellen und der Kontext. Zur Frauenarbeit in Ratingen und zu der Frage „Dürfen Männer weinen?“ (S. 23–46)

Nils Löffelbein
„Aus Krüppelnot empor zum Heldentum!“ Männlichkeitsvorstellungen und Kriegsopferfürsorge in Westfalen und im Rheinland während des Ersten Weltkriegs (S. 47–74)

Martin Dröge
Männlichkeiten im Ruhrbergbau. Die Tagebücher Karl Friedrich Kolbows als Zeugnisse männlicher Identität (S. 75–91)

Jürgen Reulecke
Der „Hortenring“. Jungmännerbündisches im Rhein-Ruhrgebiet in den 1950er und den frühen 1960er Jahren (S. 93–107)

Barbara Stambolis
Weibliche Lebenswege und Lebensentwürfe nach 1945 (S. 109–125)

Uta C. Schmidt
Das Netzwerk Frauenforschung NRW. Ein Beitrag zur Bildungs- und Wissenschaftsgeschichte (S. 127–147)

Ute Pascher-Kirsch
Abschied von der Hausfrauenehe. Aspekte der Frauenerwerbstätigkeit im Ruhrgebiet heute (S. 149–172)

BEITRÄGE AUSSERHALB DES SCHWERPUNKTES

Thomas Schleper
Expositionen über den Ersten Weltkrieg. Zwischenbericht mit Positionierung (S. 173–206)

Georg Mölich
„Köln ist wieder da“ – Facetten des Stadtjubiläums „1900 Jahre Stadt“ im Jahr 1950. Kommunale Identität als Inszenierung (S. 207–221)

TAGUNGSBERICHT

Agnes Weichselgärtner
Region und Geschlecht. Wissenschaftliche Jahrestagung des Brauweiler Kreises für Landes- und Zeitgeschichte e.V., Münster 13.-14. März 2014 (S. 223–228)

ABBILDUNGSNACHWEISE (S. 229–230)

AUTORINNEN UND AUTOREN (S. 231–232)

Weitere Hefte ⇓
Redaktion
Veröffentlicht am
05.01.2015
Beiträger
Klassifikation
Region(en)
Weitere Informationen
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Bestandsnachweise 0930-3286