Geschichte im Westen 38 (2023)

Titel der Ausgabe 
Geschichte im Westen 38 (2023)
Weiterer Titel 
Energieland Nordrhein-Westfalen. Historische Entwicklungen und Perspektiven

Erschienen
Essen 2023: Klartext Verlag
Anzahl Seiten
262 S.
Preis
Jahresabo € 25,00 zzgl. Versandkosten

 

Kontakt

Institution
Geschichte im Westen – Zeitschrift für Landes- und Zeitgeschichte
Land
Deutschland
c/o
Kontaktadresse der Redaktion: Prof. Dr. Sabine Mecking, Philipps-Universität Marburg, FB Geschichte und Kulturwissenschaften, Wilhelm-Röpke-Str. 6 C, 35032 Marburg
Von
Sabine Mecking, Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften, Philipps-Universität Marburg

Energie, ihre grundsätzliche Erforderlichkeit, ihr Vorhandensein, ihre Verfügbarkeit und ihre Nutzung machen sie zu einem zentralen und kontrovers diskutieren Thema in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie steht in engem Zusammenhang mit Innovation, Wissenschaft, Technik, Infrastrukturentwicklung sowie überhaupt mit öffentlicher Daseinsvorsorge und ökonomischer Leistungsfähigkeit. Die Tatsache, dass die Versorgung mit Energie bzw. die Nicht-Versorgung auch als Waffe in politischen und militärische Auseinandersetzungen eingesetzt wurde und wird, ist nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine bekannt. Deutschland ist ein „energiehungriges“ Land. Insbesondere die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen ist sehr energie-intensiv ausgerichtet. Im letzten Jahr wurde dies besonders deutlich, als angesichts ausbleibender russischer Gaslieferungen und der daraus resultierenden drohenden Gasknappheit drastische wirtschaftliche und gesellschaftliche Szenarien skizziert wurden. Obwohl die Situation aufgrund des vergleichsweise milden Winters, kompensierender Energieeinkäufe und erfolgreicher Einsparbemühungen sich dann weniger dramatisch darstellte als befürchtet, kann dennoch nicht von einer vollständigen Entspannung gesprochen werden. Überraschende Löcher in Pipelines oder abgeschaltete Windräder bei stürmischem Wetter verdeutlichen die Sensibilität und Anfälligkeit des Energiesektors. Über- und Unterlastungen in den Stromnetzen und der Energieinfrastruktur stellen technische, ökonomische und politische Herausforderungen dar.

Der diesjährige Zeitschriftenband widmet sich dem Thema in historischer Perspektive und fokussiert dabei politische, wirtschaftliche und umweltrelevante Aspekte der Energiepolitik und -wirtschaft in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus. Der Anteil der einzelnen Energieträger hat sich in den letzten knapp dreihundert Jahren stark verschoben. In vorindustriellen Zeiten waren es vor allem die Ressourcen Wasser und Holz, die als Energiequellen fungierten. In der Industrialisierung deckte Kohle respektive Steinkohle den Energiebedarf. Gas diente zunächst vor allem Beleuchtungszwecken, erst später wurde es als Energieträger in der industriellen Produktion oder auch als Heizstoff eingesetzt. Mit der zunehmenden Motorisierung gewann Mineralöl stark an Bedeutung und es war zudem als Heizöl begehrt. Heute ist die hohe Relevanz der Stromerzeugung offensichtlich und unstrittig. Wie und wo dieser Strom produziert werden soll – etwa in Atomkraftwerken, durch fossile Energieträger oder regenerativ durch Wind und Sonne – führt jedoch zu sehr kontroversen und emotionalen Diskussionen.

Wie die zahlreichen, mit der Energiegewinnung und -versorgung verbundenen Fragen in Nordrhein-Westfalen diskutiert, gelöst oder verschoben wurden, nehmen exemplarisch die Beiträge des diesjährigen Themenschwerpunktes in den Blick. Martin Schlemmer beschreibt zunächst in einem Quellenbericht, wie sich die Landesregierungen in ihren Kabinettssitzungen in den ersten Wahlperioden der Energiefrage annahmen. Christan Möller widmet sich dann dem Braunkohletagebau im Rheinland und rückt dabei neben den Revierplanungen und -kontroversen vor allem die Umweltfolgen in den Mittelpunkt. Henning Türk analysiert den Steinkohlenbergbau vor dem Hintergrund der internationalen Energiepolitik während der Ölkrisen in den 1970er Jahren. Anschließend präsentieren Juliane Czierpka und Jana Lena Jünger die Pfadabhängigkeiten der Steinkohlenförderung im Ruhrgebiet. Sie weisen dabei auch auf drastische Auswirkungen auf die Umwelt hin. Alexandra v. Künsberg und Philipp Wunderlich erörtern historische Unwuchten in der Stromwirtschaft und untersuchen, wie die frühere Koexistenz der Energieriesen RWE und VEW auch noch die gegenwärtige Stromwirtschaft in Nordrhein-Westfalen prägen. Zum Schluss zeichnet Joachim Radkau zentrale Entwicklungslinien der Solarenergie nach und bezeichnet diese als „deutsches Drama“.

Inhaltsverzeichnis

Sabine Mecking
Editorial
S. 7-8

Martin Schlemmer
Die Energiefrage in den Kabinettsprotokollen der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen in den ersten Wahlperioden (1946 – 1958). Ein Quellenbericht
S. 9-49

Christian Möller
Revier im Umbruch. Braunkohletagebau, Umweltfolgen und demokratische Teilhabe im Rheinland
S. 51-78

Henning Türk
Neue Chancen für die Kohle? Der nordrhein-westfälische Steinkohlenbergbau in der internationalen Energiepolitik nach der ersten und zweiten Ölkrise (1973-1980)
S. 79-101

Jana Lena Jünger und Juliane Czierpka
Der lange Schatten der Fördergerüste. Umweltfolgen und Pfadabhängigkeiten der Steinkohlenförderung im Energieland Nordrhein-Westfalen
S. 103-116

Alexandra v. Künsberg und Philipp Wunderlich
Teile und herrsche? Historische Unwuchten und die Frage, wie alte Konflikte der Stromwirtschaft in Nordrhein-Westfalen die Gegenwart prägen
S. 117-130

Joachim Radkau
Das deutsche Drama der Solarenergie: Zwischen Triumph und Tragödie
S. 131-155

Freie Beiträge außerhalb des Themenschwerpunktes

Markus Köster
Zwei Wanderer zwischen vier politischen Welten. Richard Schirrmann, Wilhelm Münker und ihr Jugendherbergswerk
S. 157-175

Sebastian Fleermann
„In Düsseldorf wird durchgegriffen“. Die städtischen Beigeordneten Gustav Reuter, Herbert Haas und Friedrich Odenkirchen und die „Säuberungen“ im Rathaus 1933
S. 177-207

Christoph Lorke
Strukturwandel auf ostwestfälisch? Wirtschaftliche Umbrüche, Krisenwahrnehmung und Krisenmanagement in Gütersloh (1970er – 1990er Jahre)
S. 209-235

Christopher Kirchberg
Was tun, wenn es brennt? Überlegungen zu einer Geschichte der Feuerwehr in Nordrhein-Westfalen
S. 237-254

Tagungsbericht

Fabian Köster
„Energieland Nordrhein-Westfalen – Historische Entwicklungen und Perspektiven“. Wissenschaftliche Jahrestagung des Brauweiler Kreises für Landes- und Zeitgeschichte e.V., Gelsenkirchen 2. und 3. März 2023
S. 255-260

Autorinnen und Autoren
S. 261-262

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