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Geschichte im Westen 30 (2015)

Titel der Ausgabe 
Geschichte im Westen 30 (2015)
Weiterer Titel 
Europa und Region – Nordrhein-Westfalen, Belgien und die Niederlande

Herausgeber
Herausgegeben im Auftrag des Brauweiler Kreises für Landes- und Zeitgeschichte e.V. von Sabine Mecking in Verbindung mit Alfons Kenkmann, Georg Mölich, Christoph Nonn, Barbara Stambolis und Bernd Walter
Erschienen
Essen 2015: Klartext Verlag
Erscheint 
einmal jährlich
ISBN
978-3-8375-1351-6
Anzahl Seiten
225 S.
Preis
25 €

 

Kontakt

Institution
Geschichte im Westen – Zeitschrift für Landes- und Zeitgeschichte
Land
Deutschland
c/o
Kontaktadresse der Redaktion: Prof. Dr. Sabine Mecking, Philipps-Universität Marburg, FB Geschichte und Kulturwissenschaften, Wilhelm-Röpke-Str. 6 C, 35032 Marburg
Von
Mecking, Sabine

Geschichte im Westen 30 (2015) – Europa und Region. Nordrhein-Westfalen, Belgien und die Niederlande

Editorial

Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialbeziehungen orientieren sich im täglichen Leben bisweilen nur wenig an lokalen und nationalen Grenzen. Um die grenznahen Regionen in den europäischen Staaten zu stärken, wurde Anfang der 1990er Jahre das politische Konzept von einem „Europa der Regionen“ populär. Es wertet die Region politisch gegenüber nationalstaatlichen Einheiten und lokalen bzw. kommunalen Ordnungsmustern auf, um regionalen Spezifika und damit den Lebenswirklichkeiten der Menschen besser gerecht zu werden. Mit dem Fokus auf Deutschland bzw. Nordrhein-Westfalen, Belgien und die Niederlande werden im vorliegenden Band sowohl Herausforderungen nationalstaatlicher Nachbarschaft als auch grenzüberschreitende Alltagsprobleme betrachtet. Von Interesse sind politische, ökonomische, gesellschaftliche und kulturelle Dimensionen des deutsch-niederländischen und deutsch-belgischen Verhältnisses im regionalen, nationalen und europäischen Beziehungsgeflecht. So lassen sich am Beispiel Nordrhein-Westfalens mit seinen knapp 18 Millionen Einwohnern und seinen westlichen Nachbarn – Belgien mit mehr als 11 Millionen und die Niederlanden mit fast 17 Millionen Einwohnern – vielschichtige, national bedingte und zum Teil regional relativierte Annäherungs- und Abgrenzungsbestrebungen ausmachen. Um diesen Kooperations- und Exklusionsbestrebungen nachspüren zu können, reicht das Aufdecken von kurz- bis mittelfristigen Wandlungs- und Beharrungstendenzen in der Regel nicht aus. Vielmehr müssen auch langfristige Entwicklungen berücksichtigt werden. Die moderne Regional- und Landesgeschichte bietet hier gute Voraussetzungen zur Überbrückung einer in der Forschung vielfach bemängelten „Mikro-Makro-Lücke“, indem sie Perspektiven von „unten“ und „oben“ verbindet.

In den Beiträgen werden Rechtsfragen, Wirtschaftsbeziehungen, gesellschaftliche Belange und kulturelle Begegnungen im europäischen Nachbarschaftsverhältnis untersucht. Der Raum wird hier als Ergebnis sozialer Beziehungen verstanden. Damit sind es „Grenz-Räume“ wie die Euregios, die Ländergrenzen überschreiten und Europa sinnfällig werden lassen. Friso Wielenga und Jacco Pekelder führen anschaulich in das durch Nähe und Distanz geprägte deutsch-niederländische Verhältnis seit dem Zweiten Weltkrieg ein. Nach den schwierigen Anfangsjahren und einer insgesamt sensiblen Beziehung trat spätestens mit der Osterweiterung der Europäischen Union eine Normalisierung in dem deutsch-niederländischen Verhältnis ein, wenngleich bereits der Größenunterschied zwischen beiden Nachbarstaaten latent Spannungspotenzial birgt. Claudia Hiepel betrachtet am Beispiel der EUREGIO die Region und stellt dar, wie sich die von einem „europäischen Visionär“ angestoßenen, grenzüberschreitenden Strukturen etablierten und erweiterten. Die erste Euregio galt schon bald als Vorreiter für andere Grenzregionen in Europa. Wie sich interregionale bzw. internationale Kooperationen im Grenzraum konkret darstellten, erörtert Hein Hoebink für die Polizei in Nordrhein-Westfalen, Belgien und den Niederlanden. Obwohl die polizeiliche Zusammenarbeit bei der Verkehrsregulierung, Verbrechensbekämpfung und Strafverfolgung zunehmend institutionalisiert wurde, ist die Arbeit der Polizei(en) bis heute stark nationalstaatlich geprägt. Georg Cornelissen legt dann offen, wie nachhaltig nationalstaatliche Homogenisierungsbestrebungen seit dem 19. Jahrhundert die jeweiligen dialekt- und fremdsprachlichen Kenntnisse in deutsch-niederländischen Grenzregionen verringert haben.

Die nachfolgenden zwei Beiträge führen nach Belgien: Der lange Blick vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart von Peter M. Quadflieg zeigt, wie stark politische „Großwetterlagen“ die deutsch-belgischen Wirtschaftsbeziehungen beeinflussten. Christoph Brüll hebt hervor, dass die Geschichtswissenschaft sich bisher kaum der grenzüberschreitenden Kooperation von Belgien und Nordrhein-Westfalen gewidmet hat. Er skizziert Parameter für eine solche historische Analyse und unterstreicht ihr Potenzial. Anschließend blickt Guido Thiemeyer auf das Land Nordrhein-Westfalen und dessen politische sowie institutionelle Verortung in Europa bzw. in der europäischen Politik. Nordrhein-Westfalen, aber auch die anderen Bundesländer unternahmen zum Teil erhebliche Anstrengungen – zunächst für die Montanindustrie und dann ganz allgemein –, um ihren Einfluss im europäischen Mehrebenensystem geltend zu machen.

Die Beiträge lassen erkennen, dass sich mit der Etablierung der Europäischen Union die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Mitgliedsstaaten und Regionen trotz nationalstaatlich bedingter Eigenwilligkeiten zwar erleichtert hat und weitgehend Normalität geworden ist. Dies war aber keine gradlinige Entwicklung und vor allem war es kein Selbstläufer. Neben dem Wunsch auf höchster politischer Ebene zur Annäherung und Kooperation in Europa bedurfte und bedarf es zur Realisierung auf allen Ebenen engagierter Personen und Einrichtungen, die „Europa leben“.

Inhaltsverzeichnis

SCHWERPUNKTTHEMA: EUROPA UND REGION. NORDRHEIN-WESTFALEN, BELGIEN UND DIE NIEDERLANDE

Sabine Mecking
Editorial (S. 7–8)

Friso Wielenga und Jacco Pekelder
Nachbarn in Europa. Die Niederlande und Deutschland 1945–2015 (S. 9–38)

Claudia Hiepel
Europäische Integration ,von unten‘? Alfred Mozer und die Gründung der EUREGIO (S. 39–62)

Hein Hoebink
Polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit von Nordrhein-Westfalen, Belgien und den Niederlanden (S. 63–84)

Georg Cornelissen
Politische Grenzen als Sprachgrenzen. Die deutsch-niederländische Grenze im Westen von Nordrhein-Westfalen (S. 85–100)

Peter M. Quadflieg
„Die geographische Lage hat uns zu Nachbarn gemacht. Eine stetige Zusammenarbeit hat uns zu Partnern gemacht.“ Die deutsch-belgischen Wirtschaftsbeziehungen seit 1945 und die Schlüsselrolle einer Grenzregion (S. 101–126)

Christoph Brüll
Europäische Integration und Europa der Regionen. Überlegungen zur Geschichte der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in den Beziehungen Belgiens und Nordrhein-Westfalens (S. 127–144)

Guido Thiemeyer
Nordrhein-Westfalen und die Entstehung des europäischen Mehrebenensystems 1950–1985 (S. 145–166)

BEITRÄGE AUSSERHALB DES SCHWERPUNKTES

Ulrich Pfeil
Fritz Textor (1911–1988). Von einem „Westforscher“ der zweiten Generation (S. 167–200)

Stefan Mühlhofer
Von der Mahn- und Gedenkstätte zum Erinnerungsort Polizeigefängnis. Überlegungen zur Neukonzeption der Dauerausstellung in der Dortmunder Steinwache (S. 201–216)

TAGUNGSBERICHT

Agnes Weichselgärtner
„Europa der Regionen – Nordrhein-Westfalen und seine Grenzräume“. Wissenschaftliche Jahrestagung des Brauweiler Kreises für Landes- und Zeitgeschichte e.V., Düsseldorf 5.-6. März 2015 (S. 217–224)

Autorinnen und Autoren (S. 225)

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Veröffentlicht am
18.12.2015
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