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1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts 12 (1997), 1

Titel der Ausgabe 
1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts 12 (1997), 1
Weiterer Titel 

Herausgeber
Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts
Erschienen
Köln 1997: Peter Lang/Bern
Erscheint 
erscheint viermal jaehrlich
Url
Preis
DM 15,00 pro Heft (Einzelheft DM 18,00)

 

Kontakt

Institution
1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts
Land
Deutschland
c/o
Sozial.Geschichte Online / Social History Online Stiftung für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts Fritz-Gansberg-Str. 14 28213 Bremen Germany Tel.: (0421) 218-91 25 Fax: (0421) 218-94 96
Von
Mulot, Tobias

Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS

KOMMENTAR
Karl Heinz Roth: Der Splitter im Auge des anderen (Seite 7)

FORSCHUNG
Thomas Fuchs/Krzysztof Wozniak: Auf die Strasse, Brueder! Als Polen, Juden und Deutsche gemeinsam gegen die Unterdrueckung kaempften. Eine Betrachtung der Lodzer Revolution von 1905 aus interkultureller Sicht (Seite 13)
Ron Zeller/Pim Griffioen: Judenverfolgung in den Niederlanden und in Belgien waehrend des Zweiten Weltkriegs. Eine vergleichende Analyse, Teil II (Seite 29)

MISZELLE
Eva Schoeck-Quinteros: Else Lueders (1872-1948): Von der Radikalen zum Oberregierungsrat - Leben und Karriere zwischen Frauenbewegung und buergerlicher Sozialreform in Deutschland (Seite 49)
Doris Foitzik: "Sittlich verwahrlost" Disziplinierung und Diskriminierung geschlechtskranker Maedchen in der Nachkriegszeit am Beispiel Hamburg (Seite 68)

DISKUSSION
Jan Breman: Labour Get Lost: A Late-Capitalist Manifesto. A Stylised Summary and a Critique (Seite 83)

BERICHT AUS DEM AUSLAND
Sergio Bologna: Italienische Jugendzentren (Seite 105)

BUCHBESPRECHUNG
Michael Gruettner, Studenten im Dritten Reich, besprochen von Ralph Jessen (Seite 109)
Gudrun Pischke,"Europa arbeitet bei den Reichswerken" Das nationalsozialistische Lagersystem in Salzgitter, besprochen von Manfred Grieger (Seite 113)
Hanan Ashrawi, Ich bin in Palaestina geboren; Uri Avnery, Zwei Voelker - Zwei Staaten. Gespraech ueber Israel und Palaestina; Reiner Bernstein/Joern Boehme (Hg.), "Ein nationalbewusster Jude muss Linker sein", besprochen von Alexandra Senfft (Seite 116)
David William Cohen, The Combing of History, besprochen von Andreas Eckert (Seite 119)
Franziska Roller, Hilfe als Herrschaft? Ueber den Umgang mit Kranken in einer protestantischen Missionsanstalt, besprochen von Udo Sierck (Seite 122)
Elke Hauschildt "Auf den richtigen Weg zwingen ..." Trinkerfuersorge 1922-1945, besprochen von Wolfgang Ayass (Seite 126)
Thomas Koch, Zwangssterilisation im Dritten Reich. Das Beispiel der Universitaetsfrauenklinik Goettingen, besprochen von Hubert Kolling (Seite 129)
Volker Riess, Die Anfaenge der Vernichtung "lebensunwerten Lebens" in den Reichsgauen Danzig-Westpreussen und Wartheland 1939/40; Zaglada chorych psychicznie w Polsce 1939-1945, Die Ermordung der Geisteskranken in Polen 1939-1945, Sammelarbeit, Red. Zdzislaw Jaroszewski, besprochen von Michael G. Esch (Seite 130)
Frank Hoffer, Perestroika. Die unfreiwillige Zerstoerung des sowjetischen Vergesellschaftungszusammenhangs oder warum das letzte Gefecht verloren ging, besprochen von Hans-Heinrich Nolte (Seite 136)
Wolfgang Hien, Chemische Industrie und Krebs. Zur Soziologie des wissenschaftlichen und sozialen Umgangs mit arbeitsbedingten Krebserkrankungen in Deutschland, annotiert von Heidrun Kaupen-Haas (Seite 138)
Bruno W. Reimann/Renate Hassel, Ein Ernst Juenger-Brevier. Juengers politische Publizistik 1920 bis 1933 - Analyse und Dokumentation, besprochen von Heinrich Senfft (Seite 139)
Johannes Agnoli, Der Staat des Kapitals und weitere Schriften zur Kritik der Politik; Joachim Bruhn/Manfred Dahlmann/Clemens Nachtmann (Hg.), Geduld und Ironie. Johannes Agnoli zum 70. Geburtstag, besprochen von Georg Fuelberth (Seite 143)

NOTIZEN AUS DER WISSENSCHAFTSPOLITIK
Angelika Ebbinghaus/Karsten Linne, Projekt "Edition der Quellen des Nuernberger Aerzteprozesses" (Seite 147)
Thomas Kuczynski, Erinnerung an den alten Rene-Kuczynski-Preis (Seite 154)

ENTGEGNUNG
Hans Wilhelm Eckardt/Hans-Dieter Loose/Claus Stukenbrock, Sind im "Culture War" alle Mittel erlaubt? Eine Erwiderung (Seite 158)
Norbert Finzsch/Stefan Micheler/Jakob Michelsen/Moritz Terfloth, Replik (Seite 159)

SUMMARIES (Seite 160)

AUTORINNEN UND AUTOREN (Seite 164)

REGISTER 1995 UND 1996 (Seite 166)

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SUMMARIES HEFT 1/1997

Thomas Fuchs/Krzysztof Wozniak: Auf die Strasse, Brueder! Als Polen, Juden und Deutsche gemeinsam gegen die Unterdrueckung kaempften

Nach der Niederlage Russlands im Krieg gegen Japan (1904) und der daraus resultierenden innenpolitischen Schwaeche des Zaren Nikolaus II. bildete sich in den Industriezentren des Russischen Imperiums gegen die Macht des St. Petersburger Thrones eine innere Front. Waehrend dieser ersten russischen Revolution kommt es in den Grossstaedten und Industriezentren zu blutigen Kaempfen zwischen Arbeiterverbaenden und Ordnungskraeften des Zaren. In vielen Faellen entwickelten sich unter den aufstaendischen Buergern Kooperationsformen zwischen den Kulturen, die vorher nicht denkbar waren. Das eindrucksvollste Beispiel ist der Lodzer Aufstand. In der damals zaristisch verwalteten polnischen Textilstadt schlossen deutsche, juedische und polnische Fabrikarbeiter, Lohnhandwerker und Arbeitslose fuer kurze Zeit eine Allianz. In dem vorliegenden Beitrag wird diesem besonderen Aspekt der Lodzer Revolution von 1905 nachgegangen. So werden die Bedingungen dieses in seiner Form einmaligen Buendnisses und die Mechanismen, die zu seiner Aufloesung beitrugen, untersucht.

Following the defeat of Russia in the Russio-Japanese War (1904-1905) and the resulting internal political weakness of Tsar Nicholas II, the might of the St. Petersburg Crown was challenged by an inner front in the industrial centres of the Russian Empire. During this first Russian revolution, organized groups of workers met the Tsar's imperial forces in bloody battles fought in the large cities and the industrial centres. In many cases forms of intercultural cooperation developed amongst the rebel groups which would have been unthinkable hitherto. The most impressive example of such intercultural cooperation is the Lodz Revolt. In the Polish textile centre of Lodz, which was at that time under Tsarist administration, German, Jewish and Polish factory workers, day labourers and the unemployed formed a short-lived alliance. In the contribution at hand, this particular aspect of the Lodz Revolt of 1905 is examined. The conditions of this unique form of alliance and the mechanisms which led to its dissolution are examined.

Ron Zeller/Pim Griffioen, Judenverfolgung in den Niederlanden und in Belgien waehrend des Zweiten Weltkriegs

Von den 140.000 juedischen Buergern der Niederlande ueberlebten 104.000 die Besatzungszeit nicht. Dies ist relativ wie absolut die hoechste Anzahl ermordeter Juden in allen westeuropaeischen Laendern. Von den 66.000 Juden in Belgien kamen 25.000 ums Leben. Eine detaillierte Untersuchung der Ursachen dieses auffallenden Unterschieds der Anzahl juedischer Opfer in zwei in vielerlei Hinsicht vergleichbaren benachbarten Staaten gibt es bis heute nicht. Die Autoren diskutieren im ersten Teil ihres Aufsatzes die bisherigen Erklaerungsversuche fuer den hohen Anteil niederlaendischer juedischer Opfer (siehe Heft 3/96). Im zweiten Teil vergleichen sie die Situation in den Niederlanden und in Belgien miteinander, wobei jeweils zwischen den Verfolgern (der Besatzungsmacht), Umgebungsfaktoren (das Verhalten der Behoerden, der nichtjuedischen Bevoelkerung u.a.) und den Opfern (vorwiegend ihre Reaktionen) unterschieden wird. Die Ergebnisse der Untersuchung werden textbegleitend in einer Anzahl Schemata zusammengefasst.

Of the 140.000 Jewish citizens of the Netherlands, 104.000 perished during the National Socialist Occupation: This is relatively and absolutely the highest number of murdered Jews in the whole of Western Europe. Of the 66.000 Jews in Belgium 25.000 died. There has been, as yet, no detailled examination of the roots of this distinct difference in the number of Jewish victims in two states which have a common border and which are in many respects very similar. In the first part of their essay the authors discuss the attempts which have been made to date to explain the high number of Dutch victims. In the second part, they compare the situation in the Netherlands with that in Belgium, whereby for each country a distinction is drawn between the persecutors (the occupying forces), local factors (the behaviour of the authorities and of the non-Jewish population, etc.), and the victims (predominantly their reactions). The results of this examination are presented in a number of schemata which accompany the text.

Eva Schoeck-Quinteros: Else Lueders (1872-1948): Von der Radikalen zum Oberregierungsrat

Biographien von bedeutenden Vertreterinnen der buergerlich-liberalen Frauenbewegung in Deutschland enden in der Forschung meist 1914/18. So auch im Falle von Else Lueders (1872-1948), bekannt als linke Hand von Minna Cauer, als Verfasserin der immer wieder zitierten Selbstdarstellung des radikalen Fluegels der Frauenbewegung und als sozialpolitische Expertin fuer die Arbeiterinnenfrage. Der Lebenslauf und die Karriere von Else Lueders als Mitarbeiterin im Buero fuer Sozialpolitik, dann (Ober)regierungsrat im Reichsarbeitsministerium steht fuer die enge Verflechtung von buergerlicher Sozialreform und Frauenbewegung, die sich auch in der Einflussnahme auf die Gesetzgebung niederschlug. In den Beitraegen von Else Lueders nach 1933 in verschiedenen Zeitschriften (zum Beispiel Soziale Praxis, Reichsarbeitsblatt, Deutsche Kaempferin) wird deutlich, wie sich feministische Ueberzeugungen mit nationalistischem, kolonialistischem und rassistischem Gedankengut vermengt haben, das von Else Lueders schon vor und vor allem waehrend des Ersten Weltkriegs entwickelt wurde. Ihre Stellungnahmen nach 1945 als Mitglied der CDU und der Berliner Frauenausschuesse sowie als stellvertretende Vorsitzende des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands zeigen keinerlei oeffentliches Nachdenken ueber eigene Positionen und Verstrickungen in die nationalsozialistische Ideologie.

In research to date, most biographies of prominent representatives of the bourgeois-liberal women's movement in Germany have ended in the period from 1914 to 1918. This is also the case with that of Else Lueders (1872-1948), well-known as the close associate of Minna Cauer, as the writer of the often quoted self-presentation of the radical wing of the women's movement, and as social policy expert on women and work. Else Lueders' curriculum vitae and her career as a co-worker in the Office of Social Policy, and then as a senior civil servant and a head of department in the Reichs Employment Ministry demonstrate the close interrelationship of bourgeois social reform and the women's movement, which was also evident in the influence they exercised on legislation. In Else Lueders' contributions to various publications after 1933, such as Soziale Praxis, Reichsarbeitsblatt, and Deutsche Kaempferin, clearly show the extent to which her feminist convictions had become interwoven with nationalist, colonialist and racist ideology - a mixture which she had begun to develop before the First World War and which she continued to develop during its course. Her public declarations after 1945 as a member of the CDU and of the Berlin Women's Committee as well as in her role as the Vice President of the Democratic Women's Association of Germany show no trace of public reflection on her own position and her entanglement in National Socialist ideology.

Doris Foitzik, "Sittlich verwahrlost" Disziplinierung und Diskriminierung geschlechtskranker Maedchen in der Nachkriegszeit am Beispiel Hamburg

Der angeblich sprunghafte Anstieg der Geschlechtskrankheiten in den ersten Nachkriegsjahren veranlassten die Hamburger Behoerden und die britische Militaerregierung zu verschiedenen Zwangsmassnahmen, die sich ausschliesslich gegen weibliche Infizierte bzw. gegen Frauen und Maedchen, die im Verdacht der Prostitution standen, richteten. Mit Strassenrazzien, Sistierungen und Zwangsuntersuchungen wurde gegen die jungen Frauen vorgegangen, und ein Gesetzentwurf sah u.a. die Moeglichkeit einer bis zu zweijaehrigen "Arbeitserziehung" fuer 18-25 jaehrige Frauen vor, die in dem Verdacht standen, durch ihren Lebenswandel zur Verbreitung von Geschlechtskrankheiten beizutragen. Am Beispiel der oeffentlichen Diskriminierung und behoerdlichen Sanktionen, denen geschlechtskranke Maedchen und Frauen bereits in den ersten Nachkriegsjahren ausgesetzt waren, wird deutlich, wie bereits vor der gesellschaftlichen Restauration in der Adenaueraera die geschlechtsspezifische Sozialdisziplinierung junger Frauen nach Mustern geschah, die sich ueber die Zeit des Nationalsozialismus hinaus bis in die Sozialpolitik der Weimarer Republik zurueckverfolgen lassen.

The allegedly sharp rise in sexually transmitted deseases in the years immediately following the Second World War led the Hamburg Public Authorities and the British Military Administration to introduce various compulsory measures which were aimed exclusively at females suffering from sexually transmitted diseases and at women and girls who were suspected of prostitution. The young women were subjected to control through such measures as street raids, detention, and compulsory physical examinations, and a law was drafted which, amongst other measures, proposed a period of up to two years "work-reeducation" for those 18-25 year-old women who were suspected of contibuting to the spread of sexually transmitted diseases as result of their way of life. On the basis of this example of the public discrimination and the official sanctions which women and girls suffering from sexually transmitted deseases were subjected to in the immediate post-war years, it becomes clear that the imposition of sex-specific disciplinary measures on young women had begun before the social restoration of the Adenauer era and that this proceeded on the basis of patterns which may be traced back through the National Socialist period to the social policy of the Weimar Republic.

Jan Breman, Labour Get Lost: A Late-Capitalist Manifesto

Ihren fuer das Jahr 1995 verfassten jaehrlichen Weltentwicklungsbericht widmete die Weltbank den Problemen der internationalen Arbeiterklasse. Er liest sich wie ein kapitalistisches Credo: Die Arbeiterinnen und Arbeiter der Welt sollen den Uebergang zu einer vollkommen deregulierten Marktwirtschaft kampflos hinnehmen und verinnerlichen, denn nur auf diese Weise werde es einen neuen globalen Aufschwung geben, an dessen Fruechten sie dann spaeter wieder teilhaben duerften. Breman enthuellt den propagandistisch-ideologischen Zweck dieser Publikation. In der Auseinandersetzung mit Einzelaspekten ihrer arbeitspolitischen Strategie demonstriert der Autor, wie die Weltbank den technokratischen Pragmatismus der 1970er und 1980er Jahre zugunsten eines postmodern gestylten Sozialdarwinismus aufgegeben hat.

The 1995 annual world development report of the World Bank is dedicated to the problems of the international working class. It reads like a capitalist credo: the workers of the world are to accept and espouse a transition to a fully deregulated market economy without so much as a murmur, because it is only in this way that a new global boom can be set in motion, a boom of which the workers may later enjoy (some) of the fruits. Breman exposes the propaganda and ideological purposes of this publication. In a critical examination of particular aspects of its labour policy strategies, the author demonstrates how the World Bank has relinquished the technocratic pragmatism of the 1970s and 1980s in favour of a post-modern style social-Darwinism.

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Redaktion
Veröffentlicht am
25.02.1997
Autor(en)
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Bestandsnachweise 0930-9977