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1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts 12 (1997), 3

Titel der Ausgabe 
1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts 12 (1997), 3
Weiterer Titel 

Herausgeber
Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts
Erschienen
Köln 1997: Peter Lang/Bern
Erscheint 
erscheint viermal jaehrlich
Url
Preis
DM 15,00 pro Heft (Einzelheft DM 18,00)

 

Kontakt

Institution
1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts
Land
Deutschland
c/o
Sozial.Geschichte Online / Social History Online Stiftung für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts Fritz-Gansberg-Str. 14 28213 Bremen Germany Tel.: (0421) 218-91 25 Fax: (0421) 218-94 96
Von
Mulot, Tobias

Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS

KOMMENTAR
Amos Wollin: Neue Gefahren im Nahen Osten (Seite)

FORSCHUNG
Gerlinde Grahn: Die Enteignung des Vermoegens der Arbeiterbewegung und der politischen Emigration 1933 bis 1945 (Seite 13)

MISZELLE
Gerhard Fuermetz: "Betrifft: Sicherheitszustand" -Kriminalitaetswahrnehmung und Stimmungsanalysen in den Monatsberichten der bayerischen Landpolizei nach 1945 (Seite 39)

DISKUSSION
Heinrich Senfft: Hannah Arendts "Eichmann in Jerusalem" im Licht der Goldhagen-Debatte (Seite 55) Brigitte Reinwald: Weiblichkeitsbilder - Geschlechtergeschichte? Historische Perspektiven afrikabezogener Frauenforschung (Seite 76)

BUCHBESPRECHUNG
Sonia Combe: Archives interdites. Les peurs francaises face a l'Histoire contemporaine, besprochen von Karl Heinz Roth (Seite 97) Klaus-Michael Mallmann: Kommunisten in der Weimarer Republik. Sozialgeschichte einer revolutionaeren Bewegung, besprochen von Joachim Schroeder (Seite 99) Michael Hepp/Viktor Otto (Hg.): "Soldaten sind Moerder". Dokumentation einer Debatte 1931-1996, besprochen von Heinrich Senfft (Seite 101) Detlef Nakath/Gerd-Ruediger Stephan: Countdown zur deutschen Einheit. Eine dokumentierte Geschichte der deutsch-deutschen Beziehungen 1987-1990, besprochen von Jörg Roesler (Seite 103) Paco Ignacio Taibo II/Froilan Escobar/Felix Guerra: Das Jahr, in dem wir nirgendwo waren. Ernesto Che Guevara und die afrikanische Guerilla, besprochen von Karsten Linne (Seite 105) Terje Halvorsen: Mellom Moskva og Berlin. Norges Kommunistiske Parti under ikke-angreppspakten mellom Sovjet-Unionen og Tyksland 23. august-22. juni 1941, besprochen von Alexander Kan (Seite 108) John Woodward/Robert Juette (Hg.): Coping with Sickness. Historical Aspects of Health Care in a European Perspective, Bd. 1, History of Medicine, Health and Disease Series 1, besprochen von Heidrun Kaupen-Haas (Seite 111) Jochen Cerny: Restbourgeoisie und Staatskapitalismus in der DDR, besprochen von Rainer Karlsch (Seite 113) Joerg Gutberger: Volk, Raum und Sozialstruktur. Sozialstruktur-und Sozialraumforschung im "Dritten Reich", besprochen von Carsten Klingemann (Seite 115) •Heinz-Gerhard Haupt/Juergen Kocka (Hg.): Geschichte und Vergleich. Ansaetze und Ergebnisse international vergleichender Geschichtsschreibung, besprochen von Norbert Finzsch (Seite 118) Nuto Revelli: Der verschollene Deutsche. Tagebuch einer Spurensuche, besprochen von Guenther Gerlach (Seite 120)

KONGRESS
Leonie Wagner Nach der Kristallnacht ... Juden und Judenpolitik in Frankfurt am Main 1938-1945. Ein Symposium des Fritz-Bauer-Instituts (Seite 126) Christiane Streubel: 100 Jahre Frauen in der Wissenschaft (Seite 128)

GRATULATION
Georg Fuelberth: Dieter Fricke zum 70. Geburtstag (Seite 133) Auszeichnung des Verbandes tschechischer Widerstandskaempfer für Herma Roemer (Seite 135)

SUMMARIES
Gerlinde Grahn: Die Enteignung des Vermoegens der Arbeiterbewegung und der politischen Emigration 1933 bis 1945

Die Organisationen der Arbeiterbewegung hatten sich seit Ende des vergangenen Jahrhunderts eine materielle Grundlage ihrer politischen Taetigkeit geschaffen. Finanziert waren diese aus den Mitgliedsbeitraegen sowie aus Schenkungen begueterter Mitglieder oder von Sympathisanten. In der Zeit der Weimarer Republik gelang es den Organisationen, diese Basis auf- bzw. auszubauen und relativ stabil zu gestalten. Die mit beiden Arbeiterparteien verbundenen Organisationen verfuegten zum Teil ueber ein erhebliches Vermoegen an Grundstuecken, Gebaeuden und deren Ausstattung. Der erste Schlag zur Enteignung des Vermoegens einer Organisation der Arbeiterbewegung traf die KPD am 23. Februar 1933. Am 2. Mai 1933 wurden alle wichtigen Gebaeude des ADGB und der Einzelgewerkschaften von SA- und SS-Trupps besetzt und die Verbandsvorsitzenden und Bezirkssekretaere verhaftet. Mit dem Gesetzespaket vom 14. Juli 1933, das die Gesetze gegen die Neubildung von Parteien, ueber die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermoegens und über den Widerruf von Einbuergerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehoerigkeit beinhaltete, war die NS-Fuehrung um eine formaljuristische Bemaentelung des Vorgehens gegen die Organisationen der Arbeiterbewegung, linksbuergerliche Vereinigungen, ihr Eigentum und diesen Organisationen angehoerende Personen bemueht. Ergebnis der NS-Herrschaft waren neben der psychischen und politischen Unterdrueckung bis hin zur Vernichtung die Zerstoerung der materiellen Grundlagen der Organisationen und Persoenlichkeiten der Arbeiterbewegung. Ihr Vermoegen wurde den Einrichtungen des NS-Staates, u.a. den Konzentrationslagern der Nazipartei und ihren Nebenorganisationen uebereignet.

The organizations of the workers' movement had created a material basis for their political activities since the end of the last century. This was financed by subscriptions and by donations from better-off members and sympathisers. In the period of the Weimar Republic the organizations succeeded in consolidating and extending this basis and were able to give it a relatively stable form. The organizations connected with the two workers' parties had control of quite large resources in the form of buildings, premises and their fixtures and fittings. The first move towards an expropriation of the property of a workers' movement organization hit the Communist Party of Germany on the 23rd of February, 1933. On the 2nd of May, 1933, all the most important buildings of the General German Trade Union Council and the individual trade unions were occupied by SA- and SS-troops and the chairpersons of the associations and the district union officers were arrested. In the statutory measures passed on the 14th of July, 1933, which contained the laws forbidding the formation of new political parties, seizing the property of organizations hostile to the state and to the German people, rescinding the German citizenship granted to some and depriving others of their German citizenship, the National Socialist leadership intended primarily to cloak their move against the organizations of the workers' movement, leftist popular associations, their property and members in a formal legal procedure. The results of the National Socialist hegemony were - together with psychic and political suppression even to the point of annihilation of individuals and organizations - the destruction of the material basis of the organizations and personalities of the workers' movement; the transfer of their property to the organs of the NS state - among them the concentration camps - and to the Nazi party and its subsidiary organizations; and the personal enrichment of its functionaries.

Gerhard Fuermetz: "Betrifft: Sicherheitszustand" Kriminalitaetswahrnehmung und Stimmungsanalysen in den Monatsberichten der bayerischen Landpolizei nach 1945

Polizeiliche Lage und Stimmungsberichte bieten einen reichen Materialfundus für Alltags , Sozial und Kriminalitaetshistoriker. Sie setzen allerdings ein hohes Maß an quellenkritischem Analysepotential voraus. Am Beispiel von Monatsberichten der bayerischen Landpolizei aus den spaeten vierziger und fruehen fuenfziger Jahren wird gezeigt, wie Texte, die "Herrschaftswissen" transportieren, von ihren Verfassern und ihren Rezipienten instrumentalisiert und funktionalisiert werden. Zugleich sind sie als Ausdruck einer buerokratisierten, hierarchischen Praxis zu werten, die an mancher Stelle zum Selbstzweck gerannen und dadurch zumindest teilweise kontraproduktiv wirkten. Inhaltlich lassen sich nicht nur selektive Wahrnehmungsmuster von Kriminalitaet herausfiltern, sondern auch Rueckschluesse auf das polizeiliche Selbstverstaendnis ziehen. Durch die Portraetierung von vermeintlich besonders hartnaeckigen "Sicherheitsstoerern", etwa Auslaendern und "Zigeunern", reproduzierten die Polizeiberichte virulente Stereotypen und verfestigten auf diese Weise latente "Bilder in den Koepfen". Deshalb taugen sie nur bedingt als Indikator der Nachkriegskriminalitaet und "Ohr am Volk", sondern illustrieren statt dessen das Verhaeltnis von gesellschaftlicher Nonkonformitaet und polizeilichem Normierungsanspruch.

Police reports on the general situation and atmosphere in a federal state offer a rich source of material for historians interested in everyday life, in social matters and in criminal history. The analysis of such reports, however, demands considerable critical faculties on the part of the historian. Using the example of the monthly reports of the Bavarian Police Force from the late forties and early fifties, this contribution shows how texts which transport "knowledge gained through the possession and exercise of power" were instrumentalized and functionalized both by those who wrote them and by those who read them. They are, at the same time, to be evaluated as an expression of a bureaucratic, hierarchical praxis, which to some extent ends in itself and thus, at least in part, became counterproductive. As regards content, it is possible not only to extract information on the selective conceptualization of criminality on the part of the police force but also to draw conclusions as to its concept of self. Through the portrayal of those who were taken to be particular threats to internal order, such as foreigners or "gypsies", the police reports reproduce virulent stereotypes and thus reinforce latent mental images. They are therefore of only limited utility as an indicator of postwar criminality and of the finger on the pulse of the general population, and tend rather to illustrate the relationship between social non-conformity and the normative demands of the police force.

Heinrich Senfft: Hannah Arendts "Eichmann in Jerusalem" im Lichte der Goldhagen-Debatte

In der Aufregung ueber Daniel Goldhagens "Hitlers willige Vollstrecker", die sich in der Kontroverse über die Wanderausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht spiegelbildlich fortsetzte, fielen fast nebenbei gelegentlich auch der Name Hannah Arendts und der laengst zum Schlagwort gediehene Untertitel ihres Buches "von der Banalitaet des Boesen". Hannah Arendt schrieb ueber die "Schreibtischtaeter", Daniel Goldhagen ueber die Taeter, die Menschen eigenhaendig umgebracht haben. Der Beitrag handelt vom Wiederlesen Hannah Arendts nach 33 Jahren, von der damaligen weltweiten Kontroverse und der Frage, ob es denn wahr oder auch nur moeglich ist, dass sich Leute wie Eichmann "affektiv neutral" verhielten, als sie den millionenfachen Mord organisierten, ob Leute wie Eichmann tatsaechlich nur Buchhalter des Massenmordes waren. Der Aufsatz untersucht auch, ob die These wahr ist, daß Deutsche "kadavergehorsam" nur Befehlen folgten - oder ob es nicht wahr sein koennte, daß sie auch ohne oder gar - insbesondere bei den vor allem von Goldhagen geschilderten Todesmaerschen - gegen ausdrueckliche Befehle quaelten und ermordeten.

In the furore surrounding Daniel Goldhagen's "Hitler's willing perpetrators" - which continued as a mirror image in the controversy over the touring exhibition on the war crimes commited by the German Armed Forces - the name of Hannah Arendt was occasionally and almost casually mentioned together with the subtitle of her famous book from the 1960s, which has since assumed the character of a slogan: "the banality of evil". Hannah Arendt wrote on the "administrative murderers", who killed at arm's lengths; Daniel Goldhagen, about the murderers who killed with their own hands. This contribution is on a re-reading of Hannah Arendt's book after a gap of 33 years, on the worldwide controversy that it provoked upon its first publication and on the question of whether it is true - or even possible - that people such as Eichmann behaved in an affectively neutral manner as they organized the murder of those many millions of people, whether it is indeed true that people such as Eichmann were simply the bookkeepers of this mass murder. The paper also examines whether the thesis is correct that Germans simply followed orders blindly or whether they did - particularly in the death marches described by Goldhagen - also torture and murder people against the express orders of their superiors.

Brigitte Reinwald: Weiblichkeitsbilder - Geschlechterbilder? Historische Perspektiven afrikabezogener Frauenforschung

Die wissenschaftliche Forschung hinsichtlich außereuropaeischer Frauen ist, wie sich anhand wiederholter Paradigmenwechsel waehrend der letzten (und ersten) 25 Jahre zeigen laesst, durch die jeweiligen Erkenntnisinteressen und Selbstkonzeptionen der (ueberwiegend) europaeischen und nordamerikanischen ForscherInnen dynamisiert worden. Dies hat im positiven Sinne zur kontinuierlichen Rekonzeptualisierung von Analysekonzepten geführt. Entlang eines historischen Abrisses der afrikabezogenen Frauenforschung wird gezeigt, wie das Interesse an den Frauen in den Kolonien in den 1930er Jahren parallel zur Diskussion der europaeischen "Frauenfrage" entstand, wie der "weibliche Faktor" in den 1970er Jahren als Forschungsgegenstand konstituiert und aus der "Nebenwiderspruchsthese" herausgeloest wurde und wie in den 1980er Jahren die gender-Forschung neue Akzente in den Sozialwissenschaften setzte. Die Forderung nach einer partizipatorischen Forschung, welche sich an den Eigenerfahrungen der Forschungssubjekte orientiert, wurde bislang allerdings bis auf wenige Ausnahmen kaum eingeloest.

The impetus in academic research with regard to women outside Europe has come, as may be seen from the repeated changes in the paradigm during the last (and first) 25 years, from the respective interests which have led the search for knowledge and from the concepts of self of the (predominantly) European and North American researchers, both male and female. This has lead to a continuous reconceptualisation of the concepts underlying the analysis, in a positive sense. Using a historical sketch of feminist research related to Africa it is here shown how, in the 1930s, interest arose in women in the colonies parallel to the discussion on the European issue of women's rights, how the "weibliche Faktor" ("female factor") was constituted during the 1970s as a research object and was divorced from the "Nebenwiderspruchsthese" ("theory of secondary contradiction") and how gender research in the 1980s set new trends in the social sciences. The demand for participatory research, oriented to the experience of the research subject, has, however, with a very few exceptions, not yet been realized.

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Redaktion
Veröffentlicht am
02.09.1997
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Region(en)
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Bestandsnachweise 0930-9977