test Sozial.Geschichte 18 (2003), 3 | H-Soz-Kult. Kommunikation und Fachinformation für die Geschichtswissenschaften | Geschichte im Netz | History in the web

Sozial.Geschichte 18 (2003), 3

Titel der Ausgabe 
Sozial.Geschichte 18 (2003), 3
Weiterer Titel 
Migrationsgeschichte; "Endlösung" in Frankreich; "Generalplan West"; Geschichte des Operaismus

Herausgeber
Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts, Bremen
Erschienen
Bern 2003: Peter Lang/Bern
Erscheint 
3 Ausgaben pro Jahr
Anzahl Seiten
189 Seiten
Preis
Einzelheft 12,30 EUR; Abonnement 34 EUR

 

Kontakt

Institution
Sozial.Geschichte. Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21. Jahrhunderts
Land
Deutschland
c/o
Sozial.Geschichte Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21. Jahrhunderts Fritz-Gansberg-Str. 14, D-28213 Bremen Tel.: (0421) 218-91 25 Fax: (0421) 218-94 96
Von
Redaktion Sozial.Geschichte Sozial.Geschichte@brainlift.de

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

das neue Heft von Sozial.Geschichte, Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21. Jahrhunderts ist so eben erschienen. Sozial.Geschichte ist die Neue Folge von 1999. Sie können die Zeitschrift im Buchhandel, direkt über den Verlag (http://www.peterlang.net) oder über die Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts (http://www.stiftung-sozialgeschichte.de) bestellen. Weitere Informationen zur Zeitschrift und den Themenredaktionen von Sozial.Geschichte finden Sie ebenfalls auf unserer Homepage http://www.stiftung-sozialgeschichte.de

Inhaltsverzeichnis

FORSCHUNG

Dirk Hoerder:
"Nützliche Subjekte" - Fremde - Mittler zwischen den Kulturen: Migration und Transkulturalität in Europa 1600-1914

Summary:
In der wissenschaftlichen Forschung wie in den öffentlichen Diskursen werden die europäischen und die nordamerikanische Gesellschaften einander als Aus- und Einwanderungsländer gegenübergestellt. Diese ideologisch motivierte Interpretation entsprach nie den empirischen Daten. In diesem Beitrag werden die innereuropäischen Wanderungen in einen transatlantischen und teilweise globalen Kontext eingeordnet, wobei die nationalstaatliche Perspektive durch eine transeuropäische beziehungsweise regionale Perspektive ersetzt wird. Hoerder geht auch auf die Terminologie und Paradigmenwechsel in der Forschung ein. Im zweiten Teil stellt er die europäischen Migrationstraditionen vor 1800 dar und vergleicht sie mit dem multi-ethnischen Staatsaufbau des Osmanischen Reiches ebenso wie die wichtigsten innereuropäischen, transkontinentalen und transatlantischen Migrationssysteme des 19. Jahrhunderts miteinander. Die Bedeutung der Konstruktion von Nationalstaaten und Nationalismus für die mobilen urbanen Bevölkerungen bewertet Hoerder kritisch.
In academic research and in public discourse, European and North American societies are usually contrasted as regions of emigration and immigration. However, this ideologically motivated interpretation never reflected empirical data. This contribution locates the diverse migrations within Europe into a transnational and partially global context. The traditional nation-state perspective is being replaced by a transeuropean - indeed regional perspective. The author also goes into the terminology and the developments of paradigm in research. He then describes the traditions of migration in Europe and compares them with the multi-ethnic state-building of the Ottoman empire. The major intra-European, transcontinental and transatlantic migration systems of the 19th century are also introduced and compared with each other. The author expresses a critical view about the impact of nation states and nationalism on the mobile, urban population.

Ahlrich Meyer:
Der Beginn der "Endlösung" in Frankreich - offene Fragen

Summary:
Die Deportation der Juden aus Frankreich begann früher als im übrigen Westeuropa. Ausgehend von diesem Faktum, untersucht der Beitrag drei Ereigniszusammenhänge, die für den Beginn der "Endlösung" in Frankreich wie für die Entscheidungen im nationalsozialistischen Machtzentrum gleichermaßen aufschlussreich sind. Zugleich bietet er eine kritische Revision der vorliegenden deutschsprachigen Literatur zum Thema und benennt die wichtigsten Forschungsdesiderate. Bereits Mitte September 1941 sagte Himmler zu, die in Frankreich internierten Juden baldmöglichst "nach dem Osten" "abzuschieben". Hierbei spielten die Initiativen der Deutschen Botschaft in Paris ebenso eine Rolle wie die Vorgaben der deutschen Militärverwaltung, die seit dem Frühjahr 1941 Verhaftungen und Lagerinternierungen von Juden im besetzten französischen Gebiet hatte durchführen lassen. Die ersten Transporte nach Auschwitz ab März 1942 wurden vom Militärbefehlshaber im Rahmen von "Sühnemaßnahmen" angeordnet. Waren sie bereits Bestandteil des "Endlösungsprogramms" oder sind sie unabhängig davon zu sehen? Was wußten die deutschen Stellen in Frankreich im Zeitraum 1941/42 über die Massenvernichtung im Osten? In der Forschung konnte bislang nicht geklärt werden, ob Heydrich bei seinem Besuch in Paris Anfang Mai 1942 die Dimension der "Endlösung", wie sie auf der Wannsee-Konferenz besprochen wurde, gegenüber hochrangigen deutschen Militärs offengelegt hat.

The deportation of Jews from France began earlier than in the rest of Western Europe. Based on this fact, the author of this contribution analyses three interconnected events, which are instructive as much for the beginning of the Final Solution as for the decisions made in the center of power by the National Socialists. He also offers a critical revision of the available German literature on the subject, and lists the most important derivatives of research. As early as mid-September 1941, Himmler confirmed that Jews interned in France would be deported 'towards the East' as soon as possible. In this the initiatives of the German embassy in Paris played a part every bit as vital as the directives of the German military administration - both of which had enforced arrests and camp internments of Jews in occupied French territory. The first transports to Auschwitz, starting in March 1942, were ordered by the military commander in the context of the 'atonement' measures. Were they already part of the 'Final Solution Programme' or are they to be seen independently? What did the German authorities in France know about the mass extermination in the East during the period of 1941/42? To date, research has not been able to prove whether Heydrich during his visit to Paris at the beginning of May 1942 revealed to high-ranking German officers the dimension of the Final Solution as it was discussed at the Wannsee conference.

DOKUMENTATION
Peter Schöttler:
Eine Art 'Generalplan West': Die Stuckart-Denkschrift vom 14. Juni 1940 und die Planungen für eine neue deutsch-französische Grenze im Zweiten Weltkrieg

Summary:
Nach dem überraschend schnellen Zusammenbruch des militärischen Widerstands im Frühsommer 1940 wurde Frankreich von den Deutschen durch fünf Grenzziehungen zerstückelt. Als besonders rätselhaft galt dabei den Zeitgenossen wie später den Historikern die sogenannte Nord-Ost-Linie, die an der Mündung der Somme in den Ärmelkanal begann, am Nordrand des Pariser Beckens verlief, in den Argonnen nach Süden abbog, in der Mitte der Bourgogne auf die Demarkationslinie zur unbesetzten Zone stieß und mit dieser gemeinsam die Schweizer Grenze erreichte. Ihr Verlauf ging auf eine in der Umgebung des Innen-Staatssekretärs Wilhelm Stuckart verfasste Denkschrift zurück, in der zusätzlich zu den de facto einverleibten Gebieten Elsaß, Lothringen und Luxemburg die Annexion des gesamten östlichen Frankreich gefordert wurde.
Obwohl an entlegenen Stellen schon in kurzen Auszügen publiziert, galt diese Denkschrift vom 14. Juni 1940 bis heute als verschollen. Sie wird hier erstmalig ungekürzt präsentiert und in ihren Kontexten erläutert. Das strategische Ziel, den französischen "Erbfeind" entscheidend zu schwächen und auf seine spätmittelalterliche Grenze zu reduzieren, hätte im Fall seiner Realisierung die Deportation von Millionen Menschen zur Folge gehabt. Trotz vielfältiger Unterschiede zu den völkermörderischen Konsequenzen des "Generalplans Ost" erscheint es deshalb angebracht, von einer Art "Generalplan West" zu sprechen, der in diesem Fall von den ministeriellen Experten der "Volkstumspolitik" selbst verfasst wurde und sich der Zuarbeit der Geographen und Historiker der "Volksforschung" bediente.

Following the unexpectedly swift collapse of the Frensh military resistance in the early summer of 1940, the Germans divided France using five borders. For contemporaries as well as later historians the so called North-East-Line remained a mystery. It started where the Somme flows into the English Channel, running along the northern rim of the Paris basin, bending to the south in the Argonnes. In the middle of the Bourgogne the line of demarcation met the unoccupied zone before finally reaching the Swiss border. Its route goes back to a memorandum that was written by someone in the vicinity of the permanent secretary of the interior, Wilhelm Stuckart. In addition to the de facto annexed regions of Alsace, Lorraine and Luxembourg, the memorandum demanded the annexation of the entire East of France. Although short excerpts were printed in obscure places, this memorandum of 14 June 1940 was until recently considered lost. For the first time it will be presented here at full length along with explanations about the contexts. The strategic aim of weakening the French "Arch-Fiend" decisively and to reduce France to its late medieval borders would have meant the deportation of millions of people. In spite of the many contrasts with the genocidal consequences of the "General Plan East", it seems appropriate here to speak of a 'General Plan West', which in this case was written by the ministerial experts of the 'National Traditions Policy' themselves, using the assistance of geographers and historians of the 'Folklore Research'.

DISKUSSION
Sergio Bologna:
Der Operaismus als Objekt der historischen Forschung

Summary:
Anlass für diesen Diskussionsbeitrag sind die ersten beiden historischen Arbeiten über den Operaismus, eine außerparlamentarische soziale Bewegung Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre in Italien, die auch äußerst interessante intellektuelle Facetten hatte. Es handelt sich um das von Guido Borio, Francesca Pozzi und Gigi Roggero herausgegebene Buch Futuro Anteriore. Dai 'Quaderni Rossi' ai movimenti globali: ricchezze e limiti dell'operaismo italiano sowie die Arbeit Storming Heaven. Class composition and struggle in Italian Autonomist Marxism von Steve Wright, wobei sich Bologna vor allem auf das letztere bezieht. Bolognas Beitrag ist allerdings mehr als eine Buchbesprechung, denn als einer der ehemaligen theoretischen Köpfe des Operaismus reflektiert er diese Untersuchungsergebnisse mit seinem Wissen und seinen persönlichen Erfahrungen vor dem Hintergrund der damaligen politischen Situation in Italien, der Situation in den Fabriken - insbesondere in der Automobilindustrie - und den intellektuellen Debatten. Thematisiert werden neben der Vorgeschichte des Operaismus vor allem das politische Selbstverständnis dieser Bewegung, ihr Verhältnis zu den Arbeiterkämpfen Ende der 60er Jahre wie ihre vielfältigen intellektuellen Bezugspunkte.

This essay discusses the first two historical works about 'workerism' (Operaism). Operaism was an extraparliamentary social movement at the end of the 1960s and the beginning of the '70s in Italy which contained some very interesting intellectual facets. The subject of this contribution are Futuro Anteriore. Dai 'Quaderni Rossi' ai movimenti globali: ricchezze e limiti dell'operaismo italiano, a book edited by Guiod Borio, Francesca Pozzi and Gigi Roggero, and Storming Heaven. Class composition and struggle in Italian Autonomist Marxism by Steve Wright. The author focuses mostly on the latter piece of work. His contribution is much more than a book review, however. As one of the former theoretical heads of Operaism, he analyses the books' findings with his own knowledge and personal experiences against the background of the political situation in Italy at the time, the situation in the factories - especially the automobile industry - and the intellectual debates. He not only explains the past history of operaism but also describes how the movement saw itself politically, its relationship to the workers' struggle at the end of the 1960s and its diverse intellectual points of reference.

Dieter Nelles:
Die Rehabilitation eines Gestapo-Agenten: Richard Krebs/Jan Valtin

Summary:
Die Biographie von Ernst Waldenfels über den ehemaligen Kominternfunktionär Richard Krebs alias Jan Valtin, der 1941 seine Memoiren in Romanform unter dem Titel "Out of the Night" veröffentlichte, hat eine große und positive Resonanz in der Presse gefunden.
Der Autor zeigt, dass Waldenfels zwar viel Phantasie bei der Erschließung neuer Quellen gezeigt hat, aber im deutlichen Kontrast dazu steht seine mangelnde Sorgfalt bei der Interpretation der Quellen und der Rezeption der Sekundärliteratur. Dies zeigt sich besonders an der Tatsache, dass Krebs' mit der Gestapo zusammengearbeitet hat, was von Waldenfels bestritten wird. Der Autor zeigt, dass es sich bei 'Out of the Night' keineswegs um ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument handelt, sondern soweit die Fakten des Buches überprüfbar sind, um eine verzerrte Darstellung der historischen Realität.

Ernst Waldenfels's biography of the former Comintern functionary Richard Krebs, alias Jan Valtin, who published his memories 1941 in form of a novel titled Out of the Night, received a considerable and positive response in the media. The author shows that Waldenfels developed great imagination in opening up new sources, but worked carelessly when it came to interpreting the sources and adopting secondary literature. This can clearly be seen by the fact that Krebs cooperated with the Gestapo - an assertion which Waldenfels contests. Out of the Night, the author reveals, is by no means a valuable contemporary document but rather - in as far as the facts in the book can be verified - a misrepresentation of historical reality.

BUCHBESPRECHUNGEN

Elazar Barkan: Völker klagen an. Eine neue internationale Moral, besprochen von Jürgen Zimmerer

Stuart E. Eizenstat: Unvollkommene Gerechtigkeit. Der Streit um die Entschädigung der Opfer von Zwangsarbeit und Enteignung. Mit einem Vorwort von Elie Wiesel, besprochen von Jan Surmann

Susanne Heim (Hg.): Autarkie und Ostexpansion. Pflanzenzucht und Agrarforschung im Nationalsozialismus, besprochen von Rüdiger Hachtmann

Jens-Christian Wagner: Produktion des Todes. Das KZ Mittelbau-Dora, besprochen von Rainer Eisfeld

Alexandra-Eileen Wenck: Zwischen Menschenhandel und "Endlösung": Das Konzentrationslager Bergen-Belsen, besprochen von Jörg Wollenberg

Sabine Moller/Miriam Rürup/Christel Trouvé (Hg.): Abgeschlossene Kapitel? Zur Geschichte der Konzentrationslager und der NS-Prozesse, besprochen von Jens Christian Wagner

Markus A. Weingardt: Deutsche Israel- und Nahostpolitik. Die Geschichte einer Gratwanderung, besprochen von Wolfgang G. Schwanitz

Michael Burleigh: Tod und Erlösung. Euthanasie in Deutschland 1900-1945, besprochen von Angelika Ebbinghaus

ANNOTATIONEN

Hans-Ulrich Seidt: Berlin - Kabul - Moskau. Oskar Ritter von Niedermayer und Deutschlands Geopolitik (K.H.R.); Jan Kuhlmann: Subhas Chandra Bose und die Indienpolitik der Achsenmächte (W.G.S.); Lew Besymenski: Stalin und Hitler. Das Pokerspiel der Diktatoren (K.H.R.); Lothar Kettenacker (Hg.): Ein Volk von Opfern ? Die neue Debatte um den Bombenkrieg 1940-45 (A.E.); Robert Castel: Die Metamorphosen der sozialen Frage: eine Chronik der Lohnarbeit (L.P.); Niels Hansen: Aus dem Schatten der Katastrophe. Die deutsch-israelischen Beziehungen in der Ära Konrad Adenauer und David Ben Gurion. (W.G.S.); Erhard Knauer/Friedel Schulz/Heiner Lepper (Hg.): 125 Jahre Rheinische Kliniken Düren - gestern, heute morgen (A.E.); Dietrich Kuhlbrodt: Das Kuhlbrodtbuch (A.E.); Chitra Joshi: Lost Worlds. Indian Labour and Its Forgotten Histories (M.v.d.L.); Angel Smith (Hg.): Red Barcelona. Social Protest and Labour Mobilization in the Twentieth Century (M.v.d.L.); Donna R. Gabaccia: Immigration and American Diversity. A Social and Cultural History (D.H.); Wsevolod W. Isajiw: Understanding Diversity. Ethnicity and Race in the Canadian Context (D.H.); Peter S. Li: Destination Canada. Immigration Debates and Issues (D.H.); Herbert Schui/Holger Paetow (Hg.): Keynes heute. Festschrift für Harald Mattfeldt zum 60. Geburtstag (K.H.R.); André Mommen: Eens komt de grote crisis van het kapitalisme. Leven en werk van Jenö Varga (M.v.d.L.)

Weitere Hefte ⇓
Redaktion
Veröffentlicht am
01.11.2003
Klassifikation
Epoche(n)
Region(en)
Weitere Informationen
rda_languageOfExpression_z6ann
Bestandsnachweise 1660-2870