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Sozial.Geschichte 22 (2007), 2

Titel der Ausgabe 
Sozial.Geschichte 22 (2007), 2
Weiterer Titel 
Protestbewegungen, Geschichte der Arbeit

Herausgeber
Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts, Bremen
Erschienen
Bern 2007: Peter Lang/Bern
Erscheint 
3 Ausgaben pro Jahr
ISBN
ISSN 1660-2870
Anzahl Seiten
128 Seiten
Preis
13.30 € Einzelheft 34,00 € Abopreis

 

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Institution
Sozial.Geschichte. Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21. Jahrhunderts
Land
Deutschland
c/o
Sozial.Geschichte Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21. Jahrhunderts Fritz-Gansberg-Str. 14, D-28213 Bremen Tel.: (0421) 218-91 25 Fax: (0421) 218-94 96
Von
Ebbinghaus Angelika

Schwerpunkte des Hefts 2/2007:
Protestbewegungen der 60er Jahre
Globale Geschichte der Arbeit
Arbeitswertlehre und Arbeitsgeschichte
Jugendliche in den Pariser Vorstädten

Sozial.Geschichte können Sie im Buchhandel, direkt über den Verlag (http://www.peterlang.net) oder über die Stiftung Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts (http://www.stiftung-sozialgeschichte.de) bestellen.

Inhaltsverzeichnis

FORSCHUNG

Peter Birke:
Die Protestbewegungen und die „kulturelle Revolution“ der 1960er Jahre in der bundesdeutschen Historiographie: Montage und Virtualität

DISKUSSIONSFORUM: GLOBALE ARBEITSGESCHICHTE III

Marcel van der Linden:
Was ist neu an der globalen Geschichte der Arbeit?

Karl Heinz Roth:
Empirie und Theorie: Die Marxsche Arbeitswertlehre im Licht der Arbeitsgeschichte (Teil I)

ZEITGESCHEHEN

Dirk Hoerder:
Jugendliche issues de l'immigration in den Pariser Vorstädten:
Versuch einer Einordnung

WERKSTATT

Thomas Becker:
„’1968’ – Was bleibt von einer Generation?“ Bericht über eine Tagung, veranstaltet vom Landesarchiv Baden-Württemberg, am 27. Februar 2007 in Stuttgart

LITERATURBERICHT
Axel Huber:
Neue Forschungen über den italienischen Kolonialkrieg gegen Abessinien

REZENSIONEN

Wolfgang König, Volkswagen, Volksempfänger, Volksgemeinschaft. „Volksprodukte“ im Dritten Reich: Vom Scheitern einer Konsumgesellschaft, besprochen von Rüdiger Hachtmann

Ursula Langkau-Alex, Deutsche Volksfront 1932-1939. Zwischen Berlin, Paris, Prag und Moskau. Vorgeschichte und Gründung des Ausschusses zur Vorbereitung einer deutschen Volksfront, Bd. 1-3, besprochen von Jörg Wollenberg

Michael Wladika, Hitlers Vätergeneration. Die Ursprünge des Nationalsozialismus in der k.u.k. Monarchie, besprochen Alexander Pinwinkler

Matthias Beer / Gerhard Seewann (Hg.), Südostforschung im Schatten des Dritten Reiches. Institutionen – Inhalte – Personen, besprochen von Karl Heinz Roth

François-Olivier Touati, Marc Bloch et l’Angleterre, besprochen von Peter Schöttler

Hans Derks, Jew, Nomad or Pariah. Studies an Hannah Arendt’s Coice, besprochen von Christian Geulen

ANNOTATIONEN

Gerald D. Feldman / Wolfgang Seibel (eds.): Networks of Nazi Persecution. Bureaucracy, Business, and the Organization of the Holocaust (K.H.R.); Dietrich Eichholtz: Krieg um Öl. Ein Erdölimperium als deutsches Kriegsziel (1938-1943) (K.H.R.); Karen Bayer / Frank Sparing / Wolfgang Woelk (Hg.): Universitäten und Hochschulen im Nationalsozialismus und in der frühen Nachkriegszeit (K.H.R.); Alexander Neumann: „Arzttum ist immer Kämpfertum“. Die Heeressanitätsinspektion und das Amt „Chef des Wehrmachtssanitätswesens“ im Zweiten Weltkrieg 1939-1945 (K.H.R.); Vanessa Tait: Poor Workers’ Unions. Rebuilding Labor from Below (M.v.d.L.); Matt Davies / Magnus Ryner (eds.): Poverty and the Production of World Politics. Unprotected Workers in the Global Political Economy (M.v.d.L.); Elaine Carey: Plaza of Sacrifices. Gender. Power and Terror in 1968 Mexico (M.v.d.L.)

SOZIAL.GESCHICHTE EXTRA
www.stiftung-sozialgeschichte.de

Max Henninger:
Die literarische Darstellung der "bleiernen Zeit" in der Bundesrepublik 1973-1990. Ein Literaturbericht

Natali Stegmann:
Schnittstellen zwischen Kriegsdeutungen und Nachkriegspolitik: Die „Beneš-Dekrete“ und das „Kaschauer Programm“ im Kontext tschechoslowakischer Staatlichkeit

Max Henninger:
Fassaden der Macht oder: "Spinoza ist nicht barock." Zur Kontinuität zwischen den Spinoza-Interpretationen von Carl Schmitt und Antonio Negri

AUS ZEITSCHRIFT UND STIFTUNG

Peter Schöttler:
Von der Schwierigkeit häretischer Wissenschaft.
Für Karl Heinz Roth, den Historiker

SUMMARIES

Peter Birke: Die Protestbewegungen und die „kulturelle Revolution“ der 1960er Jahre in der bundesdeutschen Historiographie. Montage und Virtualität

In den letzten Jahren hat die bundesdeutsche Historiographie die Protestbewegungen von 1968 vor allem als „kulturelle Revolution“ interpretiert, was Peter Birke anhand der der öffentlichen Debatte und der Forschung seit etwa 1998 kritisch hinterfragt. Vor allem argumentiert er gegen die Verengung des Begriffes der „Kultur“ und die Reduzierung der Revolte auf ein Resultat des „Konsumismus“, der eine Folge der „Modernisierungsschübe“ gewesen sei. Birke versteht die „kulturelle“ Revolte als einen Versuch, emanzipatorische Wünsche und alternative Formen des Zusammenlebens zu entwickeln. Im Gegensatz zu der Vorstellung, dass es einen geraden Weg von den Protestbewegungen zur „Fundamentalliberalisierung“ der deutschen Gesellschaft gegeben habe, fordert Birke, dass die Forschung verstärkt jene offenen Fragen, die die „1968er“ produziert haben, aufgreifen sollte.

In recent years, German historiography has interpreted the protest movements of 1968 mainly as „cultural revolutions“. Peter Birke is questioning this interpretation based on public debates and available research since 1998. He argues against the constriction placed on the term “culture” in particular and the reducing of the cultural revolution to a mere “consumerism” effected by “advances in modernisation”. Birke understands “cultural” revolution as an attempt to develop emancipatory desires and alternative forms of cohabitation. Contrary to the idea that the protest movements directly led to the “fundamental liberalisation” of German society, Birke demands that researchers should focus more strongly on those open questions asked by the activists of 1968.

Marcel van der Linden: Was ist neu an der globalen Geschichte der Arbeit?

Die Geschichte der Arbeit befindet sich heute in einer interessanten Übergangsphase, die durch die Neu-Konzeptionalisierung der Disziplin gekennzeichnet ist. Die neue Geschichte der Arbeit (formuliert beispielsweise in den Werken von E.P. Thompson) wird durch die globale Geschichte der Arbeit ersetzt, nämlich durch transnationale und sogar transkontinentale Studien über Arbeitsverhältnisse und Arbeiter-Sozialbewegungen im weitesten Sinne des Begriffs. Die globale Geschichte der Arbeit muss aber noch viele Hürden überwinden, von denen unsere traditionellen Theorien und Interpretation die größte Hürde darstellen. In Acht nehmen müssen wir uns vor allem vor methodischem Nationalismus und Eurozentrismus. Die Notwendigkeit unsere theoretischen und methodologischen Ansätze neu zu überdenken, sollten uns natürlich nicht davon abhalten, empirische Forschungen sofort anzugehen. Vermutlich wird es uns gerade durch das Zusammenspiel von Neu-Konzeptionalisierung und empirischer Forschung möglich sein, eine globale Geschichte der Arbeit zu schreiben. Meiner Meinung nach muss dafür Folgendes berücksichtigt werden: die Qualität der Datensammlung (die Sammlung von Daten und die Entwicklung solcher Techniken, die den Vergleich der Daten aus unterschiedlichen Kontexten ermöglichen) und eine Geschichtsforschung, die die Interaktionen zwischen den unterschiedlichen Regionen der Welt deutlich macht und somit Fragen beantworten kann, die bis vor kurzem noch nicht einmal gestellt werden konnten.

Labour history is now in an exciting transitional situation, in which the discipline is engaged in re-inventing itself. New Labour History (as exemplied by the work of E.P. Thompson) egins to give way to Global Labour History, that is the transnational and even the transcontinental study of labour relations and workers' social movements in the broadest sense of the word. The development of Global Labour History will have to scale many obstacles in order to flourish. The greatest obstacle we have is ourselves, with our traditional theories and interpretations. The two most important pitfalls are methodological nationalism and Eurocentrism. The necessity to reconsider our theoretical and methodological assumptions need not, of course, prevent us from tackling empirical research straightaway. Probably in reality it is precisely through the interaction of conceptual renewal and exploratory research that we will be able to build a Global Labour History. I think that we can promote activities on different levels: the level of data collection (the collection of data and the development of techniques making it possible to compare data gathered from different contexts) and the level of real historical research, which reveals the interactions between different regions of the world and thus can answer questions which until recently could not even be asked.

Karl Heinz Roth: Empirie und Theorie.
Die Marxsche Arbeitswertlehre im Licht der Arbeitsgeschichte (Teil I)

Die aktuelle Entwicklung der globalen Arbeitsverhältnisse fordert zu einer Überprüfung der theoretischen Prämissen heraus, die der Arbeitsgeschichtsschreibung bislang zugrunde lagen. Im vorliegenden Beitrag werden dazu erste Hypothesen entwickelt. Nach einer kritischen Auseinandersetzung mit der Marxschen Arbeitswerttheorie und der auf ihr begründeten Geschichtsschreibung wird ein neues Modell entwickelt, das der Komplexität der historischen wie aktuellen Arbeitsverhältnisse gerecht werden soll und ein über den rein sozioökonomischen Ansatz hinausgehendes handlungsoffenes Konzept von Klassenformierung und Klassenfragmentierung beinhaltet.

Current developments of global labour relations demand a review of those theoretical premises, which have been the basis of labour historiography to date. For this purpose, this paper offers some initial hypotheses. After a critical examination of the Marxist labour theory of value and the historiography based on it, a new model is offered. This model is to do justice to the complexity of labour relations from a historical as well as a current perspective and includes an approach transcending the pure socio-economical but is a concept open to class formation and fragmentation.

Dirk Hoerder: Jugendliche issues de l'immigration in den Pariser Vorstädten.
Versuch einer Einordnung

Ausgehend von übertriebenen Medienberichten und der Sprachlosigkeit der Unruhe stiftenden Jugendlichen wird in diesem Beitrag zuerst knapp der ökonomische Rahmen der Vorstädte, Deindustrialisierung und Arbeitslosigkeit, dargestellt. In einem zweiten Teil werden die beteiligten Jugendlichen, ihr Wohnumfeld und ihre Familiensituation angesprochen. Betont wird, dass es sich um eine sehr kleine Zahl Beteiligter handelt und dass der weit gröβere Anteil von jungen Männern und Frauen, die Schritte in die französische Gesellschaft – in der der überwiegende Teil geboren ist – nicht nur an den Unruhen unbeteiligt waren, sondern von Medien und Politik übersehen werden. Drittens wird eine Bewertung der Form der Auseinandersetzungen gegeben besonders unter dem Aspekt, dass die Gewalttätigkeiten sich in zunehmendem Masse gegen die lokale Bevölkerung, nicht aber gegen oppressive Institutionen oder Rahmenbedingungen gerichtet haben. Dabei wird besonders die Rolle der Polizei angesprochen. Abschließend werden die Einstellungen und Politiken staatlicher Institutionen kritisch bewertet: Republikanismus beschränkt sich oft auf Rhetorik, die betroffenen Nachbarschaften, Viertel und Altersgruppen sind durch staatliche Politiken extrem benachteiligt worden. Die Institutionen haben weitgehend versagt.

Based on the exaggerated media reports and the voicelessness of the rioting youths, the present paper describes first the economic conditions in the suburbs, deindustrialisation and unemployment. Second, the participating juveniles, their living conditions and family situations are mentioned. Emphasis is placed on the fact that the actual number of juveniles concerned is rather small and that the much larger number of young men and women, who have adapted into French society (most of whom were born in France) not only participated in the unrests but also are overlooked by the media and politicians. Third, an appraisal of the type of altercations is offered, particularly from the vantage point that violent acts have increasingly been directed against the local population and not against oppressive institutions or their general frameworks. The role of the police in particular is examined here. Finally, the attitudes and politics of public institutions is assessed. Republicanism is often limited to rhetoric. Affected neighbourhoods, districts and age groups have been extremely discriminated against by governmental politics. Institutions have mostly failed.

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Redaktion
Veröffentlicht am
27.09.2007