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Sozial.Geschichte Heft 20 (2006), 1

Titel der Ausgabe 
Sozial.Geschichte Heft 20 (2006), 1
Weiterer Titel 

Herausgeber
Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts, Bremen
Erschienen
Bern 2006: Peter Lang/Bern
Erscheint 
3 Ausgaben pro Jahr
ISBN
ISSN 1660-2870
Anzahl Seiten
123 Seiten
Preis
Einzelheft 13.30 €uro Abo 32.00 €uro

 

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Institution
Sozial.Geschichte. Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21. Jahrhunderts
Land
Deutschland
c/o
Sozial.Geschichte Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21. Jahrhunderts Fritz-Gansberg-Str. 14, D-28213 Bremen Tel.: (0421) 218-91 25 Fax: (0421) 218-94 96
Von
Redaktion

Die Schwerpunkte von Sozial.Geschichte, Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21. Jahrhunderts, Heft 1/2006:
GESELLSCHAFTSKRITIK IN DER FRANZÖSISCHEN SOZIOLOGIE HEUTE
IG FARBENINDUSTRIE UND AUSCHWITZ
TRANSKULTURELLE GESELLSCHAFTSSTUDIEN
GÖTZ ALY ANTWORTET SEINEN KRITIKERN

Sie können die Zeitschrift im Buchhandel, direkt über den Verlag (www.peterlang.net) oder über die Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts (www.stiftung-sozialgeschichte.de) bestellen.
Weitere Informationen zur Zeitschrift Sozial.Geschichte und den Themenredaktionen finden Sie auf unserer Homepage www.stiftung-sozialgeschichte.de

Inhaltsverzeichnis

EDITORIAL

FORSCHUNG

Lothar Peter:
Neue soziale Bewegungen, soziale Frage und Krise der Arbeit: Sozialkritik in der französischen Soziologie heute (Teil I)

Florian Schmaltz:
Die IG Farbenindustrie und der Ausbau des Konzentrationslagers Auschwitz 1941-1942

DISKUSSIONSFORUM SOZIALGESCHICHTE (2)

Dirk Hoerder:
Transkulturelle Gesellschaftsstudien – Transcultural Societal Studies

DISKUSSIONSFORUM HISTORISCHE FASCHISMUSANALYSE (2)

Götz Aly:
Antworten auf meine Kritiker

REZENSIONEN

Jürgen Martschukat/Olaf Stieglitz 'Es ist ein Junge!' Einführung in die Geschichte der Männlichkeit in der Neuzeit, besprochen von Christiane Harzig

Jochen Oltmer (Hg.) Kriegsgefangene im Europa des Ersten Weltkriegs, besprochen von Wolfgang U. Eckart

Wigbert Benz Paul Carell – Ribbentrops Pressechef Paul Karl Schmidt vor und nach 1945, besprochen von Heinrich Senfft

Rainer Karlsch Hitlers Bombe. Die geheime Geschichte der deutschen Kernwaffenversuche, besprochen von Rüdiger Hachtmann

Lil-Christine Schlegel-Voß Alter in der „Volksgemeinschaft“. Zur Lebenslage der älteren Generation im Nationalsozialismus, besprochen von Karsten Linne

ANNOTATIONEN

Isabel V. Hull Absolute Destruction. Military Culture and the Practices of War in Imperial Germany (D.S.); Jörg Strübing/Bernt Schnettler (Hg.) Methodologie interpretativer Sozialforschung. Klassische Grundlagentexte (S.M.); Homeland Securities. Sonderheft der Radical History Review (O.S.); Patrick Manning Migration in World History (D.H.); Alessandra Venturini Postwar Migration in Southern Europe, 1950-2000 (D.H.); Felicitas Becker/Jigal Beez (Hg.) Der Maji-Maji-Krieg in Deutsch-Ostafrika 1905-1907 (D.S.)

SUMMARIES

Lothar Peter:
Neue soziale Bewegungen, soziale Frage und Krise der Arbeit: Sozialkritik in der französischen Soziologie heute (Teil I und II)
Nachdem die kritische Soziologie in Frankreich seit den siebziger Jahren erheblich an Einfluss verloren hatte, finden jetzt Fragen der sozialen Spaltung, Ungleichheit und Exklusion wieder stärker Beachtung. Diese Entwicklung erhielt vor allem durch die breite Protestbewegung gegen den Abbau des Sozialstaats Mitte der neunziger Jahre Auftrieb. Charakteristisch für die gegenwärtigen kritischen Ansätze in der Soziologie ist ihre theoretische Vielfalt. Das ist insofern nicht überraschend als sich sowohl die sozialen Probleme als auch die Kategorien soziologischen Denkens inzwischen erheblich verändert haben. Man sieht das sehr deutlich, wenn man Begriffe wie Industriearbeit, soziale Klasse und Kapitalismus betrachtet. Die sozialkritischen Ansätze der französischen Gegenwartssoziologie versuchen, diesen Wandel zu berücksichtigen, ohne die Notwendigkeit von Alternativen zum neoliberalen Status quo zu negieren. Angesichts der massiven gesellschaftlichen Probleme sind die Verteidigung und Gestaltung des Sozialstaats zum Fokus der kritischen Soziologie geworden. Dabei bezieht sich die kritische Soziologie nicht nur auf die marxistische Denktradition, sondern auch auf die Soziologie von Emile Durkheim und der Durkheim-Schule, die ihre Ausstrahlungskraft bis heute bewahrt haben.

After critical sociology lost its influence in French sociology in the late 1970s, questions of social disparity, inequality and exclusion are once again of interest. The present revival of critical sociology can be associated with the broad social movement opposing the cutbacks to the social welfare state in 1995. Typical for present social critical approaches is the variety of their theoretical foundations. This is not surprising since social problems as well as the categories of sociological thinking have changed significantly. This is obvious if one looks at concepts like industrial work, social class and capitalism. The social critical approaches in present French sociology try to take into account these changes without neglecting the necessity of developing alternatives to the neoliberal status quo. In this respect, the support and structuring of the social welfare state has become the central focus of critical sociology. The new critical sociology does not refer to traditional Marxist thinking alone but also to the thinking of Emile Durkheim and the Durkheim-School, which has preserved its intellectual vigour until today.

Florian Schmaltz
Die IG Farbenindustrie und der Ausbau des Konzentrationslagers Auschwitz 1941-1942
Die Standortentscheidung der IG Farbenindustrie, in Auschwitz das größte europäische Chemiewerk zur Produktion von synthetischen Treibstoffen und Kautschuk (Buna) zu errichten, war in den vergangenen Jahren Gegenstand historischer Kontroversen. Im Mittelpunkt stand hierbei die Frage, seit wann die Konzernführung den Werksbau in Auschwitz erwog und welche Rolle der mögliche Einsatz von KZ-Häftlingen im Entscheidungsprozeß spielte. Ausgehend von der seit Anfang 1941 rasch enger werdenden Kooperation zwischen der Konzernleitung der IG Farbenindustrie und der SS untersucht der Autor, welche Zusammenhänge zwischen dem Werksbau der IG Auschwitz und der im selben Jahr einsetzenden dynamischen Entwicklung des Lagerausbaus in Auschwitz zum größten Vernichtungslager existierten. Anhand der Bauprogramme der Zentralbauleitung der Polizei und Waffen-SS Auschwitz zeigt der Autor auf, in welchem Ausmaß die expandierende Ausbauplanung des Konzentrationslagers mit der Einrichtung neuer Barackenunterkünfte für die in wachsendem Umfang von der IG Auschwitz angeforderten Häftlinge zusammenhing. Auch die Initiative, die Häftlinge dauerhaft auf dem Werksgelände der IG Auschwitz unterzubringen, ging Ende 1941 von der Werksleitung des Unternehmens aus. Trotz anfänglicher Widerstände der SS-Lagerleitung wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Monowitz im Oktober 1942 eingerichtet und ermöglichte der IG Farbenindustrie im arbeitsteilig organisierten Gesamtlagerkomplex bis zur Räumung des Lagers im Januar 1945 die Ausbeutung Tausender von KZ-Häftlingen.

The decision by IG Farbenindustrie to build the largest chemical plant in Europe for the production of synthetic fuels and composition rubber (Buna) was subject to historical controversy in recent years. Mainly, the issue revolved around the question of the point in time company corporate officers had considered Auschwitz for the expansion of its plants and what role the possible use of concentration camp inmates played in the decision making process. Based on the quickly growing cooperation between the officers of the IG Farbenindustrie and the SS since early 1941, the author examines the relationship between the construction of IG Auschwitz and the rapid development of the camp in Auschwitz into the largest extermination camp. Using the construction programs of the Zentralbauleitung of the police and the Waffen-SS Auschwitz, the author shows to what extent expansion plans for the concentration camp were related to its installation of new barracks for the increasing number of inmates demanded by IG Auschwitz. The initiative to permanently house the inmates on IG Auschwitz’s property also came from the plant’s officers in late 1941. Despite initial resistance by the SS-Lagerleitung (camp administration), the concentration camp Auschwitz-Monowitz was set up and enabled the IG Farbenindustrie’s exploitation of thousands of concentration camp inmates based on a complex-wide division of labor until the evacuation of the camp in January 1945.

Dirk Hoerder
Transkulturelle Gesellschaftsstudien – Transcultural Societal Studies
Die Transkulturellen Gesellschaftsstudien gehen von einem umfassenden, nicht-hierarchischen Konzept der Kultur aus, das die alltägliche Praxis ebenso einschließt wie historische Strukturen, Institutionen und Kunst. Transkulturalismus beinhaltet die Möglichkeit in zwei oder mehr kulturellen Räumen zu leben und zu agieren, und in diesem Prozess gemeinsame oder sich überschneidende Räume und Lebensstile hervorzubringen. Um die Dichotomie der manchmal jargon-behafteten Cultural Studies und der manchmal statistik-zentrierten Societal Studies zu überwinden, integrieren die Transcultural Societal Studies (TSS) die Analyse von Institutionen und Strukturen, von Repräsentationen und Selbstbildern und von Praktiken. Die TSS sind sich vielfacher und möglicherweise nicht übereinstimmender Konventionen über die Bedeutung von Zeit, Ort und Raum bewusst. Sie verstehen menschliche Identifikationen (mehr als Identitäten) als Entwicklung in drei mit einander verbundenen Räumen: Des gelebten und erfahrenen Mikroraums der Familie und Nachbarschaft/ Community; des mittleren Bereichs der Region als Rahmen für soziale und wirtschaftliche Optionen und Begrenzungen; und des Makrobereichs der staatlichen, politisch-territorial begrenzten Strukturen. Die TSS beinhalten Empirie, differenzierte Beschreibung und Analyse von sozialen Gruppen eher als von „Nationen“ und „Bevölkerungen“. Sie betonen, dass agency, kulturelles Schaffen, materielle Produktion und Mentalitäten nicht notwendig an politischen Grenzen oder anderen Begrenzungen beginnen oder enden, aber sie überschreiten teilende Grenzziehungen, um neue, komplexe Ganzheiten aus verschiedensten internen, externen oder anderen kulturellen Expressionen zu formen.

Transcultural Societal Studies begin from a comprehensive non-hierarchical concept of culture that includes everyday practices as much as particular artifacts, historical structures, institutions, and expressions in the arts. Transculturalism denotes the capability to live and act in two or more different cultural spaces and, in the process, to create mixed or overlapping spaces and lifeways ("métissage"). To overcome the dichotomy of Cultural Studies, sometimes jargon-laden, and Societal Studies, sometimes statistics-centered, Transcultural Societal Studies (TSS) integrate the analysis of institutions and structures (data-based social sciences), of representations and self-images (discourse-based sciences or humanities), and of practices (habitus sciences). TSS are aware of multiple and possibly conflicting conventions of denoting time and place / space. They understand human beings' identifications (rather than identities) as developing in three layered spaces, the lived and experienced micro-space of family and neighborhood / community, the meso-level of region as frame for social and economic options or constraints, and the macro-level of political-territorial bordered state-wide structures. TSS empirically denote, describe, and analyze differentiated social groups rather than "nations" or "populations." They emphasize that agency, cultural creation, material production, and mentalities do not necessarily begin or end at political borders or other boundaries but transcend dividing lines to form new, complex wholes out of multiple internal, external, or other cultural expressions.

Götz Aly
Antworten auf meine Kritiker
Im letzten Heft dieser Zeitschrift (Heft 3, 2005) haben sich in einem Diskussionsforum zur Historischen Faschismusanalyse mehrere Autorinnen und Autoren mit „Hitlers Volksstaat“ auseinandergesetzt. Wir haben Götz Aly deshalb die Möglichkeit gegeben, seinen Kritikern zu antworten. In seiner Replik geht er zum Teil auf diese Einwände ein, aber auch auf Kritiken, die an anderen Orten erschienen sind, und setzt sich mit den seiner Meinung nach wichtigsten Einwänden auseinander. Dazu gehören die Frage nach der Legitimität und Notwendigkeit wechselnder historischer Perspektiven, die Kritik an seinen wirtschaftsstatistischen Ausführungen, die seiner Meinung nach nicht zur Analyse der politisch-militärischen Dynamik der nationalsozialistischen Herrschaft taugt, und weiteren Fehlurteilen, denen seiner Meinung nach einige der Kritiker aufgesessen seien. Insgesamt kommt Götz Aly in seiner Replik zum Schluss, dass die Kritiken insgesamt gesehen nur winzige redaktionelle Korrekturen an dem Buch erforderlich machten.

In the last issue of this journal (3, 2005), in the discussion forum on the historical analysis of fascism, several authors disputed “Hitlers Volksstaat”. We have therefore offered Götz Aly the opportunity to respond to his critics. In his reply, he addresses the objections but also those criticisms, which have surfaced in other places and tackles the, in his opinion, most important objections. Included are the issue of legitimacy and necessity of changing historical perspectives, the criticism of his economic statistical models, which in his opinion are useless in the analysis of the political-military dynamic of the national socialist rule, and other misjudgments, which in his opinion some of his critics have fallen for. Götz Aly concludes that overall the criticisms demand merely minor editorial corrections of his book.

Weitere Hefte ⇓
Redaktion
Veröffentlicht am
24.03.2006
Klassifikation
Region(en)
Weitere Informationen
rda_languageOfExpression_z6ann
Bestandsnachweise 1660-2870