Forum Geschichtskultur Ruhr 12 (2022), 2

Titel der Ausgabe 
Forum Geschichtskultur Ruhr 12 (2022), 2
Zeitschriftentitel 
Weiterer Titel 
Kinder- und Jugendräume im Ruhrgebiet

Erschienen
Essen 2022: Klartext Verlag
Erscheint 
halbjährlich
Anzahl Seiten
100
Preis
€ 9,00

 

Kontakt

Institution
Forum Geschichtskultur Ruhr
Land
Deutschland
c/o
redaktion@geschichtskultur-ruhr.de
Von
Susanne Abeck, Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher e.V., Essen

Kindheits- und Jugendräume bilden sich seit dem 18. Jahrhundert mit der Durchsetzung der Moderne (Industrialisierung, Säkularisierung, Urbanisierung …) als zunehmend ausdifferenzierte pädagogisch veranlasste institutionelle Strukturen außerhalb der Familie. Pädagogische Räume sollen die Bereitstellung der Humanressourcen zur Sicherung der gesellschaftlichen Reproduktion sowie die Integration und Partizipationsfähigkeit der Heranwachsenden ins gesellschaftliche Leben ermöglichen. Insbesondere Demokratisierungsansprüche führten und führen zu systemischen Infragestellungen und Veränderungsbedarfen hinsichtlich eines chancengerechten und teilhabeoffenen Bildungsangebots, aber auch zu soziokulturellen Problematisierungen der pädagogisch legitimierten Machtstrukturen in institutionalisierten Kindheits- und Jugendräumen. Beide Facetten nehmen die Beiträge des vorliegenden Heftschwerpunktes auf.

Vom Scheitern handeln die dem pädagogischen Raum Schule zugewandten Beiträge, wenn es darum geht, durch bildungspolitische Interventionen allen Schülern einen chancengerechten Bildungszugang zu eröffnen. Denn C. Jungmann und G. Bellenberg resümieren, dass es trotz des PISA-Schocks von 2001 dem deutschen Bildungssystem und damit auch der nordrhein-westfälischen Bildungspolitik nur unwesentlich gelang, im internationalen Ranking den negativen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb abzubauen. Soziale Ungleichheit als Herausforderung für das Schulsystem in der neuen Republik war auch ein Thema der Weimarer Schulpolitik. Doch ging es hier eher darum, auch den ‚Tüchtigen‘ aus der bildungsbenachteiligten ‚Arbeiterschaft‘ mittlere und höhere schulische Laufbahnen anzubieten, um einem qualifizierten Arbeitsbedarf einer sich nach dem Ende des 1. Weltkrieges modernisierenden Wirtschaft zu entsprechen, wie A. Otto am Beispiel der Aufbauschule Bochum darlegt.

Neben der Schule ergänzten seit Ende des 19. Jahrhunderts sozialpädagogische Angebote für Kinder und Jugendliche die Schule, da aufgrund von unübersehbaren „Verwahrlosungserscheinungen“ am Ende des Kaiserreichs gesellschaftlich geregelte Integrationsformen für diese notwendig erschienen. Im Zentrum der Bemühungen um
eine gesellschaftsintegrative Jugendpflege und -hilfe stand der Aufbau von kommunalen Jugendämtern, deren wechselvoller Geschichte im 20. Jahrhundert B. Stambolis nachgeht. Seit Mitte der 1960er Jahre regte sich zunehmend Protest gegen eine integrative und hierarchisch bevormundende Sozialpädagogik, wie sie etwa in öffentlichen Jugendheimen bestimmend war. T. Fetzer geht den Aktionsformen und selbstorganisierten Arbeitsansätzen in der Jugendzentrumsbewegung am Beispiel Mülheims a. d. R. nach. Korrespondierend hierzu stellten in beruflicher Ausbildung befindliche Jugendliche autoritäre und ausbeuterische Machtstrukturen im betrieblichen Bereich zeitgleich in den späten 1960er Jahren infrage. Anhand der Essener Lehrlingsbewegung zeigt U. Teichmann Protestformen und inhaltliche Forderungen dieser sozialen Bewegung auf.
Als einen der wenigen öffentlichen Kindheits- und Jugendräume stellt J. Mittag den Bolzplatz vor, an dem sich „Kinder und Jugendliche selbstbestimmt treffen, unbeaufsichtigt aufhalten und ihre Freizeit eigenständig gestalten können“ (S. 30). Veränderungen im Freizeitverhalten, Stadt- und Raumentwicklung, Lärmschutzauflagen usw. zeigen Rückwirkungen auf Ausgestaltung und lebensweltliche Bedeutsamkeit des Bolzplatzes im Laufe der vergangenen Jahrzehnte, denen der Autor nachgeht.

Ihnen eine interessante Lektüre – auch über das Schwerpunktthema hinaus!

Editorial
Franz-Josef Jelich

Mit dem Heft wird ein Interview der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur mit Axel Föhl unter dem Titel „Weil es zur Industrienation dazugehört. Und zur Kulturnation auch“ ausgeliefert

Inhaltsverzeichnis

Schwerpunkt "Kinder- und Jugendräume im Ruhrgebiet"

„Wir sind auf dem richtigen Weg …“ Der PISA-Schock und seine bildungspolitische Verarbeitung in NRW
Christel Jungmann & Gabriele Bellenberg

Ambivalente Aufstiegsversprechen. Aufbauschulen im Ruhrgebiet der 1920er Jahre
Anne Otto

Von der Jugendpflege zur Jugendarbeit. Jugendämter im historischen Rückblick
Barbara Stambolis

Kultur von unten. Zur Jugendzentrumsbewegung im Ruhrgebiet anhand des Beispiels Mülheim an der Ruhr
Tobias Fetzer

Die Lehrlingsbewegung der 68er Jahre in Essen
Ulf Teichmann

Der Bolzplatz als jugendlicher Erfahrungsort. Die Spiel- und Fußballkultur des Ruhrgebiets im Wandel
Jürgen Mittag

Mitteilungen der Herausgeber

- Deutsches Bergbau-Museum Bochum
- Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher e. V.
- Regionalverband Ruhr / Referat Kultur, Sport und Industriekultur
- Ruhr Museum
- Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets
- Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur

Personen

- Karl Ganser
- Frank Baier
- Hubert Schneider
- Peter Kracht
- Ursula von Petz

Aufgelesenes

Museen und Ausstellungen

- Immer wieder aufsteh´n. Herne 1980–1989
- Oberhausen – Aufbruch macht Geschichte. Strukturwandel 1847–2040. Update 2022
- Klasse und Masse. Kunststoffdesign im Alltag
- Schimmernde Schönheiten. Messingobjekte des Jugendstils und Art déco
- Sonne, (Erde), Mond und Sterne – Der Weltraum im Schulunterricht
- Escape Room „Silesia Challenges“
- This is me. Queer und religiös?
- Museumsfotografie. Dinge und Menschen im Fokus von Annette Hudemann und Martin Holtappels
- Grenzgänger: Alltag in einem geteilten Land. Ausstellung zur deutschpolnischen Grenze in Oberschlesien 1922–1939
- Abi Shek – Natur? Kultur?
- Power2Change. Mission Energiewende
- Hidden Costs. Ewigkeitslasten. Fotografien von J Henry Fair
- Aufbruch und Maloche – Eine Reise ins Oberhausen der 60er
- Boten, Helfer und Gefährten. Beziehungen von Mensch und Tier im Wandel
- Arbeitersiedlungen entlang der Seidenstraße. Fotoausstellung von Bernard Langerock
- Zu Land, zu Wasser und in der Luft. Fotoausstellung zur historischen Mobilität in Oberhausen

Rezensionen

- Berger, Stefan / Jäger, Wolfgang / Teichmann, Ulf (Hg.): Gewerkschaften
im Gedächtnis der Demokratie. Welche Rolle spielen soziale Kämpfe in der Erinnerungskultur?
- Bildungspartner NRW (Hg.): Aufbruch im nördlichen Ruhrgebiet 1870 bis 1914 – Exemplarische Quellen aus kommunalen Archiven des Kreises Recklinghausen
- Rasch, Manfred: Das Ruhrgebiet im Ersten Weltkrieg. Technik und Wirtschaft
- Maxwill, Arnold (Hg.): Victor Kalinowski. An die Tatenlosen! Gedichte wider Profitgier und Nationalismus
- Maxwill, Arnold (Hg.): Der Schacht. Volksbildung, Kunst und Wissenschaft im Ruhrgebiet 1924-1930
- Czierpka, Juliane / Bluma, Lars (Hg.): Der Steinkohlenbergbau in Boom
und Krise nach 1945, Transformationsprozesse in der Schwerindustrie am Beispiel des Ruhrgebiets
- Kellershohn, Jan: Die Politik der Anpassung. Arbeitswelt und Berufsbildung im Ruhrgebiet 1950–1980
- Grütter, Heinrich Theodor / Paetzel, Uli (Hg.): Beyond Emscher. Fotografische Positionen aus der Gegenwart
- Lechtreck, Hans-Jürgen / Sonne, Wolfgang / Welzel, Barbara (Hg.): Religion@Stadt_ Bauten_Ruhr

Annotationen

- Kirche im Revier. Mitteilungen des Vereins zur Erforschung der Kirchen-
und Regionalgeschichte des Ruhrgebiets, Heft 35, Jg. 2022
- Bloch Pfister, Alexandra: Joseph Suwelack 1850–1929. Vom Bauernsohn
zum Molkereidirektor
- Assmann, Heinz: Erinnerungsorte Ruhrgebiet. Wertschöpfung. Bergbaustädte Kamen/ Bergkamen. Große Werte – Große Opfer
- Jüdisches Museum Westfalen (Hg.): Auf der Suche nach der verschollenen Identität. Ein Projekt zur Provenienzforschung des Jüdischen Museums Westfalen
- Mohr, Henning / Modarressi-Tehrani, Diana (Hg.): Museen der Zukunft.
Trends und Herausforderungen eines innovationsorientierten Kulturmanagements
- Georg Almus für das FORUM KUNST / Kunstverein Lünen (Hg.): System
der Betriebsführung bei Zechen der Harpener Bergbau AG am Beispiel von „Victoria“ in Lünen
- Mühlhofer, Stefan / Kersken, Hartwig (Hg.): Beiträge zur Geschichte
Dortmunds und der Grafschaft Mark, Bd. 111/2020-2021

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