Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 32 (2021), 1

Titel der Ausgabe 
Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 32 (2021), 1
Weiterer Titel 
Historicizing Bureaucratic Encounters

Erschienen
Innsbruck 2022: StudienVerlag
Erscheint 
drei Bände pro Jahr
ISBN
978-3-7065-6124-2
Anzahl Seiten
199 S.
Preis
Einzelheft: € 35,00; Jahresabo: € 62,00; (privat) € 82,00 (Institutionen)

 

Kontakt

Institution
Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften/Austrian Journal of Historical Studies (OeZG)
Land
Austria
c/o
Redaktionsanschrift: Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Universität Wien Universitätsring 1 A-1010 Wien oezg.journal@univie.ac.at
Von
Michaela Hafner, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Wien

Herausgeberin dieses Bandes: Therese Garstenauer (Universität Wien)
Redaktion: Christine Brocks und Ulrich Schwarz-Gräber

Über Bürokratie spricht heute kaum noch jemand.” – So leitete David Graeber sein Buch über dieses Phänomen ein. Dabei sind bürokratische Begegnungen in den Sozialwissenschaften seit den 1960er Jahren ein immer wieder aktuelles Thema, wie die Studien von Katz Hasenfeld Michael Lipsky bis Vincent Dubois zeigen. Diese Studien befassen sich mit Begegnungen zwischen zumeist staatlichen Bürokratien und Bürokraten einerseits und deren Gegenüber andererseits – „bureaucratic subjects” (Michael Lipsky).
Anders als in der genannten einschlägigen Forschungsliteratur, die vor allem gegenwartsorientiert ist, wird in diesem Heft eine historisierende Perspektive eingenommen. Die Beiträge decken eine Periode vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart ab. Dabei geht es um klassische „street-level bureaucracy” im Sinne Michael Lipskys, also Fürsorgeeinrichtungen, Polizei und ähnliche, aber auch um die Bereiche von politischer Verwaltung, Eisenbahnen und öffentlichen Archiven im Zeitalter der Digitalisierung. Der regionale Fokus der hier versammelten Forschungen liegt auf Österreich bzw. der Habsburgermonarchie, Deutschland, Frankreich, Polen, Russland und der Schweiz. Seit dem späten 19. Jahrhundert begann der Staat mehr Kontrolle über und Einfluss auf seine Bürger:innen auszuüben. Diese reagierten auf den Aufstieg der staatlichen Bürokratie, indem sie auf ihre Weise und für ihre Zwecke nutzten, was der Staat anbot und vorschrieb. In der Interaktion mit Behörden kam und kommt es am häufigsten zum Kontakt zwischen Bürger:innen und Staat – verkörpert durch die entsprechenden Bürokrat:innen.
So breit das Spektrum der in den Beiträgen erforschten Themen ist, gibt es doch Fragen, die in ihnen allen behandelt werden. So geht es etwa darum, welche Vorstellungen es vom idealen oder zumindest adäquaten Gegenüber der Behörde gibt und wie solche Vorstellungen in bürokratischen Interaktionen produziert und korrigiert werden. Es geht um Machtverhältnisse in diesen Interaktionen, um das Auseinanderklaffen von Theorie und Praxis des Umgangs miteinander. Über die Interaktion zwischen Bürokrat:innen und Klient:innen hinaus wird im Band auch das materielle Umfeld – architektonische und technische Bedingungen von bürokratischen Interaktionen – erforscht.

Inhaltsverzeichnis

Editorial

5–12
Therese Garstenauer
Historicizing Bureaucratic Encounters

Research papers

13–41
Sigrid Wadauer
Unstimmigkeiten und Widersprüche in bürokratischen Interaktionen. Street-level bureaucracy im Österreich der 1920er- und 1930er-Jahre

42–74
Peter Fleer
Reading Room Encounters in the Archival Context. The Example of the Swiss Federal Archives (SFA)

75–101
Thomas Rohringer
Managing Political Conflict in a Democratizing Polity. Administrative Reform, Trust and Throughput Legitimacy in Imperial Austria ca. 1900–1914

102–130
Michał Gałędek
Collegial Decision-Making as the Foundation of Local Administration Reform on the Eve of Congress Poland Establishment

Interview

132–140
Jan Banning und Therese Garstenauer
„Ein erfolgreicher Fotograf fotografiert natürlich Mädchen im Bikini am Strand!“
Gespräch zwischen dem Fotografen Jan Banning und Therese Garstenauer

Open space: research papers
141–169
Ildikó Asztalos Morell
Food Sovereignty for Whom?
Food Poverty, Innovative Public Work Projects and the Authoritarian State

170–199
Uta Kanis-Seyfried
Zwischen Emanzipation und Tradition
Zur biografischen Spurensuche nach Dr. Malvine Rhoden, geb. Weiss (1885–1977)

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