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vorgänge 48 (2009), 2

Titel der Ausgabe 
vorgänge 48 (2009), 2
Weiterer Titel 
Die Krisen hinter der Krise

Erschienen
Erscheint 
4 Ausgaben pro Jahr
Anzahl Seiten
128 S.
Preis
14 €

 

Kontakt

Institution
vorgänge. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik
Land
Deutschland
c/o
Redaktion vorgänge Dieter Rulff (verantwortlicher Redakteur) Haus der Demokratie und Menschenrechte Greifswalder Str. 4 10405 Berlin Tel.: 030/2175 0858 Fax.: 030/2363 8206
Von
Dieter Rulff

Sehr geehrte Damen und Herren,

Zu den erstaunlichen Phänomenen der globalen Finanzkrise gehört das Auseinanderfallen von wirtschaftlicher Krisendynamik, gesellschaftlicher Krisenwahrnehmung und staatlicher Krisenbewältigung. In einer ungeheuren Geschwindigkeit hat sich die Krise immer weiterer Teile der realen Wirtschaft bemächtigt. Sie zwang den Staat zu milliardenschweren Rettungspaketen, doch von einer Rückkehr des Staates kann keineswegs die Rede sein. Dieser gibt derzeit vielmehr sein Letztes, um das Finanzsystem transaktionsfähig zu halten und marode Unternehmen zu stabilisieren. Er riskiert dabei in nicht unerheblichem Maße seine eigene Stabilität und Gestaltungsmacht, indem er sich mit Schulden überlastet, deren Begleichung er auf die Schultern der Steuerzahler, der Konsumenten und der künftiger Generationen verlagert.

Während sich am Aktienmarkt bereits wieder eine Erholung abzeichnet, steuert der Arbeitsmarkt auf seinen Tiefpunkt zu. Doch obgleich seit Monaten das erstaunliche Maß an Versagen der Wirtschafteliten, der Preis, der kollektiv dafür entrichtet werden muss, wie die anschwellende Zahl von Entlassungen und Kurzarbeitern, von einer eklatanten Verletzung gesellschaftlicher Gerechtigkeitsvorstellungen zeugen, bleibt diese Gesellschaft erstaunlich passiv.

Das in die Milliarden gehende staatliche Krisenmanagement wird nicht an den gängigen Vorstellungen sozialer Gerechtigkeit gemessen, sondern als Politik des Ausnahmezustandes hingenommen, die von jener Alternativlosigkeit ist, die Markenzeichen des überwunden geglaubten Neoliberalismus war. Bei der Überwindung der durch ihn verursachten Krise scheinen seine Rezepturen nach wie vor Gültigkeit zu haben.

Wenn eine nachhaltige Regulierung ausbleibt, ist die nächste Krise allerdings vorgezeichnet. Doch wie soll diese Regulierung aussehen, an welchen Kriterien soll sie sich ausrichten und welche supranationale Akteurskonstellation wird ihr zum Durchbruch verhelfen? In welchem Verhältnis steht die Krise der Wirtschaft zur Katastrophe des Klimas, wird sie notwendige Veränderungen verzögern oder kann sie diese sogar beschleunigen? Die Krise wird zu einer Veränderung des globalen Machtgefüges führen, wo wird Deutschland dabei stehen? Und welche gesellschaftlichen Veränderungen werden durch die Krise beschleunigt, welche politischen Verwerfungen stehen womöglich noch bevor?

Diesen Fragen ist die vorliegende Ausgabe der vorgänge gewidmet.

Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS - Die Krisen hinter der Krise

Editorial (S. 1)

Stefan Collignon
Die Moral des Geldes und die Zukunft des europäischen Kapitalismus (S. 4)

Hans Christoph Binswanger
Wege aus der Wachstumsfalle
Für eine Reform des Geldsystems und des Aktienrechts (S. 23)

Karl Georg Zinn
Die vermeidbare Krise
Bereits vor siebzig Jahren lieferte John M. Keynes die Instrumente zu ihrer Diagnose und Bekämpfung (S. 28)

Arndt Sorge
Internationale Lehren aus der Wirtschaftskrise
Diagnose, Abhilfe Vorbeugung (S. 38)

Ernst Ulrich von Weizsäcker
Für eine neue Balance zwischen Staat und Markt (S. 46)

Helmut Wiesenthal
Europa vor seiner zweiten Transformation (S. 50)

Karin Priester
Der Staat als Gesamtbetrieb
Auf dem Weg in die neue formierte Gesellschaft (S. 60)

Gerd Mielke
Der lange Marsch aus der Tradition
Die Lage der Sozialdemokratie in der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise (S. 72)

Dieter Rulff
Reformpolitik in der Krise (S. 83)

Berthold Vogel
Die zerrissene Mitte (S. 92)

Konrad Ott
Es ist Zeit für einen Green New Deal (S. 97)

Gert G. Wagner
Die Wirtschaftswissenschaften wurden von der Politik alleingelassen (S. 107)

Essay

Florian Hartleb
Ein Phönix namens CSU
Mit der Landtagswahl 2008 starb die alte CSU – welche ist die neue nach der Bundestagswahl (S. 112)

Rezensionen

Eckhard Jesse
Der parlamentarische Boden des Rechtsextremismus in Ostdeutschland (S. 122)

Gerd Pflaumer
Deutschland, deine Muslime
Navid Kermani schreibt ein beeindruckendes Plädoyer gegen falsche Typisierungen des Islam (S. 125)

Autorinnen und Autoren (S. 127)

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Redaktion
Veröffentlicht am
10.08.2009
Beiträger