Historische Zeitschrift Heft 266/3 · 1997

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Historische Zeitschrift Heft 266/3 · 1997
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Erschienen
München 1997: Oldenbourg Verlag
Erscheint 
Jahresabonnement 1998 (2 Bände): Einzelheft: DM 98,- zzgl.Versandspesen

 

Kontakt

Andreas Fahrmeir
Institution
Historisches Seminar der Johann Wolfgang Goethe-Universität
Abteilung
Redaktion Historische Zeitschrift (HZ)
Land
Deutschland
PLZ
60323
Ort
Frankfurt am Main
Straße
Norbert-Wollheim-Platz 1
Von
Jaroschka, Gabriele

Inhaltsverzeichnis

Rubrik: Aufsätze

G. Schwerhoff : Zivilisationsprozeß und Geschichtswissenschaft. Norbert Elias' Forschungsparadigma in historischer Sicht
Die Zivilisationstheorie stellt eines der wichtigsten soziologischen Theorieangebote zur Interpretation der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte dar. Die Debatte über ihre Fruchtbarkeit hat sich in letzter Zeit neu belebt. Häufig allerdings wird Norbert Elias zustimmend zitiert, ohne daß eine kritische historische Überprüfung seiner Thesen vorausgegangen wäre. Der vorliegende Aufsatz versucht eine Auseinandersetzung auf drei Ebenen. Erstens wird der vielfach einer kritischen Überprüfung nicht standhaltende Umgang mit den Quellen diskutiert. Als zweifelhaft darf zweitens Elias' historische Analyse verschiedener sozialer Erscheinungsformen wie ,Rittertum' oder ,Hof' gelten. So ist z.B. sein Mittelalterbild geprägt von ideologischen Klischeevorstellungen. Auf einer dritten Ebene lassen sich schließlich einige fragwürdige Bauprinzipien der Theorie benennen. Trotz der historischen Verdienste von Elias und trotz des unbestreitbaren Anregungspotentials seines Werkes verbietet es sich deshalb, historisch empirische Befunde ohne weiteres auf das Prokrustesbett der Zivilisationstheorie zu spannen. Elias kann kaum als Vorläufer einer historischen Anthropologie neuer Prägung an Anspruch genommen werden.
J. von Ungern-Sternberg: Die Legitimationskrise der römischen Republik
Stabilität der Verfassung und die Gründung eines weitgespannten Reiches haben die römische Republik seit Machiavelli und Montesquieu zu einem bevorzugten Gegenstand historischer Betrachtung werden lassen. Sie galt den Ursachen des Erfolgs, aber auch denen für den Untergang der Republik. Dabei wurde und wird die Krise der Verfassung in der Forschung gerade von der Weltherrschaft Roms hergeleitet: Die vielfältigen Aufgaben des Reiches seien mit den Mitteln eines Stadtstaates nicht mehr zu bewältigen gewesen. Diese Auffassung unterschätzt die Elastizität des römischen Systems mit seinen Möglichkeiten informeller Herrschaft. Die Wirkung der Weltherrschaft war eine andere: Sie enthob die herrschende Elite, die Nobilität, des Zwangs zum Kompromiß aus außenpolitischen Rücksichten. Die sich aufstauenden sozialen Probleme führten zu einem Legitimitätsverlust, der sich besonders sinnfällig im ersten Marsch römischer Soldaten auf Rom im Jahre 88 v.Chr. zeigte, allgemeiner, in der Eskalierung von Gewalt vom Blutvergießen in der Stadt Rom im Jahre 133 bis hin zu den reichsweiten Bürgerkriegen.
P.Schreiner: Schein und Sein. Überlegungen zu den Ursachen des Untergangs des byzantinischen Reiches
Statt der in der bisherigen Literatur üblichen Situations- oder Faktenschilderung des Untergangs des byzantinischen Reiches wird in diesem Beitrag versucht, über ein halbes Jahrtausend hin zwischen exogenen und endogenen Faktoren, und hierbei wiederum zwischen positiven und negativen, zu unterscheiden. Insgesamt gesehen liegen die Anfänge des Verfalls bereits im 10. Jahrhundert, noch kurz vor dem politischen Höhepunkt zu Beginn des 11. Jahrhunderts. Entgegen der allgemeinen Meinung hat die Eroberung Konstantinopels 1204 den Zerfallsprozeß gestoppt und eine fünfzigjährige Ruhepause verursacht, die aber letztlich das nach 1261 wiedererstandene Reich aus Gründen, die differenziert dargelegt werde, nicht nutzen konnte, zumal auch ein in weiten Teilen der Bevölkerung verbreiteter Fatalitätsglaube keinen bedeutsamen Widerstand gegen die Osmanen aufkommen ließ
M. Schulze-Wessel: Systembegriff und Europapolitik der russischen Diplomatie im 18. Jahrhundert
Rußlands militärischer Aufstieg zur osteuropäischen Hegemonialmacht und seine Einbindung in das europäische Staatensystem verliefen nicht synchron. Anhand einer Untersuchung der Europapolitik und des Staatensystem-Begriffs der russischen Diplomatie soll exemplarisch gezeigt werden, wie sich die Perspektive eines System-outsiders im Prozeß der Integration veränderte. Umgekehrt ist zu fragen, wie der Systembegriff der russischen Diplomatie zu einer Grundlage ihres konzeptionellen Handelns wurde. Während die europapolitische Erfahrung P eters I. trotz des Sieges über Schweden und der erfolgreichen Kontrolle Polens im Bündnis mit Preußen von der Zurückweisung durch die erstklassigen Mächte des europäischen Staatensystems geprägt blieb, verstanden seine Nachfolger in der Leitung der russischen Außenpolitik, Ivan Osterman und Aleksej Bestuzev, die Wirkungsweise des Staatensystems für die eigene Interessensicherung zu nutzen. Im Siebenjährigen Krieg wurde die Wahrung des bestehenden Systems zu einem handlungsleitenden Motiv der russischen Diplomatie. Erst die Expansionspolitik Katharinas gegenüber Polen und dem Osmanischen Reich brach mit der Systemverträglichkeit ihrer Vorgänger.

Rubrik: Neue historische Literatur

Ch. Hoffmann: Einwanderung, Ethnizität, "Rassismus". Konzepte der Migrations- und Minderheitengeschichte am Beispiel Großbritanniens

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