Blätter für deutsche und internationale Politik 62 (2017), 5

Titel der Ausgabe 
Blätter für deutsche und internationale Politik 62 (2017), 5
Weiterer Titel 

Erschienen
Berlin 2017: Blätter Verlag
Erscheint 
monatlich
Anzahl Seiten
128 S.
Preis
Jahresabo 84,60 Euro, ermäßigt 67,20 Euro, Auslandszuschläge auf Anfrage, Einzelheft 10 Euro.

 

Kontakt

Institution
Blätter für deutsche und internationale Politik
Land
Deutschland
Ort
Berlin
c/o
Blätter-Redaktion Berlin: Anne Britt Arps, Albrecht von Lucke, Annett Mängel, Steffen Vogel Online-Redaktion: Tessa Penzel Torstraße 178 10115 Berlin Tel. 030/3088 3640 Fax 030/3088 3645
Von
Arps, Anne Britt

Liebe Leserinnen und Leser,

in der druckfrischen Mai-Ausgabe der „Blätter für deutsche und internationale Politik“ warnt der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel vor der Wiederkehr des Ost-West-Gegensatzes. Die Globalisierungstheoretiker Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf zeigen, wie das Mantra unendlichen Wachstums mit den begrenzten Kapazitäten unseres Planeten kollidiert. Die Journalistin Charlotte Wiedemann wirft einen genauen Blick auf Iran – jenseits westlicher Klischeevorstellungen. Und der Pädagoge Markus Rieger-Ladich beleuchtet die gesellschaftliche Relevanz von Netflix & Co.

Weitere Themen im Mai: Das Ende der türkischen Demokratie, Syrien: Das Ende des Patts?, Rot-Rot-Grün: Jetzt erst recht!, Die verdrängte Lehre der Reformation, Unsere imperiale Lebensweise, Feminismus nach Trump, Die Ausbeutung der Care-Arbeit u.v.m.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre „Blätter“-Redaktion

http://www.blaetter.de/aktuelle-ausgabe

Inhaltsverzeichnis

Kurzgefasst

Christoph Fleischmann: Gottes Güter für alle. Die verdrängte Lehre der Reformation, S. 41–49
Zur 500. Wiederkehr der Reformation werden die Jubilare nicht müde, den emanzipatorischen Gehalt der lutherischen Gnadenlehre zu betonen. Eines fällt dabei jedoch zumeist unter den Tisch, so der Theologe Christoph Fleischmann: ihr revolutionärer ökonomischer Gehalt. Oft dominiere die pessimistische Anthropologie Martin Luthers, die in einer Linie mit dem Glauben an den gemeinwohlfördernden Eigennutz bei Adam Smith steht.

Ulrich Menzel: Das Ost-West-Konstrukt. Wie alte Grenzen neu gezogen werden, S. 51–62
Gut 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gewinnen die alten Ost-West- und Nord-Süd-Gegensätze wieder an Gewicht. Diese Grenzziehungen dienen der Definition des Eigenen und des Fremden sowie der Bildung geopolitischer Identitäten, schreibt der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel. Sie sind somit immer Konstrukte, ihr Verlauf und ihre Reichweite entsprechen den Interessen des jeweiligen Auftraggebers.

Birgit Mahnkopf und Elmar Altvater: Der begrenzte Planet und die Globalisierung des einen Prozent, S. 63–74
Nicht erst seit seiner Wahl postuliert Donald Trump eine protektionistisch-restriktive Grenzpolitik. Gleichzeitig wirkt das neoliberale Mantra uneingeschränkter Marktfreiheit ungebrochen fort. Das postulierte unbegrenzte Wachstum trifft jedoch auf die begrenzte Kapazität eines gebeutelten Planeten, so die Politikwissenschaftler Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf. Was am Ende bleibt, ist die wachsende Wut der Vielen, die den Wohlstand der Wenigen tragen.

Markus Wissen und Ulrich Brand: Unsere schöne imperiale Lebensweise. Wie das westliche Konsummodell den Planeten ruiniert, S. 75–82
Steigende Temperaturen und zunehmende Ressourcenkonflikte veranlassen immer mehr Menschen, sich auf den Weg nach Europa zu machen. Dort stoßen sie vielerorts auf eine Politik der Abschottung und Zurückweisung. Dabei ist es vor allem die imperiale Lebensweise des globalen Nordens, so die Politikwissenschaftler Markus Wissen und Ulrich Brand, die sich verschärfend auf den Klimawandel auswirkt, Ökosysteme vernichtet sowie zu sozialer Polarisierung und Verarmung führt.

Ingrid Kurz-Scherf: Marx contra Trump? Versuch einer feministischen Orientierung in gespenstischen Zeiten, S. 83–90
Mit dem Erfolg rechtspopulistischer Parteien erlebt auch die Arbeiterklasse ein Revival. Wenn aber die neue Rechte immer erfolgreicher um den Arbeiter wirbt, muss eine zukunftsfähige neue Linke dann wieder vom Kultur- zum Klassenkampf finden? Nein, antwortet die Politikwissenschaftlerin Ingrid Kurz-Scherf. Denn die soziale Frage dürfe keineswegs unabhängig von feministischer, anti-rassistischer und ökologischer Gesellschaftskritik gedacht werden.

Nancy Fraser: Who cares? Teil II. Die Ausbeutung der Sorgearbeit im neoliberalen Kapitalismus, S. 91–100
Das Alleinverdienermodell der Nachkriegszeit stützte sich auf den männlichen Ernährer und rassistische Hierarchien. Dagegen erscheint das neoliberale Modell des Doppelverdienerhaushalts zuweilen als progressiv, so die Sozialwissenschaftlerin Nancy Fraser. Dies beruht jedoch auf einem fundamentalen Irrtum, denn das heute herrschende Modell der Sorgearbeit untergräbt jeden emanzipatorischen Ansatz.

Charlotte Wiedemann: Iranische Paradoxien. Streifzüge durch ein uneindeutiges Land, S. 101–110
Wenn Mitte Mai im Iran gewählt wird, werden dem amtierenden Staatspräsidenten Hassan Rohani gute Chancen auf eine Wiederwahl eingeräumt. Gleichzeitig nehmen die Spannungen insbesondere gegenüber den USA merklich zu. Darüber gerät jedoch die iranische Gesellschaft aus dem Blick, so die Journalistin Charlotte Wiedemann. Dabei ist das Land weit vielschichtiger als der Westen wahrnimmt. Faktisch habe sich Iran längst zu einem theokratisch-demokratischen Hybridsystem eigener Art entwickelt, in dem subversiver Regelbruch alltägliche Praxis ist.

Markus Rieger-Ladich: Tagträume der Gesellschaft. Piper Chapman, Tony Soprano und Walter White als Zeitdiagnostiker, S. 111–120
Autorenserien wie „Orange is the New Black“ oder „Breaking Bad“ erfreuen sich derzeit größter Beliebtheit. Anders als im traditionellen Spielfilm begegnet der Zuschauer hier einem komplexen Tableau ambivalenter Figurentypen. Für den Erziehungswissenschaftler Markus Rieger-Ladich ist das neue Format jedoch weit mehr, nämlich Medium der Aufklärung. Die Ohnmacht der Akteure wie die Kontingenz der sozialen Verhältnisse entpuppen sich als Spiegel der Gesellschaft.

Inhaltsverzeichnis

KOMMENTARE UND BERICHTE

Syrien und das Ende des Patts?
von Michael Brzoska
S. 5

Türkei oder: Das Ende der Demokratie
von Ismail Küpeli
S. 8

Brexit: Keltische Revolten
von Matthias Eickhoff
S. 11

Rot-Rot-Grün? Jetzt erst recht!
von Benjamin-Immanuel Hoff
S. 15

Freihandelsabkommen: Kommunen unter Druck
von Utz Ingo Küpper
S. 19

Für ein schnelles Aus: Der Kampf gegen die Kohle
von Laura Wollny und Inken Behrmann
S. 23

Klima und G20: Einer gegen alle, alle gegen einen?
von Susanne Götze
S. 27

Südkorea: Hoffnungsträger Moon Jae-in?
von Fabian Kretschmer
S.31

DEBATTE

Das Proletariat: Vom revolutionären Popanz zum reaktionären Pöbel?
von Ulrich Weigel
S. 35

ANALYSEN UND ALTERNATIVEN

Gottes Güter für alle. Die verdrängte Lehre der Reformation
von Christoph Fleischmann
S. 41

Das Ost-West-Konstrukt. Wie alte Grenzen neu gezogen werden
von Ulrich Menzel
S. 51

Der begrenzte Planet und die Globalisierung des einen Prozent
von Birgit Mahnkopf und Elmar Altvater
S. 63

Unsere schöne imperiale Lebensweise. Wie das westliche Konsummodell den Planeten ruiniert
von Markus Wissen und Ulrich Brand
S. 75

Marx contra Trump? Versuch einer feministischen Orientierung in gespenstischen Zeiten
von Ingrid Kurz-Scherf
S. 83

Who cares? Teil II. Die Ausbeutung der Sorgearbeit im neoliberalen Kapitalismus
von Nancy Fraser
S. 91

Iranische Paradoxien. Streifzüge durch ein uneindeutiges Land
von Charlotte Wiedemann
S. 101

Tagträume der Gesellschaft. Piper Chapman, Tony Soprano und Walter White als Zeitdiagnostiker
von Markus Rieger-Ladich
S. 111

AUFGESPIEßT

Auf die Rechte ist Verlass
von Albrecht von Lucke
S. 50

*BUCH DES MONATS+

Keine oder alle
von Achim Engelberg
S. 121

EXTRAS

Kurzgefasst, S. 39

Dokumente, S. 124

Chronik des Monats März 2017, S. 125

Zurückgeblättert, S. 128

Impressum und Autoren, S. 128

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