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Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 28 (2019), 5

Titel der Ausgabe 
Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 28 (2019), 5
Weiterer Titel 
Lug und Trug

Herausgeber
Hamburger Institut für Sozialforschung; Redaktion: Martin Bauer (geschäftsführend und v. i. S. d. P.), Stephanie Kappacher, Wibke Liebhart, Karsten Malowitz, Hannah Schmidt-Ott, Philipp Tolios (Volontär); Marketing und Vertrieb: Anja Irmschläger
Erschienen
Erscheint 
zweimonatlich
ISBN
978-3-86854-753-5
Anzahl Seiten
120 S.
Preis
12,00

 

Kontakt

Institution
Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung
Land
Deutschland
c/o
Redaktion Zeitschrift »Mittelweg 36« des Hamburger Instituts für Sozialforschung Mittelweg 36 20148 Hamburg Tel.: 040/414 097 84 Fax.: 040/414 097 11 E-Mail: <zeitschrift@mittelweg36.de>
Von
Anja Irmschläger

Klagen über die Unehrlichkeit und Schlechtigkeit der Welt sind so alt wie die menschliche Gattung. Kein Wunder, verfügen wir vernunftbegabten Tiere mit der Sprache doch nicht nur über ein Mittel zur Verständigung, sondern auch zur Täuschung. Aber sind die Klagen, die in Zeiten von Fake-News und Verschwörungstheorien derzeit wieder besonders laut und zahlreich erhoben werden, denn berechtigt? Oder hat es vielleicht seinen tieferen Grund und sagt es etwas über uns als soziale Wesen, dass wir in besonderer Weise für Lüge und Verstellung begabt sind? Glaubt man einem hellsichtigen Beobachter des gesellschaftlichen Treibens wie dem französischen Moralisten François de La Rochefoucauld, würden wir Menschen nicht lange in Gemeinschaft leben, wenn nicht einer vom anderen betrogen würde. Kommen wir am Ende also ohne »Lug und Trug« nicht aus und erfüllen Täuschungen in unserem Alltag eine zutiefst soziale Funktion? Oder belügen wir uns selbst, wenn wir denken, dass wir nicht immer nur die Wahrheit sagen können?

Zum Auftakt gibt Christian Thiel in »Faking!« einen Überblick über das ebenso weite wie heterogene Forschungsfeld zu den Themen Lüge und Täuschung und stellt Einstiegs- und Anknüpfungspunkte für eine an soziologischen Fragestellungen interessierte Auseinandersetzung mit der Welt des schönen Scheins vor. »Die Unvermeidlichkeit der Lüge« ist das Thema von Karl Lenz, der unter Rekurs auf Erving Goffmans Konzept »ritueller Ordnung« zeigt, welche konstitutive Bedeutung Täuschungen für das soziale Miteinander und die wechselseitige Selbstdarstellung im Alltag haben. Anschließend präsentiert Martin Endreß eine »Kleine Phänomenologie des Täuschens«, in der er aus mikrosoziologischer Perspektive nach den Gelingensbedingungen von Lügen und Täuschungen fragt und dabei insbesondere die zentrale Kategorie des Vertrauens in den Blick nimmt. Sodann führt uns Anett Kollmann in die schillernde Welt der Hochstapler ein, in der es nicht nur höchst unterhaltsam zugeht, sondern in der sich auch viel über die Normen, Hierarchien und Privilegien der Gesellschaften lernen lässt, in denen »Die Alleskönner« ihr Unwesen treiben. Im letzten Beitrag des Schwerpunkts nehmen Bettina Paul, Larissa Fischer und Torsten H. Voigt den Einsatz von Polygrafen im Justizwesen unter die Lupe und erläutern, warum der Versuch, mit Hilfe des landläufig als »Lügendetektor« bekannten Geräts die »Wahrheit detektieren« zu wollen, ebenfalls nicht ohne ein bestimmtes Maß an Täuschung auskommt.

Schließlich erinnert Wolfgang Kraushaar in der »Protest-Chronik« an den »March on the Pentagon«, bei dem im Oktober 1967 Tausende Friedensaktivisten das US-amerikanische Verteidigungsministerium blockierten, um ein Ende des Kriegs in Vietnam zu erzwingen.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Christian Thiel
Faking! Vorbemerkungen zu einer Soziologie der Täuschung (S. 4)

Karl Lenz
Die Unvermeidlichkeit der Lüge. Zur Mikrosoziologie eines besonderen Sprachspiels (S. 21)

Martin Endreß
Kleine Phänomenologie des Täuschens. Über Vertrauen und seinen Missbrauch (S. 44)

Anett Kollmann
Die Alleskönner. Hochstapelei als Delikt und Metapher (S. 61)

Bettina Paul / Larissa Fischer / Torsten H. Voigt
Wahrheit detektieren. Polygrafische Praxis zwischen Technikskepsis und Maschinenglauben im Kontext der Justiz (S. 84)

Wolfgang Kraushaar
Aus der Protest-Chronik: 21. Oktober 1967, Washington (S. 110)

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