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Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 30 (2021), 5-6

Titel der Ausgabe 
Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 30 (2021), 5-6
Weiterer Titel 
»Verbrechen der Wehrmacht«. Anmerkungen zu einer Ausstellung

Herausgeber
Hamburger Institut für Sozialforschung,Redaktion: Martin Bauer, Dr. Jens Bisky (geschäftsführend und v. i. S. d. P.), Jakob Borchers, Stephanie Kappacher, Wibke Liebhart, Karsten Malowitz, Hannah Schmidt-Ott, Dr. Samir Sellami, Marketing und Vertrieb: Anja Irmschläger
Erschienen
Erscheint 
zweimonatlich
ISBN
978-3-86854-763-4
Anzahl Seiten
178
Preis
Einzelausgabe € 22.00, Jahresabonnement € 56.00

 

Kontakt

Institution
Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung
Land
Deutschland
c/o
Redaktion Zeitschrift »Mittelweg 36« des Hamburger Instituts für Sozialforschung Mittelweg 36 20148 Hamburg Tel.: 040/414 097 84 Fax.: 040/414 097 11 E-Mail: <zeitschrift@mittelweg36.de>
Von
Anja Irmschläger, Redaktion Zeitschift Mittelweg 36, Hamburger Edition HIS Verlagsges.mbH

Historische Ausstellungen zeigen Geschichte. Was aber, wenn sie selbst Geschichte werden?

Zwei Ausstellungen, die zu historischen Ereignissen wurden, waren die Wehrmachtsausstellungen des Hamburger Instituts für Sozialforschung, die von 1995 bis 2004 sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Fachwelt auf breites Interesse stießen und kontrovers diskutiert wurden. Sie markierten Zäsuren in der Vergangenheitspolitik wie auch in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik und initiierten vielfältige Lernprozesse im Umgang mit dem Erbe des Nationalsozialismus – und das nicht nur auf Seiten des Publikums. Am 27. November 2021 jährt sich die Eröffnung der zweiten Wehrmachtsausstellung zum zwanzigsten Mal – Anlass für »Anmerkungen zu einer Ausstellung«, die zusammen mit unserem Wissen um die Geschichte auch unseren Blick auf sie verändert hat.

Als die grundlegend überarbeitete Ausstellung in den Berliner Kunst-Werken ihre Tore für das Publikum öffnete, war Jens Bisky vor Ort. »Zwanzig Jahre danach« situiert er die Ausstellung in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext und setzt sie in Beziehung zur Vorgängerausstellung. Anschließend erläutert Ulrike Jureit, die Sprecherin des zweiten Ausstellungsteams, im Gespräch die wissenschaftlichen und didaktischen Herausforderungen der neukonzipierten Ausstellung und widerspricht dem Vorwurf, die Kritik an der Wehrmacht entschärft zu haben: »Das Bild fiel noch düsterer aus.“ Für das, »Was aus dem Rahmen fällt« und sich der einfachen Vermittlung entzieht, interessiert sich Peter Geimer, der anhand des unterschiedlichen Umgangs der beiden Ausstellungen mit dem umfangreichen Bildmaterial über »Fotografische Zeugenschaft und das Wissen der Schrift« nachdenkt. Um geschichtsdidaktische und rezeptionsästhetische Konsequenzen der zweiten Wehrmachtsausstellung geht es in dem Beitrag von Deborah Hartmann, Matthias Haß und Eike Stegen, die fragen, wie sich »Zeitgeschichte ausstellen« lässt und mit welchen Mitteln historische Großereignisse ebenso wie private Einzelschicksale für ein Publikum erfahrbar werden. Das starke Interesse rechtsextremer Akteure an der Ausstellung nimmt Janosch Steuwer in den Blick. In »Die trügerische Chance der Rechten« beschreibt er, wie Nationalisten und Rechtsradikale mit Demonstrationen gegen die Wehrmachtsausstellungen zwar Mobilisierungserfolge verbuchen konnten, aber letztlich gesellschaftlich isolierter zurückblieben. Die linken »Proteste gegen die Neonaziaufmärsche während der Wehrmachtsausstellung, 2001 bis 2004«, thematisiert Julia Hörath in »Opa halt’s Maul«. Leisere Töne schlägt Katrin Stoll an, die zeigt, was wir »Von Szymon Datner lernen« können, einem Shoah-Überlebenden und Historiker, der »Zur Dokumentation der Verbrechen der Wehrmacht in Polen aus jüdischer Sicht« gearbeitet hat. In einem Gespräch deutet Ulrich Herbert die Debatten um die beiden Wehrmachtsausstellungen als »Eine Art vergangenheitspolitischer Endkampf«, in dem vor dem Hintergrund der wenige Jahre zuvor vollzogenen Wiedervereinigung zusammen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auch das gegenwärtige Selbstverständnis Deutschlands verhandelt wurde. Komplettiert wird der Rückblick durch Auszüge aus den Reden der 1997 aus Anlass der ersten Wehrmachtsausstellung geführten Bundestagsdebatte sowie durch ausgewählte Einträge aus den Gästebüchern der zweiten.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Jens Bisky
Zwanzig Jahre danach (S. 3)

»Das Bild fiel noch düsterer aus.«
Ein Gespräch mit Ulrike Jureit (S. 17)

Peter Geimer
Was aus dem Rahmen fällt. Fotografische Zeugenschaft und das Wissen der Schrift (S. 32)

Deborah Hartmann / Matthias Haß / Eike Stegen
Zeitgeschichte ausstellen (S. 58)

Janosch Steuwer
Die trügerische Chance der Rechten (S. 71)

Julia Hörath
»Opa halt's Maul!« Proteste gegen die Neonaziaufmärsche während der Wehrmachtsausstellung, 2001 bis 2004 (S. 106)

Katrin Stoll
Von Szymon Datner lernen. Zur Dokumentation der Verbrechen der Wehrmacht in Polen aus jüdischer Sicht (S. 126)

»Eine Art vergangenheitspolitischer Endkampf«.
Ein Gespräch mit Ulrich Herbert (S. 157)

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