Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 57 (2006), 10

Titel der Ausgabe 
Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 57 (2006), 10
Weiterer Titel 
Das Ende des Alten Reiches

Erschienen
Erscheint 
monatlich

 

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Institution
Geschichte in Wissenschaft und Unterricht
Land
Deutschland
c/o
Prof. Dr. Michael Sauer Universität Göttingen Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte Didaktik der Geschichte Waldweg 26 37073 Göttingen Tel. 0551/39-13388 Fax 0551/39-13385
Von
Sauer, Michael

Inhaltsverzeichnis

ABSTRACTS, 562

EDITORIAL, 563

BEITRÄGE

Wolfgang Burgdorf
Der „sang- und klanglose“ Untergang des Alten
Reiches im August 1806, 564

Eric-Oliver Mader
Das Vahlkampf’sche Schweigen
Die Auflösung des Alten Reiches als Überforderung des Geistes, 574

Wolfram Siemann
„Der deutsche Bund ist nur die Continuität des Reichs ...“
Über das Weiterleben des Alten Reiches nach seiner Totsagung im Jahre 1806, 585

BERICHTE UND KOMMENTARE
Jutta Götzmann/Ansgar Reiß
„Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation 962-1806 – Altes Reich und neue Staaten 1495-1806“
Das Alte Reich in der Frühen Neuzeit in einer Sonderaustellung des Deutschen Historischen Museums Berlin – Konzepte und Deutungen, 594

INFORMATIONEN NEUE MEDIEN
Gudrun Gersmann
Nicht nur Wikipedia
Historische Enzyklopädien und Nachschlagewerke online, 602

LITERATURBERICHT
Vadim Oswalt
Elektronische Speichermedien, Teil I, 604

NACHRICHTEN, 620

AUS DEM VERBAND DER GESCHICHTSLEHRER
Ralph Erbar
Ein Geschichtsbuch für zwei Länder?
Kritische Anmerkungen zum neuen deutsch-französischen Geschichtsbuch, 623

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Abstracts Heft 10/2006

Wolfgang Burgdorf
Der „sang- und klanglose“ Untergang des Alten Reiches im August 1806
GWU 57, 2006, H. 10, S. 563–573

Anders als bislang behauptet, ist das Alte Reich 1806 keineswegs „sang- und klanglos“ untergegangen, sondern mit einem vernehmlichen Getöse, begleitet von den Klagen der Zeitgenossen in allen Teilen Deutschlands. Restriktionen der Kommunikation, wie die Unterbrechung des Postverkehrs, die in einigen Teilen Deutschlands bis zu einem Jahr dauerte, die Exekution des Buchhändlers Palm, die extreme Verschärfung der Zensur und insbesondere die Schrecken des neuen, fast unmittelbar folgenden Krieges erstickten diese Klagen jedoch sehr schnell. Zudem waren die Ereignisse wegen der Beteiligung noch regierender deutscher Fürsten in den unmittelbar folgenden Jahrzehnten tabuisiert. So entstand das bis heute nachwirkende Klischee vom „sang- und klanglosen“ Untergang des Reiches.

Eric-Oliver Mader
Das Vahlkampf‘sche Schweigen
Die Auflösung des Alten Reiches als Überforderung des Geistes
GWU 57, 2006, H. 10, S. 574–584

Der mit der Abdankung von Kaiser Franz II. besiegelte Zusammenbruch des Alten Reiches wird von einem Großteil der Historiografie als nur papierener Akt betrachtet, der „sang- und klanglos“ vor sich gegangen und von desinteressierten Zeitgenossen stillschweigend übergangen worden sei. Joseph Anton von Vahlkampf, der zum Kanzleipersonal des Reichskammergerichts gehörte, stellte demgegenüber im Herbst 1806 ein Verstummen der vom Geschehen zutiefst verunsicherten deutschen Öffentlichkeit fest, für das er psychologische Ursachen geltend machte. Wie eine Kontextualisierung dieser Interpretation zeigt, charakterisierte Vahlkampf damit die Stimmung der Zeitgenossen am Reichstag, an der Reichskanzlei, am Reichskammergericht und unter den deutschen Fürsten, wo die Reaktionen fast ausnahmslos von Erschütterung, Fassungslosigkeit und Trauer geprägt waren. Vor diesem Hintergrund plädiert dieser Aufsatz dafür, der Auflösung des Reiches eine andere Relevanz als bisher zuzumessen und die begonnene wahrnehmungsgeschichtliche Neuperspektivierung dieser Zäsur und ihrer Auswirkungen zu intensivieren.

Wolfram Siemann
„Der deutsche Bund ist nur die Continuität des Reichs …“
Über das Weiterleben des Alten Reichs nach seiner Totsagung im Jahr 1806
GWU 57, 2006, H. 10, S. 585–593

Der Beitrag verfolgt die Tradition des 1806 endenden Alten Reiches bis zur Wende 1866/71 und analysiert ein wenig beachtetes historisches ,Deutschland‘-Verständnis, das Österreich einschloss. Zugleich wird der unbeugsame Anspruch der Habsburgermonarchie herausgestellt, Politik in ,Deutschland‘ zu betreiben, ohne den Gesamtbestand der Monarchie preisgeben zu wollen. Diese Politik wird nicht als jüngst entdeckte Dimension eines ,multikulturellen‘ Vielvölkerstaates beschrieben, sondern als Willen einer dynastisch-aristokratischen und bürgerlichen deutschen Elite, ihre Politik als ,deutsch‘ zu deklarieren und den übrigen Nationalitäten – zumindest bis zum ,Ausgleich‘ 1867 – zu oktroyieren.

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