Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 64 (2013), 11–12

Titel der Ausgabe 
Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 64 (2013), 11–12
Weiterer Titel 
Handlungsorientierte Lehr- und Lernarrangements

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monatlich

 

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Institution
Geschichte in Wissenschaft und Unterricht
Land
Deutschland
c/o
Prof. Dr. Michael Sauer Universität Göttingen Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte Didaktik der Geschichte Waldweg 26 37073 Göttingen Tel. 0551/39-13388 Fax 0551/39-13385
Von
Sauer, Michael

Editorial von Michael Sauer

Handlungsorientierte Lernarrangements sollen die Interessen von Schülerinnen und Schülern berücksichtigen, Lernen als aktiven Forschungsprozess gestalten, praktische Tätigkeiten mit möglichst vielen Sinnen einbeziehen und Lernergebnisse in Produkten konkretisieren. Erhofft werden intensivere und nachhaltigere Lerneffekte. Eine reizvolle, aber auch voraussetzungsreiche Form handlungsorientierten Arbeitens stellte das Projekt dar. Nicht ganz so aufwändig, aber durchaus nicht unumstritten ist das Spiel. Sein Einsatz im Geschichtsunterricht soll zunächst einmal einen Motivationseffekt bewirken. Freilich soll dabei auch historisch gelernt werden, und zwar ebenso gut oder besser als auf andere Weise. Nur wenn beides – Motivation und historisches Lernen – zusammenkommt, lässt sich der Einsatz von Spielen im Unterricht, der ja mit zeitlichem und organisatorischem Aufwand verbunden ist, rechtfertigen.

Den Auftakt des vorliegenden Heftes bilden zwei Berichte über den Einsatz von Lernspielen im Unterricht. Jasmin Busch beschreibt die Erprobung von vier auf dem Markt befindlichen Spielen. Die Lerneffekte, die sie feststellt, unterscheiden sich erheblich. Sie macht dies an bestimmten Konstruktionsmechanismen fest, die allgemein als Qualitätskriterien für solche Spiele betrachtet werden können. Über die Möglichkeit, ein Spiel im Format von „Wer wird Millionär“ als Lernerfolgskontrolle zu nutzen, berichtet auf unterhaltsame Weise Ralph Gehrke. Geschichtsdidaktisches Neuland betritt Sascha Siedler mit dem handlungsorientierten Lernarrangements des Geocoachings, dessen Potentiale für den Geschichtsunterricht er erstmals auslotet. Über ein ambitioniertes Projekt im Kontext der universitären Lehre berichtet Alexander Kraus. Seine Studierenden haben Interviews mit Lehrenden aus unterschiedlichen Bereichen der Disziplin vorbereitet, durchgeführt und dokumentiert und auf diese Weise nicht nur äußerst informative Innenansichten des Faches erhalten, sondern auch Kompetenzen für außeruniversitäre Arbeitskontexte erworben.

Einen zweiten, nicht eigens ausgewiesenen Schwerpunkt des Heftes stellt das Thema "Bilder" dar, mit dem sich drei Beiträge befassen. Friedrich Müller rekonstruiert akribisch, wie eine Bildquelle zur Geschichte der griechischen Antike von den siebziger Jahren bis in die Gegenwart in deutschen Schulbüchern präsentiert und kommentiert worden ist. Das Lehrstück zeigt, dass beim Umgang mit Bildquellen in diesen Büchern auch heute noch vielen im Argen liegt; deutlich wird zugleich der Rechercheaufwand, der mit einer adäquaten Präsentation von Bildquellen verbunden sein kann. Dieser Aufsatz wird flankiert durch eine weitere Schulbuchanalyse, in der sich Roland Bernhard mit dem in deutschen Schulbüchern noch immer verbreiteten Mythos befasst, im Mittelalter sei die Vorstellung von der Erde als Scheibe üblich gewesen und Kolumbus habe mit der Kugelgestalt der Erde eine revolutionär neue Auffassung vertreten. Der in der Disziplin bislang noch wenig reflektierte Umbruch von der analogen zur digitalen Fotografie ist im zweiten Bild-Beitrag das Thema von Christoph Hamann; er akzentuiert besonders die dringende Frage, mit welchen Standards eine adäquate Archivierung digitaler Fotografie gesichert werden kann. In der Rubrik "Diskussion" reflektiert – im kritischen Bezug auf Hans-Jürgen Pandel – Markus Bernhardt die Probleme einer geschichtsdidaktischen Bildinterpretation. Er warnt davor, die Auslegung von Bildern zu sehr von der Sprache her zu denken und sie gewissermaßen auf eine bloße Übersetzung zu reduzieren. Vielmehr gelte es, spezifische Bildwirkungspotentiale und Bildaneignungsprozesse genauer in den Blick zu nehmen. Im Geschichtsunterricht seien dafür wiederum handlungsorientierte Verfahren ein probates Mittel.

Inhaltsverzeichnis

INHALT DER GWU 11–12/2013

ABSTRACTS (S. 642)

EDITORIAL (S. 644)

BEITRÄGE

Jasmin Busch
Spielend lernen mit Erfolg? Lernspiele im Geschichtsunterricht (S. 645)

Ralph Gehrke
Wer wird (schon) Millionär – mit Geschichte? Ein kommentierter Erfahrungsbericht zur Anwendung eines populären Unterhaltungsformats im Geschichtsunterricht der Sekundarstufe II (S. 658)

Sascha Siedler
Geocoaching als Lehr- und Lernarrangement im Geschichtsunterricht. Didaktische und methodische Potentiale des Geocoachings (S. 668)

Alexander Kraus
Zum Nutzen praxisbezogener Lehrformate. Ein Interviewprojekt am Historischen Seminar der WWU Münster (S. 676)

Roland Bernhard
Der Eingang des „Mythos der flachen Erde“ in deutsche und österreichische Geschichtsschulbücher im 20. Jahrhundert (S. 687)

Friedrich B. Müller
Zur Publikationsgeschichte eines Schulgeschichtsbuchbildes (S. 702)

Christoph Hamann
Vom Index zum Ikon. Digitale Fotografie und Bildquellenkritik (S. 723)

DISKUSSION

Markus Bernhardt
Bild und Sprache. Zum Verhältnis von Anschauung und Denken in der geschichtsdidaktischen Bildinterpretation. Zugleich eine Antwort auf Hans-Jürgen Pandel (S. 732)

INFORMATIONEN NEUE MEDIEN

Gregor Horstkemper
Auch Clio bloggt (S. 747)

LITERATURBERICHT

Literaturbericht

Raimund Schulz/Uwe Walter
Altertum, Teil V (S. 750)

NACHRICHTEN (S. 761)

AUTORINNEN UND AUTOREN (S. 764)

REGISTER DES JAHRGANGS 64, 2013 (S. 765)

ABSTRACTS DER GWU 11–12/2013

Jasmin Busch
Spielend lernen mit Erfolg? Lernspiele im Geschichtsunterricht
GWU 64, 2013, H. 11/12, S. 645 – 657

Die dem Beitrag zugrunde liegende Querschnittstudie geht von der Frage aus, ob es geregelte Lernspiele im Geschichtsunterricht leisten können, neues Wissen zu vermitteln. Differenziert nach zwei unterschiedlichen Wissensbereichen – reproduzierbaren Kenntnissen auf der einen, rekonstruierbaren Sinnzusammenhängen auf der anderen Seite – kann die Frage positiv beantwortet werden. Aufbauend auf diesen Ergebnissen werden im Anschluss verschiedene Merkmale von Lernspielen reflektiert, die einen erfolgreichen Einsatz im Geschichtsunterricht ermöglichen können.

Ralph Gehrke
Wer wird (schon) Millionär – mit Geschichte. Ein kommentierter Erfahrungsbericht zur Anwendung eines populären Unterhaltungsformats im Geschichtsunterricht der Sekundarstufe II
GWU 64, 2013, H. 11/12, S. 658 – 667

Der Beitrag dokumentiert und reflektiert eine Unterrichtssequenz aus einem Oberstufenkurs einer Integrierten Gesamtschule in Niedersachsen. Es geht um die Möglichkeiten der Anwendung und Umsetzung des Spielformats der populären Quizshow „Wer wird Millionär?“ im Fach Geschichte. Anhand zweier komplett ausgearbeiteter Spielverläufe zu den thematischen Schwerpunkten DDR und Frühe Neuzeit wird das Unterrichtsgeschehen beschrieben, erläutert und kommentiert. Zum Schluss wird in einem kritischen Ausblick dargestellt, wie sich das Konzept mittels einer ausgeweiteten Ausrichtung auf das eigenverantwortliche Lernen noch effektiver schülerorientiert operationalisieren lässt.

Sascha Siedler
Geocaching als Lehr- und Lernarrangement im Geschichtsunterricht.
Didaktische und methodische Potentiale des Geocachings
GWU 64, 2013, H. 11/12, S. 668 – 675

Der Beitrag liefert einen Überblick über die didaktischen und methodischen Potentiale des Geocachings im Geschichtsunterricht. Dabei wird aufgezeigt, wie das Geocaching als Lehr- und Lernarrangement fachspezifisches Lernen mit überfachlichen Kompetenzen verknüpft. Gleichzeitig erweitern die Lernenden im Umgang mit den GPS-Geräten bzw. Smartphones ihre Medienkompetenz. An dieser Stelle wird an die mediale Lebenswelt der Jugendlichen angeknüpft. Auf den praktischen Erfahrungen aus dem schulischen Kontext basierend, eignet sich das Geocaching für einen kompetenzorientierten Geschichtsunterricht.

Alexander Kraus
Zum Nutzen praxisbezogener Lehrformate. Ein Interviewprojekt am Historischen Seminar der WWU Münster
GWU 64, 2013, H. 11/12, S. 676 – 686

Erhebungen belegen, dass gerade Studierende der Geschichtswissenschaften ihrem Fach auch im Arbeitsleben verbunden bleiben, selbst wenn sie nicht in der Forschung oder im Schuldienst tätig werden. Die für die Arbeit in Museen, Gedenkstätten, Medien und Geschichtsagenturen notwendigen Qualifikationen werden im Rahmen des Fachstudiums jedoch in der Regel nicht erworben. Der Beitrag stellt daher zunächst ein praxisbezogenes Lehrformat vor, ehe in einem zweiten Schritt für eine stärkere Integration von Lehrformaten aus dem Feld der „angewandten Geschichte/public history“ in universitäre Lehrcurricula geworben wird.

Roland Bernhard
Der Eingang des „Mythos der flachen Erde“ in deutsche und österreichische Geschichtsschulbücher im 20. Jahrhundert
GWU 64, 2013, H. 11/12, S. 687 – 701

Der Mythos der Flachen Erde wird in den meisten deutschen und österreichischen Schulbüchern des 21. Jahrhunderts reproduziert. Völlig konträr zu den Schulbuchnarrationen war im Mittelalter aber nicht die flache, sondern die runde Erde das gängige Weltbild. Hier werden die häufigsten falschen Argumente, die Schulbücher in diesem Zusammenhang vorbringen, dargestellt und deren empirische Untriftigkeit aufgezeigt. Anhand einer Analyse von Schulbüchern aus vier Jahrhunderten wird gezeigt, dass sich die Erzählung über die flache Erde erst im 20. Jahrhundert in Schulbüchern durchsetzte.

Friedrich B. Müller
Zur Publikationshistorie eines Schulgeschichtsbuchbildes
GWU 64, 2013, H. 11/12, S. 702 – 722

Gibt die Art und Weise, wie Unterrichtswerke Quellenmaterialien präsentieren, Aufschluss über unsere Schulbuchkultur? – Der Verfasser zeigt am Beispiel einer Bildquelle, welches Schicksal dem betreffenden Material während der vergangenen vier Jahrzehnte in Lehrwerken verschiedener Verlagshäuser beschieden war. Die Stichprobe legt Verlegern und Schulbuchautoren nahe, stärker als bisher in die fachwissenschaftliche Recherche zu investieren. Nur so lässt sich die Gefahr bannen, dass – gewiss gutgemeinte – didaktische Intentionen das Verständnis von Quellen eher hemmen denn fördern.

Christoph Hamann
Vom Index zum Icon. Digitale Fotografie und Bildquellenkritik
GWU 64, 2013, H. 11/12, S. 723 – 731

Für die historiografische Zunft und Zukunft ist die digitale Praxis der heutigen Produktion von Bildquellen von hoher Relevanz. Sie muss die Frage nach dem historischen Referenten und dem Quellenwert digitaler Fotografie diskutieren. Nach einer Skizze der kontroversen Diskussionen um die digitale Fotografie wird ihr semiotischer Status mit Hilfe der Zeichentheorie von Charles Sanders Peirce (1839 – 1914) definiert. Schließlich werden die Möglichkeiten und Grenzen der quellenkritische Sicherung digitaler Fotografie durch Wissenschafts-, Distributions- und Publikationsstandards vorgestellt.

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Bestandsnachweise 0016-9056