Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 61 (2010), 2

Titel der Ausgabe 
Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 61 (2010), 2
Weiterer Titel 
Geschichte lehren an der Hochschule

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monatlich

 

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Institution
Geschichte in Wissenschaft und Unterricht
Land
Deutschland
c/o
Prof. Dr. Michael Sauer Universität Göttingen Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte Didaktik der Geschichte Waldweg 26 37073 Göttingen Tel. 0551/39-13388 Fax 0551/39-13385
Von
Sauer, Michael

Editorial von Michael Sauer

Mit dem vorliegenden Heft knüpfen wir an zwei ältere Ausgaben an. Bereits im Jahr 2002 ist ein GWU-Heft mit dem Titel „Geschichte lernen an der Hochschule“ erschienen (9/2002). Es ging darin um einen stärkeren Berufsfeldbezug der geschichtswissenschaftlichen Lehre (außerhalb des Lehramts) und die produktive Verknüpfung unterschiedlicher Unterrichtsformen, insbesondere Vorlesung und Tutorium. Das Themenheft „Projekte in Schule und Hochschule“ (4/2006) plädierte für einen vermehrten Einbezug dieser Arbeitsform in die akademische Lehre, wiederum vor allem unter dem Gesichtspunkt einer intensiveren Praxis- und Berufsfeldorientierung.

Mit der weiträumigen Einführung der BA-MA-Studiengänge hat sich der Trend zur Berufsfeldorientierung verstärkt und hat die Notwendigkeit einer funktionalen und reflektierten Gestaltung universitärer Geschichtslehre zugenommen. Dazu gehört die flexible Handhabung eines weiteren Spektrums von Veranstaltungsformen. Zwar haben mittlerweile zum Thema der akademischen Geschichtslehre zwei einschlägige Tagungen in Paderborn (2005) und Braunschweig (2006) stattgefunden (die erste dokumentiert in Rainer Pöppinghege (Hrsg.): Geschichte lehren an der Hochschule. Reformansätze, Methoden, Praxisbeispiele. Schwalbach/Ts. 2007). Auch inneruniversitäre Angebote zur Hochschuldidaktik werden häufiger; sie sind aber eher auf das Erlernen einzelner Methodenskills wie „Präsentationskompetenz“ und weniger auf die weiträumigere Planung von Vermittlungsprozessen ausgerichtet, schon gar nicht aus fachspezifischer Perspektive. Generell hat die Aufmerksamkeit für die akademische Lehre zugenommen durch die allmählich obligatorisch werdenden studentischen Evaluationen der Lehrveranstaltungen. Von einer wirklich breiten Diskussion kann freilich dennoch keine Rede sein.

Zwei Beiträge dieses Heftes sind wiederum Projektanregungen gewidmet. Beide gehen aus von konkreten Beispielen und machen von dort aus verallgemeinernd die Vorzüge und Anforderungen deutlich, die mit dieser Arbeitsform verbunden sind. Dabei bezieht sich der Beitrag von Beate Sturm und Karl-Heinz Schneider – am Beispiel eines Krankenkassen-Jubiläums – auf das Feld der „Public History“; der Aufsatz von Monika Fenn dagegen zielt – anhand eines kleinen inneruniversitären Ausstellungsvorhabens – auf den Kompetenzerwerb von angehenden Geschichtslehrkräften. Vor allem wenn es sich um reale Anwendungssituationen handelt und am Ende vorzeigbare Produkte entstehen, können derartige Veranstaltungen einen erheblichen Gewinn an Motivation, Selbstständigkeit und methodischer Kompetenz bewirken.

Im Zentrum des aktuellen Heftes steht ein international vergleichender Aufsatz von Gabriele Lingelbach. Er macht deutlich, wie unterschiedlich der Stellenwert der Lehre in den einzelnen Ländern ist und wie stark sie geprägt ist durch verschiedenartige traditionelle Vermittlungskulturen. Die deutsche Tradition der thematisch variierenden, forschungsnahen Lehrveranstaltung stellt im internationalen Vergleich eher die Ausnahme dar. Den Gegenpol dazu bildet die regelmäßige Wiederholung dezidiert ausgearbeiteter und didaktisch optimierter Lehrveranstaltungen, wie sie etwa in den USA gebräuchlicher ist. Angesichts der Herausforderungen der neuen Studiengänge bedarf es gewiss sorgfältiger Überlegung, welcher Typus von Lehrveranstaltung an welcher Stelle im Studiengang sinnvoller ist. Darüber hinaus geht es aber auch um die Frage methodischer Differenzierungen, die sich an unterschiedlichen Studienzielen festmachen lassen. So könnte es in der Lehrerausbildung, die ja auf die Planung und Reflexion fachspezifischer Vermittlungsprozesse abstellt, durchaus angebracht sein, unterschiedliche unterrichtsmethodische Formen der Vermittlung in Lehrveranstaltungen gezielt – z.B. in Form von Simulationen – zu erproben. Hier liegt noch viel Spielraum für hochschuldidaktische Kreativität. Eine intensivere Verständigung über universitäre Geschichtslehre auch in ihren Alltagsfragen wäre gewiss zu wünschen.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt der Ausgabe 2/10

ABSTRACTS (S. 82)
EDITORIAL (S. 83)

BEITRÄGE

Gabriele Lingelbach
Universitäre Geschichtslehre heute. Annäherungen an einen internationalen Vergleich (S. 84)

Beate Sturm/Karl Heinz Schneider
Chancen und Probleme projektorientierter Arbeit mit Studierenden. Konzeption und Umsetzung einer historischen Ausstellung (S. 102)

Monika Fenn
Zeitverschwendung oder Chance? Projekte nach konstruktivistischen Grundsätzen in der geschichtswissenschaftlichen Hochschullehre (S. 112)

Joachim Rohlfes
Historischer und politischer Unterricht – ein pragmatischer Blick (S. 123)

INFORMATIONEN NEUE MEDIEN

Gregor Horstkemper/Alessandra Sorbello Staub
Professorenkataloge, Vorlesungsverzeichnisse, Hochschulreden. Materialien zur Universitätsgeschichte im Internet (S. 130)

LITERATURBERICHT

Judith Michel/Joachim Scholtyseck
Kaiserreich (S. 132)

NACHRICHTEN (S. 149)

Abstracts der Ausgabe 2/10

Gabriele Lingelbach
Universitäre Geschichtslehre heute
Annäherungen an einen internationalen Vergleich
GWU 61, 2010, H. 2, S. 84-101

Der Beitrag analysiert international vergleichend die Art und Weise, wie an heutigen Universitäten Geschichte gelehrt und gelernt wird. Sehr große Unterschiede lassen sich hinsichtlich des Stellenwertes ausmachen, der der Lehre in den verschiedenen Ländern eingeräumt wird. Ebenso findet sich eine deutliche Varianz hinsichtlich der didaktischen Methoden, wobei ein Fächer aufgemacht werden kann zwischen eher akroamatischen, dozentenzentrierten Lehrformen und solchen, die stärker studentenzentriert sind und eher die eigenständige Reflexionsfähigkeit seitens der Studierenden fördern sollen. Zu erklären sind die Unterschiede unter anderem über die national sehr unterschiedlichen Prüfungssysteme, die auch dazu führen, dass Studierende sehr unterschiedlichen Studienplänen folgen und je spezifische Lernformen entwickeln.

Beate Sturm/Karl Heinz Schneider
Chancen und Probleme projektorientierter Arbeit mit Studierenden
Konzeption und Umsetzung einer historischen Ausstellung
GWU 61, 2010, H. 1, S. 102-111

Der vorliegende Text beschäftigt sich mit Chancen und Problemen der projektorientierten Arbeit mit Studierenden und ihrer besonderen Bedeutung während des Studiums sowie den Erfahrungen, die das Historische Seminar der Universität Hannover seit einigen Jahrzehnten mit diesem Modell macht. Im Fokus der Erläuterungen steht ein Projektseminar, in dem eine Ausstellung zum 100-jährigen Bestehen des BKK Landesverbandes Niedersachsen-Bremen konzipiert und umgesetzt wurde.

Monika Fenn
Zeitverschwendung oder Chance?
Projekte nach konstruktivistischen Grundsätzen in der geschichtswissenschaftlichen Hochschullehre
GWU 61, 2010, H. 2, S. 112-122

Der Frage nach alternativen Lehrformaten auf Hochschulebene wird momentan im Zuge der Debatten um die Studienreform und um die Verbesserung der universitären Ausbildungsqualität zunehmend Beachtung geschenkt. Einerseits wird eine stärkere Berufsfeldorientierung und andererseits wird die Generierung transferierbaren Wissens im Studium angemahnt. Der Aufsatz stellt ein spezielles Lehrformat vor, das nach den Kriterien des moderat konstruktivistischen Ansatzes der Lehr-Lernforschung gestaltet wurde. Damit soll ein Diskussionsbeitrag zur Qualitätssicherung der universitären Lehre geleistet werden.

Joachim Rohlfes
Historischer und politischer Unterricht – ein pragmatischer Blick
GWU 61, 2010, H. 2, S. 123-129

Das schon häufig diskutierte Verhältnis zwischen den Schulfächern Geschichte und Politik wird hier von einer unüblichen Warte aus betrachtet. Der Beitrag untersucht je drei Nachschlagewerke für diese Fächer an Hand von Stichproben auf deren spezifische Herangehensweisen. Vor dem Hintergrund vieler Gemeinsamkeuten wird deutlich, dass die Geschichtslexika sich mehr an das Konkrete und Individuelle halten, während die Politikwerke eher systematische und prinzipielle Aussagen bevorzugen.

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